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Eurosolar-Vorschlag: Neue Energiemarktordnung für die dezentrale Energiewende – Teil 2

Gastbeitrag von Eurosolar, Autoren: Dr. Axel Berg, Stephan Grüger, Rosa Hemmers, Dr. Fabio Longo Fortsetzung vom Teil 1: Altes Energiemarktdesign fürs fossil-atomare Oligopol Neue Energiemarktordnung der Zukunft Wir befinden uns in einer grundlegenden Transformation des Energiesystems. Es kommt jetzt darauf an, dass die energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen so fortentwickelt werden, dass der erfolgreich eingeschlagene Weg der dezentralen Energiewende weitergeführt werden kann. Zentrale Eckpunkte einer neuen Energiemarktordnung der Zukunft müssen aus unserer Sicht sein: 1. Fortsetzung der erfolgreichen dezentralen Energiewende mit dem Ausbau Erneuerbarer Energien Das EEG ist zum Kernelement einer neuen Energiemarktordnung weiter zu entwickeln, in deren Zentrum eine dezentrale erneuerbare Energieversorgung steht. Mit den Grundprinzipien des EEG (feste Vergütungssätze, Einspeisevorrang und Planungssicherheit) kann das regionale Potenzial an Erneuerbaren Energien am effektivsten und kostengünstigsten erschlossen werden, denn sie gewährleisten die notwendige Investitionssicherheit als Voraussetzung für echten Wettbewerb im Strommarkt und Wertschöpfung in den Regionen. Energiewende bedeutet Ausbau Erneuerbarer Energien und schrittweiser Ausstieg aus fossil-atomaren Kraftwerken. Das ist eigentlich ganz simpel. Statt daher über die Dynamik beim Ausbau der Erneuerbaren zu klagen, deren Zubau noch lange nicht ausreicht, um die Energieversorgung sicherzustellen, sollte der Bund die Ausbauziele der Bundesländer zum Maßstab machen, d. h. das angepeilte Ziel im Stromsektor bis 2020 von 35 auf mindestens 50 Prozent erhöhen, und die energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen hieran ausrichten. Die Kostensenkung bei der Photovoltaik von über 50 Cent teurem Strom je Kilowattstunde zu heute 10-15 Cent günstigem Strom steht beispielhaft für die Innovationskraft des EEG. weiterlesen ›

Eurosolar-Vorschlag: Neue Energiemarktordnung für die dezentrale Energiewende – Teil 1

Gruenspar.de

Gastbeitrag von Eurosolar, Autoren: Dr. Axel Berg, Stephan Grüger, Rosa Hemmers, Dr. Fabio Longo Die Energiewende ist für die Städte, Gemeinden, Regionen und ihre Bürgerinnen und Bürger die größte wirtschaftliche und soziale Zukunftschance unserer Zeit. Im Jahr 2011 haben die Regionen in Deutschland 8,9 Milliarden Euro an Wertschöpfung mit Erneuerbaren Energien erzielt. Immer mehr Stadtwerke und kommunale Regionalversorger wollen die dezentrale Energiewende gemeinsam mit den Bürgern vor Ort und Partnern in Mittelstand, Handwerk und Bürger-Energiegesellschaften gestalten. Bei dem weiteren Aufbau einer dezentralen Energieversorgung, zunehmend auf der Basis heimischer erneuerbarer Energieträger und Kraftwerke, kommt den Stadtwerken eine Schlüsselrolle zu. Energieerzeugung und Verbrauch rücken näher zusammen. Das Zeitalter der einseitig auf wenigen Großkraftwerken basierenden zentral organisierten Stromversorgung neigt sich dem Ende zu. Strom wird nicht mehr nur von Großkraftwerken über lange Leitungen zum Verbraucher transportiert. Mit der zunehmenden dezentralen Stromproduktion durch Mittelstand, Privatpersonen, Landwirtschaft sowie der Kommunalwirtschaft gewinnen auch die Verteilnetze der Stadtwerke und Regionalversorger immer mehr an Bedeutung. Altes Energiemarktdesign fürs fossil-atomare Oligopol Die dezentrale Energiewende findet seit Einführung des Stromeinspeisungsgesetzes (1990) und beschleunigt durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG 2000) seit über zwei Jahrzehnten statt. Die Politik hat aber die gesamten energiewirtschaftlichen und -rechtlichen Rahmenbedingungen nie auf diese Entwicklung ausgerichtet, sondern das übrige „Energiemarktdesign“, maßgeblich geregelt im Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) und darauf fußenden Rechtsverordnungen, bis auf wenige Ausnahmen in der Vorstellungswelt eines überkommenen, von zentralen Großerzeugern dominierten Energiesystems belassen. Es ist dringend an der Zeit, die Rahmenbedingungen für die Energiewirtschaft an die tatsächliche Entwicklung anzupassen. weiterlesen ›

