Heizung Kraft-Wärme-Kopplung Strom

Mini-Kraftwerke sparen eine halbe Milliarde Euro Netzkosten

Viele Jahre hat man auf den Durchbruch von Blockheizkraftwerken gewartet, schließlich haben sie einen hohen Wirkungsgrad und können sowohl Wärme als auch Strom erzeugen.  Vielleicht wird sich jetzt mit der neuen Generation von Mini-KWK oder Micro-KWK doch etwas ändern in dieser Richtung.

Die Konzepte dazu klingen jedenfalls vielversprechend, da das BHKW jetzt in ein Gesamtkonzept eingebunden ist und einen Beitrag zur gesamten Stromerzeugung liefern kann. Zwei ähnliche Angebote sind bereits auf dem Markt, RWE und Lichtblick, und es gibt ab 01. April eine Förderung dieser Anlagen.

Intelligente Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen (KWK) wie die LichtBlick-ZuhauseKraftwerke können die Kosten für den Ausbau der Stromnetze bereits bis 2020 um bis zu einer halben Milliarde Euro senken. Langfristig liegen die Einsparpotentiale sogar noch deutlich höher. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung zur „Einbindung von ZuhauseKraftwerken in Smart Grids“ der LBD-Beratungsgesellschaft im Auftrag des Öko-Energieanbieters LichtBlick. Diese Entlastung käme auch den Verbrauchern zu Gute, die die Kosten für das Netz über ihre Stromrechnung zahlen.

„Die Potentiale intelligenter Mini-Kraftwerke werden bislang in den Szenarien zum Verteilnetzausbau unterschätzt. Wenn wir den Strom dort erzeugen, wo er benötigt wird und dann erzeugen, wenn er gebraucht wird, können wir teure Netzinvestitionen vermeiden“, erläutert Gero Lücking, Vorstand Energiewirtschaft bei LichtBlick und fordert: „Wir brauchen einen Paradigmenwechsel in der Netzdebatte.“

Bislang dominiere bei vielen Netzbetreibern immer noch ein Einbahnstraßen-Denken, das von zentralen Großkraftwerken ausgehe, deren Strom über lange Wege und viele Netzebenen zum Verbraucher transportiert werden müsse. Die Zukunft der Energie sei jedoch regionaler und smarter. „Statt einseitig auf gigantische Netzausbau-Pläne zu setzen, brauchen wir  mehr Dezentralisierung und Flexibilisierung der Stromerzeugung“, so Lücking.

Um die in der Studie untersuchten Einsparpotentiale beim Netzausbau zu realisieren, sind bundesweit dezentrale Kraftwerke mit einer Leistung zwischen 3,5 und 8 Gigawatt erforderlich. LichtBlick will in Zukunft 100.000 dezentrale ZuhauseKraftwerke mit einer Leistung von 2 Gigawatt installieren. Die Netzentlastung ist dabei nur einer von vielen Vorteilen der KWK-Technologie. Im Fokus stehen der Ersatz von Kohle- und Atomstrom und die effiziente Wärmeversorgung von Gebäuden.

Der Bundestag beschäftigt sich in dieser Woche in erster Lesung mit einem Kabinetts-Entwurf des Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetzes (KWKG 2012). LichtBlick fordert die Politik auf, die Rahmenbedingungen für flexible und zu virtuellen Kraftwerken vernetzten KWK-Anlagen zu verbessern. Denn sie ergänzen ideal die wetterbedingt schwankende Stromerzeugung aus Wind und Sonne. “Die zentrale Rolle der intelligenten Mini-KWK für die Versorgungssicherheit und die Integration der erneuerbaren Energien  wird im  Gesetzentwurf noch nicht ausreichend berücksichtigt. Hier muss der Bundestag noch nachlegen“, so Lücking.

Die Studie zeigt, dass der Einsatz von ZuhauseKraftwerken nach dem von LichtBlick entwickelten SchwarmStrom-Modell in den Verteilnetzen dazu beitragen kann, Lastspitzen zu decken. Solche Lastspitzen treten auf, wenn Haushalte und Gewerbebetriebe in einem Netzgebiet kurzfristig besonders viel Strom verbrauchen. Zu diesen Zeitpunkten kann LichtBlick die ZuhauseKraftwerke binnen 60 Sekunden anfahren, um den zusätzlichen Strombedarf zu decken.

