energy 2050 - Die Energiekonferenz von VERBUND
Energieeffizienz

Große Energieeffizienz-Offensive mit Informationen und neuer Förderung

Energieeffizienz-Offensive Screenshot
Screenshot der Energieeffizienz-Offensive Kampagnen-Website
Energieeffizienz-Offensive Screenshot
Screenshot der Energieeffizienz-Offensive Kampagnen-Website

Gestern startete das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) eine große Energieeffizienz-Offensive zur Stärkung der Energieeffizienz. Unter dem Titel „Deutschland macht´s effizient“ wird für eine Steigerung der Energieeffizienz im Alltag, im Eigenheim, in Unternehmen und in Kommunen geworben. Zusätzlich werden neue Förderprogramme und -instrumente angekündigt. Ist doch schön, dass endlich mehr für Energieeffizienz getan wird, oder?

Energieeffizienz-Offensive bereitet mir Bauchschmerzen

Ich kann das Engagement nur begrüßen, habe jedoch dabei aus zwei Gründen Bauchschmerzen:

  1. War das nicht, das gleiche Ministerium, das noch vor drei Jahren für die Umsetzung der EU Energieeffizienz-Richtlinie die LKW-Maut, die Kfz-Steuer und die Umlage für Erneuerbare Energien als Energieeffizienz-Maßnahme anrechnen lassen wollte? Und ein Jahr zuvor drohte die gleiche Richtlinie noch an der Blockade Deutschlands zu scheitern. Ich bin eigentlich nicht nachtragend, aber mir fällt es dennoch schwer die aktuelle Begeisterung zu übernehmen.
  2. Es gibt kein Gesamtkonzept für die Energiewende, unter Einbeziehung von Erneuerbaren Energien und Energieeffizienz. Während erneuerbare Energien weiter ausgebremst werden, muss Energieeffizienz, in den Augen der Politik, die zur Zeit größere Last schultern. Dabei kann die Energiewende nicht auf einem Bein alleine stehen, sie braucht ein Engagement für Energieeffizienz und Erneuerbare Energien zusammen.

Informationsoffensive soll Bewusstseinswandel bei allen Verbrauchern einläuten

Ein wichtiger Baustein der neuen Kampagne des BMWi ist die Informationsoffensive mit dem Titel  „Deutschland macht’s effizient“. Sie soll ein Bewusstseinswandel bei allen Verbrauchergruppen unterstützen. Betont wird dabei, dass sich Energieeffizienz für jeden lohnt und nicht Verzicht bedeute, sondern mehr Komfort und modernste Technologien.

An der Kampagne kann sich jeder beteiligen, der in direktem Kontakt zu Verbrauchern, Unternehmen und Kommunen steht – die Länder, die Wirtschafts- und Kommunalverbände, die Handwerksverbände und die Gewerkschaften.

Nicht vernetzt mit anderen Portalen der Bundesregierung und komplizierte Menüführung der Website

Die neue Website der Kampagne „Deutschland macht´s effizient“ hat viele Informationen parat aus den Bereichen Alltag, Eigenheim, Unternehmen, Kommunen. Sie ist aber nicht verbunden mit anderen Informationsportalen, z.B. der nationalen Klimaschutzinitiative aus dem BMUB, die ebenfalls viele Informationen zur Energieeffizienz bereit hält.

Wer übrigens schreibfaul ist, muss nicht die lange Adresse eingeben. Man kann sich „Deutschland“ auch sparen in der Domain und nur machts-effizient.de eingeben, kommt auf das Gleiche raus und ist schneller.

Will sich einer an der Kampagne beteiligen möchte und die Dokumente für die eigene Website sucht, muss er ganz schön lange suchen. Im Menü „Mehr“ unter „Kampagne“ findet sich ganz unten im Text ein Link zum Kampagnen-Shop. Für Offline-Unterlagen, wie Plakate und Flyer, mag es sinnvoll sein, aber ein Logo und Banner für das Web?

