Strom

Neues Energielabel soll gesamten Stromverbrauch im Haushalt erfassen

Stromkosten sparen mit Energielabel
EU-Energielabel für einzelne Geräte hilft, Stromkosten zu sparen, Quelle: "Initiative EnergieEffizienz / dena"
Stromkosten sparen mit Energielabel
EU-Energielabel für einzelne Geräte hilft, Stromkosten zu sparen, Quelle: „Initiative EnergieEffizienz / dena“

Die Energieeffizienzklassen für einzelne elektrische Geräte kennen heute fast alle. Gerade bei Haushaltsgeräten haben sich die bekannten Energielabel durchgesetzt und sind mittlerweile ein wichtiger Faktor bei Kaufentscheidungen. Sie betreffen aber immer nur einzelne Geräte nach standardisierten Kriterien, nicht berücksichtigt wird der Einfluss der Nutzer und die Gesamtheit der elektrischen Geräte in einem Haus.

Thema Haus, dort gibt es auch eine Art Energielabel mit dem Energieausweis, mit zwei unterschiedlichen Verfahren. Einmal gibt es ein standardisiertes Rechenverfahren für das gesamte Haus, inklusive Hülle und Technik und zum anderen eine verbrauchsabhängige Berechnung, nur mit den real verbrauchten Werten.

Für die gesamten elektrischen Stromverbraucher im Haushalt gibt es keine Zahlen oder Rechenwege, um die Energieeffizienz des Haushaltes angeben zu können. Dabei wäre das fast wichtiger als die Angabe für ein einzelnes Gerät, wenn man an die zunehmende Anzahl von Stromverbrauchern in Privathaushalten betrachtet.

Neues Label soll Stromsparen im Privathaushalt erleichtern

Sogenannte Stromeffizienzklassen könnten künftig dabei helfen, für Privatpersonen im Haushalt den Gesamtstromverbrauch transparent zu machen, um dann die richtigen Maßnahmen zum Stromsparen zu ergreifen. Das neue Label wird in einem Forschungsprojekt unter der Leitung des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung gemeinsam mit dem Öko-Institut e.V entwickelt. Gefördert wird das Projekt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF).

Der Gesamtstromverbrauch in Deutschland soll nach den Zielen der Bundesregierung bis zum Jahr 2050 um 25 Prozent gesenkt werden. Der private Stromverbrauch spielt dabei eine wichtige Rolle. Die Erfahrung zeigt, dass mit Stromspar-Tipps allein den Verbraucherinnen und Verbrauchern nicht geholfen ist: Seit Jahren stagniert der private Stromkonsum auf hohem Niveau.

„Die Vielzahl der Einzelhinweise ist für Verbraucherinnen und Verbraucher oft viel zu unübersichtlich und führt nicht dauerhaft zu Verhaltensänderungen im Alltag“, sagt ISOE-Energieexperte Immanuel Stieß. „Unsere Forschungen zeigen, dass die Menschen häufig gar nicht wissen, wie viel Strom sie tatsächlich verbrauchen und wo sie ihr Verhalten sinnvoll ändern können.“

Stromeffizienzklassen für Haushalte

Das ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung wird deshalb im Forschungsprojekt „Stromeffizienzklassen für Haushalte“ gemeinsam mit dem Öko-Institut e.V. ein neues Label entwickeln. Ziel des Projekts ist es, den Gesamtstromverbrauch transparent zu machen und zu typisieren.

„Die neuen Verbrauchsklassen werden auf der Grundlage des Jahresstromverbrauchs gebildet“, sagt Corinna Fischer vom Öko-Institut. „Im Unterschied zu bereits vorhandenen Energieklassen wird damit nicht die Stromeffizienz von Einzelgeräten klassifiziert, sondern erstmals der Gesamtstromverbrauch aller technischen Geräte im Haushalt zusammengefasst.“

So sollen Verbraucherinnen und Verbraucher dazu motiviert werden, eine möglichst gute Stromeffizienzklasse zu erreichen – etwa durch den künftigen Kauf besonders energieeffizienter Geräte. Langfristig soll dadurch der Stromverbrauch der deutschen Privathaushalte sinken.

