Startups

Wie können mehr Innovationen in der Energiewelt gelingen?

Innovationen in der Energiewirtschaft
Foto: tookapic.com/ Krzysztof Puszczyński

Zum Abschluss des dena Projektes SET Lab sind zahlreiche Startups und Interessierte im Bundeswirtschaftsministerium zu einer Dialogveranstaltung zusammen gekommen. Es ging im wesentlichen darum die Arbeit aus den Roundtables und Workshops vorzustellen. Zu verschiedenen Themen hatten sie im Laufe des Jahres Herausforderungen für Startups und ihre Innovationen in der Energiewirtschaft zusammen getragen. Damit es konstruktiv bleibt, haben sie auch Lösungsansätze zu den Herausforderungen erarbeitet. So konstruktiv und so nah an der Politik durften Startups vermutlich sonst noch nicht ihre Meinung sagen und Probleme schildern.

SET Lab Projekt setzt Impulse für Innovationen in der Energiewelt

Das Start Up Energy Transition Laboratory, kurz SET Lab, hat Startups aus dem Umfeld der Energiewende die Möglichkeit geboten sich mit Experten der dena und aus der Branche über das Energiesystem in Deutschland auszutauschen. Während die Startups ihre Ideen und Vorschläge für ein innovationsfreundliches Umfeld, sowie ihre Probleme mit der Regulierung und weiteren Hindernissen nennen konnten, hat die dena Einblick in die Geschäftsmodelle und Arbeitsweise der Startups erhalten. Im Ergebnis stehen nicht nur regulatorische und organisatorische Lösungsansätze für mehr Innovationen. Auf der Seiten der Startups hat sich mit Sicherheit auch das Verständnis von der Komplexität der Energiebranche erhöht. Vielleicht hat das ein oder andere Startup das Geschäftsmodell an die Regulierung anpassen können oder neue Möglichkeit gesehen.

Das Ergebnis war überraschend konstruktiv und konkret. Auch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie war nicht nur interessiert an dem Projekt, es konnte auch ein paar positive Meldungen verkünden. So sollen die Reallabore der Energiewende auch für Startups offen sein und für Forschungsprojekte gibt es ein Fast-Track Programm, um sich schneller und einfacher beteiligen zu können. (Hoffe das habe ich richtig verstanden)

Wunsch einer digitalen Anlaufstelle für regulatorische Fragen

Wichtig wäre auch, dass sich Startups besser informieren können über die Regulierung und den Energiemarkt. Das scheint eine große Hürde zu sein. So ist eine digitale Anlaufstelle für regulatorische Einzelfragen, technische Richtlinien und Fördermöglichkeiten eine der übergreifenden Vorschläge aus dem SET Lab. Zu den Wünschen gehört auch eine bessere Einbindung von Startups in Gremienarbeit, wie Normierungsausschüsse. Allerdings können sich das die Gründerteams nicht immer personell leisten in den Gremien mitzuarbeiten.

Startups in der Energiewelt

Die Bedeutung von Startups und ihren Innovationen für die Energiewelt hat Dr. Linda Bergset vom Borderstep Institut für Innovation und Nachhaltigkeit gGmbH erläutert. Während etablierte Unternehmen bestehende Produkte und Angebote schrittweise verbessern, kommen Startups mit ganz neuen Produkten, Dienstleistungen und Geschäftsmodellen auf den Markt. Hinzu kommt, dass in keiner anderen Branche so viele Startups zur Green Economy gehören wie in der Energiebranche. Aber dafür sind die regulatorischen Herausforderungen in der Energiebranche besonders hoch und der Abbau dieser Hürden gehört zu den wichtigsten Forderungen der Startups.

Eine andere große Herausforderung ist die Finanzierung, die in der Green Economy schwieriger ist als in anderen Branchen. Weitere Einblicke in die grüne Gründerszene gibt es im neuen Green Economy Gründungsmonitor, den das Borderstep Institut im Frühjahr 2019 veröffentlichen wird.

Herausforderungen und Lösungsansätze

Neben den allgemeinen Vorschlägen zur Verbesserung des Umfelds von Startups in der Energiewirtschaft haben die beteiligten Akteure in vier Diskussionspapieren und Factsheets auch detaillierte Anregungen gegeben. Im folgenden fasse ich die einzelnen Herausforderungen und Lösungen zusammen. Der Text ist sehr lang, aber ich mus dennoch einiges weglassen. Die ausführlichen Factsheets und Diskussionspapiere gibt es bei der dena zum Download.

Themencluster Daten

In einer digitalisierten und vernetzten Energiewelt wächst die Bedeutung von Daten. Sie spielen in der Energiewelt von morgen eine zentrale Rolle. Neue Angebote müssen für die Kunden einen echten Mehrwert bieten. Gleichzeitig müssen Anbieter die hohen Ansprüche an Datenschutz und Datensicherheit erfüllen. Entsprechend liegen die großen Herausforderungen auch in diesem Themenfeld.  So wünschen sich die Startups Informations- und Beratungsangebote, genauso wie Austauschformate und Verhaltensregeln zum Umgang mit Daten. Das Ziel soll die Rechtssicherheit und Praktikabilität im Bereich Datenschutz und Datensicherheit zu erhöhen.

