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Welchen Beitrag Tiny Houses zum Klimaschutz leisten können

Tiny Houses auf Rädern
Foto: Rolling Tiny House GmbH, Neumünster (Schleswig-Holstein)

Gastbeitrag von Theresa Bruns von modulheim.de

Von Beiträgen im ARD und ZDF über Artikel in nahezu allen großen Tageszeitungen bis in den Produktkatalog von Tchibo – Tiny Houses erfahren derzeit einen regelrechten Hype. Dabei ist die Idee nicht neu. Ihren Ursprung hat die Tiny House Bewegung bereits im Jahr 2008 in den USA. Mit dem Beginn der Wirtschaftskrise können sich immer weniger Amerikaner Wohneigentum leisten. Um sich den Traum vom Eigenheim dennoch zu erfüllen, weichen Wohneigentümer zunehmend auf Kleinhäuser aus.

Hierzulande erregen die kleinen Häuser aktuell auch deshalb eine so große Aufmerksamkeit, da sie auf einen ähnlich prekären Wohnungsmarkt stoßen wie in den USA zu Beginn der Wirtschaftskrise. Bezahlbarer Wohnraum ist vielerorts Mangelware. Und die Lage spitzt sich weiter zu. Eine Prognose des Instituts der deutschen Wirtschaft zeigt: Bis zum Jahr 2020 werden jährlich über 200.000 neue Wohnungen benötigt. Hier bieten Tiny Houses eine erschwingliche Alternative zur Eigentumswohnung.

Kleine Wohnfläche gleich kleiner ökologische Fußabdruck

Doch nicht nur als Antwort auf den Wohnraummangel – Anhänger der Bewegung plädieren häufig aufgrund eines weiteren, vielen globaleren Problems für das Wohnen auf kleinem Fuß. So entscheiden sich Eigentümer längst nicht nur aus finanziellen Gründen für das Downsizing der eigenen vier Wände. In Deutschland verursachen Gebäude rund ein Drittel der CO2-Emissionen. Hier besteht also ein großer Hebel, wenn es um den Klimaschutz geht.

Dabei steht der ökologische Aspekt immer häufiger im Vordergrund des kleinen Wohnens. Die Rechnung scheint einfach: Die Reduktion der Wohnfläche bedeutet eine Reduktion an benötigten Ressourcen. Kurzum: Weniger Haus bedeutet weniger CO2-Emission. Das betrifft zum einen den Ressourcenbedarf für den Bau des Hauses selbst. Zum anderen betrifft es den laufenden Betrieb wie den Bedarf an Strom und Heizenergie. So hängt der Heizenergiebedarf unmittelbar von der Größe der zu beheizenden Fläche ab. Durch eine Verkleinerung der Wohnfläche lässt sich der ökologische Fußabdruck somit erheblich reduzieren.

Zu diesem Ergebnis kommt auch eine Studie der amerikanischen Colby Universität. Demnach ließen sich durch den Umzug aus einem Haus mit einer amerikanischen Durchschnittsfläche von 241 Quadratmetern in ein baugleiches Haus mit 17 Quadratmetern Wohnfläche rund 11,8 Tonnen CO2 jährlich einsparen.

CO2 Emissionen Tiny Houses

Schlafen, Kochen, Wohnen auf 20 Quadratmetern

Der durchschnittliche Wohnraum pro Kopf liegt hierzulande bei 42,7 Quadratmetern – Tendenz steigend. Die gängige Größe eines Tiny Houses beträgt weniger als die Hälfte. Dabei vereinen Tiny Houses alle Anlaufstellen des täglichen Wohnbedarfs auf weniger als 20 Quadratmetern. Eine Fläche, die in einem normalgroßen Haus gerade einmal für das Schlafzimmer ausreicht.

Möglich macht dies eine durchdachte Raumaufteilung mit Reduktion auf das Wesentlich: Kochnische, ein kleines Bad, eine Schlafempore unter dem Dach. Auf 16 Quadratmetern Grundfläche verfügen Minihäuser über Schlafplätze für bis zu 4 Personen.

36 Prozent weniger CO2-Emission bei der Instandhaltung

Ein zweites Badezimmer, ein verstaubter Dachboden – Herkömmliche Einfamilienhäuser verfügen häufig über unnötige Wohnfläche. Die Instandhaltung des zusätzlichen Wohnraumes bedeutet nicht nur unnötigen Zeit- und Kostenaufwand für die Bewohner, sondern auch zusätzliche Emissionen. So ergab eine Studie der amerikanischen Saint John`s Universität, dass sich durch die Halbierung der Wohnfläche die CO2-Emissionen für die Instandhaltung einer Immobilie um 36 Prozent reduzieren lassen.

