Digitalisierung

Was kann die Blockchain-Technologie in der Energiewirtschaft leisten?

Blockchain in der Energiewirtschaft
Foto: rawoixel.com

Einer der großen Themen in der Digitalisierung der Energiewirtschaft ist die Blockchain. Mit ihr verbindet man viele neue Möglichkeiten, sie soll vor allem die kleinteiligen Anlagen in der Energiewende in das Stromsystem einbinden. Aber zu den neuen Möglichkeiten des Hoffnungsträgers gehören auch Sorgen. Was ist mit dem Datenschutz und vor allem dem Stromverbrauch? Es gibt noch viele offene Fragen bei der Blockchain-Technologie in der Energiewirtschaft. Aber ich glaube das Hauptproblem ist, dass das Thema schwer zu begreifen ist. Daher möchte ich neben allgemeinen Erläuterungen über die Möglichkeiten der Blockchain auch ein praktisches Beispiel vorstellen.

Versuch der kurzen Erklärung der Blockchain-Technologie

Es ist nicht leicht zu verstehen was sich hinter der Blockchain-Technologie verbirgt. Sie ist nicht so greifbar wie eine technische Anlage. Häufig liest man, die Blockchain ist eine Methode für einen verlässlichen Handel zwischen mehreren Parteien. Sie benötigen dafür keine vermittelnde Einrichtung, wie einen Händler (in diesem Fall Energieversorger) oder eine Bank.

Das hilft vermutlich noch nicht um die Funktionsweise zu verstehen. Die Technologie besteht aus einer erweiterbaren Kette (englisch: chain) von Datenblöcken (englisch: block). Man kann es auch verstehen als eine dezentral verteilte Buchhaltung verstehen, was auf Englisch als „Distributed Ledger Technologie“ beschrieben wird. So ist es vielleicht verständlicher als die eher kryptische Erklärung auf Wikipedia.

Eine schöne kurze Definition gibt es im IT-Finanzmagazin. Dort wird die Blockchain als ein dezentrales Protokoll für Transaktionen zwischen Parteien beschrieben, das jede Veränderung transparent erfasst. Auf der Seite erhält man dazu auch noch ausführliche Erklärungen der wichtigen Begriffe.

Blockchain-Technologie als Internet der Werte

Ebenfalls eine gute Definition der Blockchain-Technologie hat die Expertin Sebnem Rusitschka auf der Konferenz „Digitale Energiewelt“ in Berlin gezeigt. Sie hat die Blockchain-Technologie als ein Internet der Werte beschreiben, analog zum Internet der Dinge. In ihrem Vortrag erklärte sie die Blockchain als eine global verteilte Datenbank,, die in der Lage ist einen sicheren Austausch von Werten zu gewährleisten. Dazu gehört die Datenintegrität, Unveränderlichkeit und Zuverlässigkeit.

Verbraucht die Blockchain nicht so viel Strom?

Ich hoffe das Prinzip hinter der Blockchain-Technologie ist mit der Erklärung oben etwas verständlicher. Aber spätestens an dieser Stelle kommt das Argument mit dem enormen Stromverbrauch. Der Hintergrund ist der weltweit hohe Stromverbrauch für das Bitcoin-Mining. Darin ist ein Verfahren eingebaut, das sich Proof-of-Work nennt. Auf Deutsch kann man Arbeitsnachweis dazu sagen. Es geht in diesem Algorithmus, vereinfacht gesagt, um die Herstellung eines Konsenses. Dadurch kann man der Transaktion erst vertrauen. Die dazu notwendige Berechnung bezeichnet man in der Blockchain-Welt als „Mining“.

Bei Bitcoin ist der Hype so groß, dass mittlerweile sehr viele Rechner weltweit sich an diesem Mining beteiligen. Daher kommt der immer weiter wachsende Stromverbrauch für das Bitcoin-Mining.

Im Bereich der Blockchain für die Energiewirtschaft sind bislang jedoch nur wenige Rechner beteiligt. Hinzu kommt, dass es auch andere Verfahren gibt, wie Proof-of-Stake, die mit weniger Energie auskommen sollen. Und viele Projekte mit Blockchain-Technologie in der Energiewirtschaft basieren auf dem Ethereum-Netzwerk, das noch mit deutlich weniger Energieverbrauch auskommt und ein neues effizienteres Verfahren, ähnlich Proof-of-Stake, erhalten soll.

Mögliche Anwendungen der Blockchain-Technologie in der Energiewirtschaft

Bei Anwendungen von der Blockchain in der Energiewirtschaft denkt man vor allem an den Handel von Strom in der Nachbarschaft. Während andere dabei vor allem an das Beispiel in Brooklyn denken, hatte ich vor einem Jahr ein Projekt in Perth, Australien, vorgestellt. Aktueller sind zwei Projekte zur Stabilisierung der Stromnetze von Übertragsnetzbetreibern.

Aktuell läuft eine Multi-Stakeholder-Studie der Deutschen Energie-Agentur (dena) zusammen mit Partnern aus der Energiewirtschaft. Sie untersuchen Anwendungsmöglichkeiten, technische Voraussetzungen und Geschäftsmodelle der Blockchain-Technologie im Energiesystem. Insgesamt betrachtet die Studie 14 Anwendungsfälle (Use Cases) in den fünf übergeordneten Anwendungsgruppen Assetmanagement, Datenmanagement, Marktkommunikation (Strom), Handel (Strom und Gas) und Finanzierung & Tokenization.

