Heizung

Wärmekonferenz auf der Suche nach der Wärmewende

dwk2014

dwk2014Bei der Energiewende konzentrieren sich alle Beteiligten nur auf den Strombereich, Politiker, Klimaschützer, Industrie und Medien reden nur vom Strom. Der Strom hat jedoch nur einen Anteil von 21% am gesamten Energieverbrauch, die Mobilität trägt zu 25% bei und Wärme (inklusive Kälte) hat gar einen Anteil von 54% am gesamten Energieverbrauch in Deutschland. Und der Stromsektor soll alles richten?

Die 6. Deutsche Wärmekonferenz in Berlin sollte einen Weg finden, wie auch im Wärmesektor die Energiewende realisiert werden kann. Bisher ist da allerdings nicht viel von Wende zu spüren, die jährliche Sanierungsrate bei Gebäuden verharrt unter 1% und der Austausch veralteter Heizungsanlagen kommt auch nur langsam voran – hier liegt die jährliche Modernisierungsrate bei 3%.

Es wird Zeit für die Wärmewende in der Energiewende

Steigende Energiekosten haben bisher kaum zu einer Wärmewende beigetragen. Aber diese wachsen stetig an, wie Franz Rips vom Deutschen Mieterbund berichtete. Die Ausgaben eines Mieters für die Miete und Energie liegen mittlerweile bei 34,1% seines Einkommens. Dass die Stromkosten angestiegen sind, weiß mittlerweile jeder. Aber die Heizkosten haben sich noch nicht im Bewusstsein verankert, hier liegt der Anstieg seit, in Abhängigkeit vom Energieträger zwischen 31 und 62% – kann also durchaus mit dem Anstieg der Strompreise mithalten oder übertrifft sie.

Doch wer auf der Wärmekonferenz nach neuen Wegen zu einer erfolgreichen Wärmewende gesucht hatte, musste genauer hinhören. Es war nicht die nebenbei angekündigte Kampagne der geea zur Unterstützung der Förderung von Ein- und Zweifamilienhäusern, die im Februar mit Unterstützung des Bundswirtschaftsministers und der Bundesumweltministerin starten wird. Auch nicht die übliche Forderung nach der steuerlichen Förderung der Sanierung wird uns hier weiter bringen.

Macht dann eine Diskussion über die Pflicht zum bedarfsabhängigen Energieausweis Sinn, wenn Mieter immer noch mit einer Abfuhr bei der Wohnungssuche rechnen müssen, wenn sie nach dem Energieausweis fragen? Auf dieses Mittel setzt jetzt der entschiedene Gegner des Ordnungsrechts, Stephan Kohler (dena). Marktnähere Instrumente sind ihm bis jetzt nicht eingefallen.

Erste Schritte zur Wärmewende

Eine Patentlösung kann ich auch nicht anbieten, aber ich habe ein paar positive Tendenzen entdeckt, was die Wärmewende zumindest ein Stück weit voran bringen kann.

Als wichtigstes und am erfreulichsten ist die zunehmende Betrachtung der Gebäude als ein System, das es zu optimieren gilt. Die Tendenz geht damit weg von einzelnen Verbandsinteressen, hin zu einem Gesamtinteresse. Das lässt sich am besten erkennen an der zunehmenden Integration von weiteren Verbänden in der Wärmekonferenz. Damit konnte niemand mehr mit dem Finger auf andere zeigen. Der Mieterbund und der GdW durften nacheinander ihre Positionen zum Wärmemarkt vorstellen, auch die Dämmstoffindustrie war eingeladen, um die Gebäudehülle zu repräsentieren.

Auch wenn es nach wie vor eine Veranstaltung der Anlagentechnik ist, trat man auf der Wärmekonferenz gemeinsam auf um alle Interessen zu bündeln und gemeinsam an dem Ziel der Wärme in der Energiewende zu arbeiten. Alle haben es verstanden, nicht ein Teil des Hauses kann alleine für die Reduzierung des Energieverbrauchs sorgen, das ganze Haus als System muss optimiert werden.

