Energiewende

Mieterstrom bringt Vorteile für Mieter, Eigentümer und Energieversorger

Mieterstrom im Luitpoldblock
Mieterstrom-Projekt von Polarstern im Luitpoldblock München, Foto: Polarstern
Von Mieterstrom profitieren alle Beteiligten - Mieter, Eigentümer der Immobilie und Energieversorger. Mit Projektbeispielen von Polarstern Energie.
Mieterstrom im Luitpoldblock
Mieterstrom-Projekt von Polarstern im Luitpoldblock München, Foto: Polarstern-Energie

Mir fällt kaum ein besseres Modell ein, um viele Menschen an der Energiewende teilhaben zu lassen und die dezentrale Energiewende für jeden attraktiv zu machen. Lokal erzeugter Strom, der direkt an Mieter vermarktet wird, ergänzt durch Ökostrom aus dem Netz – bekannt als Mieterstrom. Damit profitieren Mieter durch günstigeren und lokal erzeugten Ökostrom von der Energiewende und Eigentümer werten ihre Immobilie mit einem attraktiven Stromangebot auf.

Trotz erschwerter politischer Rahmenbedingungen steigt die Anzahl der Angebote von Mieterstrom deutlich an. Für den lokal erzeugten Strom bieten sich Photovoltaik-Anlagen und Blockheizkraftwerke (BHKW) besonders an. Da der Strom, der vor Ort erzeugt wird, das öffentliche Netz nicht nutzt, fallen keine oder nur geringe Abgaben an. Die Kosten für Strom können auf diesem Weg um 10 bis 20 Prozent reduziert werden und Mieter können sich relativ einfach an der Energiewende beteiligen. 

Wie funktioniert Mieterstrom?

Ein externer Betreiber, Projektentwickler oder Energieversorger, errichtet und betreibt die Photovoltaikanlage oder/ und das BHKW im Gebäude oder auf dem Dach eines Mehrfamilienhauses oder auch eines Gebäudes mit Gewerbeeinheiten. Der Betreiber der Anlage oder ein kooperierender Energieversorger kümmert sich um zusätzlichen Strom aus dem Netz, um Schwankungen auszugleichen oder um das Angebot zu ergänzen. Dieser kümmert sich auch um die Abmeldung der Mieter vom bisherigen Stromversorger und um die Abrechnung, so dass es für die Mieter einfach bleibt, sie aber günstigeren Strom, der vor Ort produziert wird, beziehen können.

Ausführlich mit dem Thema Mieterstrom hat sich Dr. Rüdiger Paschotta in seinem Energie-Lexikon befasst – allgemein und im Hinblick auf die Ergänzung durch Strom aus dem öffentlichen Netz, die Unterscheidung von Eigenverbrauch und Direktverbrauch, betriebswirtschaftliche Aspekte und den administrativen Aufwand.

Neues Geschäftsmodell für Energieversorger?

Kann Mieterstrom zum neuen Geschäftsmodell für Energieversorger werden? Es sieht zumindest nach einer vielversprechenden Aufgabe aus, denn es muss sich auch in Zukunft weiterhin jemand um die Stromversorgung kümmern, es werden sich noch lange nicht alle Gebäude selbst versorgen können. Energieversorger haben das Know-How zur Verwaltung des Angebots und der Verkauf von Strom gehört ohnehin zu ihren Leistungen.

Mieterstrom von Polarstern-Energie
Mieterstrom im Wohnungsbau in München-Aubing, Foto: Polarstern-Energie

Kein Wunder, dass immer mehr Energieversorger mit entsprechenden Angeboten auf den Markt treten, wie Stadtwerke oder die Ökostromanbieter Lichtblick und Naturstrom. Hinzu kommt die Berliner Energieagentur, als neuer Anbieter, mit ihrem Produkt BEA-Kiezstrom.

Auch der junge Ökostromanbieter Polarstern ist mit Mieterstrom-Projekten gestartet. In diesem Jahr sollen noch Projekte starten, die von Luxus-Gewerbeimmobilien bis hin zum sozialen Wohnungsbau reichen. Dort setzt man auf Mieterstrommodelle bei denen Photovoltaikanlagen (PV-Anlage) und Blockheizkraftwerke (BHKW) kombiniert werden. Dies ermöglicht den Mietern einen sehr hohen Autarkiegrad von über 60 Prozent.

„Das zeigt, dass Mieterstrom für alle Arten von Immobilien interessant ist – unabhängig von Miethöhe und Nutzungsart“, sagt Florian Henle, Mitgründer von Polarstern.

Wie interessant Mieterstrom für eine Immobilie ist, hängt vom Verbrauchsprofil der Mieter ab, wie Florian Henle weiter ergänzt. Während sich Blockheizkraftwerke am besten für Gebäude ab zehn Parteien rechnen, kann sich eine Solaranlage schon bei Ein- und Zweiparteien-Gebäuden lohnen. Hier ist vor allem die Lage entscheidend, das heißt, wie schattig es beispielsweise auf dem Dach ist.

Von Planung bis zum Vertrieb – Polarstern bietet das Rundum-Sorglos Paket für Mieterstrom

Mit der kompletten Planung, Finanzierung, Errichtung, Wartung, bis hin zur individuellen Tarifgestaltung und zum Kundenservice, sowie der Übernahme von bürokratischen Aufgaben, geht Polarstern als Energieversorger einen ganz neuen Weg. Für Immobilienbesitzer gibt es nur noch einen Ansprechpartner bei Projekten für die lokale Energieerzeugung und Versorgung der Mieter mit Strom.