Weitere Wünsche betreffen die Datengranularität, die Anonymisierung, bzw. Pseudonomysierung von Daten, die Datenintegrität, die frühzeitige Implementierung von IT-Sicherheit in Smart-Home Produkte (Security by Design) und die Vereinbarkeit von Smart-Meter mit bereits existierenden Smart-Home Anwendungen und IoT-Geräten.

Themencluster Netze und Assets

Netze bieten noch viele Möglichkeiten zur Optimierung entsprechend dem Fluss der Lasten. Es geht nicht nur um den Ausbau oder Umbau von Netzen, gerade in der Optimierung gibt es einige Startups mit neuen Dienstleistungen und Geschäftsmodellen. Als besonders wichtig in diesem Bereich ist der Netzzugang und die Marktkommunikation. So hat der teure Netzausbau häufig Priorität gegenüber wirtschaftlichen Maßnahmen. Für den Anschluss dezentraler Anlagen gibt es technische und bürokratische Hürden. So müssen sie häufig Netzbetreiber über aktuelle Normen, Standards und Gesetze informieren. Eine Schlichtungsstelle Energie könnte. als Beispiel, Abhilfe schaffen.

Die Normen und Standards haben sich ebenfalls als eine Herausforderung herausgestellt. In den entsprechenden Gremien sitzen vor allem Vertreter von etablierten Unternehmen und kaum Startups, es fehlt an einer Ausgewogenheit.

Ein weiteres wichtiges Thema war die Bagatellgrenze für PV-Kleinstanlagen, hier fordern die Startups die Umsetzung des EU-Netzkodex in Deutschland. Daneben wollen sie eine Anreizregulierung für die Kooperation mit Netzbetreibern, die Berücksichtigung von Ortsinformationenim Intraday-Markt oder bei der Regelenergie, Anreize für netzdienliches Verhalten, dynamische Netzentgelte und eine Preisparität für alle Energieträger um eine sektorenübergreifende CO2-Orientierung einzuführen.

Dialogveranstaltung dena SET Lab im BMWi

Themencluster Markt und Handel

Der regulierte Strommarkt ist sehr komplex und erfordert ein hohes Maß an Verständnis und Wissen über die Funktionsweise der unterschiedlichen Märkte. Startups haben in der Regel beschränkte Ressourcen und können sich nur mit großem Aufwand einarbeiten. Idealerweise haben sie Experten oder Fachanwälte im Team, um den Markt und die Regulierung zu kennen.

Vor allem im Marktdesign sehen die Startups große Herausforderungen. Auch die Rolle einzelner aktueller Akteure und neuer Marktteilnehmer, wie Anbieter von Speicherlösungen, im regulierten Markt stellt eine Herausforderung dar. Damit zeigt sich es gibt viele neue Akteure, die in den Markt integriert werden müssen, neue Anforderungen, wie „echte“ Grünstrom-Nachweise, und es entwickeln sich lokale Märkte mit Eigenverbrauch und Direktlieferung von Strom. Dazu gehören auch Geschäftsmodelle mit einem Peer-to-Peer Handel, die als Baustein für eine Regionalität und zum Engpassmanagement in das Marktdesing integriert werden muss.

Helfen Experimentierräume zur Erprobung von neuen Handelsmodellen und wie kann Startups der Zugang zu diesen erleichtert werden? Dazu gehört auch die Preisgestaltung, die aufgrund der starren Entgelte und Abgaben wenig Spielraum lässt. Gibt es vielleicht Möglichkeiten zur Flexibilisierung der Abgaben, die effizient Anreize setzen?

Ein anderes Thema war die Preisparität in den Märkten für Strom, Verkehr und Wärme. Die heute unterschiedliche Behandlung mit Abgaben verhindert eine erfolgreiche Sektorenkopplung. Eine Gleichbehandlung mit dem Ziel der CO2-Vermeidung würde in allen Sektoren für Innovationen sorgen.

Themencluster Wärmewende

Der Sektor Wärme hat eine andere Regulierung als der Stromsektor. Das bedeutet aber nicht, dass es weniger Herausforderungen für die Startups gibt. Immerhin gibt es im Bereich Wärme noch nicht so viel Bewegung wie bei Strom. Dafür haben die Startups 72 Lösungsansätze gefunden um die Wirksamkeit regulatorischer Vorgaben zu steigern. Diese teilen sich auf „Normen und Standards“ und „Wirtschaftliche Sanierungsbedingungen“ auf.