Neuer Vorschlag zur Planung von robusten Übertragungsnetzen

Exemplarischer Ausbau des Übertragungsnetzes bis 2033, Grafik: Agora Energiewende

Exemplarischer Ausbau des Übertragungsnetzes bis 2033, Grafik: Agora Energiewende

Ein prinzipieller Ausbau der Stromnetze ist relativ wenig umstritten, es geht nur um das Maß und die Annahmen, die dafür getroffen wurden. Das Stromnetz muss so dimensioniert werden, dass es möglichst stabil und möglichst kostengünstig ist. Da liegen meist die strittigen Punkte.

Die Agora Energiewende hat dazu gemeinsam mit dem Beratungsunternehmen BET einen Methodenvorschlag vorgestellt, mit dem das bislang angewandte Verfahren zur Planung der Stromübertragungsnetze weiter verbessert werden kann. Damit soll ein robusteres Stromnetz erzielt werden, das auch zu einem kostengünstigen Netzausbau führt.

Maßnahmen zur Minimierung des Netzausbaubedarfs

Der Vorschlag geht von der Prämisse aus, dass die Planer der Stromnetze nicht genau wissen können, welchen Transportbedarf für Strom es in einigen Jahren geben wird, gleichzeitig aber das Netz den dann anfallenden Transportbedarf bewältigen muss. Der Methodenvorschlag berücksichtigt für die Netzplanung daher mehrere wahrscheinliche Varianten technischer, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Szenarien. Gleichzeitig bezieht das Verfahren wirtschaftlich vernünftige Maßnahmen zur Minimierung des Netzausbaubedarfs mit ein. So werden zum Beispiel Einspeisespitzen abgeregelt, ein Lastmanagement findet statt und neue Kraftwerke werden gezielt an den für das Netz richtigen Standorten errichtet. Seine Funktionsfähigkeit hat das Verfahren in einem Test unter Beweis gestellt, aus dem ein exemplarischer Netzplan hervorgegangen ist. weiterlesen ›

Stromüberschüsse erfordern eine Flexibilisierung des Stromsystems

Wind- und Solarenergie im Stromnetz

Wind- und Solarenergie im Stromnetz, Foto: Andreas Kühl

Es wird derzeit viel diskutiert darüber, dass wir jetzt schon zu viel Solar- und Windstrom im Stromnetz haben. Wir belasten damit das Netz und die Beziehungen zu unseren europäischen Nachbarn, die unter unserem billigen Strom leiden, der in anderen Diskussionen wieder zu teuer ist. Merkwürdig daran ist, dass wir auch viel Strom aus Kohlekraftwerken im Netz haben und diese nicht flexibel an die aktuelle Menge an Strom aus Wind- und Solarenergie angepasst werden.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat sich heute in einer Pressemeldung zu den Stromüberschüssen aus erneuerbaren Energien geäußert. Auf das Thema der Stromüberschüsse aus Kohlekraftwerken wird dabei auch eingegangen, denn warum soll man bei überschüssiger Energie nur Photovoltaik- und Windenergieanlagen abschalten und nicht Kohlekraftwerke? Aus klimapolitischer Sicht wäre dies sehr problematisch.

