Sanierung

Um die persönliche Heizkostenbremse muss sich jeder selbst kümmern

Wer verbraucht in Deutschland die meiste Energie?
Der Energieverbrauch der Heizung wird oft unterschätzt: Denn mit 87 Prozent verbrauchen die deutschen Haushalte die meiste Energie für die Erzeugung von Wärme. Wer also dauerhaft sparen will, muss seine Heizkosten konsequent senken., Grafik: Deutsche Energie-Agentur GmbH (dena)
Wer verbraucht in Deutschland die meiste Energie?
Der Energieverbrauch der Heizung wird oft unterschätzt: Denn mit 87 Prozent verbrauchen die deutschen Haushalte die meiste Energie für die Erzeugung von Wärme. Wer also dauerhaft sparen will, muss seine Heizkosten konsequent senken., Grafik: Deutsche Energie-Agentur GmbH (dena)

Die öffentliche Debatte über den Strompreis bestimmt wieder einmal die Tagesordnung. Draussen vor der Tür ist der Boden schneebedeckt und drinnen wird die Heizung aufgedreht. Oder wird die Heizung vielleicht doch nicht mehr so hoch gedreht wie früher? Alternativ kann man ja auch einen warmen Pullover anziehen. Bei dem Anstieg der Heizkosten ist der dicke Pullover vielleicht doch die bessere Alternative.

 1.000 Euro mehr Heizkosten als 2002 für durchschnittlichen Altbau-Haushalt

Die Heizölpreise haben in den vergangenen zwei Jahren jeweils einen neuen historischen Höchststand erreicht. In 2011 mussten für 100 Liter Heizöl durchschnittlich 85 Euro bezahlt werden und in 2012 waren es schon 91 Euro. Zehn Jahre vorher, in 2002, waren es noch weniger als die Hälfte mit 35 Euro. Das Landesprogramm Zukunft Altbau des Umweltministeriums Baden-Württemberg hat errechnet, dass eine vierköpfige Familie mit 100 Quadratmeter Wohnfläche in einem Standardaltbau Mehrkosten von 105 Euro pro Jahr hat. Seit 2002 haben sich die Heizkosten für diesen Altbauhaushalt damit um fast 1.000 Euro erhöht.

Neubauten oder energetisch sanierte Wohngebäude haben es da besser und müssen nur einen Bruchteil davon bewältigen. Ihr Anteil am gesamten Gebäudebestand in Baden-Württemberg ist aber gering. Ende 2011 gab es im Land über 2,3 Millionen Wohngebäude. Wenige hunderttausend davon sind energetisch in einem guten oder sehr guten Zustand. Ungefähr 1,6 Millionen, also 70 Prozent, wurden vor 1977 errichtet und sind meist unsaniert. Wenn Eigentümer von solchen Häusern und Wohnungen nicht künftig verstärkt Sanierungsmaßnahmen umsetzen, sieht die Zukunft ihrer Domizile düster aus. Denn für die nächsten Jahrzehnte rechnen Experten mit weiter steigenden Energiekosten. Heizen könnte dann zum Luxus werden.

 Energiesparmaßnahmen können wirtschaftlich attraktiver sein

Welche Maßnahmen für Ihr Haus am wirtschaftlichsten sind, kann ganz unterschiedlich sein. Es muss nicht gleich eine außen liegende Wärmedämmung, neue Fenster oder eine komplette Dachsanierung sein. Manchmal sind andere Maßnahmen, für die man keine Förderung benötigt, auch so wirtschaftlich. Dazu gehören beispielsweise die Dämmung der obersten Geschossdecke oder der Kellerdecke und eine Kerndämmung, falls möglich.

Wenn man sich bei älteren Gebäuden entschließen sollte eine ganzheitliche Sanierung durchzuführen, ist es sinnvoll sich einen Energieberater oder Fachplaner zu suche, der unabhängig beraten kann. Der Energieberater sollte dann ein Konzept aufstellen für eine ganzheitliche Sanierung, um die Folgen einzelner Maßnahmen berücksichtigen zu können. Werden etwa Fenster ausgetauscht oder das Dach gedämmt, ohne den Anschluss für eine spätere Fassadendämmung zu berücksichtigen, verursacht das Mehrkosten. Ein Fenstertausch ohne Maßnahmen für die Lüftung könnte gar negative Folgen haben durch die dichte Gebäudehülle und damit fehlende Abfuhr der Feuchtigkeit, wenn nicht ausreichend manuell gelüftet wird.

Technologien und Produkte sind ausreichend vorhanden, sie müssen nur sinnvoll eingesetzt werden. Nach Angaben der Aktion „Zukunft-Altbau“ aus Baden-Württemberg reduzieren eine Dämmung von Dach und Fassade, sowie neue Wärmeschutzfenster den Endenergiebedarf bei einer Standardsanierung bereits um rund 30 Prozent. Der verbleibende Restbedarf decken moderne Heiztechniken. Sie sparen durch effiziente Verbrennungstechniken zudem noch einmal zehn bis 20 Prozent ein. Die Nutzung erneuerbarer Wärme ist oft möglich, etwa Solarthermie, Wärmepumpen oder Holzheizungen. Dadurch wird man unabhängiger von fossilen Brennstoffen.

Wer saniert, kann den Endenergiebedarf seines Hauses im Schnitt von 150 bis 250 auf 50 bis 100 Kilowattstunden Endenergiebedarf pro Jahr und Quadratmeter senken. „Das ist nicht nur wirtschaftlicher, es steigert auch die Chancen auf dem Immobilienmarkt“, berichtet Petra Hegen von Zukunft Altbau. Sanierte Häuser bieten darüber hinaus noch mehr: Frische Fassaden sehen besser aus, warme Wände und zugfreie Fenster erhöhen die Lebensqualität.

Dem obigen Rechenbeispiel zugrunde gelegt wurde ein durchschnittlich gut gedämmter Altbau mit einem Heizenergiebedarf von 175 Kilowattstunden pro Jahr und Quadratmeter zugrunde gelegt.

Über den Autor

Andreas Kühl

Ich bin Energieblogger aus Leidenschaft mit einem großen Faible für Energieeffizienz und erneuerbare Energien. Mit energynet.de betreibe ich einen der bekanntesten und einflussreichsten Energieblogs im deutschsprachigen Raum. Innovationen für die Energiewende in Technologien und Geschäftsmodellen sind meine aktuellen Schwerpunktthemen.

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