Bauen

Was bedeuten serielles Bauen und serielles Sanieren?

serielles bauen und serielles sanieren
Serielles Bauen und serielles Sanieren - Fast wie bauen mit Lego, Foto: Pixabay/ sttimm

Nach den TinyHouses und dem modularen Bauen habe ich noch einen weiteren neuen Begriff entdeckt, der in der Baubranche neu ist. Es geht um serielles Bauen und um serielles Sanieren. Ohne genau zu wissen, was sich dahinter verbirgt, hört sich „seriell“ nach einer Bauweise an, die man in großer Zahl hintereinander, also serienmäßig umsetzen kann. Das wäre dann ein Gegenentwurf zur individuellen Bauweise. Wie sieht diese Bauweise in der Praxis aus und warum liest man gerade so viel über serielles Bauen und serielles Sanieren?

Was ist serielles Bauen?

Das Ziel des seriellen Bauens ist es den Bau neuer Wohnungen attraktiver zu machen. Vor allem in den Städten benötigen wir in Deutschland neuen bezahlbaren Wohnraun. Wir brauchen sogar richtig viele bezahlbare Wohnungen, der Gesamtverband der deutschen Wohnungwirtschaft spricht von 80.000 zusätzlichen Mietwohnungen im geförderten Bereich und rund 60.000 Wohnungen im bezahlbaren Segment. Pro Jahr versteht sich.

Aus der Überlegung wie man den Bau von neuen bezahlbaren Wohnungen attraktiver machen kann, stammt die Idee des seriellen Bauens.

Serielles Bauen bedeutet vor allem Standardisierung von Bauprozessen in der Planung und in der Bauausführung. Damit soll der Bau von neuen Wohnungen schneller, günstiger und mit höherer Qualität ablaufen.

Wege für serielles Bauen

Umsetzen lässt sich diese Idee in der Praxis auf unterschiedlichen Wegen:

  • Standardisierte Grundrisse: Die Berliner HOWOGE setzt serielles Bauen mit Standard-Grundrissen um, die für unterschiedliche Wohnformen geeignet sind. Damit bleiben die Bewohner flexibel und selbst bestimmt in der Nutzung. Einzelne Räume oder auch ganze Wohnungen müssen nicht immer wieder neu gedacht werden, die Grundrisse lassen sich immer wieder verwenden.
  • Standardisierte Planungsprozesse: Dies kann die Planung mit immer wieder kehrenden Elementen betreffen, die standardisiert werden können. Dazu gehören z.B. Detailplanungen. Es kann aber auch die Ausschreibung und Vergabe betreffen, die mit Hilfe der Digitalisierung vereinheitlicht wird.
  • Industrielle Vorfertigung von Bauelementen: Einzelne Bauelemente, wie Wände und Dächer können bereits fertig auf die Baustelle geliefert werden. Auch einzelne Räume, wie Bäder, kann man industriell erstellen und fertig auf die Baustelle liefern.
  • Modulares Bauen mit ganzen Wohnungen oder Teilen von Wohnungen, die vorgefertigt auf der Baustelle nur noch zusammen gesetzt werden. Beispiele hatte ich bereits in dem Beitrag über modulares Bauen vorgestellt.

Weitere Möglichkeiten gibt es mit Sicherheit und wer mehr mit der Baupraxis zu tun hat, dem fallen sicher auch noch mehr Arbeitsschritte ein, die sich standardisieren lassen. Vieles wird auch schon umgesetzt. So ist der Anteil industriell vorgefertigter Bauelemente heute schon höher als 60 Prozent.

Diese und weitere Informationen findet Ihr in der „Marktstudie Serielles Bauen“ für die Wohnungswirtschaft Norddeutschland. Dazu gibt es praktische Beispiele, Ideen und Konzepte für serielles Bauen, zusammen gestellt von der Deutschen Bauindustrie.

Vor- und Nachteile des seriellen Bauens

Serielles Bauen kann die Kosten für den Bau neuer Wohnungen reduzieren. Dazu ist jedoch eine sehr gute Vorplanung notwendig, denn Korrekturen sind auf der Baustelle nur noch schwer oder nicht mehr möglich. Hinzu kommt, dass durch die aufwändigere Vorplanung größere Stückzahlen gebaut werden müssen , damit die Wohnungen am Ende wirklich günstiger sind.

Lässt sich das Energiekonzept standardisieren?

