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Bauen

„Wärmebrücken und Tragwerksplanung – die Grenzen des wärmebrückenfreien Konstruierens“

Die grundlegende Regel zur erfolgreichen Projektierung von Passivhäusern lautet „eine geschlossene durchgängige wärmegedämmte Hülle“ zu planen. Dass dies in allen gängigen Bauweisen, vom Massivbau über den Beton-Schalungsstein bis hin zum Leichtbau, durchaus möglich ist, zeigte der Protokollband Nr. 16 von 1999. Die damals vorgestellten Lösungen sind nach wie vor aktuell, bezogen sich allerdings auf kleine und mittelgroße Wohnhäuser und die dort auftretenden kritischen Bereiche. Seither wurden eine ganze Reihe weiterer Gebäudetypen in Passivhausbauweise errichtet, wie z.B. Bürohäuser, Fabrikationsgebäude, Schulen, Mehrfamilienhäuser, Altenpflegeheime usw. Mit der wachsenden Größe der Gebäude treten zunehmend Fragestellungen auf, die mit den bekannten Methoden des wärmebrückenfreien Konstruierens oder mit den am Markt verfügbaren Baustoffen so nicht mehr lösbar scheinen.

Der Arbeitskreis 35 „Wärmebrücken und Tragwerksplanung – die Grenzen des wärmebrückenfreien Konstruierens“ beschäftigte sich daher mit den immer wiederkehrenden kritischen Stellen beim Konzept der „einen geschlossenen wärmedämmenden Hülle“ bei großen Gebäuden:

– Gründungen
Der Wärmebrückeneffekt von verschiedenen Gründungsvarianten unterscheidet sich deutlich. Für eine wärmebrückenarme Planung größerer Gebäude ist die Kenntnis der zu erwartenden zusätzlichen Wärmeverluste erforderlich. Hierzu wurden die gängigen Lösungen hinsichtlich ihrer Eignung für Passivhäuser untersucht und der stationäre und harmonische Wärmebrückenverlustkoeffizient bestimmt.

– Thermische Trennung im Bereich der Kellerdecke
Verläuft die thermische Hülle entlang der Kellerdecke, so wird die Dämmung von Wänden und Stützen durchdrungen. Im Protokollband werden verschiedene Maßnahmen zur Reduzierung des Wärmebrückeneffekts vorgestellt und Planungsempfehlungen abgeleitet. Es werden eine Reihe Wärmebrückenverlustkoeffizienten für verschiedene Stützen- und Wandlösungen zur Verfügung gestellt.

– Thermische Trennung bei Treppenhäusern
Die Frage der Führung der thermischen Grenze im Bereich der Treppenhäuser ist nicht nur bei großen Gebäuden eine entscheidende Fragestellung. Überall dort, wo kalte Keller geplant sind, stößt der Planer an kritische Wärmebrücken. Welche Möglichkeiten bestehen, möglichst wärmebrückenarme Treppenhäuser zu entwerfen, wird im Beitrag untersucht.

– Fassadensysteme
Während beim Eigenheim, bei der Wahl einer geeigneten Fassade, Fragen der Dauerhaftigkeit und vor allem der Kosten im Vordergrund stehen, kommen bei großen Objekten zusätzlich gestalterische Aspekte zum Tragen. Die Wahl repräsentativer Materialien für Fassaden prägt das Erscheinungsbild in hohem Maße – und führt bei ungeeigneten Unterkonstruktionen zu ganz erheblichen Wärmebrücken. An vielen Beispielen werden hier Lösungen aufgezeigt, die Fassadengestaltungen aller Art auch bei Passivhäusern möglich machen.

– Balkone
Neben den Fassaden beeinflussen auch Balkone das Erscheinungsbild des Gebäudes. Auf sie zu verzichten, ist gerade im Geschosswohnungsbau undenkbar, denn Balkone bedeuten nicht nur mehr Platz sondern auch ein Zugewinn an Wohnqualität. Von der Kragplatte bis hin zum Balkon auf vier Stützen werden die möglichen Konstruktionen beleuchtet und die zu erwartenden Wärmebrücken analysiert.

Sowohl Fassadensysteme als auch Balkonkonstruktionen kommen in der Regel nicht ohne Durchdringungen der Außenwanddämmung aus. Im Anhang des Protokollbandes sind daher Wärmebrückenverlustkoeffizienten für punktförmige Durchdringungen in mehreren Grafiken aufbereitet.

Anhand des größten zur Zeit zertifizierten Passivhauses, dem Wohnquartier „Sophienhof“ in Frankfurt am Main, werden in diesem Protokollband die kritischen Punkte und die Maßnahmen zur Reduzierung der Wärmebrücken beispielhaft vorgestellt. Dieses Projekt zeigt auf eindrucksvolle Weise, dass bei gewissenhafter Planung und konsequenter Reduzierung von Wärmebrücken der Passivhausstandards bei großen Wohnquartieren mit ihren Besonderheiten, wie Tiefgaragen und Treppenhäusern in den kalten Bereich, erreicht werden kann.

Der Arbeitskreis kostengünstige Passivhäuser Phase IV wird gefördert durch die DBU – Deutsche Bundesstiftung Umwelt, das Hessische Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung, den Klimaschutz-Fonds proKlima der Stadtwerke Hannover AG,
E.ON Energie AG, das Sächsische Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft.

Der Protokollband 35 des Arbeitskreises kostengünstige Passivhäuser „Wärmebrücken und Tragwerksplanung – die Grenzen des wärmebrückenfreien Konstruierens“ kann beim Passivhaus Institut online unter www.passiv.de, bzw. mail@passiv.de oder per Fax 06151/82699-11 zum Preis von 21,10 Euro bestellt werden (147 Seiten).

Über den Autor

Andreas Kühl

Ich bin Energieblogger aus Leidenschaft mit einem großen Faible für Energieeffizienz und erneuerbare Energien. Mit energynet.de betreibe ich einen der bekanntesten und einflussreichsten Energieblogs im deutschsprachigen Raum. Innovationen für die Energiewende in Technologien und Geschäftsmodellen sind meine aktuellen Schwerpunktthemen.

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