Energiewende

Auf welchem Weg ist die Energiewende?

Bau einer PV Anlage
Bau einer PV-Anlage, Foto: Milk the Sun
Bau einer PV-Anlage, Foto: Milk the Sun
Bau einer PV-Anlage, Foto: Milk the Sun

Der letzte Beitrag hat mal einiges an Kritik abbekommen, aber nur bei Twitter oder Facebook. Hier im Blog habe ich nur einen positiven Kommentar erhalten. Ich möchte gerne die Energiewende weiter denken und nicht nur am aktuellen Stand festhalten. Mir fehlt in der gesamten  Diskussion auf allen Seiten eine Vision, wie sieht unsere Stromversorgung in 5, 10 oder 15 Jahren aus? Wie schaffen wir den Weg zu dem Ziel der 100% Erneuerbaren Energien? Wir brauchen dazu Vordenker, wie Lichtblick in diesem Beispiel, denn das schaffen wir weder mit dem Festhalten am aktuellen Stand, noch mit den Reförmchen der Politik.

Was will die Politik eigentlicht?

Die politischen Entscheidungsträger scheinen wieder einmal völlig orientierungslos zu sein in der Energiewende. Wie soll man es sonst erklären, dass man den Menschen günstigere Strompreise verspricht und gleichzeitig, die günstigsten Kraftwerke beschneidet, Eigenverbrauch von Solarstrom bestrafen möchte und noch die teuerste Form der erneuerbaren Energien weiter unterstützt, bzw. ausbaut?

Dass die Kosten deutlich ansteigen bestreitet niemand, aber dass mit den neuen Änderungen die EEG-Umlage reduziert werden kann, darf doch sehr bezweifelt werden. Der Ausbau der erneuerbaren Energien wird reduziert mit dem EEG 2.0, aber die Kosten – darum sollte es doch gehen –  aber wieder einmal nicht. Die Politik müsste ganz andere Themen anpacken, um die Kosten zu reduzieren.

Was ist mit der Stromsteuer, der Verramschung des Ökostroms an der Börse und dem steigenden Anteil an Braunkohle im Netz? Das sind alles preistreibende Faktoren, die von der Politik bislang aber ignoriert werden. Werden die hohen Preise also von der Politik bewusst in Kauf genommen, um die ganze Energiewende zu diskreditieren?

Direktvermarktung an den Kunden wagen

Mir gefällt das Beispiel von Lichtblick sehr gut, weil hier konkrete Vorstellungen vorliegen zur künftigen Stromversorgung, die auch einhergehen mit konkreten Projekten. Im Dezember hatte ich erst die Direktvermarktung von Solarstrom an Mieter in Berliner Mehrfamilienhäusern vorgestellt. So stelle ich mir Direktvermarktung vor, und nicht in einem anonymen Topf mit Kohle- und Atomstrom. Damit können Mieter direkt vom günstigeren Solarstrom profitieren.

Es gibt jetzt weitere solcher Beispiele. Ende Januar hat die Naturstrom AG bekannt gegeben, dass sie in Zusammenarbeit mit der HEG Heidelberger Energiegenossenschaft e. G. Mieter von sieben Mehrfamilienhäusern in Nußloch bei Heidelberg den Strom von der Photovoltaik-Anlage auf dem Dach anbietet. Ergänzt wird dieses Angebot durch Ökostrom von der Naturstrom AG. Das ist damit das erste Direktbelieferungskonzept einer Energiegenossenschaft für Mehrfamilienhäuser.

Die sieben Photovoltaikanlagen verfügen zusammen über eine Leistung von 445 Kilowatt peak (kWp). Auf einer Modulfläche von 3.000 m² erzeugen sie pro Jahr voraussichtlich rund 370.000 Kilowattstunden (kWh) sauberen Strom – genug für über 100 Durchschnittshaushalte. Ausgerichtet sind die Anlagen nach Osten und Westen. Im Vergleich zur üblichen Südausrichtung wird die Stromerzeugung dadurch in die Morgen- und Abendstunden verlagert, wenn der Strombedarf der Mieter am höchsten ist. Zugleich werden die Produktionsspitzen am Mittag reduziert.

