Wärmepumpen: Fakten, Erfahrungen und Bedenken
Wärmepumpen brauchen das Vertrauen der Gebäudeeigentümer, damit sie als künftige Heizung in Bestandsgebäuden eingesetzt werden. Nur dann gelingt ihr notwendiger Ausbau in Deutschland. Die Skepsis ist aber noch weit verbreitet, ob die Technologie auch unter erschwerten Bedingungen zuverlässig funktioniert. Das Vertrauen in die Technik muss mühsam aufgebaut werden und braucht Zeit. Verschiedene Einrichtungen und Initiativen arbeiten an der Verbreitung von Informationen und Erfahrungen. In diesem Beitrag zeige ich mit einem Interview eine typische Erfahrung auf dem Weg zur Wärmepumpe im Einfamilienhaus.
Inhalt
Mythen und Bedenken zur Wärmepumpe im Bestand sind noch weit verbreitet
Mythen oder Bedenken rund um die Fähigkeiten der Wärmepumpe hört oder liest man häufig. Noch immer ist von aufwändigen Sanierungen, die vor dem Heizungstausch erfolgen müssen, zu lesen. Oder von Fußbodenheizungen als Voraussetzung für den effizienten Betrieb einer Wärmepumpe.
Beides ist falsch. Ende 2025 hat eine neue Untersuchung des Fraunhofer ISE bestätigt, dass Wärmepumpen auch in älteren Gebäuden effizient betrieben werden können und klimaschonend heizen, ohne dass die Gebäude auf Neubaustandard saniert werden müssen. Die Untersuchung zeigt, dass ausreichend dimensionierte Heizkörper im Mittel mit ähnlich niedrigen Temperaturen betrieben werden können wie Flächenheizungen.
Eine Studie aus Großbritannien bestätigt, dass für den Einbau einer Wärmepumpe in weniger Fällen als angenommen, ein Austausch von Heizkörpern oder eine Sanierung notwendig ist.
Weitere ähnliche Fakten erklärt die Website “Heat Pumps Watch” und widerlegt 10 Vorurteile über Wärmepumpen mit Bezug zu wissenschaftlichen Studien.
Neben der Technik ist auch Vertrauen in Handwerk und Umsetzung wichtig, damit die Heizung lange, effizient und zuverlässig funktioniert. Bei Wärmepumpen kommt es noch mehr als bei Gas- und Ölheizungen auf eine gute Planung und Montage an.
Aufklärung vor Ort und online
Persönliche Aufklärung durch Experten, Handwerker und erfahrene Nutzer hilft am besten, um die Bedenken zu zerstreuen. In Vorträgen und Erfahrungsberichten aus realisierten Projekten können sie viele Fragen der interessierten Eigentümerinnen und Eigentümer beantworten.
Vielfältige und umfassende neutrale Informationen rund um die Heizungstechnik und andere Modernisierungsmaßnahmen bietet beispielsweise die gemeinnützige Beratungsgesellschaft co2online. Dazu gehören ein umfassender Vergleich der Heizungstechnologien und Erfahrungsberichte von Eigentümern mit der Wärmepumpe im unsanierten Altbau oder als Ersatz einer Ölheizung. Aus co2online ist die Community VierWende hervorgegangen,
Viele Stadtwerke bieten lokale Wärmepumpen-Infoveranstaltungen mit Fachvorträgen, Ausstellungen, Besichtigungen oder Beratungen an. Teilweise binden sie das lokale Fachhandwerk und Energieberatende ein. Beispiele hierfür finden sich in Velbert, Rotenburg und Bonn.
Auf bundesweiter Tournee sind Anja Floetenmeyer-Woltmann und Carsten Herbert mit den Wärmepumpen-Infotagen. Auf ihren Veranstaltungen in Stadthallen, die immer ausgebucht sind, informieren sie kostenlos, herstellerunabhängig und praxisnah über den Heizungstausch. Besucherinnen und Besucher erhalten kompetente Informationen in Vorträgen und direkten Kontakt zu lokalen Handwerksbetrieben.
Erfahrungen aus der Praxis mit Wärmepumpe in Einfamilienhaus von 1999
Wer vor der Entscheidung über eine neue Heizung steht, möchte wissen, welche Gedanken sich andere Hauseigentümer gemacht haben und wie ihr Weg zur Wärmepumpe war. So hat sich Frank Glanert bereit erklärt, mir ein paar Fragen zu beantworten. Er arbeitet in der Innovationsabteilung eines großen Energieversorgers in Norddeutschland und hat 2025 die Energieversorgungen seines Niedrigenergiehauses aus dem Jahr 1999 komplett umgestellt. Von seinen Erfahrungen mit der Wärmepumpe berichtet er auch in seinem eigenen Blog.
