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Bringt #NAPE den Durchbruch der Energieeffizienz?

Saniertes MFH
dena-Niedrigenergiehaus Darmstadt nach Sanierung mit 97 Prozent Energieeinsparung, Foto: Deutsche Energie-Agentur GmbH (dena)
Saniertes MFH
dena-Niedrigenergiehaus Darmstadt nach Sanierung mit 97 Prozent Energieeinsparung, Foto: Deutsche Energie-Agentur GmbH (dena)

Seit Mittwoch sind erste Inhalte aus dem Nationalen Aktionsplan Energieeffizienz (NAPE) der Bundesregierung bekannt. Mit diesem Aktionsplan hat die Bundesregierung das ambitionierte Ziel die Energieeffizienz zur zweiten Säule der Energiewende zu machen. Das ist auch dringend notwendig, denn zur Erreichung der Effizienz-Ziele der EU gehört auch eine Steigerung der Energieeffizienz um 20 Prozent bis zum Jahr 2020. Da hinkt Deutschland noch hinterher, der NAPE soll helfen diese Lücke zu füllen.

Mittlerweile befindet sich der Aktionsplan in der Abstimmung zwischen den Ressorts und es wird schon öffentlich über Inhalte diskutiert, damit die andere Seite nicht mehr davon abweicht.

Die Leserinnen und Leser werden sich sicher nun dafür interessieren, was genau im NAPE steht. Werden die hochgesteckten Erwartungen erfüllt? Werden wir damit endlich Fortschritte im Gebäudesektor erzielen können? Und wird die Lücke zur Erfüllung des Effizienzzieles geschlossen werden können? Erste Skepsis macht sich breit zwischen den optimistischen Ankündigungen beim dena Energieeffizienzkongress:

Steuerliche Abschreibung soll Energiewende im Gebäudebereich bringen

Immerhin wird wohl die lange erwartete steuerliche Abschreibung für die energetische Gebäudesanierung kommen.Sie weckt die Hoffnung, dass die Sanierungsrate von Gebäuden endlich deutlich ansteigen wird und, dass wieder mehr alte Heizungen ausgetauscht werden. Der Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) beklagte, dass die Handwerksbetriebe in den letzten drei Jahren deutlich mehr neue Bäder gebaut als neue Heizungsanlagen installiert haben. Und eine Änderung ist nicht in Sicht:

Jeder fünfte Hausbesitzer oder Eigentümer einer Wohnung plant in den nächsten fünf Jahren mit der Badrenovierung eine Investition in die eigene Immobilie; aber nur 14 Prozent wollen die Heizung sanieren. Und beim Bad fragt man nicht mal nach der Amortisationszeit!

Auch wenn man noch abwarten muss, wie die steuerliche Abschreibung ausgestaltet wird und wie sie angenommen wird, sie wird als ein Fortschritt betrachtet:

Skeptisch sind auch noch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) in einer gemeinsamen Pressemitteilung was die soziale Gestaltung der steuerlichen Abschreibung betrifft. Für Klaus Müller, vzbv-Vorstand, würde eine echte Wärmewende, die zu sinkenden Heizkosten bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern führt, die Zustimmung zur Energiewende insgesamt fördern. Daher muss sichergestellt werden, dass die gewünschten Einspareffekte tatsächlich erreicht werden. Hierzu ist eine Qualitätssicherung durch eine fachliche Beratung unerlässlich. 

DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell betont, dass die steuerlichen Anreize  auch sozial ausgestaltet werden müssen, damit auch gefördert wird, wer kein oder nur ein geringes Einkommen hat.

Sanierungsfahrplan für Gebäude soll Funktion Rechnung tragen

Der Fachverband Gebäude-Klima e. V. (FGK) freut sich neben der steuerlichen Abschreibung über einen Fokus auf Nichtwohngebäude. Auch die Absicht, neben individuellen Sanierungsfahrplänen den Funktionen der Gebäude und den Bewohnern Rechnung zu tragen, wird begrüßt. Der FGK informiert weiter über Inhalte des NAPE: Der NAPE-Entwurf sieht vor, als Sofortmaßnahme ein KfW-Förderprogramm für den Neubau und die Sanierung energieeffizienter Nichtwohngebäude einzuführen und dafür rund 200 Millionen Euro jährlich bereitzustellen. Dabei soll unter anderem ein Förderstandard „Effizienzhaus Plus“ etabliert werden.

Die noch auszuarbeitende „Energieeffizienzstrategie Gebäude (ESG)“ soll neben individuellen Sanierungsfahrplänen für Wohn- und Nichtwohngebäude „auch den Funktionen der Gebäude und den Bewohnern Rechnung tragen“. Im Zuge der ESG soll außerdem das Energieeinsparrecht weiterentwickelt werden, heißt es im NAPE-Entwurf. Es sieht dazu etwa einen Abgleich des Erneuerbare-Energien-Wärmegesetzes (EEWärmeG) mit der EnEV vor. Gemeinsam mit den Ländern soll auf eine Verbesserung des EnEV-Vollzugs hingewirkt werden.

Wichtig ist auch die Strategie „Klimafreundliches Bauen und Wohnen“ des Bundesumweltministeriums, die vom FGK erwähnt wird. Damit sollen vermeidbare gesundheitliche Risiken, z.B. durch Schadstoffe in der Innenraumluft, beachtet werden. Der FGK:

„Nichts wäre dazu geeigneter, als ein verpflichtendes Lüftungskonzept nach DIN 1946-6 in der EnEV zu verankern.“

Ausschreibungen für Energieeffizienz-Projekte

Im NAPE gibt es aber mehr Unterstützung für Energieeffizienz als nur im Gebäudesektor, wie die DENEFF bei Twitter betont:

Wettbewerbliche Ausschreibungen für Energieeffizienz sind ganz neu in Deutschland. Damit sollen für die unterschiedlichsten Energieeffizienz-Projekte die günstigsten Anbieter gefunden werden und sich eigener Markt dafür entwickeln.

Carsten Müllerr, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz e.V. (DENEFF):

„… Mit den wettbewerblichen Ausschreibungen für Energieeffizienz kann Deutschland ganz neue Wege gehen, einen lebendigen Markt für Energieeffizienz zu schaffen. Was noch fehlt ist eine schlüssige Gesamtstrategie mit einem Energieeffizienzgesetz und verbindlichen Zielen“.

Was sich daraus entwickeln wird, müssen wir noch sehen. Ausschreibungen für Energieeffizienz sind noch neu und gibt es nur in wenigen anderen Ländern weltweit. Ich werde sicher wieder berichten.

NAPE soll Aufbruchstimmung für Energieeffizienz in der Energiewende bringen

Noch eine Aussage zur Bedeutung des NAPE zum Schluss:

Das war sicher nicht vollständig, aber schon sehr ausführlich über die Inhalte des Nationalen Aktionsplan Energieeffizienz (NAPE), der viel bewegen kann im Bereich der Energieeffizienz. Was meint Ihr, wird das Aktionsprogramm am Markt angenommen?

Über den Autor

Andreas Kühl

Ich bin Energieblogger aus Leidenschaft mit einem großen Faible für Energieeffizienz und erneuerbare Energien. Mit energynet.de betreibe ich einen der bekanntesten und einflussreichsten Energieblogs im deutschsprachigen Raum. Innovationen für die Energiewende in Technologien und Geschäftsmodellen sind meine aktuellen Schwerpunktthemen.

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