Frühling-Sonnenuntergang Nahe Snowden Wales, Quelle: Pixabay Der Ausbau der deutschen Stromnetze war am 15.04.2013 Gegenstand einer öffentlichen Anhörung des Bundestags-Ausschusses für Wirtschaft und Technologie mit elf Sachverständigen. Die Übertragungsnetzbetreiber begrüßten dabei den von der Bundesregierung vorgelegten Entwurf eines Zweiten Gesetzes über Maßnahmen zur Beschleunigung des Netzausbaus Elektrizitätsnetze (17/12638). Grundsätzliche Kritik übte dagegen der Wirtschaftswissenschaftler Lorenz Jarass in der Anhörung: Der Gesetzentwurf und die Netzausbauplanung seien überdimensioniert, die Planung berücksichtige zudem nicht die Kosten des Leitungsausbaus – der müsse von den Verbrauchern bezahlt werden, behindere dadurch die weitere Reduzierung von CO2 und bedrohe die gesellschaftliche Akzeptanz der Energiewende insgesamt. weiterlesen ›
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Wer kennt seinen Strommix aus der Steckdose?
Wir können ein Vertrag mit einem Anbieter von Ökostrom abschliessen, dann wissen wir – je nach Angebot – dass die Menge Strom, die wir verbrauchen, zur gleichen Zeit mit regenerativen Energien erzeugt wird. Aber der Strom, der an unserer Steckdose ankommt, wird aus dem einem großen Stromsee geliefert und hängt ab von Erzeugungskapazitäten in der Nähe, die gerade Strom erzeugen. Der Strom aus unserer Steckdose ist also recht anonym, wir wissen nicht wo er wirklich herkommt. Was wir bisher sagen konnten, war nur die stündliche Zusammensetzung des gesamten Strommixes in Deutschland entsprechend der Daten von der Leipziger Strombörse oder seit kurzem auch bei der Website der Agora Energiewende. Aber was aus der Steckdose kommt, ist nicht grün und auch nicht gelb, eher grau. Der individuelle Strommix aus der Steckdose hängt ab von der Entfernung zu Kraftwerken, Windräder und PV-Anlagen. Hinzu kommt die schwankende Verfügbarkeit der einzelnen Stromerzeuger. weiterlesen ›
Intelligente Stromversorgung kann auch einfach erklärt werden
Weitere Stimmen zu den Plänen zum Ausbau der Stromnetze
Wenn man nach der aktuellen öffentlichen Diskussion um die Energiewende geht, ist der Ausbau der Übertragungsnetze momentan die vordringlichste Aufgabe der Energiewende. Die Übertragungsnetze sind jedoch nur ein Teil der Stromversorgung, auch die Verteilnetze gehören dazu, doch von diesen ist kaum die Rede. Der Ausbau der Übertragungsnetze ist vor allem wichtig, um den Strom der Windenergie aus dem Norden in den energiehungrigen Süden Deutschlands zu transportieren, was den Verband Eurosolar zur Kritik veranlasst, dass die zentralen Strukturen gefestigt werden.
Für Stephan Kohler von der deutschen Energie-Agentur dena ist der Netzentwicklungsplan hingegen auf dem richtigen Weg: „Der Netzentwicklungsplan ist eine gute Grundlage für den Netzausbau. Er bestätigt die Ergebnisse der dena-Netzstudie und geht sogar noch darüber hinaus, weil der Ausbau der erneuerbaren Energien Jahr für Jahr die Erwartungen übertrifft. Jetzt kommt es darauf an, den Netzausbau zügig voranzutreiben und vor allem den Ausbau der erneuerbaren Energien daran anzupassen.“
Netzentwicklungsplan soll zentralistische Strukturen konservieren
Guter Kommentar von Eurosolar zum Netzentwicklungsplan, der in keiner Weise die neue dezentrale Ausrichtung der erneuerbaren Energien berücksichtigt. Kann man den Netzausbau überhaupt für sich betrachten, ohne andere Lösungen einzubeziehen? Eine breite Diskussion und eine große Bürgerbeteiligung ist aber in jedem Fall wichtig für eine hohe Akzeptanz neuer Stromleitungen.
Die deutsche Bundesregierung, die Bundesnetzagentur und die Übertragungsnetzbetreiber suggerieren den deutschen Bürgern, dass der Bau von 4.000 km neuen Stromtrassen eine unausweichliche Notwendigkeit sei, ohne die die Energiewende nicht zu realisieren ist. Doch dem ist nicht so.
Was als unvermeidbar dargestellt wird, ist in Wirklichkeit eine ganz bewusste Entscheidung, genau diejenigen Versorgungs- und Machtstrukturen zu bewahren und sogar auszubauen, die durch den dezentralen Ausbau der Erneuerbaren Energien in den vergangenen Jahren zurückgedrängt worden sind. Aber schon der Szenariorahmen für den Netzentwicklungsplan im vergangenen Jahr war ganz auf zentralistische Strukturen ausgerichtet. Es ist sehr bedauerlich, dass schon damals berechtigte Kritik nicht aufgenommen wurde und reale Entwicklungen beim Ausbau der Erneuerbaren Energien einfach übersehen wurden.
Aufruf zur Bürgerbeteiligung beim Ausbau der Stromnetze
In einem der vorigen Beiträge hatte ich schon thematisiert, wie man mit netzstabilisierenden Solarkraftwerken den Bedarf an neuen Stromnetzen verringern kann. Es bleibt aber noch genug an notwendigen Stromnetzen übrig, nun sind die Bürger – wir alle – aufgerufen die vorgelegten Pläne kritisch zu prüfen.
Der von den vier Übertragungsnetzbetreibern im Auftrag des Gesetzgebers vorgestellte Entwurf eines Netzentwicklungsplans (NEP) zum Um- und Ausbau der Stromnetze ist ein wichtiger Baustein zur Umsetzung der Energiewende. In der nun bis zum 10. Juli laufenden Konsultationsphase sollte der Plan von möglichst vielen betroffenen Bürgerinnen und Bürgern, von Experten und Verbänden einer kritischen Überprüfung unterzogen werden. Dazu hat die Deutsche Umwelthilfe e. V. (DUH) aufgerufen und daran erinnert, dass zahlreiche Elemente einer besseren Bürgerbeteiligung beim Um- und Ausbau der Stromnetze zurückgehen auf gemeinsame Vorschläge von Bürgerinitiativen, Übertragungsnetzbetreibern, Experten und Verbänden, die diese im Rahmen des DUH-Projekts “Forum Netzintegration Erneuerbare Energien” der Politik unterbreitet haben.
In der zeitgleich mit dem Netzentwicklungsplan von der DUH veröffentlichten Bilanz der Ende 2010 dem Wirtschafts- und dem Umweltministerium übergebenen Handlungsempfehlungen – der so genannte “Plan N” – sind die Fortschritte, aber auch die unvollendeten Baustellen bei der Erneuerung des Rechtsrahmens für den Stromnetzausbau im Einzelnen aufgeführt.