erneuerbare energien

Warum AKW häufiger abgeschaltet werden müssen, wenn erneuerbare Energien ausgebaut werden

Während ich auf die Diskussion zur Atomenergie bei „Hart aber Fair“ warte, lese ich im LichtBlickBlog einen interessanten Artikel über eine neue Studie zur Energieversorgung. In dem Interview mit Professor Olav Hohmeyer von der Universität Flensburg, der Autor der Studie „2050. Die Zukunft der Energie.“ ist, werden viele interessante Fragen zur Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken und zum Ausbau von erneuerbaren Energien beantwortet. Laut FR-online geht die Studie davon aus, dass bereits in zehn Jahren die erneuerbaren Energien ein Anteil an der Stromproduktion von 50% erreicht – mehr als die 40%, die von der Bundesregierung als Ziel angestrebt wird. Damit muss der Atomstrom, der wohl noch lange vorhanden sein wird, in das Stromnetz integriert werden und evtl. sogar häufig abgeschaltet werden werden müssen – was wiederum zu hohem Verschleiss und damit hohen Kosten führen wird.

Presseartikel von Lichtblick zur genannten Studie:

Bei einer Laufzeitverlängerung für die deutschen Kernkraftwerke droht ein massiver wirtschaftlicher Konflikt zwischen Öko- und Atomstrom. Dies geht aus einer neuen Studie der Universität Flensburg im Auftrag des Energieversorgers LichtBlick hervor. „Die Laufzeitverlängerung provoziert ohne Not eine der größten wirtschaftlichen Auseinandersetzungen der Nachkriegszeit“, so Gero Lücking, Vorstand Energiewirtschaft von LichtBlick.

Sollte sich der Ausbau der erneuerbaren Energien wie geplant fortsetzen, werden Wind und Sonne in Zukunft immer häufiger die volle Stromnachfrage decken. Atomstrom wird dann nicht mehr benötigt, die Meiler müssen kurzfristig vom Netz. Bei einer Laufzeitverlängerung von 28 Jahren werde es, so das Ergebnis der Studie, ab 2020 bis zur Stilllegung des letzten Meilers zu mindestens 15.800 kurzfristigen AKW-Abschaltungen kommen. Die Atomkonzerne müssten durch diese Produktionsausfälle auf Gewinne in Höhe von 21 bis 80 Milliarden Euro verzichten.

Die Studie geht davon aus, dass die großen Energiekonzerne versuchen werden, die Milliarden-Verluste zu verhindern. Dies ist nur möglich, wenn der gesetzlich garantierte Ökostrom-Vorrang bei der Stromeinspeisung abgeschafft und der Ausbau der erneuerbaren Energien begrenzt wird. Die für den Klimaschutz so wichtige ökologische Energiewende würde sich um Jahrzehnte verzögern. Investitionen in alternative Energien wie zum Beispiel Windanlagen auf See würden weniger attraktiv.

Eine vergleichbare Debatte ist in Großbritannien bereits zu beobachten. Atomkonzerne haben dort die Begrenzung der erneuerbaren Energien auf 20 bis 33 Prozent der Stromproduktion gefordert, damit sich ihre Kernkraftwerke noch rechnen. Dieses Niveau wird Deutschland bereits in wenigen Jahren erreichen.

Der Grund für die kurzfristigen Abschaltungen ist die unflexible AKW-Technik. Je nach Anlagentyp kann ein Meiler seine Leistung nur auf 50 oder 60 Prozent drosseln. Wird weniger Atomstrom benötigt, muss er ganz vom Netz. Nach einer Komplettabschaltung benötigt ein AKW zudem 50 Stunden, um wieder anzufahren. Steht in dieser Zeit aufgrund veränderter Wetterverhältnisse weniger Wind- und Sonnenstrom zur Verfügung, können die Meiler nicht angemessen reagieren. „Atomkraftwerke sind nicht flexibel genug, um die je nach Wetterlage schwankende Erzeugung von Wind und Sonne sicher auszugleichen“, so Studienautor Prof. Dr. Olav Hohmeyer von der Universität Flensburg.
Dabei ist weder eine Laufzeitverlängerung noch ein Neubau von Kohlekraftwerken erforderlich, um die künftige Stromversorgung zu sichern. Schon die bestehenden konventionellen Kraftwerke bremsen den Ausbau der erneuerbaren Energien. „Angesichts der großen Ausbaudynamik könnten wir Deutschland schon 2030 komplett mit regenerativem Strom versorgen“, erläutert Prof. Hohmeyer. Da die Atomkraftwerke aber nach derzeitiger Gesetzeslage noch bis in die 2020er und die jüngsten Kohlekraftwerke noch bis in die 2040er Jahre laufen, ist eine vollständige regenerative Versorgung erst für 2050 zu erwarten.

Eine Alternative zu Atom und Kohle ist die dezentrale Stromproduktion in gasbetriebenen Mini-Blockheizkraftwerken, so die Studie weiter. Während ein AKW 50 Stunden für einen Kaltstart benötigt, liefert beispielsweise das LichtBlick-ZuhauseKraftwerk von Volkswagen binnen 60 Sekunden Ökostrom. Durch die intelligente Vernetzung und Steuerung zehntausender ZuhauseKraftwerke – die zugleich Mehrfamilienhäuser, Schulen oder Unternehmen mit Wärme versorgen – kann LichtBlick mit seinem SchwarmStrom-Konzept flexibel und schnell auf die schwankende Produktion von Wind- und Sonnenstrom reagieren.

Nach den Ergebnissen der Studie werden 2050 rund 17 Milliarden Kilowattstunden aus flexibler Biogas-Verstromung gewonnen. Rein rechnerisch könnten das rund 600.000 LichtBlick-ZuhauseKraftwerke leisten. Denn LichtBlick will den Betrieb der Keller-Kraftwerke langfristig von Erdgas auf regeneratives Biogas umstellen.

„Statt auf die riskante und unflexible Kernenergie zu setzen, muss die Bundesregierung ein Förderprogramm für klugen, sauberen und flexibel erzeugbaren Strom auflegen. So schaffen wir den Weg in das regenerative Zeitalter“, so Lücking.

  • LichtBlick-Zusammenfassung der Studie „2050. Die Zukunft der Energie.“ (PDF, 11 Seeiten, 916 KB)
  • Studie „2050. Die Zukunft der Energie.“ (PDF, 78 Seiten, 2.9 MB)
  • Infografik Ökostrom verdrängt Atomstrom (PDF, 1 Seite, 1.8 MB)

Über den Autor

Andreas Kühl

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