Vom Dilemma der Heizungssanierung

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Dilemma der Heizungssanierung
Architekturhaus mit Solarthermie-Kollektor, Foto: BSW-Solar/Wagner & Co.

Schon einmal vom Dilemma der Heizungssanierung gehört? Wer die Heizung austauscht steht heute vor einer großen Auswahl an unterschiedlichen Heizungen. Prinzipiell ist jede neue Heizung vom Energieverbrauch und CO2-Ausstoss besser als die alte Heizung. Daher sollte jede Heizungssanierung begrüsst werden. Doch die Mehrheit bleibt immer noch bei einer Gas- oder Öl-Heizung, was der Markt heute eben günstig anbietet. Damit bleiben sie die nächsten rund zwanzig Jahre bei einem fossilen Energieträger. Wer heute einen richtigen Schritt zur Dekarbonisierung, also zum Klimaschutz, beitragen möchte, muss bei der Heizung auf erneuerbare Energien setzen. Aber dazu bietet der Markt meines Erachtens nicht genügend attraktive Angebote für Heizungen mit erneuerbaren Energien. Das ist das Dilemma der Heizungssanierung.

Großes Potential der Heizung für den Klimaschutz

Erst letzte Woche habe ich zur Bedeutung der Energiewende im Heizungskeller für den Klimaschutz zwei Absätze geschrieben, als ich die zwei Studien über den Heizungsmarkt vorgestellt habe. Aber ich möchte noch einmal daran erinnern, und werde das demnächst sicher öfters tun. Je nach Quelle, hat der Wärmemarkt in Deutschland einen Anteil von 40 bis 50 Prozent am Endenergieverbrauch. Der Wärmemarkt wird als Sektor mit den höchsten Energieeinspar- und CO2-Minderungspotenzialen gesehen.

Heizungen in Deutschland sind überwiegend veraltet. Während wir uns ständig neue Smartphones, TV-Geräte oder Autos kaufen, ist die Heizung eher auf einem alten Stand. Das durchschnittliche Alter von Heizungen liegt bei 17,6 Jahren und ein Drittel ist sogar älter als 20 Jahre (Quelle: BMWi). In anderen Zahlen bedeutet das, nur 17 Prozent der rund 21 Millionen Heizungsanlagen sind auf dem Stand der Technik und nutzen erneuerbare Energien. Zwei Drittel der Heizungen sind veraltet und arbeiten ineffizient (Quelle: SBZ Monteur).

Modernisierung der Heizungen kann deutschen Energieverbrauch halbieren

Was derzeit am häufigsten gemacht wird bei der Sanierung der Heizung, ist der einfache Austausch. Der bisherige Energieträger, also Gas oder Öl, wird weiter genutzt. Das hat einen nicht unerheblichen Effekt. Die größte Messe für Heizungstechnik, die ISH in Frankfurt, verkündet in einer Pressemitteilung:

Allein über die anlagentechnische Modernisierung der rund 14 Mio. veralteten Heizungsanlagen könnte der Energieverbrauch Deutschlands nahezu halbiert werden. Dies entspräche gut 15 Prozent des deutschen Endenergieverbrauchs. Gleichzeitig ergeben sich hohe CO2-Minderungspotenziale.

Die Heizungsindustrie setzt dabei auf Effizienz und eine Einbindung von erneuerbaren Energien. Ein breiter Mix an Technologien und Energieträgern soll helfen die klimapolitischen Ziele zu erreichen.

Das Potential klingt riesig, doch die aktuelle Geschwindigkeit der Modernisierung ist dafür zu gering. Bei dem aktuellen Tempo der Modernisierung dauert es rund 30 Jahre bis die 8,7 Millionen Gas-Heizwertgeräte auf dem Stand der Technik sind. Und bei den rund 5,1 Millionen Öl-Heizwertkesseln würde dies sogar über 90 Jahre dauern (SBZ Monteur).

