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Photovoltaik

Streit um Strafzölle für Solarmodule aus China wird weitergehen

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Installation einer Photovoltaikanlage, Foto: BSW-Solar
Installation einer Photovoltaikanlage, Foto: BSW-Solar
Installation einer Photovoltaikanlage, Foto: BSW-Solar

Ein aktuell sehr heiß diskutiertes Thema ist der Handelsstreit mit China um die Einfuhr chinesischer Solarmodule. Nachdem ich dazu ein paar Medienberichte gelesen habe, warf ich einen Blick in die Beiträge der Energieblogger um zu sehen, ob schon jemand anders darüber geschrieben hat. Gefunden habe ich aus den letzten Wochen keinen Beitrag, was bei der Vielzahl an Beiträgen aber nichts heißen muss. Oder liegt das doch am komplizierten Thema?

Verhärtete Fronten im Solarstreit

Die Fronten in diesem Streit sind verhärtet, aber auch sind sie klar zu unterscheiden? Da ist auf der einen Seite der Industrie mit der Brancheninitiative EU ProSun, diese hatte vor einem Jahr den Stein ins Rollen gebracht und die Dumpingbeschwerde in Brüssel eingebracht. Hinter dieser Initiative stehen der Produzent von Solarmodulen und Zubehör, die Solarworld AG, sowie weitere, nicht öffentlich bekannte, Modulhersteller. Das Interesse der Industrie ist klar, durch die chinesischen Wettbewerber, die ihre Module auf dem Markt deutlich günstiger anbieten, als die europäischen Hersteller, sind die Preise soweit gesunken, dass man eigentlich nicht mehr Module verkaufen kann ohne den Kunden noch Geld zu schenken. Die Strafzölle für Photovoltaik-Module aus China sollten die Rettung für europäische Hersteller sein.

Das Problem an den Strafzöllen für Module aus China ist, dass sich die Preise für Solarmodule auf dem Markt erhöhen. Der Erfolg der Photovoltaik und die hohen Zubauzahlen in den vergangenen Jahren beruhen jedoch vor allem auf dem Preisverfall, den es auf dem Markt für Photovoltaik-Module zu verzeichnen gab. Im monatlich ermittelten Preisindex von Photovoltaik-Guide.de kann man diese Entwicklung sehr gut nachvollziehen. Man erkennt auch, dass es in diesem Jahr erstmals einen Preisanstieg bei schlüsselfertigen Solarstromanlagen bis 100 kWp (diese Preise werden regelmäßig ermittelt) zu verzeichnen gab. Aber diese Entwicklung war wohl nur von kurzer Dauer, inzwischen sind die Preise wieder fast auf das Ausgangsniveau gefallen (Stand Juni 2013). Für den Juli wird aber schon wieder mit einem leichten Preisanstieg gerechnet.

Fallende Preise haben den Ausbau der Photovoltaik stark unterstützt. Bei einem Anstieg der Preise ist mit einem weiteren Rückgang des Zubaus von neuen Photovoltaik-Anlagen zu rechnen.  Damit wird die Energiewende weiter ausgebremst. Händler und Handwerker müssen mit einem deutlichen Auftragsrückgang rechnen. Kritiker der Strafzölle sagen gar, dass sich diese gut mit der aktuellen Politik der Bundesregierung und des EU-Energiekommissars decken, die den Ausbau der Photovoltaik bremsen oder gar stoppen wollen. Gegen diese Entwicklung hat sich ein breites Bündnis formiert, die AFASE – Allianz für bezahlbare Solarenergie – mit über 800 Unternehmen aus der europäischen PV-Industrie. Diese setzt sich für einen freien Handel mit Photovoltaik-Komponenten ein und möchte aufklären über die vernetzte globale Lieferkette, Arbeitsplätze in der EU und die wirtschaftlichen Vorteile der Photovoltaik, sowie vor allem über die Vorteile der Kostensenkung und wirtschaftlichen Nachteile mit den Strafzöllen.

Gibt es einen Kompromiss im Solarstreit mit China?

Was macht die Politik? Da China mit Gegenmaßnahmen gedroht hat, musste die EU wieder aktiv werden und ist in Verhandlungen mit China getreten. Gestern wurde nun eine Einigung verkündet, die Verhandlungspartner EU und China zeigten sich zufrieden. Laut Bericht der Deutschen Welle sollen chinesische Solarmodule künftig mindestens 56 Cent pro Watt kosten und es dürfen pro Jahr nur noch Solarmodule mit einer Gesamtleistung von höchstens sieben GW von China nach Europa exportiert werden. Ab dem 06.08.2013 müssen nur noch für die Modulproduzenten aus China Strafzölle gezahlt werden, die diese Einigung nicht akzeptiert haben.

Allerorten ist man erleichtert, dass ein Handelskrieg vermieden werden konnte. Aber ist damit einer der beiden Seiten weiter geholfen? Ruhe scheint damit nicht einzukehren, denn beide oben erwähnten Parteien sind mit dem Kompromiss unzufrieden – die einen wollen keine Preiserhöhung in der Photovoltaik akzeptieren und für die anderen ist jeder Kompromiss mit China ein Skandal.

Der Energiewende ist durch diesen Streit nicht geholfen, was vielleicht den Bundeswirtschaftsminister und den EU-Energiekommissar erfreut, aber nicht die vielen Menschen, die sich tagtäglich dafür engagieren und mit einer eigenen Solarstromanlage einen Beitrag leisten wollen.

Über den Autor

Andreas Kühl

Ich bin Energieblogger aus Leidenschaft mit einem großen Faible für Energieeffizienz und erneuerbare Energien. Mit energynet.de betreibe ich einen der bekanntesten und einflussreichsten Energieblogs im deutschsprachigen Raum. Innovationen für die Energiewende in Technologien und Geschäftsmodellen sind meine aktuellen Schwerpunktthemen.

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