Energiespeicher

Erster kommerzieller Batteriepark zur Sicherung der Netzstabilität wird Mitte 2014 in Betrieb gehen

Technologie des Speicherparks
Younicos-Gründer Clemens Triebel (l.) zeigt Wemag-Vorstand Thomas Pätzold (r.) die Technologie, Foto: WEMAG AG
Technologie des Speicherparks
Younicos-Gründer Clemens Triebel (l.) zeigt Wemag-Vorstand Thomas Pätzold (r.) die Technologie, Foto: WEMAG AG

In der vergangenen Woche hatte ich schon über die Bedeutung großer Batterieparks als Schlüssel zur Netzintegration von Wind- und Solarstrom geschrieben. Aufhänger dieses Beitrags war die verkündete Zusammenarbeit des jungen Berliner Unternehmens Younicos mit Samsung für den Bau von Batterieparks. Antworten auf meine Fragen habe ich im Kommentar über den Beitrag von WiWo Green zu diesem Thema erhalten.

Jetzt beginnt die Partnerschaft gleich mit einem ersten großen Projekt. Den ersten europäischen Batteriepark, der kommerziell betrieben wird, will der Schweriner Ökostromversorger WEMAG zum Ausgleich kurzfristiger Netzschwankungen errichten. Die Younicos AG, die sich auf derartige Speichertechnologien spezialisiert hat, wird diesen großen Speicherpark bauen.

Der Großspeicher, der größer als eine Sporthalle sein wird, mit einer Kapazität von 5 Megawattstunden (MWh) soll ab Jahresmitte 2014 helfen, die Netzfrequenz auf der Übertragungsnetzebene zu stabilisieren und Wind- und Sonnenstrom sicher in das bestehende Netz zu integrieren. Der Lieferant für die Batteriemodule, das koreanische Unternehmen Samsung SDI, garantiert die Leistung der verwendeten Lithium-Ionen-Zellen 20 Jahre lang.

Wirtschaftlich über Teilnahme des Speichers am Regelenergiemarkt

Über eine Teilnahme am Primärregelleistungsmarkt soll sich das Projekt refinanzieren. Zur Abdeckung von Erstprojektrisiken wurde zudem eine Förderung durch das Umweltinnovationsprogramm des Bundesumweltministeriums beantragt. Die Errichtung erfolgt jedoch vorbehaltlich der Förderungszusage.

Dass sich die WEMAG AG in diesem Bereich engagiert, ist kein Zufall. In ihrem Netzgebiet sind knapp 800 Megawatt Anschlussleistung aus regenerativen Quellen installiert. Etwa 80 Prozent der verbrauchten Strommengen werden in ihrer Region aus Erneuerbaren Energien gewonnen. Der Batteriespeicher wird besonders bei dem Ausgleich der schwankenden Einspeisung helfen.

Clemens Triebel, Gründer und Vorstand von Younicos, ist davon überzeugt, dass sich Batterieparks schon heute rechnen. Für ihn sind leistungsfähige Speicher, die kurzzeitige Schwankungen ausgleichen, der Schlüssel und ein wichtiger Hebel für mehr Erneuerbare Energien:

„Jedes Megawatt an installierter Batterie ersetzt das Zehnfache an sonst für die stabile Stromversorgung benötigter konventioneller Kraftwerksleistung. So schaffen wir schnell mehr Platz für Wind- und Sonnenenergie in unseren Netzen. Gemeinsam mit der WEMAG werden wir beweisen, dass sich das – gerade für innovative Stromversorger – schon heute rechnet.“

Das Berliner Start-up Younicos ist spezialisert auf die Netzintegration von erneuerbaren Energien und  hat den vollautomatisierten Batteriepark in den letzten Jahren technisch und wirtschaftlich entwickelt. Younicos wird diesen Speicher in Schwerin ab Juni 2013 schlüsselfertig errichten. Der Batteriepark wird beim Netzbetreiber 50 Hertz Transmission für die Erbringung von Primärregelleistung präqualifiziert. Seit Dezember 2012 nimmt Younicos bereits mit den Batterien seines Technologiezentrums Berlin-Adlershof am Markt für Primärregelleistung teil.

Über den Autor

Andreas Kühl

Ich bin Energieblogger aus Leidenschaft mit einem großen Faible für Energieeffizienz und erneuerbare Energien. Mit energynet.de betreibe ich einen der bekanntesten und einflussreichsten Energieblogs im deutschsprachigen Raum. Innovationen für die Energiewende in Technologien und Geschäftsmodellen sind meine aktuellen Schwerpunktthemen.

Ein Kommentar

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  • Respekt, YOUNICOS ! Ich würde ja wirklich gerne wissen, wie und wo die den Stein der Weisen gefunden haben, aber wahrscheinlich muss ich dazu erst mal meine Neidgefühle überwinden. Einige Fragen zu dem Vorgang drängen sich natürlich aber doch auf :

    1. SAMSUNG wird die 20 Jahre Lebensdauer nur garantieren, wenn die maximale Zyklenzahl nicht überschritten wird, und die liegt bei den SDI-Zellen bei 5.000, unter der Voraussetzung einer DoD (Depth of Discharge) von 50%, was dann 2,5 MWh echter Nutzkapazität entspräche, und damit gesamt 12.500 MWh Energie, die die Zellen in Ihrem Leben aufnehmen können.

    2. Bei angenommenen 5 Mio. € für die Anlage (entspricht ca. 1.000,- € / kWh, das kosten moderne Li-Ion-Batteriecontainer im Allgemeinen) würde das in reinen Strom-Speicherkosten von 400,- €/MWh resultieren. Zum Vergleich : 1 MWh kostet an der EEX in Leipzig ca. 50,- €, die Speicherkosten sind also das ca. 8-fache.

    3. Die Amortisation der Anlage soll über den Markt für Regelenergie erfolgen. Da Primärregelleistung und Minutenreserve hier faktisch ausscheiden, bleibt noch der Sekundär-Regelleistungs-Markt. Die Teilnahme an diesem bedingt eine Mindestleistung von 5 MW, welche für die Dauer von einer Stunde garantiert sein muss. Wie geht das, mit einer Batterie die nur 2,5 MWh aufnehmen oder abgeben darf um nicht vorzeitig zu verschleißen ?? Oder ist 5 MWh die echte Nutzenergie der Anlage ?

    Wer mich kennt, weiß natürlich dass hier der reine Neid aus mir spricht. Wie schaffen diese Jungs es nur, ständig Fördermittel für deren Projekte zu erhalten ? Das müssen echte Marketing-Genies sein ? Oder sie haben wirklich den Stein der Weisen gefunden 😀 😀 …

    mfG

    C. Wiesner
    ROTOKINETIK UG (in Gründung)

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