Stromüberschüsse aus Wind- und Solarkraft sind ein lösbares Problem

Für das DIW sind temporäre Stromüberschüsse auch bei stark steigenden Anteilen erneuerbarer Energien ein lösbares Problem. Durch eine Flexibilisierung des Stromsystems könnte die Überschusserzeugung stark vermindert werden. Während die verbleibenden Überschüsse teilweise durch zusätzliche Stromspeicher aufgenommen werden könnten, sollte für die höchsten Produktionsspitzen erneuerbarer Energien die Möglichkeit zur Abregelung erhalten bleiben, so das Ergebnis der umfangreichen Untersuchung des DIW-Energieexperten Wolf-Peter Schill. „In einem flexiblen System müssten im Jahr 2032 weniger als zwei Prozent der möglichen jährlichen Stromerzeugung aus Sonnen- und Windkraft abgeregelt werden.“ Davon unabhängig werde die Bedeutung von Stromspeichern in einem immer mehr auf erneuerbaren Energien beruhenden System steigen. weiterlesen ›

Was sagen uns wetterbedingte Stromüberschüsse? Die vorhandenen Ausgleiche müssen zügig durchgesetzt, gebaut und belohnt werden.

In den vergangenen Tagen wurde von überschüssigem Strom berichtet, der über die Bundesgrenzen geleitet werden musste. Das IWR hat errechnet, dass am frühen Nachmittag des 16. Juni erstmals über 60 Prozent der gesamten Stromerzeugung von Wind- und Sonnenenergie bestritten wurden. In der Mittagshitze kamen gut zwei Drittel von Solaranlagen. Ebenso können bei starken Winden Überschüsse entstehen, die ausgeglichen werden müssen, um das Netz stabil zu halten. Da diese Schwankungen auch die Nachbarstaaten tangieren, ist es für den europäischen Verbund wichtig, bereits vor Ort möglichst viel auszugleichen – dezentral. An der Pariser Börse hat man in diesem heißen Moment für den Stromverbrauch Geld erhalten – wenn wir nur in diesen Momenten ausreichend speichern könnten! Der Ausgleich dieser Schwankungen ist eine der größten Herausforderungen in der Energiewende. In meinen Recherchen für diesen Gastartikel zeigte sich, dass Andreas Kühl hier bereits ein halbes Kompendium zum Thema geschrieben hat. Ergänzend dazu beschreibe ich heute eine passende Studie vom Bundesverband Erneuerbare Energien, in welcher ausreichende technische Ausgleichsmöglichkeiten festgestellt worden sind – es muss nur gemacht werden. weiterlesen ›

Diskussionsbeitrag zur Kritik am Netzausbauplan der Bundesregierung

Stromleitungen

Frühling-Sonnenuntergang Nahe Snowden Wales, Quelle: Pixabay

Der Ausbau der deutschen Stromnetze war am 15.04.2013 Gegenstand einer öffentlichen Anhörung des Bundestags-Ausschusses für Wirtschaft und Technologie mit elf Sachverständigen. Die Übertragungsnetzbetreiber begrüßten dabei den von der Bundesregierung vorgelegten Entwurf eines Zweiten Gesetzes über Maßnahmen zur Beschleunigung des Netzausbaus Elektrizitätsnetze (17/12638).

Grundsätzliche Kritik übte dagegen der Wirtschaftswissenschaftler Lorenz Jarass in der Anhörung: Der Gesetzentwurf und die Netzausbauplanung seien überdimensioniert, die Planung berücksichtige zudem nicht die Kosten des Leitungsausbaus – der müsse von den Verbrauchern bezahlt werden, behindere dadurch die weitere Reduzierung von CO2 und bedrohe die gesellschaftliche Akzeptanz der Energiewende insgesamt.

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