Italien

Innovations- und Investitionschancen bei erneuerbaren Energien in Italien

PV+Wind im Havelland
Photovoltaik und Windenergie im Havelland, Foto: Andreas Kühl

Gastbeitrag von Stefan Prosch

PV+Wind im Havelland
Photovoltaik und Windenergie im Havelland, Foto: Andreas Kühl

Ähnlich zu Deutschland und vielen anderen europäischen Ländern haben die Erneuerbaren Energien auch in Italien in den letzten Jahren eine rasante Entwicklung erlebt. Hohe staatliche Fördertarife, steigende Kosten der Stromproduktion aus fossilen Energieträgern und fallende Anlagenpreise haben diese Entwicklung begünstigt.

Heute liegen die Strompreise für den Endverbraucher in Italien teils stark über dem europäischen Durchschnitt. Der starke Preis-Anstieg ist vor allem durch steigende Preise der fossilen Energieträger, aber auch durch die Umlage der Förderung der Erneuerbaren Energien auf den Stromverbraucher bedingt.

So beträgt der Spitzenpreis für den privaten Haushalt abhängig von Anschlussleistung und Verbrauch ca. 280 €/MWh. Industriekunden mit einem Jahresverbrauch von ca. 900 MWh bezahlen durchschnittlich ca. 210 €/MWh und Industriekunden mit einem Jahresverbrauch von ca. 30.000 MWh ca. 150 €/MWh.

Erneuerbare Energien in Italien bevorzugt

Beeindruckend ist die rasante Entwicklung der Erneuerbaren Energien in Italien, die sich besonders in den letzten Jahren sehr beschleunigt hat.

Betrug die gesamte installierte Leistung an Erneuerbaren Energien Ende 2010 noch ca. 30.000 MWh, so hat sich dieser Wert Ende 2013 auf ca. 50.000 MW erhöht, und setzt sich wie folgt zusammen:

  • Wasserkraft: 18.700 MW
  • Photovoltaik: 18.200 MW
  • Windkraft 8.300 MW
  • Geothermie: 800 MW
  • Biogas/ Biomasse: 4.000 MW

Besonders Photovoltaik und Windkraft, die in Deutschland in den letzten Jahren herbe Förderungseinschnitte erfahren mussten, haben in Italien beeindruckende Wachstumszahlen erreicht. Im Jahre 2012 konnten die Erneuerbaren Energien aufgrund dessen bereits 27 Prozent des nationalen Stromverbrauchs abdecken. Im Jahre 2005 lag dieser Wert noch bei ca. 16 Prozent.

Wie in Deutschland wird natürlich auch in Italien über Themen wie Förderungen und Kosten diskutiert, dennoch zeigen die vorangegangenen Zahlen, dass sich Investitionen hier auszahlen und sich interessante Potenziale ergeben. Nicht zuletzt auch, um den Ausstieg aus der Atomenergie mit Erneuerbaren Energien aufzufangen, den Italien bereits 1990 komplett vollzogen hatte. Und der Stiefel Europas geht auch noch einen Schritt weiter, denn ein wichtiger Faktor in diesem Zusammenhang ist, dass Erneuerbare Energien in Italien eine gesetzlich garantierte Einspeisepriorität in das Stromnetz genießen. Sie ermöglicht, dass die Stromproduktion aus Erneuerbaren Energiequellen gegenüber jener aus fossilen Energieträgern jederzeit bevorzugt eingespeist werden kann. In Deutschland sind Energieunternehmen lediglich zur Abnahme verpflichtet, von einer ausdrücklichen Priorität der Einspeisung ist nicht die Rede.

Zudem gibt es in Italien für Produktionsanlagen aus Erneuerbaren Energiequellen im Genehmigungsverfahren einige wesentliche normative und administrative Erleichterungen, welche den Anschluss an das Stromnetz und den Anlagen-Bau beschleunigen können, wie zum Beispiel ein verkürzter Genehmigungsprozess. Eine Maßnahme, die auch Betreibern aus Deutschland zu Gute kommt, die in den italienischen Strom-Markt einsteigen möchten.

Herausforderungen in Italien und in Deutschland

Das rasante Wachstum von Erneuerbaren Energien stellt das Stromsystem jedoch auch vor sehr große Herausforderungen. Die Größte ist hier sicherlich die Integration der massiven Energieerzeugung, ein Problem, das auch in Deutschland immer noch besteht, auch wenn die Technologien hier schon weiter sind. Dennoch könnte Italien von den bereits vorhandenen Lösungen aus Deutschland profitieren – sofern genau diese Anbieter nach Italien expandieren.

