Energieeffizienz

Das Investor Confidence Project macht Energieeffizienz attraktiv für Banken und Investoren

Investor Confidence Project macht Energieeffizienz attraktiv für Investoren und Banken
So wird Energieeffizienz attraktiv für Investoren und Banken, Foto: rawpixel.com

Wie schafft man es, dass Banken und Investoren in größere Projekte zur Steigerung der Energieeffizienz investieren? Energieeffizienz kann wirtschaftlich sehr interessant sein. Projekte müssen aber so attraktiv gestaltet sein, dass sich der Kapitalmarkt dafür interessiert, dann steigen die Investitionen in diesem Bereich deutlich an. Doch Energieeffizienz an sich ist komplex und schwer zu bewerten. Jedes Projekt ist unterschiedlich und damit kaum vergleichbar. Es gibt nur wenig Standardisierung als klare und verlässliche Bausteine für Investoren. Als Folge steigen die Transaktionskosten. Logische Konsequenz ist, dass die seitens institutioneller Investoren wahrgenommenen Risiken relativ hoch sind. Damit gibt es so gut wie keine Nachfrage zur Investition. Um diese Situation zu ändern arbeitet eine Gruppe von internationalen Akteuren seit 2015 im Rahmen des „Investor Confidence Project Europe“ an einem Qualitätssiegel für die Planung und Dokumentation von Energieeffizienz-Projekten.

Welche Probleme haben Investoren bei Energieeffizienz?

Maßnahmen in Energieeffizienz sollen sich durch die erzielten Einsparungen wirtschaftlich rechnen. Das theoretische Potential zur Einsparung von Kosten ist in vielen Bereichen hoch. Dies betrifft Wohn- und Nichtwohngebäude, genauso wie Gewerbe und Industrie. Auch Straßenbeleuchtung und die Fern- oder Nahwärme kann von mehr Energieeffizienz profitieren.

Für Eigentümer, Investoren und Banken gibt es jedoch keine Standards zur Beurteilung der möglichen Einsparungen. Jedes Projekt ist unterschiedlich, keines gleicht dem anderen. Dies bedeutet es müssen immer aufwändige Prüfungen der Berechnungen und Planungen vorgenommen werden. Dadurch steigen jedoch die Transaktionskosten, was auf Kosten der Rendite geht.

Hinzu kommt das Risiko, ob die geplante Einsparung auch wirklich erzielt wird. Unterschiedliche Projekte lassen sich auch nur schwer für einen Investor oder Fonds bündeln, weil sie so kleinteilig und heterogen sind. Energieeffizienz-Projekte sind also nicht gerade attraktiv für den Kapitalmarkt. Auf neudeutsch würde man sagen, sie sind nicht „bankable“. Projekte brauchen jedoch Transparenz, Konsistenz im Sinne von Stimmigkeit und Vertrauen, damit sie erfolgreich umgesetzt werden können.

Standards bei Energieeffizienz-Projekten mit dem Investor Confidence Project

Was Energieeffizienz-Projekte also benötigen sind Standards, um Transparenz und Vertrauen zu schaffen. Dann sind die Projekte deutlich interessanter für Investoren. Das internationale Investor Confidence Project erarbeitet einen solchen Standard und erlaubt geschulten Qualitätsprüfern, den zertifizierten Projekten das Siegel mit dem „Investor Ready“ Logo zu vergeben.

Dieses unabhängige Zertifikat „Investor Ready“ garantiert Transparenz, Konsistenz und Vertrauenswürdigkeit durch best practices und eine unabhängige Verifizierung. Es beruht auf einem international abgestimmten Rahmenwerk, das:

  • Risiken für Eigentümer und Investoren verringert
  • Prüfungskosten reduziert
  • Wahrscheinlichkeit der Einsparungen erhöht
  • Bündelung von Projekten ermöglicht

Die jeweiligen Protokolle für Energieeffizienzprojekte in Immobilien, in der Industrie, in der Straßenbeleuchtung und in Nahwärmenetzen wurden in einem partizipativen Prozess mit europäischen Marktakteuren erarbeite. Durch deren Anwendung erhält man eine Standardisierung des Projektentwicklungsprozesses, eine Nutzung bestehender Standards und Best Practices und eine unabhängigen Verifizierung in der Projektentwicklung. Die Zertifizierung bezieht sich damit auf den Prozess und nicht auf die Qualität oder Art der Umsetzung. Sie beantwortet die Frage, ob die Protokolle eingehalten werden.