Hat man den Weg dahin gefunden, darf man zur Belohnung sich noch durch den Shop klicken mit der Anmeldung und Eingabe einer Rechnungsadresse für Webbanner. Damit nicht genug, man erhält keine Datei, die sich einfach in einen Online-Auftritt einbinden lässt, das Logo ist nur für Print-unterlagen als pdf-Datei vorhanden und netten Banner mit dem Astronauten und der Bettgeschichte müssen aus einzelnen Bildern zusammen gesetzt werden. Eine fertige Gif-Datei wäre einfacher und liese sich schneller verbreiten.

Ob die Kommunikationskapagne erfolgreich wird? Ich bin bei solchen Aktionen skeptisch und kenne kein funktionierendes Beispiel.

17 Mrd. Euro zur Förderung der Energieeffizienz bis 2020

Ein wichtiger Teil der neuen Offensive ist die Förderung von Energieeffizienz. Dazu stehen von 2016 bis 2020 über 17 Mrd. Euro für die Förderung von Energieeffizienzmaßnahmen zur Verfügung. Der größte Teil davon (7,9 Mrd. Euro) ist für das CO2-Gebäudesanierungsprogramm vorgesehen, 2,66 Mrd. Euro für einen Energieeffizienzfonds, 1,86 Mrd. Euro für die Pumpen- und Heizungsoptimierung und 1,68 Mrd. Euro für das Marktanreizprogramm MAP, das die erneuerbaren Energien im Heizungsmarkt fördern soll.

Das BMWi setzt das Ziel die Energieeffizienz im Gebäudebereich voranzubringen und hier einen Förderschwerpunkt zu setzen, die Energieeffizienz als Rendite und Geschäftsmodell zu etablieren und die Eigenverantwortlichkeit für Energieeffizienz zu erhöhen.

Neue Förderprogramme und Instrumente zur Steigerung der Energieeffizienz

Um diese drei Zielsetzungen voranzubringen starten als Teil der Effizienzoffensive vier neue Programme:

  • das Förderprogramm zur Abwärmevermeidung und Abwärmenutzung (Start: 1. Mai 2016), fördert bis zu 40% der Investitionskosten in Form eines KfW-kreditgebundenen Tilgungszuschusses
  • das Programm zur Förderung hocheffizienter Querschnittstechnologien (Start: 10. Mai 2016), fördert zwar keine LED-Beleuchtung mehr, aber dafür Investitionen in Stromeffizienz bei ausgewählten Technologien, aber auch Abwär­memaßnahmen (Förderung hocheffizienter Einzelmaßnahmen sowie systemische Maßnahmen, incl. industrielle Pumpen), wie bisher über die BAFA
  • Step up! – die wettbewerbliche Ausschreibung für Stromeffizienzmaßnahmen (Start im Juni 2016), ein Wettbewerb um Fördermittel basierend auf dem besten Kosten-Nut­zen-Wert, der zweimal im Jahr in Ausschreibungen stattfinden wird
  • das Pilotprogramm Einsparzähler (Start: Mai 2016), richtet sich an Unternehmen und Energiedienstleister und beinhaltet die Förderung neuartige Energiedienstleistungen und Geschäftsmodelle auf Basis digitaler Messgeräte. Gefördert werden IT-basierte Pilotprojekte von Unternehmen, die Einsparzäher entwickeln und ihre Anwendung bei Endverbrauchern (freiwillig teilnehmenden Endkunden) demonstrieren. Der Endverbraucher soll durch auf seinen individuellen Geräte- bzw. Anlagenbestand zugeschnittene Energiespartipps in die Lage versetzt werden, informiert zu entscheiden und sehen, welche Geräte die „Stromfresser“ sind. Die Beantragung erfolgt über die BAFA.

Wird die Kampagne „Macht´s effizient“ erfolgreich?

