Bauen

Schwere Auswahl für Einfamilienhaus-Bauherren am Beispiel des Bio-Solar-Haus

Beispiel für ein Bio-Solar-Haus
Foto eines Bio-Solar-Hauses im Sonnenpark St. Alban, Foto: Bio-Solar-Haus GmbH
Beispiel für ein Bio-Solar-Haus
Foto eines Bio-Solar-Hauses im Sonnenpark St. Alban, Foto: Bio-Solar-Haus GmbH

Wer heute ein Haus bauen möchte, steht vor unzähligen Möglichkeiten und der Qual der Wahl. Es geht längst nicht mehr nur um Massiv- oder Fertighaus. Bei einem zukunftsfähigen Haus zählen Energiesparendes Bauen (Werbe-Link), sparsame Technik und gesunde Baumaterialien.  Wie soll aber ein Laie sich in dieser komplizierten Welt zurecht finden und alle diese Erklärungen der Bauträger, Planer und Baufirmen verstehen?

Schon für Fachleute ist es oft nicht gerade einfach Angebote und Webseiten von Baufirmen, Bauträgern oder Fertighäusern zu beurteilen. Oft fehlt es an Transparenz und ausführlichen Darstellungen des Angebots. Bunte Werbebilder und schöne PR-Texte mögen vielleicht hilfreich sein um unbedarfte Bauherren anzulocken, wer es aber genauer wissen möchte, der braucht detaillierte Informationen zum angebotenen Energiebedarf, zu den üblichen Wand- und Dachaufbauten, sowie zur verwendeten oder empfohlenen Technologie. Besonders dann, wenn man sich deutlich abheben möchte von der Masse durch bessere oder ganz andere Bauweisen, suche ich nach genaueren Informationen und finde diese dann oft nicht.

So geht es mir, als studierter Bauphysiker, häufig, wenn ich nach meiner Meinung gefragt werde, ob dieses und jenes Angebot taugt. Ich vermisse häufig Angaben nach dem energetischen Baustandard oder nach üblichen Wand- und Dachaufbauten.

Funktioniert der Verzicht auf Dampfsperre, Dampfbremse und Lüftungsanlage im Bio-Solar-Haus?

Deutlich wird dies in dem Beispiel des Bio-Solar-Haus, das damit wirbt, dass keine Dampfbremse, keine Dampfsperre und keine Lüftungsanlage verbaut werden. Naturgesetze und Physik sollen es richten anstelle von teurer und anfälliger Technik. Wie soll das funktionieren frage ich mich da und suche auf der Website des Bio-Solar-Haus nach genaueren Informationen.

Ist es ein Massivhaus oder ein Holzhaus? Ich kann es nicht finden, nur eine Zeichnung des Haus-in-Haus Prinzips. Wand- und Dachaufbauten werden nicht gezeigt. Es wird immerhin nicht von den unsäglichen „atmenden Wänden“ gesprochen, die ins Reich der Märchen gehören. Dennoch heißt es dort, dass die anfallende Feuchtigkeit „durch die wasserdampfdurchlässige, diffusionsoffene warme Hülle des Innenhauses in den Hohlraum zwischen Außenhaus und Innenhaus“ entweicht. Durch natürlichen Auftrieb gelangt sie dann ins Freie. Durch diesen Prozess soll kein Tauwasser auskondensieren können und Schimmel wird damit ausgeschlossen.

Dass die gesamte Wassermenge, die ein üblicher 4-Personen-Haushalt an die Raumluft abgibt, das sind immerhin 5 – 10 Liter, durch die Wand hindurch diffundieren sollen, halte ich für sehr fragwürdig. Wer sich auskennt, weiß, dass durch Konvektion – also durch Lüftung oder Spalten in der Wand – weit mehr Feuchtigkeit entweichen kann als durch Diffusion. Im Holzbau ohne Folien kann es durchaus an den Stößen der Platten Fugen für ausreichend Konvektion geben. Für den Rest wird wohl die Fensterlüftung durch die Bewohner sorgen.

Meine Theorie lässt mich skeptisch werden, wie Ihr feststellen könnt. Aber Bio-Solar-Haus kann immerhin auf fast 350 Häuser in 20 Jahren verweisen – ohne einen einzigen Schaden durch Tauwasser. Das spricht wieder für die Bauweise.

Wie sieht es mit der Energieffizienz im Bio-Solar-Haus aus?

Das Bio-Solar-Haus verspricht beste Energieeffizienz (Werbe-Link) mit einem geringen Primärenergiebedarf und es wird kein Öl, kein Gas und auch kein Strom für die Heizung benötigt. Durch den Verzicht auf aufwändigeTechnik wird der Primärenergiebedarf im Bio-Solar-Haus niedriger als im Passivhaus ausfallen. Für die Heizung werden gerade einmal 15 – 25 kWh/m² im Jahr benötigt.

Die Heizung im Bio-Solar-Haus arbeitet mit thermischer Solarenergie von Kollektoren auf dem Dach und als Ergänzung beispielsweise ein Holzkaminofen. Somit fallen nur laufende Kosten für das Holz an. Erfahrungswerte zeigen, dass die Heizkosten im Jahr zwischen 280 und 440 Euro liegen. Dies klingt sehr attraktiv.

Die Investitionskosten sind hingegen eher mit einem Niedrigenergiehaus vergleichbar als mit einem Passivhaus, da auf Technik weitestgehend verzichtet wird.

Mehr Transparenz bei Hausanbietern wäre wünschenswert

Dieses Beispiel zeigt, dass Transparenz bei den Hausanbietern nicht so groß geschrieben wird.  Es wird nur so viel gezeigt und geschrieben, um potentielle Bauherren zu überzeugen. Für Fachleute finde ich auch bei anderen Anbietern selten alle notwendigen, bzw. wünschenswerten Angaben. Dennoch würde ich jedem Bauherr und jeder Baufrau dazu raten schon vor Vertragsabschluss einen Experten, z.B. einen Energieberater oder einen unabhängigen Sachverständigen hinzu zu ziehen.

Über den Autor

Andreas Kühl

Ich bin Energieblogger aus Leidenschaft mit einem großen Faible für Energieeffizienz und erneuerbare Energien. Mit energynet.de betreibe ich einen der bekanntesten und einflussreichsten Energieblogs im deutschsprachigen Raum. Innovationen für die Energiewende in Technologien und Geschäftsmodellen sind meine aktuellen Schwerpunktthemen.

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