Ist schon die Spitze der Energieeffizienz Bemühungen der Industrie erreicht?

Anteil Energieeffizienz-Investitionen
Anteil an Investitionen in Energieeffizienz in den Unternehmen laut 4. Energieeffizienz-Index, Grafik: EEP/ Uni Stuttgart

Nach der 4. Erhebung des Energieeffizienz-Index des Instituts für Energieeffizienz in der Produktion der Universität Stuttgart ist künftig nicht mehr mit einem weiteren Anstieg der Anstrengungen für Energieeffizienz zu rechnen. Der Index ist gegenüber der letzten Ermittlung von vor einem halben Jahr um über ein Drittel gesunken. Die deutschen Unternehmen planen im Laufe der nächsten 12 Monate den Anteil der Investitionen in Energieeffizienz zu reduzieren. Auch wenn die Bedeutung des Themas und der Anteil der Investitionen in Effizienzmaßnahmen an den Gesamtinvestitionen deutlich gestiegen ist, liegen erstmals die Erwartungen der Unternehmen unter ihrer Einschätzung der aktuellen Lage.

Das Stuttgarter Universitätsinstitut für Energieeffizienz in der Produktion (EEP) veröffentlichte zum 21. Juni 2015 den 4. Energieeffizienz-Index der deutschen Industrie. Er ermittelt seit 2013 halbjährlich die Einstellung sowie aktuelle und geplante Aktivitäten der deutschen Industrie zum Thema Energieeffizienz und wird in Zusammenarbeit mit der Deutschen Energie-Agentur (dena), dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), dem Fraunhofer IPA und dem TÜV Rheinland erstellt.

Energieeffizienz-Index prognostiziert Trendwende in Energieeffizienz-Investitionen

im Vergleich zur Umfrage im Winter ist der Energieeffizienz-Index der deutschen Industrie um 35% gefallen. Der Index setzt sich zusammen aus drei Teilen, welche jeweils den aktuellen Stand und die Erwartungen für die Zukunft abbilden:

  • Bedeutung der Energieeffizienz
  • Höhe der Investitionen in Energieeffizienz
  • Energieproduktivität

Der Produktivitätsindex, also das Maß für die Energieproduktivitätssteigerung im Vergleichszeitraum, ist um mehr als 75 % gesunken. Der Bedeutungsindex hingegen ist aktuell leicht um 12 % gestiegen und der Anteil der Investitionen in Energieeffizienz an den Gesamtinvestitionen wird als knapp dreimal so hoch angegeben wie im letzten Halbjahr.

„Eine Trendwende zeichnet sich ab“, so EEP-Institutsleiter Prof. Alexander Sauer, „denn bisher waren für die Zukunft immer größere Anstrengungen und Energieeffizienzsteigerungen geplant als in der Gegenwart. Daher ist in der nahen Zukunft nicht mehr mit einer weiteren Steigerung der Anstrengungen im Bereich Energieeffizienz zu rechnen.“

Das EEP erstellte den Sommer-Index 2015 über die Befragung von 371 produzierenden Unternehmen aus 21 Branchen (160 flossen in die Indexbildung ein). Ein Drittel der befragten indexrelevanten Unternehmen war klein (unter 50 Mitarbeiter) oder sehr klein (unter 10 Mitarbeiter), zwei Drittel gehörten zur Gruppe der mittleren und großen Unternehmen.

Kleine Unternehmen stemmen Energieeffizienz alleine oder gar nicht

Finanzierung Energieeffizienz
Finanzierung von Energieeffizienz-Investitionen in Unternehmen im 4. Energieeffizienz-Index, Grafik: EEP, Uni Stuttgart

Bereits bei der letzten Erhebung stellte sich heraus, dass es auf die Größe des Unternehmens ankommt. Größere Unternehmen investierten prozentual mehr in Energieeffizienz als kleine Betriebe. Jetzt wurde festgestellt, dass in fast allen kleinen und kleinsten Unternehmen ausschließlich interne Mitarbeiter um die Energieeffizienz kümmern. Damit muss man feststellen, dass die aktuellen Angebote eine externe Beratung zu finanzieren nicht greifen und als Anreiz für weitere Investitionen auch nicht ausreichen.

Keine Investitionen in Energieeffizienz sind bei 50% der kleinsten und 25% der kleinen Unternehmen in den nächsten 12 Monaten geplant. Bei den großen und mittleren Unternehmen reduziert sich diese Zahl auf 5%, aber für die Zukunft werden auch hier höhere Zahlen von 9% bzw. 11% erwartet.

„In Summe zeichnet sich aktuell ein Bild ab, das keine weitere Steigerung der Effizienzbemühungen in der Zukunft erwarten lässt – wir müssen im Bereich Sensibilisierung und Anreizsysteme deutlich nachlegen, wenn es mit der Energiewende etwas werden soll,“ so der EEP-Beiratsvorsitzende Heinz Dürr.

Innovative Finanzierungskonzepte für Energieeffizienz werden gesucht

Anreiz für Investitionen in Energieeffizienz
Investitionsanreize für Energieeffizienz laut 4. Energieeffizienz-Index, Grafik: EEP/ Uni Stuttgart

Bei den wechselnden Sonderfragen des Index ist erstmals das Thema Finanzierung angesprochen worden. Fast die Hälfte, nämlich 43 % aller befragten Unternehmen, würden für Effizienzmaßnahmen eine klassische Mischung aus Eigen- und Fremdfinanzierung wählen. Nur 9,3 % würden sich auf innovative Contracting-Modelle einlassen. Gerade kleine Unternehmen bleiben konservativ bei der Finanzierung. Contracting kommt aktuell nur für mittlere und große Unternehmen in Frage – es fehlt also der breite Markt für innovative Finanzierungskonzepte.

Die Bundesregierung versucht bei den Zuschüssen für Energieeffizienz-Investitionen bereits nachzusteuern, so die Meldung. Dies scheint ein Schritt in die richtige Richtung zu sein. Immerhin geben 45 % der Unternehmen einen Zuschuss bzw. eine Prämie als für sie besonders wirksamen Anreiz für weitere Investitionen an. Aber auch Steuererleichterungen und Abschreibungsvorteile animieren Investitionen deutlich.

„Angesichts der aktuell eingetrübten Aussicht für weitere Fortschritte bei der Energieeffizienz in der Produktion wären derartige politische Maßnahmen ein wichtiges Signal,“ so EEP-Chef Alexander Sauer.

Wie seht Ihr die aktuelle Entwicklung? Liegt die Eintrübung der Aussichten an dem gesunkenen Ölpreis oder hat es ganz andere Gründe? Die Ergebnisse der Umfrage bei kleinen und kleinsten Unternehmen kann ich nachvollziehen, hier ist sicher noch viel Arbeit zu tun in der Ansprache und Aktivierung dieser Zielgruppe.

Über Andreas Kühl

Energieblogger aus Leidenschaft mit großem Faible für effiziente Energienutzung im Strom- und Wärmebereich. Diie kostenlos zur Verfügung stehende Energie der Sonne und vom Wind sind für mich faszinierend und Herausforderung zugleich. Sie suchen für Ihre Informationsseiten oder Ihren Blog immer wieder nach neuen, interessanten Inhalten? Oder Sie wollen Ihre Online-Kommunikation analysieren lassen? Informationen zum Leistungsangebot von Andreas Kühl finden Sie unter energynet.de/leistungen.

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