Energieeffizienz

Energieeffizienz-Netzwerke – schwierige Akquise aber großer Erfolg

Einflussfaktor Energieeffizienz
Einflussfaktoren auf Energieeffizienz in Unternehmen, Grafik aus PWC-Studie "Ganzheitliches Energiemanagement"
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Einflussfaktor Energieeffizienz
Einflussfaktoren auf Energieeffizienz in Unternehmen, Grafik aus PWC-Studie „Ganzheitliches Energiemanagement“

Mittlerweile ist die Idee der Energieeffizienz-Netzwerke 30 Jahre alt – in der Schweiz haben sich im Jahr 1987 die ersten Netzwerke gegründe. Bei uns in Deutschland gibt es diese Netzwerke seit dem Ende der 90er Jahre. Aber trotz vieler hoch zufriedener Netzwerk-Teilnehmer, die viele Jahre dabei bleiben, wird diese Idee nicht zum Selbstläufer. Die Akquise neuer Teilnehmer ist nach wie vor die größte Hürde in der Gründung weiterer Netzwerke. Kann diese Hürde abgebaut werden? Diese Frage stelle ich mir nach der Veranstaltung zu den Erfahrungen von Energieeffizienz-Netzwerken auf den Berliner Energietagen 2017.

Viel positive Erfahrungen mit Energieeffizienz -Netzwerken

Aus vielen Netzwerken weiß man heute, dass sie dazu beitragen Klimaschutz und Ökonomie zusammen zu bringen. Mehr noch, in den Netzwerken ist die erzielte Energieeinsparung mit 2% pro Jahr doppelt so hoch wie in Unternehmen, die sich alleine um Energieeffizienz kümmern.

Wie bei vielen anderen Veranstaltungen zum Thema Energieeffizienz-Netzwerke wurde auch hier wieder gezeigt wie rentabel die umgesetzten Maßnahmen für Energieeffizienz in Unternehmen sind. Von einer internen Verzinsung von 30% im Durchschnitt berichtete Prof. Bradke vom Fraunhofer ISI. Am profitabelsten sind Maßnahmen an der Druckluft, in der Organisation, bei elektrischen Antrieben und bei der Lüftung.

Neu war für mich die Erfahrung aus den Energieaudits, die alle Nicht-KMU bis Ende 2015 durchführen mussten. Bei Unternehmen, die sich an Netzwerken beteiligen, wurde festgestellt, dass in den Audits nur rund die Hälfte der Effizienz-Potentiale enthalten ist. Die geschulten Augen der Enegiemanager entdecken bei den Betriebsrundgängen noch viele weitere Potentiale für Effizienz-Maßnahmen.

Wer erst einmal dabei ist, bewertet die Netzwerkarbeit positiv. In einer Umfrage sagten 85% der Befragten, dass der Nutzen des Netzwerks den Aufwand deutlich überwiegt. Noch höher ist die Quote bei Weiterempfehlungen. Ganze 94% würden anderen Energiemanagern die Teilnahme an einem Energieeffizienz-Netzwerk empfehlen.

Langsame Schritte hin zu dem Ziel der 500 Energieeffizienz-Netzwerke

Präsentation von Steffen Joest von der Geschäftsstelle der Initiative Energieeffizienz-Netzwerke

Wie steht es bei den positiven Berichten um die Initiative Energieeffizienz-Netzwerke und dem Ziel der 500 Energieeffizienz-Netzwerke bis Ende 2020? Hier berichtete Steffen Joest, Leiter der Geschäftsstelle der Initiative, von der aktuellen Entwicklung. Seit Anfang April gibt es jetzt 118 registrierte Netzwerke mit über 1100 beteiligten Unternehmen. Inzwischen gibt es auch regionale Koordinatoren in neun Bundesländern. Diese sind Ansprechpartner für die Verbände und interessierte Unternehmen vor Ort.

Für dieses Jahr werden noch viele neue Netzwerke erwartet. Alleine die Hälfte der Netzwerkträger plant für dieses Jahr 46 neue Netzwerke an den Start zu bringen. Da Ende 2017 die Hälfte der Zeit bis 2020 verstrichen ist, reichen diese Zahlen nicht aus.

Praktisches Beispiel für 10 Jahre Netzwerkarbeit

Als Beispiel aus der Praxis durfte Horst Uhl, Leiter des Energiemanagements bei EvoBus GmbH von seinen Erfahrungen berichten. Gestartet ist EvoBus in Ulm in 2005 mit einem Energieeffizienz-Netzwerk im Rahmen eines Kostenoptimierungsprojektes. Der Erfolg hat die Erwartungen übertroffen, der Energieverbrauch konnte um 15% reduziert werden. Nach Abschluss der Netzwerkphase war der Heizenergiebedarf um 8,5 GWh pro Jahr niedriger als zu Beginn. Anschließend haben 8ß& der Teilnehmer aus dem Netzwerk in Ulm vereinbart sich zu einem Effizienz-Tisch weiterhin regelmäßig zweimal im Jahr zu treffen.

Seine Erfahrung ist, dass immer noch weitere Potentiale für Energieeffizienz-Maßnahmen gefunden werden. Von den vielen Ideen werden aber nur die umgesetzt, die wirtschaftlich sind und in weniger als 3,5 Jahren die Investitionen einsparen. Die sogenannten Low-Hanging-Fruits gehen so schnell nicht aus dank des Netzwerk-Effektes und der Weiterentwicklung von Technologien.

Es bleibt viel Arbeit für Energieeffizienz-Netzwerke

Ein beliebtes Argument von Unternehmen, die kein Interesse an einem Netzwerk haben, ist dass sie sagen, sie hätten doch schon alle wirtschaftlichen Maßnahmen umgesetzt. Doch die Erfahrung zeigt, wer mit einem Netzwerk angefangen hat, entdeckt noch viele neue Potentiale für Energieeffizienz-Maßnahmen.

Hinzu kommt, dass in Netzwerken Antworten gefunden werden auf viele Fragen, die heute auftauchen. Wird das Energierecht und die Welt der Abgaben und Umlagen zu komplex, dann ist es günstiger wenn die Berater diese Fragen im Netzwerk beantworten als jedem einzelnen Unternehmen.

Im Netzwerk warten noch viele weitere Aufgaben für die Industrie, wie die Bewältigung der Digitalisierung, Flexibilisierung und der Umbau des Energiesystems. Unternehmen müssen nicht alleine Lösungen finden, im Netzwerk können Erfahrungen und Lösungen ausgetauscht werden.

Damit ein Energieeffizienz-Netzwerk zustande kommt ist immer viel Überzeugungsarbeit notwendig. Das Produkt oder die Leistung des Netzwerks muss in jedem Unternehmen neu erklärt werden und es muss immer Vertrauen in den Netzwerkträger, in den Moderator und in die anderen Unternehmen aufgebaut werden. Ein Selbstläufer sind die Netzwerke noch nicht, aber sie kommen ins Rollen und ihre Bedeutung wird immer wichtiger.

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Über den Autor

Andreas Kühl

Ich bin Energieblogger aus Leidenschaft mit einem großen Faible für Energieeffizienz und erneuerbare Energien. Mit energynet.de betreibe ich einen der bekanntesten und einflussreichsten Energieblogs im deutschsprachigen Raum. Innovationen für die Energiewende in Technologien und Geschäftsmodellen sind meine aktuellen Schwerpunktthemen.

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