Wie sehen die einzelnen Schritte aus? Zunächst ermittelt das Forscherteam die technischen und nutzungsbedingten Stromsparpotenziale und klassifiziert diese. In einem Feldversuch sollen dann erstmals hundert ausgewählte Haushalte in Südhessen und Südbaden in Stromeffizienzklassen eingeordnet werden. Ihnen werden im Zuge des Projekts Maßnahmenpakete angeboten, die speziell auf ihre Bedürfnisse und Möglichkeiten zugeschnitten sind.

„Mit zielgruppenspezifischen Angeboten können wir die Verbraucherinnen und Verbraucher besser zum Stromsparen motivieren“ sagt Projektleiter Stieß. „Wir wollen dafür sorgen, dass Stromsparen ein selbstverständlicher Bestandteil im Alltag der Verbraucher wird und nicht etwas ist, worüber man sich tagtäglich wieder neu den Kopf zerbrechen muss.“

Praxispartner

Eine wichtige Rolle im Forschungsprojekt spielen die Praxispartner. Indem Hersteller von Elektrogeräten und Stromanbieter ebenso an dem Forschungsprozess beteiligt sind wie Verbraucherschützer, können bedarfsgerechte technische Lösungen, neue Geschäftsmodelle und maßgeschneiderte Beratungsangebote entwickelt werden.

Die Praxispartner im Projekt sind Bosch und Siemens Hausgeräte GmbH (BSH), Entega Privatkunden GmbH & Co. KG, Badenova AG & Co. KG und die Verbraucherzentrale NRW e.V. Das Projekt „Stromeffizienzklassen für Haushalte. Die Entwicklung von Stromsparinnovationen in Haushalt, Markt und Gerätetechnik“ wird im Schwerpunkt Sozial-ökologische Forschung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.

Über den Autor

Andreas Kühl

Ich bin Energieblogger aus Leidenschaft mit einem großen Faible für Energieeffizienz und erneuerbare Energien. Mit energynet.de betreibe ich einen der bekanntesten und einflussreichsten Energieblogs im deutschsprachigen Raum. Innovationen für die Energiewende in Technologien und Geschäftsmodellen sind meine aktuellen Schwerpunktthemen.

2 Kommentare

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  • Die Kuh wird auch nicht dicker wenn man sie nur öfter wiegt!

    Ein niedriger Stromverbrauch ist immer besser als ein hoher. Das merkt man auch in der Brieftasche.
    Allerdings sollte man sich auch fragen, ob es Sinn macht Elektrogeräte der Effizienzklasse B die gerade mal 5 Jahre alt sind zu verschrotten um danach max. 50€ pro Jahr zu sparen?
    Mir persönlich ist da der Verlust zu groß.

    Den meisten ist der Stromverbrauch noch seinen Preis wert, sonst würden sie von alleine das Stromsparen anfangen. Die ersten % kosten weder viel Geld noch Komfort und machen sich dadurch sofort bezahlt.

    Wenn dieses Label so wird wie die Effizienzklassen bei Autos, könnte man es sich auch gleich sparen.

    • Man muss nicht so weit weg gehen, schon das Energielabel der Gebäude ist noch weit weg von praktischer Akzeptanz. Das liegt auch am System mit unterschiedlichen Arten des Energieausweises. Da müsste man ansetzen, an einer Verständlichkeit, Transparenz und Akzeptanz, um erfolgreich zu sein.

      Es muss eigentlich nicht ein Label sein, Hinweise auf ein Vergleich mit ähnlichen Haushalten und eine Entwicklung der letzten Jahre würden ausreichen, alles dokumentiert auf der Stromrechnung.

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