Ein weiterer Schritt zur Wärmewende ist auch ein pragmatischer Realismus in den Zielen. Nicht mehr das Maximum wird angestrebt, das für die meisten Hausbesitzer ohnehin eher abschrecken wirkt, weil es nicht finanziell erreichbar ist. Momentan ist es wohl kaum vorstellbar, dass bis 2050 ein klimaneutraler Gebäudebestand erreicht wird. GdW und dena gehen in der Energieprognose 2050 von einem Endenergieverbrauch der GdW Unternehmen von 110 kWh/m² im Jahr 2030 und von 85 kWh/m²a im Jahr 2050 aus. Laut FGK liegt der durchschnittliche Heizwärmebedarf heute bei 168 kWh/m²a.

Förderung als wichtiger Faktor in der Gebäudesanierung

Die Förderung war immer ein wichtiger Faktor in der Sanierung von Gebäuden, ihre Zuverlässigkeit hat hohen Einfluss auf die Zahl der Investitionen. Die Branchenverbänden müssen daher dafür sorgen, dass die Bundesregierung wenigstens die geplante Verstetigung der bestehenden Förderprogramme umsetzen wird. Immerhin kann, wie ich erfahren konnte, jeder Fördereuro weitere 10 bis 12 Euro an Investitionen auslösen.

Die steuerliche Förderung ist noch nicht vollständig vom Tisch, wird jedoch erst mal nicht öffentlich diskutiert, um Hausbesitzer nicht wieder zu verunsichern.

Kommt jetzt die Wärmewende?

Bekommen wir jetzt vertrauenswürdigere Energieberater und eine bessere Kommunikation (wie soll das gehen)? Wie kann die Wärmewende aussehen wenn die Fläche an verkauften thermischen  Solaranlagen in 2013 um 11% gegenüber dem Vorjahr zurück geht?

Über den Autor

Andreas Kühl

Ich bin Energieblogger aus Leidenschaft mit einem großen Faible für Energieeffizienz und erneuerbare Energien. Mit energynet.de betreibe ich einen der bekanntesten und einflussreichsten Energieblogs im deutschsprachigen Raum. Innovationen für die Energiewende in Technologien und Geschäftsmodellen sind meine aktuellen Schwerpunktthemen.

8 Kommentare

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  • Die Wärmewende wird erst mal nicht kommen!
    Solange in der Öffentlichkeit nur die Stromwende breitgetreten wird und die energetische Sanierung eines Gebäudes weiterhin (nur) als Totalsanierung in einer Größenordnung von um die 100.000€ propagiert wird.
    Im Moment werden durch die Effizienzforderungen meiner Meinung nach Teilsanierungen sogar bestraft.
    So das diejenigen die nur eine Teilverbesserung vornehmen möchten diese dann lieber auch noch lassen.

    Was bei der energetischen Sanierung fehlt ist der Mut zu Kleinigkeiten.
    Schon ein ausgetauschtes Fenster spart Energie und fördert den Wohnkomfort.
    Schon die energetische Verbesserung einer Wärmebrücke spart Energie und fördert den Wohnkomfort.
    Und da bekanntlich auch Kleinvieh Mist macht . . .

    • Vielleicht fokussieren wir uns zu sehr auf die Förderangebote? Teilsanierungen können auch ohne Förderung interessant sein.

      Aber in der Tat sind die großen Lösungen abschreckend, wie auch das Ziel eines klimaneutralen Gebäudebestandes. Natürlich wäre das schön, aber für die meisten Gebäude wird das viel zu aufwändig und teuer sein, da wäre ein kleiner Schritt zur Reduzierung des Energieverbrauchs noch besser als gar keine Sanierung.

    • Den Energieausweis haben wir schon, aber man kann wählen zwischen einem verbrauchsabhängigen und einem bedarfsabhängigen Energieausweis. Der Energieausweis hat sich auf dem Markt noch nicht durchgesetzt, denn wer danach fragt verschlechtert sehr oft seine Chancen beim Vermieter.