Keine Energieausweispflicht für Tiny Houses

Je kleiner die Wohnfläche, desto geringer der Energieverbrauch. So lautet das Werbeversprechen, das Kleinhaus-Hersteller ihren Interessenten gerne machen. Das stimmt jedoch nur bedingt. So kann der Energieverbrauch beispielsweise eines Passivhauses trotz größerer Wohnfläche geringer ausfallen als bei einem Tiny House. Grundsätzlich ist dies eine Frage der Vergleichbarkeit. Richtig ist: Bei gleichen Grundvoraussetzungen hinsichtlich Heizung, Dämmung, Lage und Baumaterial wird der Energiebedarf eines kleineren Hauses immer geringer ausfallen als der eines baugleichen größeren Hauses.

In der Realität sieht es jedoch so aus, dass keine Immobilie der anderen gleicht. Dabei muss die Energiebedarf eines Tiny Houses nicht grundsätzlich geringer ausfallen als bei einem normalgroßen Haus. Tatsächlich ist es so, dass Kleinhäuser häufig über eine schlechte Dämmung verfügen. Um die Transportfähigkeit zu verbessern und die Wanddicke zu reduzieren, sparen Hersteller an Dämmmaterial. Die Folge: Auch bei geringer Wohnfläche weisen schlecht gedämmt Tiny Houses einen vergleichsweise hohen Heizenergiebedarf auf. In diesem Fall ist weniger also nicht immer mehr. Wer aus ökologischen Gründen in eine Tiny House zieht, sollte sich vorab also gut über dessen energetischen Zustand informieren.

Hierbei müssen sich Kaufinteressenten allerdings in den meisten Fällen auf die Angaben des Vorbesitzers verlassen. Denn ein Energieausweis sieht die Energieeinsparverordnung für Tiny Houses nicht vor. Demnach zur Folge sind kleine Gebäude bis 50 Quadratmeter Nutzfläche ebenso wie Baudenkmäler von der Energieausweispflicht ausgenommen (§ 16 Abs. 5 EnEV). Umso wichtiger, dass sich Interessenten selbst mit der energetischen Ausstattung ihres Kleinhauses befassen. Denn fest steht: Sollte diese modernen Standards entsprechen, lässt sich mit einem Tiny House deutlich sparen sowohl was Energiekosten angeht als auch den ökologischen Fußabdruck.

Beispiele und Tiny House Communities

Innenansicht Tiny House
Tiny House Innenansicht, Foto: Rolling Tiny House GmbH, Neumünster (Schleswig-Holstein)

Beispiele wie der der Wohnwagon zeigen, wie es funktioniert. Dabei handelt es sich um ein Tiny House, das auf Kundenwunsch vollständig autark bewohnt werden kann. Finanziert wurde das Projekt durch Crowdfunding, genauso wie das energieautarke Tiny House auf dem Wildniskulturhof (Anmerkung der Redaktion). Erhältlich sind die vollautarken Minihäuser ab 40.000 Euro in der Grundausstattung. Die Stromgewinnung erfolgt über Solarkollektoren auf dem Dach. Die hier gewonnene Solarenergie wird ebenfalls zum Heizen eingesetzt. Als Heizungsunterstützung dient ein wassergeführter Holzofen. Auch die Wasserversorgung erfolgt autark. Sumpfpflanzen auf dem Dach dienen dabei als natürlicher Trinkwasserfilter sowie als biologische Dachdämmung. Weitere Anbieter für Tiny Houses finden Interessenten auf dem Vergleichsportal Modulheim.de, das sich auf Kleinhäuser und alternative Immobilien spezialisiert hat.

Auch wenn die kleinen Häuser derzeit in aller Munde sind, können sich wohl nur die wenigsten wirklich vorstellen, ihr Haus oder Eigentumswohnung dauerhaft gegen ein 20-Quadratmeter-Minihaus einzutauschen. Wer sich hier einmal ausprobieren möchte, dem empfiehlt sich ein Urlaub oder ein Probewohnen im Tiny House. Möglich ist dies beispielsweise im Tiny House Village im bayrischen Fichtelgebirge. Hier lebt eine feste Community aus derzeit 14 Bewohnern, die andere Menschen für das kleine Wohnen begeistern möchten. Dabei bieten Sie auch Übernachtungen und Probewohnen im Tiny House an. Terminbuchung sind online über den obengenannten Link möglich.

Ein ähnliches Projekt entsteht gerade in Bremen. Unter dem Projektnamen Tiny House Bremen soll eine nachhaltige Dorfgemeinschaft für Mikrohäuser entstehen. Wer sich zunächst einmal theoretisch dem Thema Downsizing der eigenen vier Wände annähern möchte, dem empfiehlt sich der Blog Kleinerleben von Kaya und Marco Schomas, in dem sie regelmäßig über ihr Leben im Kleinhaus berichten und dabei sowohl die Vorteile als auch die Herausforderungen beleuchten.

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Über den Autor

Andreas Kühl

Ich bin Energieblogger aus Leidenschaft mit einem großen Faible für Energieeffizienz und erneuerbare Energien. Mit energynet.de betreibe ich einen der bekanntesten und einflussreichsten Energieblogs im deutschsprachigen Raum. Innovationen für die Energiewende in Technologien und Geschäftsmodellen sind meine aktuellen Schwerpunktthemen.

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