Bis jetzt habe ich nur die Bauweise oder den Bauprozess betrachtet. Aber was ist mit dem Energiekonzept von Gebäuden, lässt sich das auch standardisieren und damit Kosten sparen?

Das Thema Energie kommt nicht oder nur wenig vor in der Literatur, die ich gefunden habe. Korrigiert mich bitte, wenn es gute Texte zu diesem Thema gibt. Dabei sind die Mehrkosten durch die energetischen Anforderungen eine der Gründe für diese neue Bauweise.

Die Standardisierung oder Typisierung einzelner Bauteile, bzw. ganzer Wohnungen ermöglicht auch eine Standardisierung der energetischen Kennwerte. Eine weitere Übernahme oder Wiederverwendung von bereits erstellen Planungen der Energiekonzepte könnte ich mir auch gut vorstellen. Nur eine Anpassung an die Änderungen und die örtlichen Gegebenheiten ist dann noch notwendig.

Damit wäre auch eine Reduzierung der Kosten für das Energiekonzept möglich? Sehe ich das so richtig oder muss das Energiekonzept dennoch in jedem Gebäude komplett neu erstellt werden?

Sind auch serielle Gebäudesanierungen möglich?

Im Neubau ist serielles Bauen mit Sicherheit gut vorstellbar. Dafür gibt es auch einige Beispiele aus der Praxis. Aber lässt sich das auch für die Sanierung anwenden? Schließlich ist jedes Haus unterschiedlich, hat andere Voraussetzungen für die Sanierung und ist nicht immer perfekt gebaut.

Die Sanierung von Gebäuden kommt in Deutschland nur sehr langsam voran. Das liegt vor allem daran, dass der Kostenaufwand sehr hoch ist und sich nicht unbedingt refinanzieren lässt. Zudem ist es in der Regel nur schwer möglich den tatsächlichen Aufwand vorher abzuschätzen. So muss jede Sanierung individuell geplant und handwerklich umgesetzt werden.

Serielles Sanieren mit dem Energiesprong-Prinzip

Eine Lösung um die Kosten und den zeitlichen Aufwand in der Sanierung zu reduzieren, bei gleichzeitig hoher Effizienz, ist die Sanierung nach dem Energiesprong-Prinzip. Dieses Verfahren hatte ich bereits ausführlich vorgestellt. Es wurde in den Niederlanden entwickelt, um die typischen Reihenhäuser schnell und effektiv zu sanieren. Inzwischen ist die Sanierung eines Reihenhauses innerhalb von zwei Tagen möglich. Die Finanzierung erfolgt über die eingesparten Energiekosten. Das bedeutet, dass die Warmmiete sich durch die Sanierung nicht ändert.

Dieses Prinzip soll nun auch in Deutschland Anwendung finden. Und zwar bei Mehrfamilienhäusern. Dazu hat die dena das Projekt „Serielle Sanierung von Mehrfamilienhäusern“ gestartet. Partner in dem Projekt sind die Bauindustrie, die Immobilienwirtschaft, das BMWi und die holländische Initiative „Energiesprong“.

Die Initiative möchte in den nächsten zwei Jahren Protoypen mit vorgefertigten Elementen klimaneutral sanieren, um damit einen breiten Sanierungsmarkt zu erschließen. Aktuell sind bereits neun Wohnungsunternehmen in der Initiative dabei und entwickeln Lösungen für 60 Wohneinheiten. Für 57 weitere Wohneinheiten werden noch Lösungsanbieter gesucht.

Ziele der seriellen Sanierung von Mehrfamilienhäuser

Das Factsheet der dena gibt einen guten Überblick über die deutsche Energiesprong-Initiative. Im Grunde geht es also um die Vernetzung von innovativen Wohnungsunternehmen mit smarten Bauunternehmen. Das Projekte möchte Markthemnisse beseitigen, Vertrauen zwischen den Partnern aufbauen und Lösungen für serielles Sanieren entwickeln.

Die Besonderheiten der Sanierung mit Energiesprong Deutschland sind beeindruckend:

  • Qualitätsgarantie: Die zugesicherte Qualität geht über die übliche Gewährleistung hinaus. Zudem ist ein Energieeffizienz-Standard mit einer ausgeglichenen Energiebilanz (net-zero) garantiert.
  • Minimale Sanierungszeit: Über eine Vormontage und Standardisierung soll die Sanierungszeit nicht mehr als eine Woche betragen, für die Mieter ergeben sich damit minimale Störungen.
  • Bezahlbare Kosten: Die Modernisierung soll sowohl für die Wohnungswirtschaft als auch für die Mieter attraktiv sein. Das bedeutet, für die Mieter ist die Modernisierung warmmietenneutral und für die Wohnungswirtschaft ebenfalls wirtschaftlich attraktiv.
  • Modernes Design: Für die Sanierung gibt es einen attraktiven Designbaukasten mit hochwertigen Bauelementen.

