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Energiesparendes sanieren lohnt sich, braucht aber mehr Unterstützung

Sanierung zum Effizienz Haus lohnt sich

Sanierung zum Effizienz-Haus lohnt sichEigentlich ist klar, wenn man in der Energiewende vorankommen will und wenn man aktiv zum Klimaschutz beitragen möchte, dann kommt man nicht an energetischen Gebäudesanierungen vorbei. Denn 38% des deutschen Energieverbrauchs wird zur Beheizung und Kühlung von Gebäuden benötigt.

Aber so wie die Energiewende insgesamt ins Stocken gerät und die Bundesregierung sich an ihre eigenen Ziele kaum noch erinnern kann, so wenig ändert sich im Bereich der energetischen Gebäudesanierung, die jährliche Sanierungsrate liegt immer noch unter 1,0%. Eigentlich wären 2 – 2,5% notwendig, um die Klimaschutzziele der Bundesregierung zu erreichen.

Um die Sanierungsrate von Gebäuden zu erhöhen, bemüht sich die deutsche Energie-Agentur (dena) seit Jahren mit vielen Studien und Qualitätssiegeln. Zahlreiche Beispiele zeigen auf, was alles machbar ist an energetischen Sanierungen. Eine neue Studie zeigt, dass sich energetische Sanierungen von Einfamilienhäusern zu einem „Effizienzhaus 70″ auch ohne weitere Förderung rechnen, dies wäre ein Heizenergieverbrauch von etwa fünf Litern Heizöl pro Quadratmeter Wohnfläche. „Rechnet man die energetischen Sanierungskosten auf die eingesparte Heizenergie um, kostet jede eingesparte Kilowattstunde 7,1 Cent. Demgegenüber steht schon heute ein durchschnittlicher Energiepreis von 8 Cent pro Kilowattstunde – Tendenz steigend“, so dena-Chef Stephan Kohler.

Sanierungsbeispiel: Effizienzhaus 55

Bezieht man die neue dena-Studie auf ein sanierungsbedürftiges Einfamilienhaus der 70er Jahre mit 144 m² Wohnfläche, rechnet sich selbst der noch bessere Standard „Effizienzhaus 55“, der in etwa einem Vier-Liter-Haus entspricht. Hier liegen die energetischen Sanierungskosten bei 7,7 Cent, um eine Kilowattstunde Wärmeenergie einzusparen. Vor der Sanierung würden die jährlichen Energiekosten bei rund 2.730 Euro liegen. Mit einer Sanierung zum „Effizienzhaus 55“ könnten sie auf rund 564 Euro im Jahr sinken.

Die Studie geht dabei von folgenden Sanierungsmaßnahmen aus: Dämmung der Außenwände, Kellerdecke, Geschossdecke sowie 3-Scheiben-Wärmeschutzverglasung, Einbau eines Brennwertkessels mit Solarthermie zur Unterstützung der Warmwasserbereitung sowie einer Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung. Die Mehrkosten für diese energiesparenden Maßnahmen liegen bei rund 30.000 Euro. Die Amortisationszeit ist abhängig von der Art und Dauer der Finanzierung, möglichen Förderangeboten und eventuellen Energiepreissteigerungen. Die Kosten bilden durchschnittliche Werte ab und bieten eine generelle Orientierung. Bauherren, die eine Effizienzhaus-Sanierung planen, sollten eine individuelle Wirtschaftlichkeitsberechnung von einem Energieberater durchführen lassen.

Verläßliche Förderpolitik notwendig

Wenn sich die Sanierung rechnet, dass die Einsparung über den Nutzungszeitraum (bei den heutigen Energiekosten) höher ist, als die Energiekosten, wird es noch lange nicht zu einer Investition kommen. Denn die Investitionen sind für den Hausbesitzer sehr hoch und der Nutzungszeitraum ist mit über 30 Jahren sehr lange.

Ohne Anreize, wie günstige Darlehen durch die KfW oder steuerliche Begünstigungen, wird sich an der Sanierungstätigkeit nichts ändern. Im Gegenteil, sie wird vielleicht eher noch zurück gehen, wenn Politik und Medien weiter zur Verunsicherung der Hausbesitzer beitragen. Die Politik schafft es nicht verläßliche  Rahmenbedingungen zu schaffen mit stabilen Förderungen. In der letzten Woche gab es erst Meldungen, dass die KfW keine Zuschüsse mehr auszahle, wegen fehlender Freigabe durch den Haushaltsausschuss, dann zwei Tage später war die Freigabe doch da. Die Mittel für das CO2-Gebäudesanierungsprogramm wurden erst gekürzt auf 900 Millionen Euro, wegen unzureichender Ausstattung des Energie- und Klimafonds, dann wurden sie in der letzten Woche doch wieder auf den alten Beitrag auf 1,5 Milliarden Euro erhöht.

Wer möchte bei solchen Bedingung noch investieren? Hinzu kommen Verunsicherungen der Verbraucher durch negative Berichterstattungen in den Medien über Wärmedämmungen, energetische Sanierungen oder Energieberater.

Neue Unterstützung der Energieeffizienz an Gebäuden

Wenn dann noch die Wohnungswirtschaft wieder quer schießt und schreit, dass sich Energeieffizienz überhaupt nicht lohne und die  Anforderungen ja nicht erhöht werden dürfen, dann ist doch die Verunsicherung perfekt. Aber die Wohnungswirtschaft hat andere Interessen als der Hausbesitzer oder Vermieter, sie muss auf ihre Renditen achten, während der Mieter eine geringe Kaltmiete und geringe Nebenkosten haben möchte. Die Wohnungswirtschaft wird erst umdenken, wenn die Mieter massenweise sich neue sanierte Wohnungen suchen mit geringeren Nebenkosten. Bei den steigenden Ölpreisen dürfte das nicht mehr allzu lange dauern.

Die Reaktionen der dena darauf sind mir zu halbherzig und immer wieder die gleichen Antworten. Die Erhöhung der Energieeffizienz von Gebäuden ist ein Projekt, das von einer breiten Basis der Gesellschaft getragen werden muss und daher breiter diskutiert werden muss. Unterstützung wird das Thema von vielen Seiten bekommen. Für eine breitere Diskussion ist auch mehr Transparenz notwendig und mehr Offenheit. Wer nichts zu verbergen hat und sich seiner Berechnungen sicher ist, kann sie auch offen legen und offen diskutieren lassen.

Ich wäre dabei und würde gerne mehr Effizienzprojekte ausführlich vorstellen und diskutieren lassen.

Über den Autor

Andreas Kühl

Ich bin Energieblogger aus Leidenschaft mit einem großen Faible für Energieeffizienz und erneuerbare Energien. Mit energynet.de betreibe ich einen der bekanntesten und einflussreichsten Energieblogs im deutschsprachigen Raum. Innovationen für die Energiewende in Technologien und Geschäftsmodellen sind meine aktuellen Schwerpunktthemen.

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