Die ersten Mietparteien beziehen bereits den Sonnenstrom vom eigenen Dach, in den nächsten Monaten werden weitere Ummeldungen folgen. Die HEG bietet den Mietern den Mix aus Solarstrom von „ihrem“ Dach und zertifiziertem Ökostrom zu einem Arbeitspreis von 25,4 Cent brutto pro kWh und einer monatlichen Grundgebühr von 6,95 Euro an. Ein attraktives Angebot, denn die Standardtarife der örtlichen Grundversorger liegen bundesweit im Schnitt bei fast 28 Cent brutto pro kWh, auch die Grundgebühr ist meist teurer. Zusätzlich interessant wird der Wechsel durch eine Preisgarantie bis Ende 2015.

Weitere Wege der Direktvermarktung

Es gibt auch noch weitere Wege den Strom aus Wind- und Solarkraftwerken direkt an die Verbraucher zu verkaufen. Zu den Vorreitern gehört die Next Kraftwerke GmbH aus Köln, die zahlreiche kleine Strtomerzeuger zu einem virtuellen Kraftwerk bündelt. Bei virtuellen Kraftwerken kann man auch noch Statkraft nennen, auch Vattenfall arbeitet an solchen virtuellen Kraftwerken zur Integration von erneuerbaren Energien in das Stromnetz.

Interessant finde ich noch den direkten Verkauf des erneuerbaren Stroms von Erzeuger zum Verbraucher, wie von buzzn.net oder im Online-Portal der ISPEX AG, über das heute cleanthinking.de berichtet hat.

Es würde mich freuen, wenn die Diskussion fortgesetzt wird und die Versäumnisse der Politik, an die preistreibenden Faktoren zu gehen, aufgezeigt werden und Wege zur Zukunft der erneuerbaren Energien aufgezeigt werden. Thorsten Zoerner hat da mit gewohnt gutem Blick auf die Daten der EEG Vermarktungsmengen und -zahlungen in 2013 einen guten Anfang gemacht.

Einen Anfang habe ich übrigens auch im Interview im Blog von Milk the Sun letzte Woche gemacht.

Über den Autor

Andreas Kühl

Ich bin Energieblogger aus Leidenschaft mit einem großen Faible für Energieeffizienz und erneuerbare Energien. Mit energynet.de betreibe ich einen der bekanntesten und einflussreichsten Energieblogs im deutschsprachigen Raum. Innovationen für die Energiewende in Technologien und Geschäftsmodellen sind meine aktuellen Schwerpunktthemen.

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2 Kommentare

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  • Dass es teurer wird, wenn man Erneuerbare zubaut und Kraftwerke als Back-up am Netz haltem muss, ist unvermeidlich. Zur Problematik immer noch am besten die Grafiken in http://www.agora-energiewende.de/fileadmin/downloads/publikationen/Impulse/12_Thesen/Agora_12_Thesen_Langfassung_2.Auflage_web.pdf
    Zu reden und zu entscheiden ist:
    a) über die notwendige Höhe des Kostenanstiegs (Entwicklungspfade)
    b) über die Verteilung der Kosten zwischen Erzeugern, privaten, gewerblichen und industriellen Erzeugern.

    Weil die Beantwortung dieser Fragen ausschließlich in der Hand der Politik liegen, scheint es mir angebracht, so viel Markt wie möglich in das System zu bringen.

    • Allein die Definition von Markt ist, je nach Betrachtungsweise, sehr unterschiedlich. Sollen Erneuerbare Energien, die nur Investitionskosten und fast keine laufenden Kosten haben, in den bestehenden Markt, der für ganz andere Kraftwerke geschaffen wurde, eingepasst werden? Wie sinnvoll ist es einen Energy-Only Markt beizubehalten? Ist ein Reservemarkt oder ein Kapazitätsmarkt als Alternative sinnvoller?

      Am interessantesten finde ich die Frage, welchen Anteil die Direktvermarktung an den Endverbraucher leisten kann, ohne Umweg über die Strombörse.

      Es freut mich, dass Sie die Diskussion aufnehmen.

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