Zertifikat „Investor Ready Energy Efficiency“ soll Vertrauen schaffen

Die Zertifizierung „Investor Ready“ steht damit für:

  • Robuste Projekte: Investitionsentscheidungen können mit höherem Vertrauen in die technische Umsetzung und die Realisierung der berechneten Energieeinsparung getroffen werden
  • Best Practices: ein klares, transparentes und konsistentes Projekt (existierende Standards und Best Practices, samt externer Messung & Verifizierung) liegt vor
  • Qualifizierte Personen: Training und Akkreditierung (Nachweis der Qualifikation) der Projektentwickler und externen Zertifizierer (Qualitätssicherung) sichert eine hohe Planungsqualität
  • Konsistente Daten: Konsistente Dokumentation erhöht Vergleichbarkeit und erlaubt Bündelung von Projekten

Das Zertifikat „Investor Ready Energy Efficiency (IREE)“ schafft also höheres Vertrauen in die technische Umsetzung und prognostizierten Energieeinsparungen. Dies ist für Eigentümer und Investoren ein wichtiger Faktor bei der Entscheidung für die Maßnahmen und für eine Investition. Es gibt ihnen die Sicherheit, dass das Projekt von einem akkreditierten Projektentwickler gemäß einem Best Practice Prozess entwickelt und dokumentiert sowie von einem unabhängigen, qualifizierten Zertifizierer geprüft wurde. Damit sind die Risiken Transaktionskosten einer technischen Prüfung geringer, Projekte sind vergleichbar und die Grundlagen für eine erfolgreiche Umsetzung des Projektes, inklusive der Messung von Einsparungen sind gelegt.

Ablauf der Investor Ready Zertifizierung

Für jeden einzelnen Bereich der Energieeffizienz gibt es definierte Protokolle, also für Wohn- und Nichtwohngebäude, für die Industrie, für Straßenbeleuchtung und für die Nahwärmeversorgung. Die Protokolle definieren einen branchenüblichen, auf bestehende Standards fußenden Best Practice Prozess. Dieser Prozess reicht von der Erfassung der Ausgangsdaten, der Errechnung der Energieeinsparung über die Umsetzung und den Betrieb bis zur Messung und Verifizierung der Einsparungen. Er bildet den gesamten Ablauf strukturiert ab und sorgt für eine konsistente Dokumentation.

In der Praxis bedeutet dies, dass die Projektentwickler das Projekt von Anfang an gemäß den Anforderungen des ICP-Protokolls entwickeln und dokumentieren. Ein unabhängiger, akkreditierter Qualitätssicherer prüft das Projekt auf Konformität mit den ICP Anforderungen (Prozess, Dokumentation) und zertifiziert das Projekt als Investor Ready Energy Efficiency Projekt. Dadurch können die Projektinhaber, bzw. Eigentümer ihre Investitionsentscheidungen mit einem höheren Vertrauen in die prognostizierten Energieeinsparungen treffen. Anschließend geht es an die Umsetzung der Maßnahmen, sowie um die Messung und Verifizierung der erzielten Einsparungen gemäß dem ICP Protokoll.

Vorteile der Investor Ready Zertifizierung

Die Zertifizierung „Energy Efficiency Ready“ bringt den unterschiedlichen Akteuren jeweils einige Vorteile.