Denn an Potenzial zur „grünen Stromerzeugung“ mangelt es hier nicht: So betrug die maximal nachgefragte Spitzenlast in einer Stunde im Jahre 2013 knapp 50.000 MW, welche somit theoretisch zur Gänze von den Erneuerbaren Energien hätte abgedeckt werden können. Und die Entwicklung geht weiter: Heute können die Erneuerbaren Energien bereits an immer mehr Tagen die gesamte Stromnachfrage abdecken.

Als Beispiel dafür können die Großhandelspreise auf der Strombörse IPEX am 25.04.2013 angeführt werden: Der 25. April ist in Italien ein Feiertag, wodurch die maximale Spitzenlast mit knapp 30.000 MW sehr gering ist. Die Kombination eines sonnigen Tages mit einer geringen Stromnachfrage hat dazu geführt, dass in einigen Stunden eine vollständige Abdeckung der Stromnachnachfrage mit der Produktion aus Erneuerbaren Energiequellen erfolgte, wodurch der Großhandelspreis für Strom in bestimmten Stunden auf 0 €/MWh gefallen ist. Es gibt in Italien allerdings noch keine Technologie zur Speicherung von Strom, die eine vollständige Abdeckung sicherstellen könnte. In Deutschland hingegen ist man an diesem Punkt schon einen Schritt weiter, auch wenn es hier noch keine perfekte Lösung gibt.

Die stark gestiegene Stromproduktion aus Erneuerbaren Energiequellen hat jedoch ebenso zu rasant wachsenden Systemkosten geführt, um die Stromnachfrage und das Stromangebot im Gleichgewicht zu halten. Die italienische Regulierungsbehörde für Strom und Gas (AEEG) hat deshalb einige Beschlüsse veröffentlicht, um die Stromproduzenten aus Erneuerbaren Energiequellen stärker in das sich ändernde Stromsystem einzubinden und zusätzliche Anreize für das Anbieten von Systemleistungen im Rahmen der Regelenergiemärkte oder Energiespeicherung zu schaffen.

Chancen für deutsche Unternehmen in Italien

Dieser fundamentale Paradigmenwechsel innerhalb der Energiemärkte eröffnet sehr interessante Geschäftsmöglichkeiten. Spezifische Leistungen und Kompetenzen im Bereich Energiespeicherung, Energiemanagement, Smart Grid, Virtuelle Kraftwerke, Produktionsprognosen, Leistungen im Bereich der Regelenergiemärkte und Demand Response werden auch in Italien zunehmend eine Schlüsselrolle spielen, denn der Umbau des Stromsystems wird zu einiger gewaltigen Herausforderung.

Eine dezentrale Energieproduktion und -versorgung wird zunehmend Wirklichkeit. Unternehmen mit Kompetenzen in diesen Bereichen finden in Italien somit einen sehr attraktiven und interessanten Wachstumsmarkt, welcher sich gerade in der Anfangsphase befindet. Für Unternehmen aus Deutschland bietet es sich an, diesen Markt von Südtirol, der nördlichsten Provinz Italiens, aus zu erschließen. Die kulturelle Nähe zu Deutschland und die Tatsache, dass hier sowohl Deutsch als auch Italienisch gesprochen wird, erleichtern den erfolgreichen Einstieg.

Darüber hinaus steht die Business Location Südtirol (BLS), als Standortagentur der Autonomen Provinz Bozen, Unternehmen als Ansprechpartner zur Seite. Als öffentliche Einrichtung begleitet und unterstützt sie  Unternehmen , beim italienischen Markteintritt. Die kostenfreien Dienstleistungen der BLS reichen von der Suche nach  einem geeigneten Standort über die Steuer- und Rechtsberatung bis hin zur kontinuierlichen Begleitung der Ansiedelung.

Über den Autor

Andreas Kühl

Ich bin Energieblogger aus Leidenschaft mit einem großen Faible für Energieeffizienz und erneuerbare Energien. Mit energynet.de betreibe ich einen der bekanntesten und einflussreichsten Energieblogs im deutschsprachigen Raum. Innovationen für die Energiewende in Technologien und Geschäftsmodellen sind meine aktuellen Schwerpunktthemen.

2 Kommentare

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  • Good morning,

    I’m Francesca Bolla from FIAMM Group, I read your article about FIAMM project in Maldives Islands. I’m looking for the pictures you posted, can I kindly ask you where did you get it?

    Many thanks for your availability.
    Best regards,

    Francesca Bolla
    Marketing & Communication
    FIAMM Energy Storage Solutions

    • Dear Francesca Bolla, last year I visited the press conference from FIAMM Group at the energy storage conference in Berlin. This is where I received the informations about the project and the pictures on an USB-Stick.

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