„Mieterstrom ist eine große Chance für die Energiewende, weil es für die Kunden einfach und finanziell attraktiv ist – für Immobilienbesitzer genauso wie für Mieter“, freut sich Florian Henle.

Der soziale Aspekt von Mieterstrom

Im Münchner Stadtteil Aubing über 300 Mieter im November ihre neuen Wohnungen bezogen, versorgt mit Strom aus „eigener Herstellung“. Nach Angaben von Polarstern haben sich alle Mieter für den günstigen und sauberen Strom entschieden.

Der Strom wird in diesem Haus über eine 92 Kilowatt große Photovoltaikanlage sowie ein Blockheizkraftwerk mit einer elektrischen Leistung von 20 Kilowatt erzeugt. Künftig sollen so pro Jahr rund 220.000 Kilowattstunden sauberer Strom produziert werden.

„Die Mieter decken über 60 Prozent ihres Strombedarfs aus der lokalen Stromproduktion“, erklärt Florian Henle. „Und sie sparen jährlich fast zehn Prozent ihrer Energiekosten verglichen zur Grundversorgung.“

Weil sie gleichzeitig ihren restlichen Strombedarf mit Wirklich Ökostrom von Polarstern (aus heimischer Wasserkraft) decken, vermeiden sie pro Jahr rund 140.000 Kilogramm CO2-Emissionen.

Mieterstrom auch von Bedeutung für die Immobilienwirtschaft

Mieterstrom scheint für alle Beteiligten ein Gewinn zu sein. Auch die Immobilienwirtschaft ist daran interessiert:

„Beim Wohnungsbau haben wir die Zukunft im Blick“, sagt Dr. Hendrik Schlune, Geschäftsführer der GVD Immobilien GmbH & Co. KG.

„Während die Energie- und Wärmewende von Mietern und Wohnungsbauunternehmen häufig als Kostentreiber wahrgenommen wird, wollen wir zeigen, dass es auch anders geht. Im Energiebereich können wir schon heute relevante Meilensteine legen, um die eigene Energieversorgung auf unabhängigere Beine zu stellen und sie von der Energiepreisentwicklung schrittweise zu entkoppeln. Während wir unserer Verantwortung gegenüber zukünftigen Generationen gerecht werden, sichern wir nebenbei langfristig die Attraktivität unserer Immobilien und schaffen durch niedrige Energiekosten einen Mehrwert für unsere Mieter.“

Über Mieterstrom können sogar die Bereiche Wärme und Strom miteinander verzahnt werden, daran hatte ich noch nicht gedacht. Denn mit dem BHKW wird auch für eine effiziente Wärmeversorgung gesorgt. Das ist besonders wichtig und interessant im Hinblick auf die Verschärfung der Energieeinsparverordnung EnEV mit Beginn des Jahrs 2016. Die höheren Anforderung müssen nicht mit Dämmung erfüllt werden, Kraft-Wärme-Kopplung im BHKW kann vielleicht sogar einen besseren und wirtschaftlicheren Beitrag für die EnEV 2016 leisten.

Erfolgsmodell Mieterstrom mit Vorteilen für alle Beteiligten

Mieterstrom bringt demnach Vorteile für alle Seiten, Mieter, Eigentümer, Planer und Energieversorger. Solange die Rahmenbedingungen nicht verschlechtert werden durch die Politik, kann dieses Modell zu einem Erfolg werden. Seht Ihr das auch so oder gibt es doch größere Hindernisse und Schwierigkeiten?

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Über den Autor

Andreas Kühl

Energieblogger aus Leidenschaft mit großem Faible für effiziente Energienutzung im Strom- und Wärmebereich. Diie kostenlos zur Verfügung stehende Energie der Sonne und vom Wind sind für mich faszinierend und Herausforderung zugleich.
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5 Kommentare

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  • Danke für die interessante Zusammenfassung! Sehr spannendes Thema, vor allem weil Mieter bei der Energiewende derzeit meist ordentlich drauf zahlen. Mieterstrom zeigt, dass es auch anders geht. Aber gibt es etwas Ähnliches für den Wärmebereich, etwas von dem Mieter, Eigentümer und die Energiewende profitieren?

    Ein konkretes Beispiel: Viele Mehrfamilienhäuser werden so modernisiert (gedämmt etc.), dass eine möglichst hohe Modernisierungsumlage anfällt (vom Mieter zu tragen). Die Energiekosten der Mieter sinken meist verhältnismäßig wenig. Per hydraulischem Abgleich könnte man die Einsparung oft steigern. Da dieser jedoch nicht umlagefähig ist, wird er oft nicht vorgenommen. Wie ließe sich das im Sinne von Mietern und Energiewende verbessern? Mit "Mieterwärme"?

    • Der Bereich Wärme ist in der Tat ein größerer Kostenfaktor, den Eigentümer auch noch gerne als Anlass nehmen um die Miete zu erhöhen. Wenn dann auch noch der Preis für das Heizöl sinkt, bleiben die Mieter auf den höheren Kosten sitzen. Den Königsweg, mit dem Mieter und Vermieter leben können, habe ich da auch noch nicht gefunden. Zu dem Problem gehört auch, dass Maßnahmen mit relativ geringen Kosten nicht angegangen werden wie der erwähnte hydr. Abgleich.

      Eine Lösung ist die die Verzahnung von Strom und Wärme, wie ich sie bereits im Artikel angesprochen habe. Darüber freuen sich Eigentümer und Mieter. Ich weiß, dass Polarstern weitere Anfragen hat aus der Immobilienwirtschaft, um neue Projekte umzusetzen. Ein anderes Beispiel für eine solche Verknüpfung von Strom und Wärme ist das Henne Haus in Oldenburg: http://www.hennehaus.de/

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