  • Die Wärmewende bringt dem Staat extrem hohe Steuerausfälle. Deshalb wurde aus der „Energiewende“ auch eine 100% -tige Stromwende.

    Die Energiewende dient der Politik in erster Linie nur zum Populismus, (z. B. die Rolle rückwärts zum schnellen Atomausstieg).

    Wer sich ernsthaft mit der “ Energiewende“ im Wärmebereich beschäftigt, muss sich auch mit der nötigen Umschichtung von Energiesteuern beschäftigen.

    Energiesteuern sind in Deutschland neben der Mehrwertsteuer die wichtigste Einahmequelle des Staates!

    Bei der Stromwende ist es genau umgekehrt.
    Steigende Strompreise generieren wesentlich mehr Steueraufkommen.

    @ Jan
    Auch kleine Massnahmen bringen manchmal sehr viel mehr als man vermuten könnte!

    Durch dämmen einer obersten Geschossdecke und aller Heizkörpernischen wurden in einem Mehrfamilienhaus der Heiz – Energieverbrauch um 43,74 % gesenkt!

    Hier ist dass Gebäude aus Düren zu sehen:
    http://www.henke-daemmtechnik.de/Dach/Projektbeispiel/projektbeispiel.html

    Durch den ständigen Schlingerkurs in puncto Förder- und Steuerpolitik werden viele Hauseigentümer nachhaltig von der Wärmesanierung abgehalten.

    Es drängt sich also die Frage auf, ob dieses bewußt von der Politik so gewollt ist?

    Das Klima spielt bei den Entscheidungsträgern jedenfalls keine große Rolle.
    Vielmehr regiert bei der Energiewende als ganzes allein die Finanzpolitik.

    So ist jedenfalls meine Meinung zur Wärmewende.

  • Ein sehr schöner Artikel und auch wichtige Kommentare sind hier zu lesen.

    Es ist richtig, dass die Sanierungsrate in Deutschland aktuell unter einem Prozent dümpelt. Angestrebt war von der Regierung eigentlich eine zwei-prozentige Sanierungsrate. Leider wird in den Medien auch immer wieder gegen die energetische Sanierung vorgegangen. Gerade die Dämm-Industrie bekommt da, völlig zu Unrecht immer wieder Schelte. Dabei trägt auch sie zu der Eindämmung (hö-hö) der benötigten Heizenergie erheblich bei. Die durchschnittlichen Heizkosten, gerade älterer Gebäude sind derart hoch, dass eine Gesamtbetrachtung des Hauses „als System“ wirklich sinnvoll ist.
    http://www.energieheld.de/energiesparen/heizkosten-sparen/durchschnittliche-heizkosten-eines-wohnhauses
    Natürlich macht auch Kleinvieh Mist und viele einzelne Sanierungsmaßnahmen sind wirtschaftlich UND ökologisch sehr sinnvoll. Eine ganzheitliche Betrachtung sollte jedoch stets angestrebt werden. Wer zum Beispiel in ein schlecht gedämmtes Haus einen kompletten Satz Wärmeschutzerfenster einbaut riskiert wiederum Schimmelbildung in der Fassade. Die Kälte und damit die Feuchtigkeit befindet sich nämlich jetzt in der Wand… Also gibt es auch bauphysikalische Gründe einer Gesamtbetrachtung. Natürlich sind Sanierungsmaßnahmen als nicht ganz günstige Investition zu verstehen, und nicht jeder Hausbesitzer verfügt über die finanziellen Mittel für eine Komplettsanierung. Daher ist der „Mut zu Kleinigkeiten“ wichtig, aber eben auch die Gesamtbetrachtung.
    Der erste Satz meines Vorredners: „Die Wärmewende bringt dem Staat extrem hohe Steuerausfälle. Deshalb wurde aus der “Energiewende” auch eine 100% -tige Stromwende.“ Sehe ich auch als das zentrale Problem hier an.
    Soll die Energiewende wirklich umgesetzt werden, braucht es halt die Bürgerenergiewende.

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