In diesen Anwendungsfällen betrachten sie unter anderem die Einsatzmöglichkeiten der Blockchain beim Engpassmanagement, bei der Zertifizierung von Herkunftsnachweisen von Strom, Biogas und CO2, bei der Abrechnung von Entgelten und Umlagen, beim Großhandel von Strom und Gas und bei externem Mieterstrom.

Praktisches Beispiel: Stromanbieter Corrently

Ist die Blockchain-Technologie immer noch zu theoretisch und wenig greifbar? Dann möchte ich noch ein praktisches Beispiel vorstellen. Es geht um Corrently, ein Stromtarif für Eigenstrom, Dahinter steckt die StromDAO UG um Thorsten Zoerner, der das Angebot auch auf der Konferenz „Digitale Energiewelt“ vorgestellt hatte.

Corrently ist mehr als ein Anbieter für Strom. Als Kunde kann man zusätzlich sogenannten Corri-Token oder Corrently, erwerben. Diese kann man dann in bestehende oder neue PV-Anlagen investieren. Somit erwirbt man praktisch Anteile an laufenden Anlagen. Entsprechend dem erworbenen Anteil an diesen Anlagen erhält man den entsprechenden Anteil aus der Eigenversorgung auf die Stromrechnung als Gutschrift. Man kann diese Gutschrift sich auch in Corrently auszahlen lassen, um sie wieder in Anlagen zu investieren.

Daraus resultiert ein wachsender Anteil an Anlagen zur Stromerzeugung aus denen man auch versorgt wird. Das ist dann wie eine eigene Stromversorgung ohne eine Anlage auf dem Dach haben zu müssen. Durch die Blockchain-Technologie ist es möglich nachzuvollziehen welcher Anteil des Stroms aus der eigenen Anlage stammt.

Nur eine Einführung in die Blockchain-Technologie in der Energiewirtschaft

Es gibt noch viele weitere Anwendungen der Blockchain-Technologie in der Energiewirtschaft. Ich wollte aber erst einmal eine kleine Einführung geben, die Technologie selbst etwas weiter kennenlernen und verstehen.

Damit die Technologie einen weiteren Durchbruch erleben kann, benötigt sie auch das Verständnis der Verbraucher. Wir brauchen nachvollziehbare Beispiele, daher habe ich versucht Corrently mit wenigen Worten zu erklären und keine lange Geschichte daraus zu machen. Ich glaube nicht, dass es ausreicht zu sagen, wir können der Technologie vertrauen

Sind die Erklärungen verständlich? Wollt Ihr mehr solcher Beispiele für  die Blockchain-Technologie in der Energiewirtschaft?

Über den Autor

Andreas Kühl

Ich bin Energieblogger aus Leidenschaft mit einem großen Faible für Energieeffizienz und erneuerbare Energien. Mit energynet.de betreibe ich einen der bekanntesten und einflussreichsten Energieblogs im deutschsprachigen Raum. Innovationen für die Energiewende in Technologien und Geschäftsmodellen sind meine aktuellen Schwerpunktthemen.

Gerne schreibe ich auch Texte für Ihre Medien, wie die Website, den Unternehmensblog oder das Unternehmensmagazin, Darüber hinaus kann ich Sie auch beraten ibei der Online-Kommunikation.

Nehmen Sie mit mir Kontakt auf; kontakt@energynet.de oder Tel. 0176/60951953

3 Kommentare

Hier klicken um einen Kommentar zu schreiben

  • Sehr gut und verständlich geschrieben.

    Ich persönlich bin überzeugt, dass die Blockchain in Zukunft noch viele Anwendungen auf dem Energiemarkt und auch generell in unserem Alltag bekommen wird.

    lg

  • Hallo Andreas,

    danke für diesen Artikel. Sehr gut zu lesen für eine Einführung in das Thema. Ich sehe ein sehr großes Potential bei der Verschmelzung der Energiewirtschaft und der Digitalwirtschaft im Bereich Blockchain-Technologie. Ich habe bereits einige Fachartikel zu dem Thema gelesen und wir könnten tatsächlich viele Ressourcenprobleme dezentral lösen.

    Allerdings ist der Energiemarkt auch immer ein Markt in dem viel Geld umgesetzt und verdient wird. Welche Konzepte in Zukunft auch einen Mehrwert für den Endkunden bringen bleibt abzuwarten.

    Viele Grüße

Kategorien

Meine Leistungen für Sie

Gerne schreibe ich auch Texte für Ihre Medien, wie die Website, den Unternehmensblog oder das Unternehmensmagazin. Darüber hinaus berate ich Sie auch bei der Konzeption Ihrer Online-Kommunikation.

Hier finden Sie meine Referenzen.

Nehmen Sie mit mir Kontakt auf:
kontakt@energynet.de oder Tel. 0176/60951953

Unterstützt meine Arbeit für energynet.de!

Unterstütze mich auf Steady

Partner

Energieblogger, ich bin dabei!

Werbung




Alle 14 Tag erscheint der aktuelle Newsletter mit exklusiven Informationen zum Blog, einem Verweis auf die neuesten Beiträge, Empfehlungen von Veranstaltungen und ein Blick in andere Energieblogs.