Was waren deine größten Bedenken bezüglich eines Umstieges auf eine Wärmepumpe und was hat dich überzeugt?
Frank Glanert: Neben technischen Aspekten und Funktionsfähigkeit, waren es vor allen Dingen Wirtschaftlichkeit und Dauerhaftigkeit der Lösung. In diesem Zusammenhang spielte auch die Auswahl eines geeigneten, erfahrenen Unternehmens eine Rolle, mit dem man auf Augenhöhe diskutieren und eine gute Lösung auswählen kann. Am Ende hat uns tatsächlich vor allen Dingen das Unternehmen selbst überzeugt und vor dem Hintergrund der politischen Entwicklungen ging es dann verhältnismäßig schnell. Wir haben auf den Anbieter gesetzt, bei dem wir auch überzeugt waren, dass das handwerklich die beste Lösung ist und sind nicht enttäuscht worden.
Musstest du am Haus etwas ändern oder neue Heizkörper installieren?
Frank Glanert: Nein, das Haus wurde Ende der 90er Jahre als Niedrigenergiehaus in Holzrahmenbauweise gebaut und konnte mit der vorhandenen Technik ohne Weiteres umgerüstet werden. Das vielleicht Bemerkenswerteste war, dass man zu Beginn und ohne sich intensiv damit zu beschäftigen, bereits einigen Mythen aufgesessen ist. Stichwort Geräuschbelästigung oder „Fußbodenheizung“, also dem vermeintlichen Bedarf an Flächenheizungen und damit verbundenem Umrüstungs- oder gar Sanierungsbedarf.
Wie sah dein Weg bis zur Entscheidung für einen Handwerker und ein Fabrikat aus?
Gemeinsam mit meiner Partnerin haben wir uns verschiedene Anbieter und Lösungen angeschaut. Auch solche, die mit hoch integrierten Lösungen inklusive PV, Speicher mit Wärmepumpe samt App und dynamischen Tarifen geworben haben. Es stellte sich heraus, dass nicht alles, was aus einer Hand angeboten werden sollte, auch tatsächlich so verfügbar war. Am Ende haben wir das Stück für Stück mit regionalen Anbietern gemacht, bei denen wir von der Leistungsfähigkeit überzeugt waren und deren Geschäftsgebaren ich als bodenständig bezeichnen würde. Und die auch unsere favorisierte Wärmepumpe liefern konnten.
Welche Erfahrung hast du bisher gemacht und was kannst du anderen mitgeben, die noch überlegen?
Die eindrucksvollste Erfahrung war die Begeisterung der Mitarbeitenden bei der Umrüstung selbst. Einmal installiert, tut die Wärmepumpe buchstäblich nahezu geräuschlos ihren Dienst. Auch im Winter bei Minus 12 Grad Celsius ist das Haus mollig warm. Das ist auch keine „andere Wärme“ in der Luft als zuvor. Nur der standardmäßige und unterbewusste Griff an die Heizung ist anders – die wird ja nicht so warm wie zuvor. Das ist ein bisschen lustig, wenn man merkt, dass man über Jahrzehnte etwas anderes gewohnt war. Und das Haus eben auch mit niedrigeren Vorlauftemperaturen gleichmäßig warm wird.
Fazit
Akzeptanz und Vertrauen in eine andere Heizungstechnologie lassen sich nicht verordnen. Sie müssen erarbeitet und weitergereicht werden. Das Beispiel in diesem Beitrag ist typisch für die Erfahrungen vieler anderer Eigentümerinnen und Eigentümer, die sich mit der Wärmepumpe beschäftigen und auch in einem kalten Winter zufrieden sind. Auch die Bedeutung der Handwerker, die vom Produkt und der Technologie überzeugt sind, wird deutlich.
Mit diesem Beitrag habe ich jetzt die Wärmepumpe im Einfamilienhaus aufgegriffen. Bei Wärmepumpen im Gebäudebestand von Mehrfamilienhäusern habe ich bereits 2023 ein paar Beispiele gezeigt.
Welche Erfahrungen oder Fragen haben Sie bezüglich der Wärmepumpe bei älteren Gebäuden?
