Heizung

Programmierbare Heizkörperthermostate: Energiesparer oder Energiefresser? Teil 2

Gastbeitrag von Benjamin Wirries, Die Einsparinfos, in zwei Teilen im Rahmen der Artikelserie zum Thema Heizung (weitere Beiträge sind noch willkommen)

Die Hersteller dieser Ventile geben stets ein Einsparpotential von bis zu 30% an. Dies wäre bei einer Gasheizung etwa ein Einsparpotential von 37,80 € pro Heizkörper. Diese Zahl stellt jedoch die maximal mögliche Einsparung bei einem durchschnittlichen Energieverbrauch dar. Im Normalfall werden die Heizkörper ja geregelt und viele Heizungsanlagen verfügen auch über eine Nachtabsenkung.

Ganz entscheidend dafür, ob sich die Anschaffung eines Energiesparreglers lohnt ist das persönliche Heizverhalten. Daher betrachten wir im folgenden die Wohnzimmer von zwei Beispielhaushalten mit gleicher Wohnfläche, Personenanzahl, Heizsystem…. .

Haushalt A:
Der Thermostat auf dem Heizkörper steht den ganzen Tag auf Stufe 3, da man es nach der Arbeit, wenn man heim kommt gleich warm haben möchte. An fünf Arbeitstagen in der Woche werden daher die Räume für jeweils 9 Stunden zusätzlich auf einer Temperatur von 21 °C gehalten, obwohl niemand in der Wohnung ist. In dieser Zeit könnte mit einem programmierbaren Thermostat die Raumtemperatur auf 16°C gesenkt werden und eine halbe Stunde, bevor die Personen von der Arbeit heimkommen den Raum wieder auf die gewünschten 21°C aufheizen. Diese Absenkung der Raumtemperatur für achteinhalb Stunden um 5°C könnte in dieser Zeit 30% Heizenergie sparen. Wenn man davon ausgeht das die Absenkung der Raumtemperatur um 1°C den Energieverbrauch um 6% sinken lässt Zusätzlich hat der Haushalt keine Nachtabsenkung der Heizung eingestellt. Für sieben Stunden pro Nacht könnte daher noch einmal die Raumtemperatur um 5°C gesenkt werden, da die Bewohner nachts die Thermostate an ihrem Heizkörper nicht herunterdrehen. Insgesamt könnte mit einem Energiesparregler so an 91,5 Stunden pro Woche Heizenergie gespart werden (das sind 54% der Wochenstunden). Diese 54% multipliziert mit den 30% Heizkostenersparnis während der Absenkphasen ergibt ein Einsparpotential von ca. 16% der Heizenergie. (Dieser Wert ist natürlich sehr stark vom Standort des Heizkörpers und vom Heizverhalten abhängig. Er kann nach oben oder nach unten abweichen.)

Haushalt B:
Hier werden die Räume grundsätzlich nur auf einer Temperatur von 15-16°C gehalten. Die Bewohner regeln aktiv über die konventionellen Thermostate die Raumtemperatur auf 21°C, wenn sie nach der Arbeit heimkommen. Bis der Raum warm ist wird halt ein Fleece-Pullover übergezogen. In den Räumen hängen Thermometer, so das man die Raumtemperatur auch überwachen kann. Nachts wird die Heizungsanlage über eine Nachtabsenkung generell heruntergeregelt. Das Einsparpotenzial für einen Energiesparregler in der Stube geht daher gegen Null, da es praktisch keine Zeiten gäbe in denen er die Raumtemperatur zusätzlich herunterregeln könnte.

Bei der Verwendung eines programmierbaren Thermostates könnte es sogar zu einem Mehrverbrauch kommen. Stellen Sie sich vor, die Bewohner kommen einmal pro Woche außerplanmäßig zwei Stunden später heim als erwartet. In diesen Fällen würde der Energiesparregler schon die Temperatur des Raumes auf 21°C regeln, obwohl gar niemand daheim ist.

Das persönliche Heizverhalten ist entscheidend:
Die beiden Beispiele oben stellen sicherlich zwei extreme Positionen dar. Die Masse der Bevölkerung wird sicherlich zwischen diesen Verhaltensbeispielen bewegen. Entscheidend ob der Einsatz eines Energiesparreglers Sinn macht ist das Heizverhalten der Bewohner in den Haushalten und der Ort an dem er verwendet werden soll. Leider kann nicht generell gesagt werden, dass der Einsatz von programmierbaren Thermostaten x % an Heizenergie pro Jahr spart.