An diesen Punkten müssen sich die Ergebnisse der entwickelten Prototypen messen lassen.

Serielles Sanieren bedeutet Industrialiserung der Sanierung

Die genannten Ziele kann man nur erreichen durch eine konsequente Industrialiserung der einzelnen Schritte einer Sanierung:

  • Aufmaß mit 3D-Laserscan für das Building-Information-Modeling
  • CAD/ CAM Programme für den Import der 3D-Aufmaße
  • Projektierung mit Vorbereitung der Gebäude für die serielle Sanierung
  • Vorfertigung möglichst vieler Bauelemente im industriellen Prozess
  • Montage der  vorgefertigten Elemente auf der Baustelle
  • Sanierung auf „Net-Zero“-Standard und Nutzung erneuerbarer Energien für eine warmmietenneutrale Sanierung
  • Monitoring mit Gebäude- und Qualitätsmanagement

Partner für serielles sanieren gesucht

Die Initiative sucht für Deutschland noch weitere interessierte Unternehmen. Beteiligen können sich zum einen Generalunternehmer und -übernehmer, zum anderen Zulieferer für vorgefertigte Fassadenelemente, Solardächer, Heiz-, Lüftungs- und Speichertechnik sowie Energie-Monitoringsysteme.

Wer Interesse hat, kann  sich über ein Formular auf der Projektseite anmelden.

Nächste Schritte für Energiesprong Deutschland

Mit einem „Challenge Day“ geht es los am 20. September 2018 in Berlin. Dort stellen die beteiligten Wohnungsunternehmen die Projekte vor, die sie mit innovativen Partnern umsetzen möchten. Es werden auch erste Energiesprong Prototypen gezeigt, Lösungsansätze diskutiert und die Teilnehmer untereinander vernetzt.

Ende Oktober kommt der nächste Schritt mit einem „Innovation Day“. Dort können weiterführende Fragen zu Gebäudehülle, Technikmodulen und anderen Herausforderungen diskutiert und geklärt werden.

Am Ende des Jahres können die Anbieter ihre Konzepte bei einem „Pitch Event“ der Wohnungswirtschaft vorstellen. Diese können dann die für sie passenden Lösungen auswählen.

Das Team von Energiesprong Deutschland begleitet und unterstützt die Bauunternehmen kostenlos, in der Zeit der Konzepterstellung und darüber hinaus.

Ist serielles Bauen und Sanieren der Zukunftstrend am Bau?

In der Baubranche ist die Digitalisierung noch relativ wenig voran geschritten. Auch Industrialisierung und Industrie 4.0 sind noch zu wenig ein Thema. Nach wie vor ist jeder Neubau und jede Sanierung eine individuelle Lösung. Serielles Bauen und Sanieren können eine Chance sein zur Modernisierung der Baupraxis. Dabei ist die Modernisierung oder Digitalisierung kein Selbstzweck, sondern trägt vor allem zur dringend notwendigen Reduzierung von Kosten bei.

In der Sanierung nach dem Energiesprong-Prinzip kommt noch hinzu, dass die Sanierung endlich attraktiv werden kann. Kurze Sanierungszeiten, wirtschaftliche Attraktivität für Wohnungsunternehmen und keine höheren Kosten für die Mieter. Und vor allem die Sicherstellung der hohen Energieeffizienz mit bilanziellem Nullverbrauch (net-zero) über das Jahr kann von großer Bedeutung für die Energiewende sein.

Ich bin gespannt wie sich dieser Trend weiter entwickelt. Vor allem, wie das Projekt Energiesprong Deutschland gehen wird.

Was haltet Ihr von diesen Ideen? Lässt sich das in der Praxis umsetzen?

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Über den Autor

Andreas Kühl

Ich bin Energieblogger aus Leidenschaft mit einem großen Faible für Energieeffizienz und erneuerbare Energien. Mit energynet.de betreibe ich einen der bekanntesten und einflussreichsten Energieblogs im deutschsprachigen Raum. Innovationen für die Energiewende in Technologien und Geschäftsmodellen sind meine aktuellen Schwerpunktthemen.

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