Sanierung

Welche Amortisationszeit hätten Sie denn gerne?

FIW Studie Titel
Studie "Wirtschaftlichkeit von wärmedämmenden Maßnahmen"
Studie "Wirtschaftlichkeit von wärmedämmenden Maßnahmen"
Studie „Wirtschaftlichkeit von wärmedämmenden Maßnahmen“

Folgenden Text habe ich veröffentlicht im Auftrag des Gesamtverband Dämmstoffindustrie e.V. (GDI).

Es kommt bei vielen Investitionen für Energieeffizienz nun mal darauf an, wann die eingesetzte Summe wieder eingespart wird. Der Idealismus alleine reicht den meisten Menschen nicht aus. Es geht immerhin oft um größere Beträge, gerade bei der Sanierung des Gebäudes. Über die Dauer der Amortisation liest man dann ganz unterschiedliche Angaben. Welche Zahlen sind dann richtig?

Vereinfacht gesagt, kann jede dieser Zahlen richtig sein. Dies ist die Grundaussage der Studie, die Prof. Dr. Andreas Holm vom Forschungsinstitut für Wärmeschutz e.V. München (FIW) am Rande der Berliner Energietage vorgestellt hat. Er plädiert für eine stochastische Bewertung der Amortisationszeiten.

Einflussparameter für die Höhe der Amortisationsdauer

Durch die Vielzahl an Parametern, welche die tatsächliche Amortisationszeit beeinflussen, kann sie auch ganz unterschiedlich ausfallen.

  • Wird der Energieträger früher oder später eingekauft?
  • Wie entwickeln sich die Energiepreise?
  • Haben wir einen oder mehrere milde Winter?
  • Wie ist das Nutzungsverhalten?
  • Welchen Ausgangszustand hat das Gebäude?
  • Wie entwickelt sich der Realzins?
  • In welcher Klimaregion steht das Gebäude?

Das sind nur ein paar der Parameter, die ich mitgeschrieben habe. Man sieht schon daran gut, dass die Zahl der Einflussfaktoren recht groß ist.

Betrachtung Vollkosten oder energiebedingte Mehrkosten

Prof. Dr. Andreas Holm bei der Erläuterung der Studie zur Wirtschaftlichkeit von wärmedämmenden Maßnahmen, Foto: Andreas Kühl
Prof. Dr. Andreas Holm bei der Erläuterung der Studie zur Wirtschaftlichkeit von wärmedämmenden Maßnahmen, Foto: Andreas Kühl

Viele Differenzen bei der Berechnung der Amortisationsdauer entstehen nicht durch Unsicherheiten bei der Wahl der Parameter. Der erheblich größere Unterschied entsteht dadurch, ob die Vollkosten einer Maßnahme oder nur die energetisch bedingten Mehrkosten betrachtet werden. Wenn ohnehin eine Sanierung der Fassade oder des Daches ansteht, sind die energiebedingten Mehrkosten der Maßstab für einen Vergleich. Nur wenn die Maßnahme mit dem Ziel des Energiesparens in Angriff genommen wird und eine Sanierung eigentlich nicht notwendig wäre, ist die Betrachtung der gesamten Kosten richtig.

Da vor allem die sogenannten Opportunitätsfenster genutzt werden sollen für die Sanierung – also wenn die Bauteile sowieso angefasst werden müssen – sind die energiebedingten Mehrkosten für einen Vergleich sinnvoll. Je nach Maßnahme fällt damit nur noch ein Teil der Kosten an.

Energetische Sanierung dann, wenn ohnehin Sanierung notwendig ist

Bei einem WDVS für die Fassade sind das dann nur noch 20 bis 45% der gesamten Kosten. Der restliche Betrag wäre ohnehin fällig bei einer Fassadensanierung. Daher betrachtet die Studie nur die Amortisationszeit der energiebedingten Mehrkosten.

Merke: Bei sehr hohen Amortisationszeiten von Dämmungen werden die Vollkosten der Maßnahme betrachtet.

In dem Fall wurde das Bauteil bereits saniert oder es wird nicht berücksichtigt, dass früher oder später ohnehin eine Sanierung fällig ist und sich dann die Dämmung am ehesten rechnet. Eine Ausnahme sind Bauteile, die ohne Dämmung nicht angefasst werden, wie die nicht begehbare oberste Geschossdecke.

Wo liegen denn nun die Amortisationszeiten einzelner Bauteile?

Dämmung der obersten Geschossdecke: Bei einem Ausgangs-U-Wert von 0,9 W/(m²K) liegt die Amortisationszeit bei einer begehbaren Geschossdecke in der Regel zwischen 6 und 16 Jahren (Mittelwert: 10 Jahre). Die gleiche Maßnahme bei unbegehbarer Geschossdecke amortisiert sich bereits nach etwa zwei bis fünf Jahren.