Dabei geht es ihnen um die geltende Energieeinsparverordnung (EnEV), bzw. das kommende Gebäude-Energie-Gesetz (GEG), und eine stärkere Berücksichtigung der CO2-Vermeidung bei der Bewertung von Effizienzmaßnahmen. Hinzu kommen neue notwendige Anreize von Effizienzinvestitionen in Gebäude.

Bei den Verordnungen wünschen sich die Startups eine Dynamisierung des bisherigen Systems von Verordnungen und Förderung. Interessant ist z.B. die Idee der Minderung der Steuerlast für Gebäude, die eine Reduzierung des Energieverbrauchs nachweisen können – solange die Mieter dafür nicht frieren müssen. Dazu könnte man den Verbrauch in einer zentralen Gebäude-Datenbank erfassen, die auch weitere Gebäudedaten enthält. Dies könnte weitere Geschäftsmodelle möglich machen.

Ein Wunsch der Startups ist auch, dass die öffentliche Hand eine Vorbildrolle beim Klimaschutz von öffentlichen Gebäuden einnimmt, sowie bei der Nutzung der Potenziale des Building Information Modeling (BIM). Dazu könnte die öffentliche Hand eine Übersicht von möglichen Best-Practice Lösungen in der Gebäudesanierung entwickeln und veröffentlichen.

Ein weiterer Wunsch ist eine technologieoffene Förderung, die auch ganz neue Lösungen beinhaltet und die Bereiche Gebäudetechnik und Gebäudehülle gleichwertig behandelt. Der nächste Ansatz behandelt die Skalierbarkeit von Sanierungsmaßnahmen und die Ausrichtung auf die tatsächlich erzielte Energieeinsparung. Und als letzten Punkt betrachten sie was sich ändern muss, damit die Sanierung von Gebäuden wirtschaftlicher wird.

Fazit der dena zum Abschluss des SET Lab

Die dena bilanziert zum Abschluss des Projektes an dem über das Jahr rund 50 Startups aktiv teilgenommen haben:

Die Energiewende kann in Deutschland zum Innovationsbeschleuniger werden und neue Geschäftsmöglichkeiten für junge Unternehmen bieten, wenn die Gesetzeslage stärker auf die Bedürfnisse von Start-ups zugeschnitten wird und ihr Input zur Optimierung des regulatorischen Rahmens Berücksichtigung findet.

Andreas Kuhlmann, Vorsitzender der dena-Geschäftsführung, zieht eine positive Bilanz:

„Mit unserem Programm haben wir ein Jahr lang den Dialog zwischen Start-ups und Politik gefördert und dabei festgestellt, dass gerade im Energiebereich ein großer Bedarf an Übersetzungsleistung zwischen Start-ups, Fachpolitikern und Behörden besteht. Die dena hat den Teilnehmern nützliche Kontakte vermittelt, Start-ups zum komplexen regulatorischen Rahmen der Energiewirtschaft beraten und Regierungsvertretern Einblicke in neue Geschäftsmodelle gegeben. Der intensive Austausch zwischen den Start-ups und den Experten des Bundeswirtschaftsministeriums wurde von beiden Seiten als sehr bereichernd wahrgenommen. Wir werden die Gedanken aus dem Dialog aufnehmen und mit einem konkreten Vorschlag auf die politischen Entscheidungsträger zugehen.“

Wie geht es weiter mit den Ergebnissen?

Der Prozess von Roundtables und Workshops im SET Lab der dena hat sehr viele konstruktive Lösungsansätze hervorgebracht. Alle Ansätze haben das Ziel Innovationen für den Klimaschutz zu unterstützen. Damit sind es nicht nur wirtschaftliche Interessen einzelner Unternehmen. Sie klingen alle sehr spannend und wären es wert individuell betrachtet zu werden. Schließlich brauchen wir in den untersuchten Themenfeldern mehr Innovationen um den Klimaschutz voran zu bringen.

Jetzt bleibt aber abzuwarten was umgesetzt wird und wo sich etablierte Unternehmen dagegen wehren werden. Immerhin gab es von seiten des BMWi zu einigen Punkten positives Feedback, manches scheint bereits in Arbeit zu sein. So positiv hat man das Ministerium lange nicht mehr wahrgenommen. Aber mal sehen wie es weiter geht. Eine Fortsetzung des SET Lab wird es eventuell auch geben, ist jedoch noch nicht sicher.

Welche Punkte sind für Euch besonders interessant? Soll ich auf einzelne Lösungsansätze näher eingehen?

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Über den Autor

Andreas Kühl

Ich bin Energieblogger aus Leidenschaft mit einem großen Faible für Energieeffizienz und erneuerbare Energien. Mit energynet.de betreibe ich einen der bekanntesten und einflussreichsten Energieblogs im deutschsprachigen Raum. Innovationen für die Energiewende in Technologien und Geschäftsmodellen sind meine aktuellen Schwerpunktthemen.

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