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Steigender Wärmeverbrauch sollte Motivation sein für Energiewende im Gebäudesektor

Foto: pixabay/ SarahRichterArt

Eine Energiewende im Gebäudesektor findet noch immer nicht statt. Der Energieverbrauch für Raumwärme in privaten Haushalten steigt wieder an, während der Stromverbrauch leicht sinkt. Dies zeigen aktuelle Zahlen des statistischen Bundesamtes, veröffentlicht am 01.03.2018. Im Jahr 2016 haben private Haushalte temperaturbereinigt mit 665 Milliarden Kilowattstunden erneut mehr Energie für Wohnen verbraucht als im Vorjahr. Damit ist der Energieverbrauch zum zweiten Mal in Folge angestiegen. Dieser Anstieg liegt vor allem an einem höheren Energiebedarf für Raumwärme. Positiv an der Statistik ist lediglich ein leicht höherer Anteil an erneuerbaren Energien für den Wärmebedarf. Um den Trend des steigenden Wärmebedarfs umzukehren braucht es eine Reihe von Maßnahmen, die vor allem zielgerichtet sind und nicht nur theoretischer Natur.

Statistisches Bundesamt meldet Anstieg von Wärmeverbrauch in privaten Haushalten

Nach den neuesten Zahlen des statistischen Bundesamtes benötigten die privaten Haushalte 2016 2,2 Prozent mehr Energie für die Raumwärme als im Jahr zuvor. Inklusive der elektrischen Energie ist der Energieverbrauch um 1,4 Prozent angestiegen. Nur über einen längeren Zeitraum betrachtet ist der Energieverbrauch leicht (-0,5 Prozent im Vergleich zu 2010) zurück gegangen. In der Raumwärme ist der Unterschied zu 2010 noch geringer (-0,5 Prozent).

Interessant ist die Aussage, dass der Energieverbrauch pro Quadratmeter Wohnfläche in der gleichen Zeit deutlich gesunken ist. Auf die Fläche haben wir 3,9 Prozent weniger Energie für die Raumwärme benötigt. Allerdings ist in diesem Zeitraum die Bevölkerung um 2,6 Prozent gewachsen und die Haushaltsgröße hat sich verringert. Diese Entwicklung wirkten der Effizienzsteigerung entgegen und hätten, einzeln betrachtet, eine Erhöhung des Energieverbrauchs (um 2,5 bzw. 1,0 Prozent) zur Folge gehabt.

Interessant sind noch die Veränderungen bei den Energieträgern. Zugelegt haben vor allem Erdgas (+ 5,0 %) und Erneuerbare Energien (Biomasse, Umweltwärme und Solarthermie: + 6,3 %). Unter den Erneuerbaren Energien hat die Biomasse (vor allem Brennholz und Pellets) die größte Bedeutung und verzeichnete 2016 im Vergleich zum Vorjahr den höchsten Zuwachs (+ 7,0 %). Bei anderen Energieträgern (Mineralöl, Strom, Fernwärme und Kohle) ist der Verbrauch dagegen zurückgegangen.

Kommt die Gebäudesanierung bald voran mit der steuerlichen Förderung?

Ein großes Problem ist die stockende Gebäudesanierung in Deutschland. Niedrige Energiepreise tragen nicht gerade zu mehr energetischen Sanierungen bei. Hinzu kommt eine verunsichernde Diskussion über Wärmedämmung, die sicher mit Erfolg viele Hausbesitzer von einer Sanierung abgehalten hat.

Große Hoffnung liegt auf dem Prinzip der steuerlichen Förderung von Sanierungen. Die designierte neue Bundesregierung hat in ihrem Koalitionsvertrag erneut die energetische Gebäudesanierung über eine steuerliche Förderung vorgesehen. Antragsteller sollen ein Wahlrecht erhalten zwischen einer Zuschusförderung und einer Reduzierung des zu versteuernden Einkommens. Entscheidend wird aber die genaue Ausgestaltung der Förderung und die Höhe der Förderung im Bundeshaushalt sein.

Ob es dazu kommt, ist aber noch unklar.

Reduzierung des Wärmebedarfs im Neubau ist kein Kostentreiber

Die Anforderungen zur Reduzierung des Energieverbrauch für die Raumwärme im Neubau geraten mal wieder unter Druck. In Nordrhein-Westfalen möchte die Landesregierung die Energieeinsparverordnung (EnEV) für drei Jahre aussetzen. Selbst wenn die energetischen Anforderungen einen merklichen Beitrag zur Steigerung der Baukosten leisten würden, kann ich mir nicht vorstellen, dass durch das Aussetzen der EnEV der Wohnungsbau auf einmal deutlich günstiger möglich wird. Es gibt eine ganze Reihe von Faktoren, die zu einem Anstieg der Baukosten führen. Da gehören sehr viele staatliche Regulierungen und neue Vorschriften dazu, wie eine Studie für die Wohnungswirtschaft in 2017 gezeigt hat.