Wechsel zu erneuerbaren Energien für die Heizung notwendig

Kommen wir zum Problem an der Sache. Wirkungsvoller Klimaschutz braucht deutlich mehr erneuerbare Energien in der Heizung und eine deutlich höhere Geschwindigkeit in der Heizungssanierung. Der Wachstum erneuerbarer Energien bei der Heizung ist,, nach Angaben von bizzenergytoday.com, sogar rückläufig (gefunden bei ecoquent-positions).

Ohne erneuerbare Energien in der Heizung kann es keine Energiewende geben, die Fokussierung auf Strom blockiert sogar den Blick auf die Wärme. Während der Stromsektor bei bei rund einem Drittel Erneuerbare Energien liegt, hat der Wärmemarkt nicht einmal die Hälfte. Das Umweltbundesamt hat Ende November von einem leichten Anstieg auf 13,2% berichtet.

Für Klimaschutz und erneuerbare Energien braucht es aber deutlich mehr erneuerbare Energien und eine deutlich höhere Geschwindigkeit. Der Bundesverband Erneuerbare Energien e.V. hat ermittelt, dass sich das sich das Ausbautempo gegenüber den letzten drei Jahren verdreifachen muss. Nur so können die Klimaziele, des Abkommens von Paris 2015 erreicht werden, mit 100 Prozent erneuerbaren Energien in der Wärmeversorgung. Dazu benötigen wir bis 2030 im Vergleich zu Heute mindestens eine Verdopplung und bis 2040 fast eine Vervierfachung der erneuerbaren Energien in der Wärmeversorgung (Quelle: BEE Positionspapier mit Analyse des Wärmemarktes und Eckpunkte einer Wärme- & Kältestrategie).

Dilemma der Heizungssanierung

Wird jetzt langsam das Dilemma der Heizungssanierung deutlich? Moderne Gas- und Ölheizungen sparen, im Vergleich zu ihren Vorgängern, Energie ein und reduzieren den CO2-Ausstoß. Aber für die Erreichung der Ziele aus dem Klimavertrag von Paris brauchen wir ein deutlich höheres Wachstum von erneuerbaren Energien im Wärmesektor. Jede neue Heizung ohne erneuerbare Energien trägt jedoch zur Verringerung des Wachstums bei.

Im Gegensatz zum Stromsektor sind 100 Prozent erneuerbare Energien bei der Heizung aber nur schwer oder mit sehr großem Aufwand zu erreichen. Oder wir kommen, wie bei Holz, bzw. Pellets, an die Grenzen der Nachhaltigkeit wenn alle diesen Energieträger nutzen. Es fehlen auf dem Markt auch noch die Alternativen für die Heizungssanierung mit erneuerbaren Energien. Vielleicht ändert sich das noch?

Anders als Dänemark, fehlt es in Deutschland noch an einer Wärmestrategie in der Energiewende. Ein weiter so wird nicht reichen. Und ist eine Förderung von neuen Gas- oder Öl-Heizungen ohne Pflicht zur Einbindung von erneuerbaren Energien nicht kontraproduktiv?

In den nächsten Wochen werde ich mich intensiver mit Lösungen beschäftigen. Was wird heute getan, um die erneuerbaren Energien in den Wärmemarkt zu bringen? Wo sind die Alternativen zu Gas und Öl in der Heizungssanierung? Kennt Ihr gute Ideen? Ich stelle sie gerne vor.

Über Andreas Kühl

Energieblogger aus Leidenschaft mit großem Faible für effiziente Energienutzung im Strom- und Wärmebereich. Diie kostenlos zur Verfügung stehende Energie der Sonne und vom Wind sind für mich faszinierend und Herausforderung zugleich. Sie suchen für Ihre Informationsseiten oder Ihren Blog immer wieder nach neuen, interessanten Inhalten? Oder Sie wollen Ihre Online-Kommunikation analysieren lassen? Informationen zum Leistungsangebot von Andreas Kühl finden Sie unter energynet.de/leistungen.

