Energieeffizienz

Soll Energieverschwendung bestraft werden?

Helmut Koenig, Foto: Königskonzept
Helmut Koenig, Foto: Königskonzept

Wir reden seit Jahren viel über das Potential der Energieeffizienz, wir bewegen uns auch langsam in die richtige Richtung. Gerade angesichts der Debatte um die Strompreise und des Anstiegs der Öl- und Gaspreise müssten wir uns doch eigentlich schneller bewegen.  Aber es wird schon so verrückt, dass Unternehmen lieber mehr Strom verbrauchen, um von der Befreiung der EEG-Umlage zu profitieren. Klingt irgendwie so, als wenn der Motor des Autos länger läuft, damit wir günstiger unser Benzin kaufen können.

Muss man dann aber gleich so weit gehen und Energieverschwendung bestrafen? Der Preis müsste eigentlich Bestrafung genug sein, aber vermutlich sind Energiepreise noch nicht hoch genug. Dem Unternehmens- und Strategieberater Helmut König reicht das noch nicht aus, er fordert Knöllchen für Energieverschwender. Was meint Ihr dazu?

Knöllchen für Energieverschwender

Helmut Koenig, Foto: Königskonzept
Helmut Koenig, Foto: Königskonzept

Alle reden über Energieeinsparung, aber nur wenige setzten die Möglichkeiten um. Gerade jetzt zeigt die Befreiungsorgie bei der EEG Umlage für die energieintensive Industrie die Grenzen der „Einsparung auf Freiwilligkeitsbasis“. Wenn ähnliche Regelungen im Umweltschutz oder im Straßenverkehr bestehen würden, sähe es heute wohl schlimm für Umweltverschmutzung und Verkehrssicherheit aus.

Energieeinsparung setzt auf Einsicht

Unsere Politik setzt auf den Trend der Zeit und auf Freiwilligkeit. Die gesetzlichen Vorschriften dazu sind heute so, als würde man im Straßenverkehr einzig und allein vorschreiben, dass ein Auto über eine Bremse verfügen muss. Energiesparen heißt Geld sparen und deshalb besteht die feste Überzeugung, dass alle Unternehmen und Bürger intensiv auf Energieeffizienz setzen, um Geld einzusparen. Das ist so ähnlich, als würde man daran glauben, dass alle Menschen verbrauchsbewusst Auto fahren, um Treibstoff zu sparen.

Es gibt Annahmen dass, wenn alle wirtschaftlich machbaren Energieeffizienzmaßnahmen durchgeführt würden, wir unsere Klimaschutzziele von 2020 schon erreicht hätten. Es scheint also noch andere Beweggründe zu geben, warum Unternehmen und Menschen Energieeinsparung auf die lange Bank schieben.

Einsparung im privaten Wohnungsbau

Die wichtigsten 2 Gründe, warum der private Hausbesitzer keine Einsparmaßnahmen durchführt, liegen in Zukunfts- und Sicherheitsängsten. Viele Hausbesitzer sind unsicher, ob das privat genutzte Eigenheim zukünftig auch innerhalb der Familie weiter gegeben wird oder ob es veräußert werden kann. In beiden Fällen wird zu wenig an die Wertsteigerung eines Gebäudes gedacht. Es wird im Rahmen der demografischen Entwicklung immer mehr freier Wohnraum zur Verfügung stehen und Mieter und Käufer werden in immer stärkerem Maße die sogenannten Nebenkosten in ihre Kalkulation einbeziehen. Da haben energieoptimierte Wohnungen und Gebäude eindeutig die besseren Chancen.

Einsparung in Gewerbe- und Industriebauten

Einsparpotentiale liegen in der Industrie nicht nur bei der Energie, sondern im Bereich aller eingesetzten Ressourcen. Die wichtigsten 2 Gründe, warum Unternehmen hier zu wenige Maßnahmen durchführen, liegen beim Rückfluss des eingesetzten Kapitals und gerade beim Mittelstand im unzureichenden Focus auf dieses Thema. Rückfluss des eingesetzten Kapitals ist gerade bei kapitalgeführten Unternehmen eine kritische Größe, hier bestehen unzureichende Lösungen, die eine Einsparmaßnahme über die eingesparten Energiekosten refinanzieren (sogenannte Contracting Modelle). Zu wenig Focus bedeutet, dass Unternehmen sich zu stark auf ihr Kerngeschäft konzentrieren und dabei keinen Blick auf Energieeffizienzmaßnahmen rund um das produzierte Produkt legen. Das Energieeffizienz aber wichtiger sein kann als neue Technologien, zeigt die Erfahrung bei SCA, einem internationalen Papierkonzern. Dort erzielt man mittlerweile zwei Drittel der Einsparungen über Energieeffizienzmaßnahme und nur ein Drittel über den Einsatz neuer innovativer Technologien

Knöllchen für Energiesünder?

Nun wird sicher gesteinigt, wer nach staatlicher Lenkung, z.B. durch Bußgelder für Energieverschwender ruft. Alle betroffenen Verbände schreien auf und versuchen, solche Gesetzgebungen zu verhindern oder zumindest zu verschieben. Diese Lobbyarbeit gab es schon mal beim Umweltschutz, aber die heutige, von der Gesellschaft akzeptiere Gesetzgebung hat nicht nur dafür gesorgt, dass unsere Flüsse wieder sauberer geworden sind; sie hat auch eine Technologie entstehen lassen, die in die gesamte Welt exportiert wird und damit unsere Wirtschaft stärkt. Auch eine gezieltere Straßenverkehrsordnung hätte die Automobilindustrie sehr wahrscheinlich viel früher an verbrauchsarmen Motoren forschen lassen, hier waren andere Länder schneller als wir.

Gesetzliche Regelungen bei Energieverschwendung

Irgendwann wird eine Regelung kommen, die die Verschwendung von Ressourcen wie Energie und anderen Rohstoffen unter Strafe stellt. Hoffnung in die Einsicht von Energieeffizienzmaßnahmen ist ein schönes aber zu wenig wirkungsvolles Mittel, als dass man darauf setzen könnte. Dabei ist die Gesetzgebung zur Energieeffizienz wichtiger als unsere Umweltschutzgesetze. Eine verschmutzte Umwelt kann man versuchen wieder zu reinigen, eine verbrauchte Ressource ist verbraucht und steht zukünftig nicht mehr zur Verfügung. Das dies heute noch nicht im Bewusstsein der Gesellschaft angekommen ist, liegt daran, dass  Umweltverschmutzung oft sofort sichtbar ist und Auswirkungen zeigt, während verschwendete Ressourcen vielfach erst die Generationen nach uns treffen werden.

Über den Autor

Andreas Kühl

Ich bin Energieblogger aus Leidenschaft mit einem großen Faible für Energieeffizienz und erneuerbare Energien. Mit energynet.de betreibe ich einen der bekanntesten und einflussreichsten Energieblogs im deutschsprachigen Raum. Innovationen für die Energiewende in Technologien und Geschäftsmodellen sind meine aktuellen Schwerpunktthemen.

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