Der Netzbetreiber spart dank der Deckung der Nachfragespitzen innerhalb seines Netzes erhebliche Investitionen. Bisher muss ein Betreiber sein Stromnetz so konzipieren, dass auch die höchsten Lastspitzen des Jahres durch den Energieübertrag aus der höheren Spannungsebene gedeckt werden können. Solche Investitionen könnten in Zukunft geringer ausfallen, da die erforderliche Transformatorleistung sinkt. Durch einen gezielten Einsatz von ZuhauseKraftwerken wird im Rahmen turnusgemäßer Erneuerungszyklen sogar ein Rückbau von Transformatorkapazitäten möglich.

LichtBlick steuert seine ZuhauseKraftwerke über Mobilfunk und moderne IT-Systeme. Der Energieanbieter richtet ihren Betrieb primär an den Bedürfnissen des Strommarktes aus. So kann LichtBlick in Zukunft auch auf Signale eines Netzbetreibers reagieren und kurzfristig regionale Lastspitzen im Verteilnetz decken.

Durch  den Einsatz einer größeren Zahl der Mini-Kraftwerke können Stromspitzen auch im Sommer sicher gedeckt werden, wenn der lokale Wärmebedarf niedrig und damit die Betriebszeit der ZuhauseKraftwerke geringer ist als im Winter. Ein weiterer Vorteil dieses Konzeptes ist die hohe Versorgungssicherheit. Denn eine Vielzahl kleiner Kraftwerke ist weniger störanfällig als ein Großkraftwerk.

LichtBlick hat das SchwarmStrom-Modell bereits in den Markt eingeführt. Die ersten 420 ZuhauseKraftwerke laufen in Norddeutschland, Berlin und Nordrhein-Westfalen. Während LichtBlick die Stromeinspeisung zentral steuert, versorgen die Anlagen über große Pufferspeicher Wohngebäude, Schulen und Gewerbetriebe mit Wärme. Die Mini-Kraftwerke werden von Volkswagen gefertigt und von einem Zwei-Liter-Gasmotor angetrieben.

Über den Autor

Andreas Kühl

Ich bin Energieblogger aus Leidenschaft mit einem großen Faible für Energieeffizienz und erneuerbare Energien. Mit energynet.de betreibe ich einen der bekanntesten und einflussreichsten Energieblogs im deutschsprachigen Raum. Innovationen für die Energiewende in Technologien und Geschäftsmodellen sind meine aktuellen Schwerpunktthemen.

Ein Kommentar

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  • Meiner Meinung nach sind die Mini-BHKWs für den einzelnen Hausbesitzer immer noch unrentabel gerade wegen der geringen Betriebslaufzeiten. Wenn ich schon lese Sommer- und Winter-Betriebszeiten??

    Was mache ich im Sommer mit der Wärme??

    Umwandlung in Kälte?

    Die Schwarmkraftwerke sind daher nur für Lichtblick und RWE interessant.

    Letztlich in der Gesamtbetrachtung eine negative CO2 Bilanz.

    Schade das hier keine Kritik an diesen Mammutprojekten erfolgt.

    P.S. Aufschlußreich ist es füpr mich immer wieder (Ausnahmen bestätigen die Regel) dass Hausbesitzer die sich für die MiniBHWs interessierenin Punkto geringerer Energieverbrauch sehr wenig getan haben:z.B. fehlende Dämmung des Kellerbodens, des Dachgeschosses etc.

    Und alle glauben Sie sie wäre mit einem Mini-BHKW ein profitabler Kraftwerksunternehmer !!

    Sorry wenn ich hier so ironisch und sarkastisch werde.

    Aber leider werden die Mini-BHKWs als El Dorado Anlagen verkauft.

    Laufende Betriebskosten werden oftmals in den Prospekten nicht erwähnt.

    Wie an anderer Stelle bereits geschrieben;

    Kleinere Energiesparmaßnahmen angefangen vom Austausch der Pumpe bis zum hydraulischen Abgleich sind effizienter und sparen in der Gesamtrechnung mehr CO2 ein.

    P.S. Was passiert eigentlich wenn ein Hausbesitzer nach dem Einbau eines BHKWs mit der Wärmedämmung beginnt.

    Dann hat er ein Problem:

    Ein Mercedes BHKW im Keller und braucht doch nur ein Mini-Mini BHKW weil geringerer Energiebedarf auch im Winter.

    Ob dies die Verkäufer auch den interessierten Kunden sagen???

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