Dämmung eines Steildaches: Bei einem Ausgangs-U-Wert von 0,9 W/(m²K) liegt die Amortisationszeit in der Regel zwischen 6 und 16 Jahren, wobei sich die Maßnahme nach durchschnittlich 10 Jahren amortisiert hat.

Dämmung eines Flachdaches: Bei einem Ausgangs-U-Wert von 0,9 W/(m²K) liegt die Amortisationszeit zwischen 5 und 13 Jahren.

Fassadendämmung: Für eine Außenwanddämmung von U = 1,4 W/(m²K) mit einem Wärmedämmverbundsystem ergibt sich entsprechend den Anforderungen der Energieeinsparverordnung ein großer Schwankungsbereich der Amortisationszeit. Je schlechter der energetische Ursprungszustand der Wand ist, desto schneller amortisiert sich eine Fassadendämmung. Bei Außenwänden, die vor der ersten Wärmeschutzverordnung (WSchV) 1977 errichtet worden sind, ergibt sich eine Amortisationszeit zwischen 4 und 10 Jahren.

Kellerdämmung: Geht man beim unteren Gebäudeabschluss von einem energetischen Zustand aus, der vor der Einführung der ersten Wärmeschutzverordnung typisch war, so beträgt die mittlere Amortisationszeit bei einer Kellerdeckendämmung von unten mit Bekleidung acht Jahre. Ohne Bekleidung reduziert sich die Amortisationszeit auf etwas unter sechs Jahre.

Was lernen wir aus der Studie?

Eigentlich muss man bei der Angabe von Amortisationszeiten bei der Gebäudesanierung ohnehin vorsichtig sein. Wer weiß schon mit welchen Annahmen diese errechnet wird. Nur, wenn weitere Informationen angegeben werden, die gut nachvollziehbar sind, wie das Alter des Gebäudes, ist auch die Angabe der Amortisationsdauer sinnvoll. Die Angabe eines Bereichs ist dagegen ehrlicher, denn die weiteren Einflussfaktoren kann man nur abschätzen, aber nicht vorhersagen.

Werden wir aber künftig häufiger Erklärungen der Randbedingungen bei Amortisationszeiten oder Bereiche mit Angabe der Wahrscheinlichkeit sehen? In der verkürzten Darstellung der Medien ist es nur schwer vorstellbar, ich lasse mich aber gerne überraschen.

Über den Autor

Andreas Kühl

Ich bin Energieblogger aus Leidenschaft mit einem großen Faible für Energieeffizienz und erneuerbare Energien. Mit energynet.de betreibe ich einen der bekanntesten und einflussreichsten Energieblogs im deutschsprachigen Raum. Innovationen für die Energiewende in Technologien und Geschäftsmodellen sind meine aktuellen Schwerpunktthemen.

4 Kommentare

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  • Die Amortisationszeit einer Dämm-Maßnahme hängt auch von den Kosten derselben ab. Wenn man z.B. für einen m² gedämmter OGD 56,- € ausgibt (Ergebnis einer IWU-Studie), dauert es länger, als wenn man im Durchschnitt nur 25,- € ausgibt (Ergebnis einer IPEG-Studie).
    Und ein WDVS ist nun mal teurer als die nachträgliche Kerndämmung von zweischaligem Mauerwerk. Ersteres kostet ca. 100,- €/m², letzteres nur 15,- €/m² (bei nicht ganz derselben Energieeinsparung). Die niedriginvestiven Maßnahmen sind in der Fachwelt leider nicht bekannt …

    • Woher kommt der Unterschied zwischen den Zahlen des IWU und vom IPEG-Institut für die gleiche Maßnahme zustande? Alleine dieser Unterschied bei gleichen Maßnahmen zeigt, wie unterschiedlich Berechnungen für die Amortisationszeit ausfallen können.

      Die oberste Geschossdecke war berücksichtigt in der Studie, nicht aber die nachträgliche Kerndämmung von zweischaligem Mauerwerk.

  • nun ja, das IWU hat die offiziellen Zahlen von der KfW (dort geförderte Projekte, welche von Architekten geplant worden sind). Man kann für Dämmstoff mehr als 100,- €/m³ ausgeben (z.B. druckbelastbare Steinwolle), und auch weniger als 30,- €/m³ (Zellulose). Architekten haben gar kein Interesse daran, kostengünstig zu planen (HOAI)! Meine Untersuchung basiert auf mehr als 700 Projekten mit 130.000 m² gedämmter Fläche und ist damit durchaus repräsentativ.

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