Im Prinzip ist diese Offensive zur Steigerung der Energieeffizienz eine sehr gute und wichtige Aktion. Vor allem die Förderung und die neuen Instrumente sind vielversprechend. Bei der Informationskampagne befürchte ich aber eher, dass sie im Sande verlaufen wird. Der Zeitpunkt des Kampagnen-Starts fällt zufällig genau in die Zeit der Diskussion über die Demontage des EEG und verstärkt den Eindruck, dass die Bundesregierung auf ein Entweder-Oder beim Klimaschutz setzt, was aber nicht funktionieren kann.

Über den Autor

Andreas Kühl

Ich bin Energieblogger aus Leidenschaft mit einem großen Faible für Energieeffizienz und erneuerbare Energien. Mit energynet.de betreibe ich einen der bekanntesten und einflussreichsten Energieblogs im deutschsprachigen Raum. Innovationen für die Energiewende in Technologien und Geschäftsmodellen sind meine aktuellen Schwerpunktthemen.

5 Kommentare

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  • Das größte Problem dieser Kampagne ist, daß sie überhaupt davon ausgeht, dass mehr Effizienz automatisch zu CO2-Ersparnissen führt. "Effizient" klingt halt sexier als " sparen". Doch wer ein sparsamer Auto hat, tendiert dazu mehr zu fahren, denn es kostet ja wenig. Das kann man durchaus auch auf den Gebäudesektor übertragen.
    Diese "Rebound-" und "Backfire-" Effekte sind ja ausführlich untersucht und nachgewiesen. Doch die Politik kann's einfach nicht lassen, immer wieder damit anzufangen, weil ja niemand was gegen "Effizienz" sagen kann in unserer Gesellschaft. Und trotzdem steigt unser CO2 – Ausstoß weiter an….

    • Victor Klein wirft eine grundsätzliche Frage auf. Unser System beruht auf Wachstum – und damit werden solche Ziele wie Artenschutz, Naturschutz oder CO²-Verringerung leider schwerlich erreicht.
      Herr Minister Gabriel verkündete: die sauberste Energie sei die, die gar nicht erst verbraucht wird. Recht hat er – nur als Wirtschaftsminister sagt er (wie bei Politikern leider üblich) nur die halbe Wahrheit. Das ganze Wahrheit ist, dass die Technologien zur Energieeinsparung ("Effizienz") selbst soviel Strom + Rohstoffe benötigen und umweltbelastend wirken, dass in der Gesamtbilanz nichts gewonnen ist. Als ein Beispiel dafür kann die ganze Smart-, Funk- und IT-Technik dienen.
      Auf diesen digitalen Effizienz-Hype springen außerdem Leute mit auf, die sich nur auf die gesammelten Daten freuen und damit nur ihren neuen Geschäftszweig aufbauen wollen.
      Wichtig wäre also, Wachstum umweltgerecht und sozialverträglich zu begrenzen, und das ist eine politische Aufgabe, die die Bürger und Wähler an die Politk zu stellen haben und für die ALLE relevanten gesellschaftlichen Kräfte werben + wirken sollten.

      • Eine Begrenzung des Wachstums klingt zunächst logisch, doch es wird heute immer wichtiger auch die Menschen mitzunehmen und nicht nur Forderungen an die Politik zu stellen. Leider wächst die Zahl der Menschen, die Interesse daran haben und rückwärts gerichtete Kräfte wählen, die genau das Gegenteil davon erreichen wollen.

    • Worauf es hinaus läuft ist der Begriff Suffizienz und damit letztlich um unser Verhalten. Denn nur mit Technik werden wir nicht die Ziele erreichen. Bei Gebäuden ist es besonders auffällig, je geringer der Energiebedarf ist, um so stärker wirkt sich das Verhalten der Bewohner auf den tatsächlichen Bedarf aus. Leider passiert es oft, dass der Verbrauch dann deutlich höher ausfällt als geplant. Auf Effizienz können wir nicht verzichten, müssen aber künftig mehr das entsprechende Verhalten der Nutzer einfordern um den CO2-Ausstoss reduzieren zu können.

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