Dänemark

Was macht Dänemark anders in der Energiewende?

Vojens Draufsicht
Sicht von oben auf Solarkollektoren und saisonalem Speicher in Vojrens, Dänemark
Vojens Draufsicht
Sicht von oben auf Solarkollektoren und saisonalem Speicher in Vojrens, Dänemark

Eines der wenigen Länder das ähnlich große Anstrengungen für die Energiewende unternimmt, wie Deutschland, ist unser nördlicher Nachbar Dänemark. Sie sind sogar weiter mit 28% erneuerbare Energien bei Strom und Wärme. Allein 42% der Stromerzeugungs-Kapazitäten stammt aus der Windenergie. Die Herausforderungen sind damit ähnlich, doch die politischen und regulatorischen Voraussetzungen sind anders als bei uns. Auf einer Unternehmerreise nach Dänemark, organisiert von der dänischen Botschaft in Berlin und der Energieagentur NRW, hatte ich letzte Woche die Gelegenheit mir vor Ort selbst ein Bild zu machen. Der Schwerpunkt der Reise lag auf der Fernwärmeversorgung und der Einbindung von erneuerbaren Energien ins Fernwärmenetz.

Dänemark ist bei uns bekannt für große solarthermische Anlagen und für das Verbot von Öl- und Gasheizungen in Neubau und in der Sanierung. Auch als Pionier der Windenergie kennen wir Dänemark.

Energiepolitik in Dänemark folgt dem Ziel der Unabhängigkeit von fossilen Energien bis 2050

Wie schaffen die das nur? Scheinbar ohne Widerstand kommt Dänemark auf einen Anteil von 50% Windenergie im Stromnetz und 63% Fernwärme in der Wärmeversorgung. Bei uns kommt es schon bei deutlich kleineren Anteilen zu größerem Widerstand in der Bevölkerung.

Dänen sind entspannt und gelten als das glücklichste Volk der Welt. Das alleine erklärt das aber nicht. Dänemark hat einen deutlichen politischen Rahmen, der dem Ziel folgt bis 2050 unabhängig von fossilen Energien zu sein. Dieser Konsens wird von keiner Regierung mehr in Frage gestellt, die Diskussionen der Energiepolitik bewegen sich immer im Rahmen dieses Konsens. Auch das Ende der direkten Förderung von erneuerbaren Energien hat bei unseren Nachbarn andere Auswirkungen als bei uns. Der Hauptunterschied liegt darin, dass in Dänemark fossile Energien stark besteuert werden und damit nicht mehr so günstig sind. Erneuerbare Energien haben damit gute Chancen auch ohne Subventionen im Wettbewerb zu bestehen.

Wärmeversorgung wichtige Säule der dänischen Energiewende

Blick vom Speicher auf die Solarkollektoren in Vojens
Blick vom Speicher auf die Solarkollektoren in Vojens

Deutlich wird dies bei dem Blick auf die Wärmeversorgung. Während sich in Deutschland die Energiewende auf die Stromerzeugung konzentriert, war in Dänemark von Anfang an auch die Wärmeversorgung von Anfang an Teil der Energiestrategie. Der Anteil von Fern- und Nahwärme in der dänischen Wärmeversorgung von Wohngebäuden liegt heute bereits bei 63% und bei 50% des gesamten Wärmebedarfs. Dieser Ausbau ist nur durch die gesetzlichen Rahmenbedingungen möglich und daher kaum zu vergleichen mit der Situation in Deutschland. In Dänemark wird die Nahwärme von lokalen Betreibergesellschaften betrieben, die nicht profitorientiert arbeiten dürfen. Die Gesellschaften sind daher in den Händen der Kommune oder der Bürger – in Form von Energiegenossenschaften. Gewinne, die erwirtschaftet wurden, erhalten die Kunden im nächsten Jahr über geringere Preise zurück oder das Geld wird investiert. Bei neuen Wärmenetzen ist ein Anschlusszwang häufig

Investitionen gehen bei der Wärmeversorgung in den Ausbau des Netzes oder in die Umstellung der Energieträger auf erneuerbare Energien. Wir konnten ein großes solarthermisches Kraftwerk in Vojens mit 70.000 m³ Kollektorfläche und einem saisonalem Speicher mit 200.000 m³ Volumen besichtigen. Diese Anlage deckt ca. 50% des lokalen Wärmebedarfs. Aktuell ist sie die größte Anlage der Welt, es wird jedoch bereits an einer größeren Anlage gebaut.

Thermische Solarenergie hat den großen Vorteil der konstanten und vorhersehbaren Kosten über mindestens 25 Jahre. Der Flächenbedarf ist weit geringer als bei der Nutzung von Biomasse, Solar ist günstiger als Gas und die Einsparverpflichtung nach Artikel 7 der EED (EU-Energieeffizienzrichtlinie) wird eingehalten. Letzteres sorgt für die Einsparung von zwei Millionen dänische Kronen, die sonst gezahlt werden müssten.

Umstellung der Kraftwerke von Kohle auf Biomasse

Ein weiterer und aktuell wichtiger Bestandteil der dänischen Energieversorgung ist Biomasse aus Holz. Einige Kraftwerke wurden bereits oder werden zur Zeit umgestellt vom Energieträger Kohle zu Holz in Form von Stückholz oder Pellets. Das Holz oder die Pellets kommen aus heimischen Wälder, Nordeuropa, den baltischen Staaten oder aus Kanada. Biomasse ist vielleicht nachhaltiger als Kohle, aber bei den benötigten Mengen und den Transportwegen lässt sich die Nachhaltigkeit schnell in Frage stellen.

Zunehmend werden daher in einem Nachhaltigkeits-Wettbewerb der Kommunen weitere Technologien für die Wärmeversorgung gesucht. Die Zahl der Energieträger in der Wärmeversorgung wächst weiter an. Hinzu kommt daher die Verbrennung von Siedlungsabfall, die Nutzung industrieller Abwärme genutzt und überschüssiger Strom aus Erneuerbaren Energien. Neu ist die smarte Wärmeversorgung, der Einsatz von Wärmepumpen, die dezentrale Einspeisung in Wärmenetze und mehr Effizienz durch geringere Temperaturen.

Es scheint als habe Dänemark einen Weg zur Energiewende gefunden, der attraktiv genug ist und Anreize bietet den Einsatz der erneuerbaren Energien zu erhöhen. die Nutzung fossiler Energien, die nicht erwünscht ist, wird mit Kosten bestraft und somit der Einsatz von erneuerbaren Energien wirtschaftlich attraktiver ohne Subventionen oder Förderung. Heizenergie aus Fernwärme ist bei den Beispielen, die uns gezeigt wurden, deutlich günstiger als andere Heizungsarten.

Für die Möglichkeit an der Reise teilzunehmen bedanke ich mich bei der dänischen Organisation „State of Green“.

Über den Autor

Andreas Kühl

Ich bin Energieblogger aus Leidenschaft mit einem großen Faible für Energieeffizienz und erneuerbare Energien. Mit energynet.de betreibe ich einen der bekanntesten und einflussreichsten Energieblogs im deutschsprachigen Raum. Innovationen für die Energiewende in Technologien und Geschäftsmodellen sind meine aktuellen Schwerpunktthemen.

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