Energieeffizienz

Studien helfen Energieeffizienz nicht weiter

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Studie "Positive Effekte von Energieeffizienz auf den deutschen Stromsektor", Grafik: Agora Energiewende
Studie "Positive Effekte von Energieeffizienz auf den deutschen Stromsektor", Grafik: Agora Energiewende
Studie „Positive Effekte von Energieeffizienz auf den deutschen Stromsektor“, Grafik: Agora Energiewende

Die Bedeutung von Energieeffizienz für den Klimaschutz und für die Energiewende habe ich hier schon öfters aufgezeigt. Es gibt viele Studien zur Untermauerung dieser Aussage. So wie jetzt die aktuelle Studie von Prognos, im Auftrag der Agora Energiewende, die den kostensenkenden Einfluss von Energieeffizienz auf den Netzausbau aufzeigt. Das Interesse an solchen Studien wächst glücklicherweise weiter an, doch was passiert dann? Wird entsprechend gehandelt?

Energieeffizienz macht Energiewende günstiger

Eigentlich ist der Netzausbau ohnehin sehr umstritten. Ein großer Teil des Netzausbaus ist notwendig zum Transport des teuren Stroms aus Offshore-Windenergie und teilweise wird er auch zum gleichzeitigen Transport von Strom aus Kohlekraftwerken und von erneuerbarem Energien benötigt, sagen die Kritiker.

Die neue Studie sagt nun, dass zusätzlich zu den ohnehin geringeren Stromrechnungen durch die Reduzierung des Stromverbrauchs, weitere Einsparungen zwischen 10 und 20 Milliarden Euro möglich im Jahr 2035. Die Einsparungen kommen durch geringere Investitionen in fossile und erneuerbare Kraftwerke zustande, sowie durch niedrigere Ausgaben für Brennstoffe und für den Netzausbau.

Bis zum  Jahr 2050, so die Studie, könnten sogar zwischen 15 und 28 Milliarden Euro eingespart werden.Der Netzausbau im Übertragungsnetz kann sogar bis 2050 um mehr als die Hälfte, von etwa 8.500 Kilometer auf etwa 4.000 Kilometer, reduziert werden.

Interessant ist noch die zahlenmäßige Bewertung der Energieeffizienz für das Stromsystem. Bisher konnte man lediglich bei einzelnen Effizienz-Maßnahmen die Kosten der eingesparten Kilowattstunde benennen. Die Studie gibt an, dass bis zum Jahr 2035 jede eingesparte Kilowattstunde Strom eine Kosteneinsparung im Stromsystem zwischen 11 und 15 Cent pro Kilowattstunde bewirkt. Die Kosten, um die Einsparungen zu erzielen sind in der Regel weit niedriger.

Schlafender Riese Energieeffizienz nur kurz wach

Das Interesse an dieser Studie war sehr groß in den letzten zwei Tagen. Alleine die Google-Suche nach der Überschrift zur Pressemitteilung bringt über 3.000 Ergebnisse. Doch schon heute ist das Interesse nicht mehr so groß, andere Themen sind aktuell und spätestens ab morgen zur Energiewende-Demo wird man wieder nur noch über das EEG sprechen. Das Thema Energieeffizienz kann sich wieder schlafen legen, um mal das Bild des schlafenden Riesen aufzugreifen.

Energieeffizienz hat großes Potential, weil scheinbar nicht vorzeigbar und nur schwer messbar. So ist das Thema auch bei den Unterstützern der Energiewende nicht besonders beliebt. Lieber möchte man ein paar PV-Anlagen und Windräder mehr bauen.

Energieeffizienz braucht Macher

Es gibt so viele Studie, die zeigen Energieeffizienz ist hoch wirtschaftlich und Energieeffizienz kann einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Diese Studien bewirken nichts, so lange man nicht danach handelt. Sie sind schnell wieder vergessen, wenn keine Aktivitäten folgen.  Wir brauchen mehr konkrete Aktivitäten, die deutlich zeigen wie attraktiv Energieeffizienz ist, und dass Energieeffizienz funktioniert.

Es braucht aber nicht nur ein paar gute Beispiele, von denen es sicher jede Menge gibt. Nötig sind richtige Gamechanger, die Energieeffizienz positiv vermarkten und vor allem finanziell attraktiv gestallten.

Meine Liste der Energieeffizienz-Macher

  • Energieeffizienz-Netzwerke: Der Erfolg der Netzwerke ist enorm und zeigt die Bedeutung der Kommunikation für die Energieeffizienz auf. Die Einsparung des Energiebedarfs einer Großstadt im Pilotprojekt der 30 Netzwerke zeigt eindrucksvoll was machbar ist.
  • Bettervest: Das Crowdfunding-Portal bettervest verbindet innovative Finanzierung von Energieeffizienz-Projekten mit einer hervorragenden Kommunikation. So wird Energieeffizienz richtig attraktiv und das sage ich nicht, weil ich im fachlichen Beirat von bettervest bin.
  • Thermondo: Die energetische Sanierung von Häusern ist ein sehr komplexes Thema. Bei Thermondo wird zumindest der Tausch der Heizung einfach und dazu gibt es auch gleich die passende Finanzierung. Beim Kauf eines neuen Autos ist es ähnlich, das geht auch einfacher mit der passenden Finanzierung.
  • Energieagenturen: Es gibt viele lokale Energieagenturen, die tolle Arbeit machen im Bereich der Energieeffizienz. In der Kommunikation kann ich vor allem die Energieagentur NRW hervorheben.
  • Smart-Home: Künftig spielt nicht nur die effiziente Nutzung von Energie eine Rolle, auch die intelligente Nutzung wird wichtig. Anbieter von Smart-Home Technologien können dazu beitragen das Thema Energieeffizienz im privaten Umfeld zu stärken. Dazu zählen für mich vor allem tado, digitalstrom, Qivicon und RWE Smarthome dazu.
  • Energieheld und DAA: Das Internet bringt auch in der Sanierungsbranche Transparenz. Genauso wie man sich bei Thermondo eine Ersatz-Heizung auswählen und installieren lassen kann, bieten energieheld.de und die DAA mit den Portalen heizungsfinder.de und daemmen-und-sanieren.de die Möglichkeit sich die Sanierungs-Potentiale aufzeigen zu lassen, bzw. Angebote von lokalen Handwerkern gleich einzuholen.

Kennt Ihr weitere Macher im Bereich der Energieeffizienz mit dem Potential den Markt zu verändern?

Über den Autor

Andreas Kühl

Ich bin Energieblogger aus Leidenschaft mit einem großen Faible für Energieeffizienz und erneuerbare Energien. Mit energynet.de betreibe ich einen der bekanntesten und einflussreichsten Energieblogs im deutschsprachigen Raum. Innovationen für die Energiewende in Technologien und Geschäftsmodellen sind meine aktuellen Schwerpunktthemen.

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