Licht

Ein Plädoyer für die LED-Straßenlampe – Teil 3

Abstrahlcharakteristika

Gastartikel von Tim David, AUTEV AG Brandenburg

AbstrahlcharakteristikaLichtverschmutzung sorgt unter anderem dafür, dass Menschen den Sternenhimmel nicht mehr richtig wahrnehmen, und damit eines wichtigen kulturellen Erbes und eines großartigen Anblicks beraubt werden. Viele Tiere, darunter Zugvögel, Frösche und Fledermäuse, werden von zu viel Nachtlicht irritiert, ändern ihr Verhalten oder verlieren die Orientierung. Besonders dramatische Folgen hat die Beleuchtung für nachtaktive Insekten, die tausendfach von Lampen angezogen werden und darin umkommen – diesbezüglich sei beispielhaft nur einmal auf die Forschungen des Mainzer Biologie-Professors Gerhard Eisenbeis verwiesen. Seit einigen Jahren wird in der medizinischen Fachwelt sogar darüber diskutiert, ob nicht vielleicht auch die Brustkrebsrate von der Stärke der nächtlichen Beleuchtung in den Städten beeinflusst wird.

Nun lassen sich alle diese Probleme natürlich nicht dadurch lösen, dass man einfach LED-Lampen verwendet. Die LED-Technologie kann aber dabei helfen, die Probleme zumindest einzudämmen. So kann man durch die gerichtetere Lichtabstrahlung (und im Falle der AuLED auch durch die winkelverstellbaren LED-Seitenflügel) wesentlich präziser kontrollieren, wohin das Licht fällt. Zwar lässt sich die Lichtverschmutzung so nicht eliminieren, wohl aber verringern, was angesichts der vielen negativen Folgen für Mensch und Natur der Mühe wert sein sollte. Dazu kommt, dass LED-Licht offenbar von vielen Insekten nicht mehr als eine kohärente Lichtquelle wahrgenommen wird – zumindest haben wir bei unseren Experimenten mit den Prototypen wieder und wieder festgestellt, dass die meisten Insekten die Lampen komplett zu ignorieren scheinen. Bezüglich dieses Effekts sind sicher noch weitere Forschungen notwendig, aber es spricht doch einiges dafür, dass LED-Straßenlampen eine sehr insektenfreundliche Form der Beleuchtung darstellen.

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Über den Autor

Andreas Kühl

Ich bin Energieblogger aus Leidenschaft mit einem großen Faible für Energieeffizienz und erneuerbare Energien. Mit energynet.de betreibe ich einen der bekanntesten und einflussreichsten Energieblogs im deutschsprachigen Raum. Innovationen für die Energiewende in Technologien und Geschäftsmodellen sind meine aktuellen Schwerpunktthemen.

7 Kommentare

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  • Zur vermuteten verminderten Insektenschädlichkeit einer LED-Straßenbeleuchtung würden mich Details der durchgeführten Experimente sehr interessieren.

    Beispielsweise konnte Scheibe (2000) in seiner Dissertation einen naheliegenden Effekt beim Vergleich der Attraktivität von Hg- und Na-Dampflampen auf aquatische Insekten feststellen, der ihn zu folgender Schlußfolgerung bzgl. Na-Dampfleuchten veranlaßte: „Die SON ist nicht in dem Maße insektenfreundlich, wie sie bisher in der Literatur (BAUER 1993 u.a.) dargestellt wurde.“

    Die Erklärung liegt im Unterschied zwischen relativer und absoluter Attraktivität verschiedener Lichtquellen begründet. Bei konkurrierenden Lichtquellen fliegen Insekten bevorzugt diejenigen mit dem attraktiveren Spektrum an, während sie ohne Alternative einfach die verfügbare Lichtquelle anfliegen. Das bedeutet, daß die Insekten-‚Freundlichkeit‘ u.U. stark überschätzt werden kann, wenn man ihre absolute Attraktivität außer Acht läßt.

    http://deposit.ddb.de/cgi-bin/dokserv?idn=961995505&dok_var=d1&dok_ext=pdf&filename=961995505.pdf

  • @Wolfgang Flamme:

    „Im Langzeittest haben sich die LEDs als widerstandsfähig erwiesen. Sie sind sogar wartungsärmer als bisherige Straßenleuchten. Und noch etwas wollte man in Düsseldorf herausfinden: Wie wirken sich LEDs auf nachtaktive Insekten aus? Zusammen mit Zoologen der Uni Mainz wurde eine große Insektenzählung veranstaltet.

