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Sind Plusenergiehäuser die Zukunft?

Gestern und heute war viel von der Einweihung eines Plusenergiehauses mitten in Berlin durch Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesbauminister Peter Ramsauer, z.B. im Windkraft-Journal. Generell fällt mir auf, dass viel über das Thema Plusenergiehaus berichtet wird und es immer wieder heißt, dass an neuen Materialien und Technologien noch geforscht werden muss.

Dieser Aussage erinnert mich an die Kritiker der Photovoltaik, die nur in Forschung, statt praktischen Installationen investieren wollen. Bis auf Speichertechnologien und Ladestationen für Elektroautos, gibt es Technologien und Materialien für Niedrigenergie- oder Passivhäuser schon lange und sind auch seit Jahren schon im praktischen Einsatz.

Was ist ein Plusenergiehaus eigentlich? Festgelegte Anforderungen gibt es nicht, außer dass sie in der jährlichen Energiebilanz mehr Energie erzeugen als sie verbrauchen. Alternativ werden sie auch Energieeffizienzhaus-Plus oder Energieüberschusshaus genannt. Mehr gibt die Beschreibung bei Wikipedia nicht her. Das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung hebt in dem Musterhaus noch den Leichtbau hervor, der aber meines Erachtens, für den Alltag nicht relevant ist.

Der Energieüberschuss oder die positive Energiebilanz wird erreicht durch eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach. Anforderung an die Energieeffizienz des Gebäudes, also an den Wärmebedarf, oder an die Heizung gibt es nicht – solange die Energiebilanz positiv ist. Nicht berücksichtigt wird in der Rechnung, dass für die Beheizung und Stromverbrauch des Gebäudes auf der negativen Seite, sowie die Stromerzeugung auf der Haben-Seite unterschiedliche Energieträger genutzt werden – es sei denn das Gebäude wird mit Strom aus der PV-Anlage beheizt, was relativ unwahrscheinlich sein dürfte.

Die Entwicklung des Plusenergiehauses steht noch am Anfang, es sind weitere Anforderungen nötig um auch den Energiebedarf des Gebäudes gering zu halten. Sinnvoll wäre eine Weiterentwicklung des Passivhauses oder Niedrigstenergiehauses zum Plusenergiehaus.

In dem Zusammenhang wäre interessant zu erforschen warum Passivhäuser in der öffentlichen Wahrnehmung sich noch schwer tun und lange nicht so bekannt sind wie das relativ neue Plusenergiehaus. Scheinen Passivhäuses Verzicht zu bedeuten, was in der Praxis nicht stimmt, oder sind es die höheren Investitionskosten? Reicht eine Photovoltaikanlage auf dem Dach schon aus, um das ganze Haus attraktiver oder sexy werden zu lassen?

Eine interessante Entwicklung sind die Plusenergiehäuser von Rolf Disch, ein Architekt der schon lange Plusenergiehäuser entwickelt und baut. Für ihn sind diese Häuser die Zukunft. Auch ein Passivhaus verbraucht noch Energie, aber ein Passivhaus mit minimiertem Energieverbrauch (absichtlich doppelt), das gleichzeitig Energie erzeugt ist das optimale Gebäude der Zukunft. Rolf Disch hat das Plusenergiehaus schon weiter entwickelt als das neue Demonstrations- und Forschungshaus in Berlin. Er hat bewiesen, dass Plusenergiehäuser wirklich funktionieren und fordert seit Jahren mehr Unterstützung für die weitere Verbreitung von Plusenergiehäuser. Ich hoffe er wird auch etwas mehr Aufmerksamkeit davon bekommen durch das gestiegene Medieninteressse.

Der nächste Schritt wäre die Minimierung des Energieverbrauchs und Ressourceneffizienz in der Herstellung des Gebäudes und seiner Materialien.

Über den Autor

Andreas Kühl

Ich bin Energieblogger aus Leidenschaft mit einem großen Faible für Energieeffizienz und erneuerbare Energien. Mit energynet.de betreibe ich einen der bekanntesten und einflussreichsten Energieblogs im deutschsprachigen Raum. Innovationen für die Energiewende in Technologien und Geschäftsmodellen sind meine aktuellen Schwerpunktthemen.

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