Strom

Hohe Strompreise – wie sich Verbraucher wehren können

Gastbeitrag von Martin Sohn, Sohn Finanzberatung

Die hohen Strompreise in Deutschland sind derzeit ein heiß diskutiertes Thema. Die Ursachen dafür sind vielschichtig – und für den Verbraucher daher kaum überschaubar. Seit dem Jahr 2000 sind die Preise für Haushaltsstrom um etwa 50% gestiegen, für Industriestrom sogar um 60%. In Haushalten mit geringeren Einkommen haben die Stromkosten bereits einen erheblichen Teil der Fixkosten eingenommen. Viele Verbraucher können schon jetzt ihre Stromrechnungen micht mehr pünktlich zahlen.

Verbraucherschützer und das Stromportal Verivox gehen für das Jahr 2011 von einem weiteren Preisanstieg um etwa 10% aus. Ein Grund für den Strompreisanstieg ist der hohe Zuwachs an Solaranlagen, der sich auch im nächsten Jahr ungebremst fortsetzen wird. Kritiker fordern deshalb schon länger eine deutliche Kürzung der Einspeisevergütungen für Photovoltaikanlagen-Betreiber.

Die vielen Photovoltaikanlagen sind aber nur zum Teil für die Strompreisentwicklung verantwortlich. Als weitere Ursachen gelten die hohe Besteuerung, steigende Rohstoffpreise an den Weltmärkten, sowie der fehlende Wettbewerb am deutschen Strommarkt. Die steigenden Rohstoffpreise werden von den Stromkonzernen gerne als Argument für die Notwendigkeit von Strompreiserhöhungen angeführt. Aber insbesondere die für die Stromerzeugung verwendete Stein- und Braunkohle kommt zu einem Großteil aus dem Inland. Auch die insgesamt hohen Steuern und Abgaben auf Strom lassen sich nur zum Teil als Argument heranziehen. Die Steigerung der Abgaben der letzten 10 jahre fällt deutlich geringer aus als die gesamten Strompreissteigerungen im gleichen Zeitraum.

Verbraucherschützer führen die Hauptgründe der Preissteigerungen auf den schlecht funktionierenden Wettbewerb am Strommarkt zurück. Dort teilen sich „die großen vier“, das sind die Konzerne Eon, RWE, EnBW und Vattenfall, zusammen etwa 80% des Strommarktes. Demnach gehen nur 20% auf das Konto kleinerer Anbieter. Diese Vormachtstellung der vier Konzerne kommt aber auch durch die „Wechselfaulheit“ der Stromkunden zustande. Obwohl Stromkunden bereits seit 1998 die Möglichkeit haben, ihren Stromanbieter selbst auszuwählen, bleiben die meisten Stromkunden Ihrem Grundversorger, wie z.B. der Eon, treu. Die Konzerne haben die Wechselfaulheit der Kunden daher längst „eingepreist“.

Wenn mehr Verbraucher den Stromanbieter wechseln, würde das den Wettbewerb am Strommarkt verbessern. Die „großen Vier“ müssten über kurz oder lang ihre Preispolitik überdenken. Ein Verbraucher, der den Anbieter wechselt, tut dies natürlich erstmal für den eigenen Geldbeutel. Wer vom Grundversorger zu einem günstigeren Stromanbieter wechselt, kann bis zu 400€ im Jahr sparen. Der Stromanbieterwechsel ist heute dank des Internets keine große Angelegenheit mehr. Den günstigsten Anbieter kann man schnell und einfach mit einem Online Stromanbieter Vergleich ermitteln. Der Vertragsabschluss erfolgt ebenfalls direkt über das Internet. Die Kündigung des alten Stromanbieters übernimmt der neue Stromanbieter.

Über den Autor

Andreas Kühl

Ich bin Energieblogger aus Leidenschaft mit einem großen Faible für Energieeffizienz und erneuerbare Energien. Mit energynet.de betreibe ich einen der bekanntesten und einflussreichsten Energieblogs im deutschsprachigen Raum. Innovationen für die Energiewende in Technologien und Geschäftsmodellen sind meine aktuellen Schwerpunktthemen.

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  • Die zukünftige Apologetik der Stromkonzerne hinsichtlich Preiserhöhungen ist bestimmt durch den Atomausstieg. Aktuell begründet einer der Stromkonzerne einen geplanten massiven Abbau ausgerechnet im Verwaltungsbereich mit dem Ausstieg aus der Atomenergie – eine Verweigerung zivilisierter Kommunikation. Begrüßenswert ist, dass immer mehr Stadtwerke bzw. Kommunen bestrebt sind, ihre Energieversorgung wieder in eigener Verantwortung und Betrieb zu übernehmen und dabei wie selbstverständlich auf erneuerbare Energien setzen können.

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