Solarenergie

Zukunftsmodell Sonnenstrom aus der Wüste

Es klingt gigantisch und verlockend, mit Sonnenstrom aus der Sahara 15% des europäischen Strombedarfs decken zu können. Schließlich gibt es in Afrika mehr Sonnenenergie, als je gebraucht wird und das ohne Ende. So wartet das Projekt DESERTEC auch mit großen Zahlen auf, im Norden Afrikas sollen bis 2050 17% des europäischen Strombedarfs erzeugt und insgesamt 400 Milliarden Euro investiert werden. Mit diesem Projekt kann ein bedeutender Anteil der künftigen Stromversorgung regenerativ produziert werden – allerdings darf man nicht vergessen, dass der Bundesverband Erneuerbare Energien e.V. bereits für 2020 einen Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung von 47%  vorhersagt.

Doch damit schafft man auch wieder Abhängigkeiten – man wird abhängig von den Ländern in denen die solarthermischen Kraftwerke aufgestellt sind und von den Strom durchleitenden Ländern. Natürlich scheint in der Sahara weit mehr Sonne als bei uns und das Potential ist riesig – aber erneuerbare Energien sind ideal für eine dezentrale und damit flexible Stromerzeugung. Was wäre eigentlich, wenn man bei uns in Deutschland  so viel Geld in die Stromerzeugung durch erneuerbare Energien stecken würde? Das sollte man sich auch mal überlegen bei aller Euphorie.

Versteht mich nicht falsch, ich halte das Projekt durchaus für sinnvoll – im Gegensatz zu neuen Kohle- oder Atomkraftwerken. Aber es gibt doch ein paar kritische Gedanken, die ich erwähnen möchte. Daran haben die Projekt-Initiatoren auch gedacht und eine lange Liste von Fragen und Antworten zum DESERTEC-Konzept zusammen gestellt.

Beim Schreiben dieses Textes fällt mir ein, dass zu meiner Ausbildung bei der DLR von 1990 bis 1994 die solarthermische Stromerzeugung bereits ein Forschungsthema war. Es hat also lange gedauert bis die Zeit reif war, um damit zu starten oder bis das nötige Geld zusammen war.

Für einen weiteren Überblick hier noch einige Links mit Kommentaren zu dem Projekt:

Gerade bei Twitter gelesen, dass EON und RWE sich nur als Bremser beteiligen an dem Projekt, das wäre fatal.

Link-Updates:

Über den Autor

Andreas Kühl

Ich bin Energieblogger aus Leidenschaft mit einem großen Faible für Energieeffizienz und erneuerbare Energien. Mit energynet.de betreibe ich einen der bekanntesten und einflussreichsten Energieblogs im deutschsprachigen Raum. Innovationen für die Energiewende in Technologien und Geschäftsmodellen sind meine aktuellen Schwerpunktthemen.

2 Kommentare

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  • Hallo zusammen,

    natürlich ist es klar, dass derartige Großprojekte, wie Desertec, notwendige Mittel abziehen von heimischen Projekten, die unmittelbar sinnvoller erscheinen. Ein Flächen deckender Ausbau der Erneuerbaren muss auf nationaler Ebene vollzogen werden, damit die vorgeschriebenen Klimaziele erreicht werden.

    Dennoch finde ich bemerkenswert, wie erneuerbare Energien, allen voran die Solarenergie, plötzlich salonfähig geworden sind. Mehr und mehr erscheint mir das Gezeter der Stomgiganten als Ausdruck eines langsam beginnenden Überlebenskampfes, den nur bestehen kann, wer sich wirklich für regenerative Energien entscheidet. Weiß man doch in den Chefetagen von Eon, EnBw, RWE und Vattenfall, dass eine großflächige Dezentralisierung der Stromerzeugung das Aus für das Kohle- und Atomzeitalter bedeutet.

    Schön, dass es Unternehmen gibt, kleine wie große, die sich den neuen Herausforderungen stellen und damit die Akzeptanz für Erneuerbare in der Bevölkerung stärken. Ginge es übrigens im Wahlkampf nur um das Thema Energie, würde die Union eine schlechte Figur abgeben. Umfragen zufolge sind 73 % der Deutschen gegen eine Verlängerung der Laufzeiten für alte Atommeiler. Und wer der CDU/CSU das Versprechen abnimmt, deutsche Atomkraftwerke seien sicher, sollte sich daran erinnern, dass die Renten vor kurzem auch noch sicher waren.

    Was immer man von Desertec halten mag, die energiepolitische Richtung stimmt, weg von fossilien Brennstoffen. Sollten darüber hinaus auch der Energiebedarf Nordafrikas befriedigt sowie Arbeitsplätze und Infrastruktur in der Region geschaffen werden, könnte das mehr Probleme lösen, als wir im Augenblick ahnen.

    Ich denke, dass auch trotz der Gigantomanie, die solchen Großprojekten wie Desertec anhaftet, sich langfristig eine echte Energiewende in Deutschland vollziehen wird. Vielleicht nicht durch große Konzerne, sondern durch den sensibilisierten Verbraucher.

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