Die Energiewende steht nicht erst seit heute auf der Kippe. Wie soll es weitergehen in der Energiepolitik, nachdem der Umweltminister jetzt einen neuen Namen trägt? Den Erneuerbaren Energien weht eine starker Wind entgegen, es wird wieder Stimmung gegen erneuerbare Energien gemacht in den Medien. Die Bevölkerung soll Angst haben vor steigenden Strompreisen (Kampagne der Bild-Zeitung) und dem angeblichen Hokuspokus der erneuerbaren Energien, die völlig unsinnig seien oder einer angeblichen Zwangsdämmung, die nur Kosten aber keine Einsparung verursacht (Focus).
Der neue Umweltminister hat bisher nicht gerade durch fortschrittliche energiepolitische Entscheidungen auf sich aufmerksam gemacht, wie das Magazin energie-experten.org herausgefunden hat. Die Entscheidung im Bundesrat vergangenen Freitag, die Kürzung der Einspeisevergütung für Solarstrom neu zu verhandeln, ist da momentan der einzige Lichtblick für erneuerbare Energien.
Jetzt wird mit harten Bandagen gekämpft, wie die oben genannten Beispiele zeigen. Ob es eigentlich Zufall ist, dass bei diesem Gegenwind konventionelle Kraftwerke nur noch im Grundlastbetrieb fahren? Die Kraftwerksbetreiber verdienen kein Geld mehr mit dem ehemals teuren Spitzenlaststrom.
Auf dem Weg zu einer sicheren, nachhaltigen und bezahlbaren Energieversorgung gibt es aber kein Weg mehr zurück und keine Alternative. Ohne erneuerbare Energien muss mit steigenden Strompreisen gerechnet werden, denn Kohle und Gas werden nicht billiger und tragen zum Ausstoss schädlicher Klimagase bei. Das Märchen der billigen und sicheren Atomenergie sollte sich heute eigentlich erledigt haben nach Fukushima. Auch Kosten für die Stromnetze werden anfallen, Instandhaltung gibt es nicht zum Nulltarif.
Der Aufbau einer neuen, zukunftsfähigen Energieversorgung erfordert ein hartes Stück Arbeit und ist ein unvorstellbar großer Aufwand. Diese Diskussion zeigt, wie viel noch zu tun ist, und wir stehen immer noch am Anfang dieses langen Marathons. Wir brauchen ein enormes Durchhaltevermögen, wie bei einem Marathonlauf. Auf diesem Weg können wir nicht alleine gehen, kann nicht jede Branche alleine gehen und es macht gar keinen Sinn Beteiligte des Prozesses gegeneinander auszuspielen. Wenn jeder den Weg alleine geht, wird er nur komplizierter und länger. Wenn man mehr Partner in den Prozess einbezieht, kann die Entwicklung reibungsloser ablaufen.
Mir ist bewusst, dass ich mit diesem Beitrag provoziere, aber so ist meine Sicht auf den Stand der Energiewende. Vielleicht haben wir jetzt mit dem Wechsel an der Spitze des Bundesumweltministeriums die Chance auf eine andere Entwicklung, eine Entwicklung im Konsens oder zumindest eine Führung auf diesem steinigen Weg.
Wie die Zukunft der Energieversorgung denn nun aussehen wird, kann man heute kaum sagen, aber nachhaltig wird sie nur sein, wenn sie auf erneuerbaren Energien und Energieeffizienz basiert.






