Bauen

CO 2-neutrales Baugebiet mit komplettem Einsatz von regenerativer Energie geplant

Nie mehr Ärger mit steigenden Öl- und Gaspreisen und dafür Energiekosten, die für die nächsten zehn Jahre im untersten Bereich liegen. Möglich macht dies das erste Solarheizkraftwerk in Deutschland. Im Eifelkreis Bitburg-Prüm entsteht auf einer Fläche von rund fünf Hektar das CO2-neutrale Wohnbaugebiet „Im Brodschrank“. Am nordöstlichen Rand des Baugebietes plant der Luxemburger Investor Innovat auf einer Fläche von rund 3.000 Quadratmetern das Solarheizkraftwerk. In einem Systemkreislauf sollen dort Energie, Heizwärme und Warmwasser erzeugt werden. Das Herzstück wird eine thermische Solaranlage mit Vakuum-Röhrenkollektoren bilden. Der zusätzliche Einsatz von Wärmepumpen, hochwärmegedämmten Pufferspeichern sowie einer Photovoltaikanlage zur Stromerzeugung wird den kompletten Energiebedarf für die 42 Wohneinheiten bereitstellen. Nur rund 11,- Euro werden die monatlichen Kosten für den Heizwärmebedarf eines Einfamilienhauses betragen.

„Wir wollen neue Perspektiven in der regenerativen Energieversorgen aufzeigen, wo sonst nur Standards zur Anwendung kommen“, erklärt Innovat-Geschäftsführer Ewald Schares seine Investitionen. „Wir wollen die einmalige Chance nutzen, mittels eines Solarkraftwerkes über ein Nahwärmenetz die Wohngebäude mit Energie zu versorgen und dabei die Kosten für den Wärmebedarf auf zehn Jahre festlegen“, fügt Schares hinzu. Mit dieser Vorgabe ist das Projekt einmalig in Deutschland und ein innovatives Modell für CO2-neutrales Bauen und Wohnen. Dabei kooperiert Innovat mit erfahrenen Partnern. Die Firma Olymp aus Österreich beispielsweise hat sich seit Jahren auf den Bau von ökologischen Heizsystemen mit thermischen Solaranlagen und Wärmespeichern spezialisiert.

Energieeffizientes Bauen und Wohnen als Standard

Der Investor aus dem luxemburgischen Berdorf trägt die kompletten Erschließungskosten. Geschäftsführer Ewald Schares hat energetische Mindeststandards für die neuen Wohnhäuser vorgegeben. Energieeffizientes Bauen ist die Leitidee für das fünf Hektar umfassende Baugebiet „Im Brodschrank“. Niedrigenergiestandards werden zum Beispiel durch das so genannte „Kfw60-Haus“ realisiert. Der Heizwärmebedarf (Primär-Energiebedarf) für diesen Haustyp beträgt pro Jahr maximal 60 Kilowattstunden pro Quadratmeter Gebäudenutzfläche. Im Durchschnitt sollen sogar nur 40 Kilowattstunden erreicht werden. „Unsere Motivation, ein neues Wohnbaugebiet absolut CO2-neutral mit Energie zu versorgen, hat dazu geführt, dass wir alle Häuser über ein Nahwärmenetz mittels Kraft-Wärme-Kopplung versorgen“, erklärt Ewald Schares. Die in die Speicherzentrale eingespeiste Energie wird über das Nahwärmenetz zu den jeweiligen bei den Abnehmern befindlichen Warmwasserspeichern (Hauswärmezentrale) befördert. Die energetische Beladung erfolgt bedarfsgesteuert und geregelt. Die Hauswärmezentrale verfügt zusätzlich über einen elektrisch betriebenen Heizstab als Backup-System um Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Jeder Hausbesitzer kann auch noch zusätzlich eigene Energie in die Hauswärmezentrale einspeisen, zum Beispiel über einen wassergeführten Kaminofen.

Jede Wohneinheit erhält eine Regenwasserzisterne mit 5000 Litern Fassungsvermögen. Der Verbrauch von wertvollem Grundwasser wird durch die Bewirtschaftung mit Regenwasser deutlich gesenkt. „Wir wollten ein ökologisches Gesamtkonzept bieten, das sich für den Bauherren mit niedrigen Energie- und Versorgungskosten rechnet“, sagt Ewald Schares. Bis zum März ist der erste Spatenstich geplant. Für interessierte Bauherren und Bürger hat das Unternehmen eine eigene Geschäftsstelle in Roth eingerichtet.

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Über den Autor

Andreas Kühl

Ich bin Energieblogger aus Leidenschaft mit einem großen Faible für Energieeffizienz und erneuerbare Energien. Mit energynet.de betreibe ich einen der bekanntesten und einflussreichsten Energieblogs im deutschsprachigen Raum. Innovationen für die Energiewende in Technologien und Geschäftsmodellen sind meine aktuellen Schwerpunktthemen.

3 Kommentare

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  • Klingt ja cool. Ich denke mal, sie treiben es wegen der Kosten für die Bauherren/Käufer nicht auf die Spitze. KfW60 ist natürlich ziemlich gut (halber Primärenergieverbrauch gegenüber einem EnEV 2002 Haus), aber wenn ich nochmal bauen würde, dann KfW40 und nicht „nur“ KfW60. Denn die Dämmung kann man nur schwer ändern und nur eine nicht benötigte Kilowattstunde ist eine gute Kilowattstunde.

    Übrigens, wichtig: Heizwärmebedarf (EnEV qh) ist der absolute Wärmebedarf, egal wie er hergestellt wird. Der Primärenergiebedarf (EnEV qp) ist Heizenergiebedarf multipliziert mit der Primärenergie-Wirkungsgrad der Heizungsanlage (EnEV ep). Wenn man also eine umweltfreundliche Heizungsanlage hat, dann darf das Haus etwas mehr Heizenergie benötigen als z.B. bei einer Öl-Heizung. Heizwärmebedarf ist also NICHT gleich Primärenergiebedarf! Das ist also schon die Pressemeldung falsch 🙂

    Wenn man viel Platz hat, dann könnte man natürlich die Solarthermiekollektoren mit Wärmepumpen koppeln. Dann könnte man den Vorlauf der Kollektoren per WP runterkühlen um so mehr Sonne zu „ernten“. Aber so innovativ sind die wahrscheinlich noch nicht. Na, vielleicht kommen ja nochmal Details.

    Gruß, Hendrik

  • Das ist natürlich richtig, dass Heiwärmebedarf und Primärenergiebedarf was völlig unterschiedliches ist. Das KfW60-Haus bezieht sich auf den Primärenergiebedarf und nicht auf den Heizwärmebedarf.

    Was bei solchen Zahlenspielereien meist vergessen wird, ist der Einfluss des Nutzers, der nicht unerheblich ist. Je höher der Standard ist, umso höher kann sich der Energieverbrauch falsches Nutzerverhalten verschlechtern.

  • In diesem Zusammenhang habe ich auch schon von Ideen gelesen, ganze Wohngebiete über große Blockheizkraftwerke mit Energie zu versorgen. Die Idee finde ich insofern verünftig, als dass so eine hohe Grundlast erreicht wird, die für einen wirtschafltichen Betrieb erforderlich ist.

    Ansonsten finde ich es auch sinnvoll die Häuser z.B. mit einem Kaminofen mit Feinstaubfilter zu erweitern. So hat man die angenehme Wärme des Ofens und verpestet nicht die Umwelt.

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