Ein aktuelles Gutachten des Instituts für technische Gebäudeausrüstung (iTG Dresden) im Auftrag des Bundesverbands Erneuerbare Energie (BEE) zeigt, dass Anteil der Energieeffizienz an Kostensteigerungen im Wohnungsbau nur gering ist.

Das Gutachten der iTG Dresden machte deutlich, die energierechtlichen Anforderungen waren in den Jahren 2000 bis 2014 lediglich für sechs der insgesamt 36 prozentigen Baukostensteigerungen verantwortlich. Der überwiegende Teil von 30 Prozent der Kosten stammte durch andere Anforderungen an Gebäude.

„Höhere energetische Standards können sogar günstiger erreicht werden, wenn man Heizungstechnik und Gebäudegestaltung intelligent kombiniert und Fördermittel in Anspruch nimmt“, betont Dr. Peter Röttgen, Geschäftsführer des BEE.

Die Baupraxis beweise, dass über die EnEV 2016 hinausgehende energetische Standards unkompliziert und mit marktüblichen Technologien problemlos erreichbar seien.

Dem bezahlbarem Wohnungsneubau stehen vielmehr andere Faktoren im Weg,  wie zum Beispiel geeignete Flächen und eine mangelnde Bebauung vorhandener Flächen. Die ARGE Kiel hat sogar weitere 41 nicht energiebedingte Faktoren identifiziert, die zum Preisanstieg der vergangenen Jahre beigetragen haben.

Demnach ist der Verweis auf die energetischen Anforderungen als Begründung für gestiegene Baukosten ein Ablenkungsmanöver.  Die Baukosten kann es jedenfalls nicht reduzieren, wenn beispielsweise die EnEV ausgesetzt wird.

Fazit: Verstärkte Bemühungen um Wärmewende sind notwendig

Der Anstieg des Wärmeverbrauchs in privaten Haushalten macht deutlich, dass wir nicht nachlassen dürfen in den Bemühungen um Energieeffizienz im Gebäudesektor. Wir müssen uns weiter für eine Reduzierung des Wärmebedarfs in  Gebäuden einsetzen. Wir brauchen weiterhin einen höheren Anteil an Erneuerbaren Energien im Gebäudesektor. Wie sollen wir eine Energiewende schaffen ohne den Gebäudesektor?

Auch wenn es keinen Sinn macht die Ziele in Frage zu stellen, über den Weg dahin sollten wir diskutieren. Es ist nicht hilfreich, wenn die vorgegebenen Wege und Verfahren immer komplexer und aufwändiger werden. Das Ziel der Energiewende im Gebäudesektor sollte im Mittelpunkt stehen und nicht der Weg dorthin.

Über den Autor

Andreas Kühl

2 Kommentare

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  • Wenn hierzulande von energetischer Sanierung gesprochen wird, beschleicht einen sehr oft das Gefühl, dass die gestreuten Informationen, aus entsprechenden Lobby-Verbänden stammen. Politiker haben meistens nicht die Möglichkeit gut für alle von gut für ein paar wenige zu Unterscheiden. Fällt uns wirklich nichts besseres zur energetischen Sanierung ein, als weitere künstliche Dampfsperren, künstliche teils stark gesundheitsschädliche Dämmstoffe? Hier ein paar Links zu Alternativen – so geht es auch. Ganz natürlich und ohne schädliche Chemie.
    http://glas-hachtel.de/index.php?index=1&lng=de&menuid=19
    https://www.thoma.at/holzhaus
    Erst wenn der Nutzen für die Bewohner vor Profitmaximierung kommt, werden sich sinnvolle Lösungen durchsetzen. Da sind allerdings die Verbraucher selbst gefordert, will ich um jeden Preis (Gesundheit) die teure Wohnung in der Stadtmitte haben? Hier wird leider auch zu oft Gesundheit und Vernunft, dem eigenen Ego geopfert.

    • Es ist richtig, dass Lobbyisten viel Schaden angerichtet haben, vor allem was das Vertrauen der Verbraucher betrifft. Aber da wird mittlerweile auch viel Verunsicherung in den Markt reingebracht. Bei Dämmstoffen sollte man auf Alternativen hinweisen, aber nicht durch Verleumdung anderer Materialien, das ist unseriös.

      Zustimmen kann ich zur Aussage, dass Sanierungen sich nur durchsetzen, wenn Nutzer oder die Bewohner mehr davon haben. Damit ist nicht die Energie- oder Kosteneinsparung gemeint. Es gibt auch andere Vorteile, wie Steigerung des Komforts oder mehr Sicherheit durch neue Fenster. Aber die Lage wird immer das wichtigste Argument für Immobilien bleiben.

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