  • Die Zertifizierung gibt den Eigentümern der Projekte Vertrauen in die Projektentwicklung und das Erzielen der Einsparungen. Sie ermöglicht den Vergleich von Projekten und den Zugang zu mehr Investitionsmittel für die Projekte.
  • Durch die Zertifizierung reduzieren sich für Investoren die Prüfungskosten und der Abschluss beschleunigt sich. Investoren erhalten durch die Zertifizierung Zugang zu Qualitätsprojekten über zertifizierte Projektentwickler. Die Zertifizierung erhöht das Vertrauen von Investoren in die Projektgrundlagen und die Ingenieursleistungen. Standardisierte Projekte und Dokumentation ermöglichen eine Projektbündelung über Grenzen und Programme.
  • Projektentwickler erhalten mit der Zertifizierung einen wiederholbaren Projektprozess, der die Qualitätssicherung unterstützt. Der Industriestandard mit externen Prüfungen ermöglicht eine höhere Zahl an Projektzusagen. Die Zertifizierung bietet eine Abgrenzung zu Wettbewerbern und erhöht die Glaubwürdigkeit bei Kunden.
  • Für öffentliche Programme ist die Zertifizierung, basierend auf international anerkannten und funktionierenden technischen Standards, sofort nutzbar. Sie ist auch ein operatives Zertifizierungs- und Schulungsprogramm für Dienstleister. Hinzu kommt, dass die Zertifizierung die Verteilung der Qualitätssicherungskosten auf die Marktakteure ermöglicht.

Wer steckt dahinter?

Das Investor Confidence Project kommt ursprünglich aus den USA. Seit 2015 wird es mit der finanziellen Förderung der EU Kommission im Rahmen eines Horizon 2020 Projektes den europäischen Gegebenheiten angepasst. Mit der Schaffung dieses Standards für die Planung und Dokumentation von Energieeffizienzprojekten soll Privatkapital mobilisiert und Investitionen vorangetrieben werden. Dieses Projekt an sich hat viele Unterstützer aus der Industrie und dem Dienstleistungssektor, aber auch bei Banken, Fondsgesellschaften und Investoren. Ein Investorennetzwerk namhafter Finanzinstitutionen befürwortet den Ansatz.

Erste Pilotprojekte mit der Investor Ready Zertifizierung wurden in mehreren europäischen Ländern (u.a. Deutschland) umgesetzt. Seit Januar 2017 gehört das ICP zur Green Business Certification Inc. (GBCI), einer gemeinnützigen Gesellschaft, die die LEED, GRESB, ParkSmart, EDGE, PEER and ZeroWaste Siegel verwaltet. Für die Erweiterung der Protokolle auf Energieeffizienzprojekte in der Industrie, Straßenbeleuchtung und Nahwärme wurde eine zweite Förderung von der Europäischen Kommission vergeben.

VR-Event zum Investor Confidence Project und weitere Informationen

Wem das jetzt alles zu trocken und zu langweilig war, obwohl es eigentlich interessiert, für den habe ich noch einen interessanten Veranstaltungshinweis. Auf der Hannover Messe lädt das Netzwerk „Energy Efficiency in Industrial Processes“ EE-IP am 25. April zu einem Energy Finance Meetup. Mit Hilfe von VR-Brillen und einer entsprechenden App trifft man sich auf der virtuellen Messe zu einer Diskussion über das Investor Confidence Project.

Man kann aber auch sich klassisch persönlich informieren auf der ICP-Website. Von dort und direkt vom Ansprechpartner für Deutschland habe ich für diesen Text Unterstützung bekommen.

Ich glaube, dass dieser Standard sich durchsetzen kann. Wenn es erste Projekte gibt, dann lassen sich mehr Projektentwickler und mehr Investoren davon überzeugen, die Kommunikation wird leichter und es kann zum Selbstläufer werden. Energieeffizienz kann mit ICP unabhängig von der Politik an Attraktivität gewinnen. Was haltet Ihr von der Idee?

 

Über den Autor

Andreas Kühl

Ich bin Energieblogger aus Leidenschaft mit einem großen Faible für Energieeffizienz und erneuerbare Energien. Mit energynet.de betreibe ich einen der bekanntesten und einflussreichsten Energieblogs im deutschsprachigen Raum. Innovationen für die Energiewende in Technologien und Geschäftsmodellen sind meine aktuellen Schwerpunktthemen.

Gerne schreibe ich auch Texte für Ihre Medien, wie die Website, den Unternehmensblog oder das Unternehmensmagazin, Darüber hinaus kann ich Sie auch beraten ibei der Online-Kommunikation.

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