Heizung Solarwärme

Ist die größte Solarthermie-Anlage in Berlin ein Schritt zum Comeback der Solarwärme?

Eröffnung größte Solarthermie-Anlage in Berlin
Eröffnung der größten Solarthermie-Anlage in Berlin, Foto: Arcon-Sunmark

Erleben wir gerade ein Comeback der Solarwärme? Es gibt zumindest eine Entwicklung hin zu größeren solarthermischen Anlagen, die Wärme in ein Nah- oder Fernwärmentz einspeisen. Diese Woche hatte die Vattenfall Wärme GmbH die größte Solarthermie-Anlage in Berlin in Betrieb genommen. Die Besonderheit an dieser Anlage ist ihre Lage. Es ist eine der ersten Solarwärme-Anlagen in einer Großstadt, die Wärme in ein Fernwärmenetz einspeist. Auch wenn sie nur eine Ergänzung zur bestehenden Wärmeerzeugung ist, sie zeigt wie sich Solarwärme einfach und schnell in bestehende Netze integrieren lässt. So profitieren jetzt rund 10.000 Haushalte von der CO2-freien Wärmeerzeugung in Berlin-Köpenick.

Die größte Solarthermie-Anlage in Berlin

In nur drei Monaten Bauzeit haben die Projektpartner Vattenfall Wärme GmbH und die Arcon-Sunmark A/S die Solarthermie-Anlage in Berlin-Köpenick errichtet. Vom Abschluss des Vertrags bis zur Inbetriebnahme vergingen nur fünf Monate.

Die Solarthermie-Anlage ergänzt die bestehenden gasgefeuerten Erzeugungsanlagen und das Biomethan-Blockheizkraftwerk am Standort in der Wendenschloßstraße. Insgesamt haben die Anlagen eine Leistung von 19 Megawatt elektrisch und 38 Megaweatt thermisch.

Die effektive Kollektorfläche der Solarthermie-Anlage beträgt 1.058 m² und besteht aus 78 Groß-Kollektoren. Damit soll die Anlage 440 MWh thermische Energie im Jahr bereit stellen können. Aber richtig anschaulich ist eher die Zahl der 14.000 CO2-freien heißen Duschen, die aus der Solarthermie-Anlage in Berlin-Köpenick kommen.

Gunther Müller, Sprecher der Geschäftsleitung der Vattenfall Wärme Berlin AG:

„Mit der Verknüpfung der Solarwärmeanlage und des Blockheizkraftwerks geht Vattenfall ganz neue Wege im Wärmetransformationsprozess in Berlin. Wenn dieser nachhaltige Einsatz sich im Praxistest gut bewährt, wird die Berliner Fernwärme ein wertvolles neues Mittel auf dem Weg zur Klimaneutralität geschaffen haben.“

Mit der Inbetriebnahme der Solarthermie-Anlage geht Vattenfall einen weiteren Schritt auf dem Weg innerhalb einer Generation eine Energieversorgung ohne fossile Energien anbieten zu können. Weitere Information zum Projekt gibt es im Corporate-Blog von Vattenfall.

Kompaktes und effektives Solarwärmesystem als Vorbild für andere Städte

Lieferant des kompletten, schlüsselfertigen Solarwärmesystems ist Arcon-Sunmark, Spezialist für solare Großanlagen. Das Technikgebäude wurde in der Fabrik in Dänemark komplett konzipiert und gründlich getestet, so dass die Bereitstellung auf der Köpenicker Baustelle tatsächlich als Plug&Play-Installation verlief. Das Kollektorfeld steht gleich neben der bestehenden Fernwärmeeinrichtung, so dass der Energieverlust im Rohrsystem minimal bleibt.

Ole Dalby, Geschäftsführer, Arcon-Sunmark:

“Das Köpenicker Projekt ist einzigartig. Der städtische Standort allein ist etwas Besonderes, und das Solarwärmesystem ist kompakt und effektiv, so dass die Leistung maximal und die Kosten minimal sind. Berlin und Vattenfall gehen mit einem guten Beispiel voran, das für andere ein Vorbild sein wird, und im Laufe weniger Jahre werden ähnliche Solarwärmesysteme in Großstädten weltweit ein bekanntes Phänomen sein.“

Größtes Solarthermie-Projekt in Graz

Die 1.000 Quadratmeter Solarwärme-Kollektoren klingen ganz nett, aber für eine Großstadt ist es nicht viel. Es kann nur ein guter Anfang sein rund 10.000 Haushalte mit Solarwärme zu versorgen. Ganz Berlin hat rund zwei Millionen Haushalte (Quelle). Es ist also noch viel zu tun, doch Fernwärme kann die urbane Wärmewende voran bringen.

Neben Dänemark gehört Graz, die zweitgrößte Stadt von Österreich, zu den internationalen Vorreitern mit der Einbindung von Solarwärme in das Fernwärmenetz der Stadt. Mit dem Projekt „Big Solar Graz“ möchte man 20 Prozent der Fernwärme aus Solarenergie erzeugen. Um dieses Ziel zu erreichen ist eine Kollektorfläche von 500.000 Quadratmeter notwendig. Anschaulich ist die dafür notwendige Grundfläche von 70 bis 80 ha mit dem Größenvergleich von rund 100 Fußball-Feldern.

Auf dem Weg zu diesem Ziel baut man zur Zeit die größte Solarthermie-Anlage Mitteleuropas. Sie soll eine thermische Leistung eine Leistung von 5,4 MW haben. Aktuell speisen in der Region Graz und in der Steiermark Anlagen mit einer thermischen Leistung von 35 MW (entspricht 50.000 Quadratmeter Kollektorfläche) ihre Solarwärme in die Wärmenetze ein.

Potential für Solarwärme liegt in der Fernwärme

Sind das Anzeichen für ein Comeback der Solarwärme? Bei kleinen Anlagen auf dem Einfamilienhaus kann sich die Solarthermie nicht gegen die fallenden Preise der Photovoltaik durchsetzen. Interessanter ist es hingegen bei großen Anlagen, die in Fernwärmenetze einspeisen. Dort lassen sich andere Preise erzielen für die Wärme, die wettbewerbsfähig sind. Hinzu kommt die neue Generation der Fernwärme, die eine Einbindung vieler verschiedener Technologien möglich macht.

Also ich sehe ein Comeback der Solarwärme und die größte Solarthermie-Anlage in Berlin ist ein Schritt in diese Richtung. Was ist Dein Eindruck?

Über den Autor

Andreas Kühl

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4 Kommentare

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  • Was mich an dem Projekt etwas stört ist die ungenutzte Brachfläche unter den Kollektoren.
    Warum wird nicht eine gebäudeintegrierte Lösung genommen?

    Gerade in großen Städten wird über die Wohnungsnot und entsprechende Mietpreise gejammert und hier wird die Chance vertan auf der Fläche Wohnungen und erneuerbare Energienutzung zu vereinen.

    • Die Nutzung von Gebäuden, bzw. Dachflächen, ist in Großstädten sicher sinnvoller als eine freie Fläche für die Kollektoren. In diesem Fall hat das Grundstück bereits dem Betreiber der Anlage gehört, wäre vermutlich nicht als Grundstück für den Wohnungsbau in Frage gekommen.

    • Das kann ich nicht genau sagen. Aber ich gehe davon aus, da der Hersteller der Kollektoren mit einem Wasser-Glykol-Gemisch als Medium arbeitet.

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