Energiespeicher Wemag

Batteriespeicher in Schwerin zur Stabilisierung des Netzes in Betrieb

Start des WEMAG Batteriespeichers
Erwin Sellering, Ministerpräsident des Landes Mecklenburg-Vorpommern, Thomas Pätzold, Technischer Vorstand der WEMAG AG, Sigmar Gabriel, Bundesminister für Energie und Wirtschaft sowie Clemens Triebel, Technischer Vorstand der Younicos AG (v.li.) legen den Hebel für mehr erneuerbare Energien im Stromnetz um. Bildnachweis: WEMAG/Rudolph-Kramer
Start des WEMAG Batteriespeichers
Erwin Sellering, Ministerpräsident des Landes Mecklenburg-Vorpommern, Thomas Pätzold, Technischer Vorstand der WEMAG AG, Sigmar Gabriel, Bundesminister für Energie und Wirtschaft sowie Clemens Triebel, Technischer Vorstand der Younicos AG (v.li.) legen den Hebel für mehr erneuerbare Energien im Stromnetz um. Bildnachweis: WEMAG/Rudolph-Kramer

Nachdem ich bereits über die Speicher-Diskussion berichtet habe und den Sinn des Batterieparks in Schwerin erläutert habe, noch die Pressemeldung der WEMAG AG zur Einweihung des europaweit ersten kommerziellen Batteriekraftwerks mit den Aussagen der beteiligten Personen.

Dieses wurde gestern im Beisein von Vizekanzler und Energieminister Sigmar Gabriel sowie Ministerpräsident Erwin Sellering erfolgreich ans Netz angeschlossen. Der 5 Megawatt Lithium-Ionen Speicher wurde vom Berliner Netz- und Speicherspezialisten Younicos konzipiert und kommt beim Schweriner Ökostromversorger WEMAG nun zum kommerziellen Einsatz: Mit der vollautomatischen Anlage stabilisiert erstmals in Europa eine eigenständige Batterie kurzfristige Schwankungen der Netzfrequenz mit Regelleistung. So sorgt sie dafür, dass Wind- und Sonnenstrom sicher in das bestehende Netz integriert werden können.

Technisches und wirtschaftliches Vorbild für die Energiewende

Bundesminister Sigmar Gabriel auf der feierlichen Eröffnung

„Der erste wirtschaftlich operierende Batteriespeicher in dieser Größenordnung ist ein wichtiger Schritt zum Gelingen der Energiewende. Gerade im Bereich der Regelleistung zur Stabilisierung der Netzfrequenz können Batterien ihre Stärke ausspielen. Im Zusammenspiel mit Wind und Sonne kann so auch zukünftig die Stabilität des Stromsystems gewährleistet werden. Das Batteriekraftwerk der WEMAG ist deshalb ein gutes Beispiel für das Engagement kommunaler Energieversorger für die Energiewende, welches auch andernorts in Deutschland Schule machen kann.“

Clemens Triebel, Technischer Vorstand von Younicos, führte dazu aus:

„Bislang wird unser Stromnetz größtenteils von inflexiblen Kohlekraftwerken stabilisiert, die dafür aber ein Vielfaches der tatsächlich benötigten Ausgleichsleistung produzieren müssen und die Netze demzufolge mit Strom aus fossilen Energieträgern blockieren. Dadurch wird ungewollt Energie aus Wind und Sonne abgeregelt. Diesen volkswirtschaftlichen Schaden vermeidet unser Batteriepark, weil er sich deutlich schneller und genauer steuern lässt als ein thermisches Kraftwerk.“

Younicos hat den Speicher innerhalb von zwölf Monaten schlüsselfertig errichtet. Im Inneren des etwa turnhallengroßen Gebäudes speichern 25.600 Lithium-Manganoxid-Zellen Strom in Millisekunden. Zelllieferant Samsung SDI garantiert die Leistung des Batteriekraftwerks für mindestens 20 Jahre. Fünf, jeweils vier Tonnen schwere Mittelspannungs-Transformatoren verbinden das Kraftwerk sowohl mit dem regionalen Verteilnetz als auch mit dem nahegelegenen 380-kV-Höchstspannungsnetz.