7 Antworten auf Vom Dilemma der Heizungssanierung

  1. Wieso sollte ich meine gerade mal 10 Jahre alte Heizung mit einem Wirkungsgrad von 96% (laut Datenblatt) für ca. 10.000€ gegen eine mit 98% Wirkungsgrad austauschen?
    Die mögliche Einsparung beträgt laut Herstellerwerbung bis zu 20% (ohne Garantie).
    Das heißt bei meinen Heizkosten von ca. 1000€ im Jahr spare ich maximal 200€. Das wären in 10 Jahren – also dann wenn ich mir wieder eine neue Heizung anschaffen soll weil es ja sparsamer ist – gerade mal 2000€ Ersparnis bei den Heizkosten. Das Verhältnis wird sich auch nicht großartig ändern wenn die Kosten für Heizenergie steigen. D.h. ich würde mit einer Heizung nie in die so oft propagierte Rentabilität kommen – passiert beim Auto auch nicht aber das ist ein anderes Thema.

    Aber selbst wenn ich mir eine neue sparsame Heizung anschaffe, die Wärmesenke – sprich das Haus mit seinem Wärmebedarf und die Heizkörper oder Fußbodenheizung – habe ich dann noch lange nicht auf einen aktuellen energetischen Stand gebracht. Und das ist im Gegensatz zur Heizung das was die Wärme "verbraucht".

    1. Mit einem Alter von 10 Jahren ist die Heizung noch relativ aktuell und nicht unbedingt Zielgruppe der anstehenden Modernisierung. Wie sieht es bei Heizungen aus, die 15, 20 Jahre oder älter sind? Diese sollten sich angesprochen fühlen. Ich weiß, und das wird das nächste Dilemma sein, das Du angesprochen hast. Da spart man dann vielleicht 300 € von 1.500 € Heizkosten ein. Eine Betrachtung der Wirtschaftlichkeit wird die Heizung auch nicht bestehen können. Wie löst man das Problem?

    2. Wirkungsgradangaben von Herstellern, die von Laborversuchsständen stammen, sind eher sekundär.
      Zudem sind sie auf momentane Nennleistung bezogen, die nur in wenigen Stunden in einer Jahresbilanz benötigt wird.
      Energie ist nicht Leistung!
      Bei energetischen Betrachtungen ist die reale Anlagenaufwandszahl im praktischen Betrieb ausschlaggebend.
      Energieverbrauch = Anlagenaufwandszahl x Energiebedarf (reale Bedingungen)
      Nicht zu verwechseln mit normierten Bedingungen (EnEV, KfW)!!!
      Bei der energetischen Sanierung ist stets zunächst eine Ist-Stand-Analyse durchzuführen, um vorhandene Defizite aufzuspüren. Planloses Handeln, wie z.B. übereilter Kesseltausch etc., wie es Verkäufer suggerieren, ist selten von Erfolg gekrönt und endet nicht selten in einem Groschengrab.

  2. Nicht nur Heizungsanlagen im Bestand sondern auch Neubauvorhaben leiden an mangelnder Energieeffizienz (Anlagenaufwandszahl mitunter deutlich zu hoch), was mit überhöhten Verbräuchen und CO2 Emissionen verbunden ist.
    Die Ursachen sind vielfältig und deutlich differenziert. Eine Hauptursache, neben Installationsfehlern ist, dass Heizungsanlagen lediglich verkauft, aber nicht hinreichend dimensioniert werden.
    Hierfür sind nicht die Hersteller verantwortlich!!!
    In EFH/ZFH werden sie auf Grundlage von Vermutungen, Annahmen bzw. Schätzungen lediglich "zusammengeschraubt".
    Verantwortlich:
    BT/GU/GÜ, Architekten, Energieberater und Anlageninstallateure, denen schneller Verkauf eher am Herzen liegt, als die Energieeffizienz des Anlagenbetreibers im praktischen Betrieb. Diese lässt sich relativ einfach messen/feststellen (Transparenz)!

  3. Ich beginne momentan mich mit dem Thema zu beschäftigen und bin dabei auf ein Heizsystem aufmerksam geworden, bei dem eine Infrarotheizung mit einer Photovoltaik-Anlage kombiniert wird. Ist dies aus Ihrer Sicht ein effizientes System? Ist das Heizen so auf Dauer kostengünstiger UND umweltfreundlicher? Macht es Sinn ein gesamtes Haus so zu heizen oder ist die Verwendung nur als Ergänzung sinnvoll?

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