Heizung

Abwärme-Nutzung von Servern für die Heizung anstatt aufwändige Kühlung

Prinzip der Abwärmenutzung von Servern für die Heizung bei Cloud & Heat
Anlagenschema der Cloud & Heat Heizung, Grafik: Cloud & Heat Technologies GmbH

An einer mangelnden Innovationsfreudigkeit der Heizungsbranche kann es nicht liegen, dass die Austauschrate von alten Heizungen derzeit so gering ist. Hausbesitzer und Bauherren haben heute eine große Auswahl an unterschiedlichen Heizungssystemen, die auch noch untereinander kombiniert werden können. Es gibt die unterschiedlichsten Arten von Wärmepumpen, kleine Blockheizkraftwerke, die Solarthermie, Pelletsheizungen, neuerdings Brennstoffzellengeräte und auch noch die klassischen Öl- und Gas-Brennwertheizungen.

Der Sanierungswillige steht eher vor der Qual der Wahl, als vor den ewig gleichen Produkten. Hinzu kommen unterschiedliche Energieträger, die laufende Kosten verursachen. Lediglich bei solarthermischen Heizungen und bei Wärmepumpen wird nur Antriebsenergie als Energieträger benötigt – der Rest kommt von der Sonne, aus der Umgebungs- oder Raumluft oder aus dem Boden.

Prinzip der Abwärmenutzung von Servern für die Heizung bei Cloud & Heat
Anlagenschema der Cloud & Heat Heizung, Grafik: Cloud & Heat Technologies GmbH

Abwärme nutzen für die Heizung

Es gibt noch eine weitere Wärmequelle, die genutzt werden kann für die Heizung von Wohn- und Nichtwohngebäuden – die Abwärme eines Serverschrankes. Wie? Im Wohnhaus steht doch normalerweise kein Server, der soviel Abwärme erzeugt, dass es für die Heizung reicht.

Nun, einem Unternehmen, das seine Daten in der sogenannten Cloud speichert, ist nur wichtig, dass die Daten dort sicher sind und geschützt werden vor fremden Zugriffen. Wo die Daten physisch liegen ist dann relativ egal.

Mehr als die Hälfte des Strombedarfs in Rechenzentren wird für die Kühlung und Lüftung benötigt. Warum sollte man dann nochmals Energie aufwenden, um die Wärme der Server runter zu kühlen oder nach außen abzuleiten?

Also besser die Server dorthin stellen, wo man Wärme ohnehin benötigt und mit weiterem Energieaufwand erst erzeugen muss. Warum nicht beides verbinden?

Cloud & Heat kombiniert Cloud-Dienste mit Heizungssystem

Das ist die Idee hinter dem Konzept von Cloud & Heat Technologies GmbH, einem jungen Unternehmen aus Dresden. Sie bieten sowohl Cloud-Dienste mit dezentral aufgestellten Servern an, als auch die Bereitstellung von Wärme für die Warmwasserbereitung oder zur Beheizung des Gebäudes. Somit werden Vorteile in zwei unterschiedlichen Märkten geschaffen. Die Cloud-Dienste können günstiger angeboten werden durch den Wegfall des Energieaufwands zur Kühlung der Server und durch den Betrieb der Server mit Ökostrom kann eine Green-Cloud Lösung als Produkt angeboten werden.

Auf der anderen Seite steht der Geschäftsbereich Wärme. Die einzelnen Server werden dezentral in unterschiedlichen Gebäuden aufgestellt als Teil der Heizungsanlage. Ergänzt werden sie durch einen Pufferspeicher und einer Luft-Wasser-Wärmepumpe.. Bei Bedarf ist auch eine Vorheizung der Zuluft in einer Lüftungsanlage über einen Wärmetauscher möglich.

Serverschrank als Heizung in vielen Gebäuden einsetzbar

Der Einsatz der Server als Wärmequelle ist grundsätzlich in alle Gebäuden denkbar, vom Einfamilienhaus bis hin zur Gewerbeimmobilie oder dem Industriebetrieb. Das Heizsystem von Cloud & Heat kann auch mit anderen Heizungen kombiniert werden. Benötigt werden vor Ort allerdings eine Internetverbindung mit mindestens 50 Mbit/s, ein Drehstromanschluss 400 V und 3 x 16 A (Herdanschlussdose) sowie ein separater Zählerplatz.

Das System wird bedarfsgerecht gesteuert, das heißt auch die Cloudserver werden entsprechend dem Heizbedarf betrieben. Bei höherem Heizbedarf wird auch mehr Rechenleistung auf den Server gelegt. Die Steuerung erfolgt durch Temperaturfühler am Pufferspeicher. Im Sommer kann nicht benötigte Wärme über einen Bypass einer Lüftungsanlage abgeführt werden, alternativ kann ein Rückkühler, der auf dem Dach montiert wird, eingesetzt werden. Ob das ausreicht, um saisonale Schwankungen auszugleichen, kann ich aber nicht beurteilen.

Nutzer dieses Heizsystems zahlen nur die einmaligen Anschaffungskosten von 12.000,- €. Alle weiteren Kosten, wie  Internet-, Strom-, Wartungs- und Instandhaltungskosten, werden von Cloud & Heat übernommen. Dazu gehört auch eine jährliche Wartung.

Neue Investorenrunde mit Rekord-Crowdfunding

Um die ehrgeizigen Wachstumspläne der Cloud & Heat Technologies GmbH umzusetzen werden weitere Investoren gesucht. Dazu soll bereits zum zweiten Mal auf der Plattform Seedmatch eine breite Basis von Interessenten mit einem Crowdfunding angesprochen werden. Nachdem bereits in 2013 eine Million Euro von 883 Investoren eingesammelt wurde, sollen es bei der heute gestarteten Runde insgesamt fünf Millionen Euro werden. Das wäre erneut ein Rekord für Crowdfunding in Deutschland. Eigentlich kennt man diese Summe eher aus der Venture Capital Finanzierung.

„Wir haben noch viele Ideen, die wir umsetzen möchten“, sagt Cloud & Heat Gründer und Geschäftsführer René Marcel Schretzmann. „Mit dem Erlös aus der Seedmatch-Kampagne wird uns dies sehr zügig gelingen.“

Ich bin gespannt was dabei rauskommt. Solch riesige Summen finde ich für Crowdfunding nicht gerade passend. Aber im Gegensatz zu konventionellen Anlage-Produkten kann man hier schon ab 250 Euro einsteigen und das Risiko bleibt überschaubarer. Das Heizsystem finde ich hingegen eine geniale Idee als Kombination mit ohnehin notwendigen Servern. Was meint Ihr dazu?

Über den Autor

Andreas Kühl

Ich bin Energieblogger aus Leidenschaft mit einem großen Faible für Energieeffizienz und erneuerbare Energien. Mit energynet.de betreibe ich einen der bekanntesten und einflussreichsten Energieblogs im deutschsprachigen Raum. Innovationen für die Energiewende in Technologien und Geschäftsmodellen sind meine aktuellen Schwerpunktthemen.

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