5 MW-Batteriespeicher ersetzt Regelpotenzial einer konv. 50 MW-Turbine

„Unsere 5 Megawatt-Batterie in Schwerin ersetzt das Regelpotenzial einer konventionellen 50 Megawatt-Turbine“, erklärte Younicos-Mitgründer Triebel weiter.

Thomas Pätzold, Technischer Vorstand der WEMAG AG, ergänzte:

„Im Netzgebiet der WEMAG werden bereits mehr als 80 Prozent der verbrauchten Strommengen aus Wind und Sonne produziert – damit sind wir Vorreiter bei den Erneuerbaren. Aus dieser Position heraus begreifen wir es als unsere gesellschaftliche Aufgabe, innovative und effiziente Lösungen für die Energiewende an den Markt zu bringen. Unser Batteriespeicher ist hier doppelt wegweisend: Er ist die technisch beste Lösung, um die naturbedingten Schwankungen aus regenerativer Einspeisung auszugleichen und ist zudem wirtschaftlich sehr attraktiv.“

Nach der Anschubfinanzierung durch das Innovationsprogramm des Bundesumweltministeriums in Höhe von 1,3 Mio. Euro rentiert sich der Großspeicher laut Hochrechnungen der WEMAG AG bereits von Beginn an am Primärregelleistungsmarkt. „Zukünftig soll die Batterie darüber hinaus andere Systemdienstleistungen wie Schwarzstartfähigkeit oder Blindleistung bereitstellen. Sie bietet also weitere lukrative wirtschaftliche Perspektiven“, so Pätzold.

Intelligente Kurzzeitspeicher lohnen sich schon heute

Ewald Woste, Aufsichtsratsvorsitzender der WEMAG AG und Vorsitzender des Vorstands der Thüga Aktiengesellschaft, fasste zusammen: „Die WEMAG zeigt, dass sich intelligente Kurzzeitspeicher schon heute aus betriebswirtschaftlicher und volkswirtschaftlicher Sicht lohnen. Wir sind stolz darauf, die Entwicklung der Speichertechnologien zentral mitzugestalten.“

Michael Sterner, Professor für Energiespeicher an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg ergänzt:

„Aus Sicht der Wissenschaft ist klar, dass Batteriekraftwerke technisch besonders gut zur Systemstabilität beitragen können. Bei den derzeit stark fallenden Batteriepreisen wirkt ihr Einsatz kostensenkend und ist damit gesamtwirtschaftlich sinnvoll. In der von mir geleiteten Speicherstudie für die „Agora Energiewende“, die gestern veröffentlicht wurde, haben wir empfohlen, bestehende Märkte und neue Märkte für Flexibilität technologieoffen zu gestalten und damit den Speichern durch Abbau von Hemmnissen eine faire Chance zu geben.“

Hintergrund zur Betriebsweise der Batterie

Regelleistung ist eine Systemdienstleistung, bei der durch kurzfristige Anpassung der Produktion Angebot und Nachfrage von Strom ins Gleichgewicht gebracht werden. Bisher wird dies hauptsächlich durch konventionelle Kraftwerke geleistet, die sich aber nur sehr ungenau und schwerfällig regeln lassen. So entstehen „Must-run“-Kapazitäten, die laut dem Energieforschungszentrum Niedersachsen schon ab 2017 einen volkswirtschaftlichen Schaden von über 5 Milliarden Euro verursachen. Marktfähige Großbatterien vermeiden dies und machen unsere Energiewirtschaft effizienter. Auch die jüngste Speicherstudie der Denkfabrik „Agora Energiewende“ belegt: Batteriespeicher können heute schon Systemdienstleitungen kosteneffizient bereitstellen. Besonders attraktiv sind sie am Markt für Regelleistung.

Transparenz-Anmerkung: Die WEMAG AG ist Sponsor von energynet.de, nimmt aber keinen Einfluss auf die Inhalte und Aussagen.

Über den Autor

Andreas Kühl

Ich bin Energieblogger aus Leidenschaft mit einem großen Faible für Energieeffizienz und erneuerbare Energien. Mit energynet.de betreibe ich einen der bekanntesten und einflussreichsten Energieblogs im deutschsprachigen Raum. Innovationen für die Energiewende in Technologien und Geschäftsmodellen sind meine aktuellen Schwerpunktthemen.

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