    Das Ergebnis liegt nun vor: LEDs ziehen die Tiere viel weniger an als etwa die herkömmlichen Natriumdampflampen. Auch wenn die Tierchen für uns eher lästig erscheinen: Für das ökologische Gleichgewicht sind sie enorm wichtig. Sie dienen als Futter für Vögel und Fledermäuse, gleichzeitig sind sie aber auch Bestäuber von Blumen.“

    Quelle: http://www.daserste.de/wwiewissen/beitrag_dyn~uid,fing23lv7ma33q0x~cm.asp

    Wie genau dieser Test durchgeführt wurde, würde mich auch interessieren, aber da Prof. Eisenbeis sich mit der Thematik schon seit vielen Jahren auseinandersetzt, wird das experimentelle Design sicher ausgereift sein. Sollte hierzu ein Paper erscheinen, werde ich sicherlich darüber bloggen, noch ist aber (meines Wissens nach) nichts veröffentlich worden.

  • Christian, ich habe hier noch was gefunden:

    Standort lt. Pressemeldung:
    http://www.rp-online.de/public/article/duesseldorf-stadt/507209/Erste-LED-Strassenbeleuchtung-in-Duesseldorf.html

    Auf Google Maps also die Uferstraße hier:
    http://maps.google.de/maps?f=q&source=s_q&hl=de&ie=UTF8&ll=51.186384,6.771038&spn=0.002522,0.003793&t=h&z=18

    Zur ‚Versuchsbeschreibung‘ dieser Hinweis:
    http://www.stadtdatenbank.de/bundesland_nordrhein-westfalen/nw-duesseldorf/Insektenschutz-im-Fokus-Feldversuch-ffentliche-Beleuchtung-am-Fleher-Deich-l14577.html

    Lichtkonkurrenz ist also nicht sicher auszuschließen.

    Ich frage mal beim Eisenbeis an, ist ja vor meiner Haustür 🙂
    Mich würde aber auch interessieren, wie die von Euch durchgeführten Experimente gestaltet waren.

  • Soeben erhielt ich tel. Rückmeldung von Prof. Dr. Eisenbeis:

    Mein Verdacht hat sich teilweise bestätigt; im Feldversuch in Düsseldorf kam es zu geringfügiger Lichtquellenkonkurrenz. Lt. Prof. Eisenbeis scheint die LED-Beleuchtung dennoch nochmals absolut deutlich weniger insektenattraktiv zu sein als die Na-Beleuchtung. Zwar gibt es auch eine deutliche Artenselektivität, diese scheint aber nicht ausgeprägter als bei anderen Leuchtmitteln.
    Eine Veröffentlichung wird lt. Prof. Eisenbeis noch folgen.

    Btw: Was den Einfluß konkurrierender Lichtquellen in Feldversuchen betrifft, werden da wohl einige kleinere Grabenkämpfe ausgetragen…

  • @Wolfgang Flamme: Geringfügige Lichtquellenkonkurrenz dürfte bei Versuchen außerhalb der berühmten „grünen Wiese“ schwer auszuschließen sein. Dass Prof. Eisenbeis die LED-Beleuchtung für deutlich weniger insektenanziehend hält als die Na-Beleuchtung, bestätigt unserer ebenfalls sehr positiven Beobachtungen in diesem Punkt. Auf die Veröffentlichung warte ich jedenfalls auch schon mit Spannung…

  • Das große RätselRaten geht in die 2. Runde

    Was ist das Geheimnis der LED-Strassenbeleuchtung in Bezug auf die Lichtattraktivität für Insekten ?

    Vielleicht sollte man den wahren & verprellten Entwickler der AuLED befragen. Dieser wurde in den letzten 18 Monaten nicht 1 Mal namentlich genannt.

    Mehrere technisch durchdachte Schaltungen & TestAufbauten zu diesem Thema suchen einen Sponsor.

    All das wäre so banal – wenn der Entwickler auch für seine Arbeit komplett bezahlt worden wäre !

    Prototype Design & PCB Layout A.Müller

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