Umso wichtiger ist es möglichst viele Leute darüber aufzuklären wie sie effizient heizen und wo es verhaltensabhängige Einsparpotentiale gibt. Gerade der zweite Punkt gestaltet sich in der Beratung häufig als etwas schwierig. 80% der Haushalte sagen zwar, dass sie sehr bewusst heizen, um Energie zu sparen. Im Alltag schleichen sich dann aber doch häufig wieder Verhaltensmuster ein, die einen sparsamen Umgang mit der Heizenergie zunichte machen.

Fazit:
Programmierbare Energiesparregler können durchaus helfen Heizenergie einzusparen, auch wenn die Angaben der Hersteller übertrieben sind. Wie hoch genau das Einsparpotential im einzelnen ist hängt allerdings einmal vom Standort des Heizkörpers ab, der mit einem solchen Energiesparregler ausgerüstet werden soll. Der zweite, entscheidendere Punkt, ist das Heizverhalten der Bewohner des jeweiligen Haushaltes, das in vielen Fällen suboptimal ist. Die Entscheidung ob sich ein Haushalt ein solches Gerät anschafft, wird jedoch häufig auch durch ein Bedürfnis nach mehr Komfort bei der Heizungsregelung beeinflusst. Eine Empfehlung in der Beratung für oder gegen solche Geräte sollte also stets fallspezifisch gegeben werden.

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Über den Autor

Andreas Kühl

Ich bin Energieblogger aus Leidenschaft mit einem großen Faible für Energieeffizienz und erneuerbare Energien. Mit energynet.de betreibe ich einen der bekanntesten und einflussreichsten Energieblogs im deutschsprachigen Raum. Innovationen für die Energiewende in Technologien und Geschäftsmodellen sind meine aktuellen Schwerpunktthemen.

4 Kommentare

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  • Hallo,

    ich hätte da noch einen Haushalt C, der in Zukunft sicher immer öfter zutreffen wird:
    Wohnen in einem KFW40 Haus. Meine Thermostate sind nur dafür da, (leicht) unterschiedliche Temperaturen in den verschiedenen Räumen zu erreichen. Eine Absenkung über Nacht, ja sogar übers Wochenende wenn ich verreist bin, bringt nichts, da mein Heizsystem träge reagiert (bis zu 2 Tage). D.h. bis ich eine Absenkung auf 16° erreicht habe, müsste die Heizung wieder voll aufdrehen (und in einem ungünstigen Arbeitspunkt werkeln) um nach ein paar Stunden wieder einigermaßen auf ein erträgliches Maß zu kommen. Die Dämmung ist daran „schuld“. Diese Geschichte mit Nachtabsenkung und Co. ist interessant bei einem Altbau aus den 70ern, aber in einem modernen Haus ist das kontraproduktiv. Übrigens, mein Verbrauch übers Jahr liegt bei 3500-5000KWh (je nach Winter) incl. Warmwasser und Belüftung bei konstanten 21,5°C im (fast)ganzen Haus.

    Gruß
    buzzi

  • Mit der Grundaussage des Artikels bin ich absolut einverstanden. Wobei ich denke, dass gerade durch die gestiegenen Heizkosten, mittlerweile bei den Verbrauchern für das Thema ein Bewusstsein entstanden ist. Ob sich das letztlich in einem niedrigerem Gasverbrauch niederschlägt ist die Frage.
    Ansonsten kann ich dem nur noch hinzufügung, dass sich eine Modernisierung der Gasheizung auf Brennwerttechnik auch zum Energiesparen lohnen kann. Obwohl das ein anderer Ansatz ist, der sich meistens nur bei einer ohnehin anstehend Modernisierung lohnt.

  • Die Jung von den Energieberaetern haben ihre Hausaufgaben mal wieder gemacht! 🙂 Sehr schöner Artikel. Eigentlich schade, dass ich ihn jetzt erst gefunden habe. Meinem Vorredner muss ich allerdings widersprechen. Ein Bewusstsein ist zwar da, die Aufklärungsarbeit wurde allerdings noch nicht gemacht. Ausgewählte Maßnahmen, wie zB staatlich geförderte Dämmung der Außenwände werden Industrieabhängig von der Politik in den Himmel promoted. Was der kleine Bürger selber machen kann, wissen nur die wenigsten. Schade, dass es für Energiesparprodukte wie elektronische Heizkörperthermostate noch ekien starke Lobby gibt! 🙂

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