Tag: hermann scheer

Bewegende Gedenkfeier für Hermann Scheer am 1. November in Berlin

Gastbeitrag, mit freundliche Genehmigung und Unterstützung von Steffen Walter: (Original im Utopia-Blog) Am vergangenen Montag fand im Berliner Museum für Kommunikation die Gedenkfeier für den Vorkämpfer und Vordenker in Sachen Erneuerbare Energien statt. Ja, der so plötzliche Tod von Hermann Scheer am 14. Oktober und der Verlust schmerzt immer noch tief, und noch ist mein Eindruck von der bewegenden Abschiedsfeier „frisch“: Mehrere hundert Freunde und Mitstreiter kamen am vergangenen Montag ins Berliner Museum für Kommunikation, um dem Visionär und Vorkämpfer für die Energiewende zu gedenken, darunter nahezu das gesamte Spektrum linker Politik in Deutschland – von Renate Künast über Frank-Walter Steinmeier bis zu Gregor Gysi – und zahlreiche Vertreter der Erneuerbare-Energien-Branche. Man kann gar nicht ermessen, was dieser Mann in den vergangenen 20 Jahren gegen alle Widerstände ins Werk gesetzt hat: von der Gründung von Eurosolar über sein Konzept der solaren Weltwirtschaft bis zur Internationalen Agentur für Erneuerbare Energien (IRENA), vom Erneuerbare-Energien-Gesetz bis zur größte Beachtung verdienenden Vision der „Energieallee A 7“. So können wir heute sagen: Ja, 100 % Erneuerbar ist möglich und in absehbarer Zeit zu realisieren – gegen alle Verzögerungstaktik und Obstruktionspolitik, die gerade jetzt von der rückwärtsgewandten, atomlobbyhörigen schwarz-gelben Koalition praktiziert wird. Franz Alt verwies in seiner Gedenkrede zu Recht auf Hermann Scheers letztes Buch „Der energethische Imperativ“, in dem er die Brücke schlägt zwischen der Energiewende, die zu einer Demokratisierung der Erzeugung führt, und einer ganzheitlichen Wirtschaftsethik jenseits gnadenloser Profitgetriebenheit. Die Bruchlinien verlaufen heute nicht mehr entlang der Parteigrenzen, sondern zwischen zukunftsfeindlicher und zukunftsfähiger Politik, die sich der Bewahrung der Schöpfung und der Erde als unserem Lebensraum verschreibt. Und aus ganz persönlicher Sicht: Ich erlebte in diesem Jahr Hermann Scheer auf Veranstaltungen zum Film „Die 4. Revolution – Energy Autonomy“ zum ersten Mal „in persona“ und war tief beeindruckt von seiner „klaren Kante“ und Authentizität. Wenn das jetzt wie eine Vergötterung klingt, dann sei’s drum – wir wissen alle, dass er „auch nur“ ein Mensch war, allerdings einer mit unbestechlichem und unverstelltem Blick fürs große Ganze. „Nichts ist so unwiderstehlich wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist.“ Dass die Zeit für die Idee der vollständigen Umstellung auf Erneuerbare Energien heute mehr als reif ist – dafür haben wir dem Wegbereiter Hermann Scheer zu danken. Ich hätte ihm sehr gewünscht, den Siegeszug der
Erneuerbaren bis zum Erreichen des Ziels 100 % zu erleben und weiter mitzugestalten. Related articles The Conventional Energy Trap: Hermann Scheer [1944-2010] (worldchanging.com) Dr Hermann Scheer Dies (renewableenergyworld.com) Hermann Scheer (1944-2010): German Lawmaker, Leading Advocate for Social Energy and “Hero for the Green Century” in One of His Final Interviews (democracynow.org) German solar advocate Hermann Scheer, “father of the feed-in-tariff”, dead at 66 (cleanbreak.ca) Member of German Parliament Hermann Scheer (Died October 14): “Governments are the puppets” of energy cartels (disquietreservations.blogspot.com) RIP Hermann Scheer (anz.theoildrum.com)

“Die 4. Revolution – Energy Autonomy” – Premiere am 16. März an traditionsreichem Ort

Gruenspar.de

Gastbeitrag von Steffen Walter (Facebook-Profil), Falkensee, zur Premiere des Films “Die 4. Revolution – Energy Autonomy” am 16.03.2010 im Kino International, Berlin. Dienstagabend im Kino International mitten in Berlin: Der Saal ist fast bis auf den letzten Platz gefüllt, die Protagonisten Hermann Scheer, Preben Maegaard und Matthias Willenbacher und das gesamte Film- und Kampagnenteam sind anwesend, gespannt erwartet das Publikum den Film … der dann auf ganzer Linie überzeugt, nicht zuletzt auch wegen der sehr guten Arbeit des Kameramanns Sorin Dragoi. Statt Untergangsszenarien wie Klimawandel, Umweltzerstörung und Endlichkeit fossiler Ressourcen breit auszumalen (die natürlich auch erwähnt werden), zeigt Regisseur Carl-A. Fechner konkrete Handlungsalternativen für jeden von uns auf. Nach dem Motto “Es ist zu spät, Pessimist zu sein – wir fangen dann schon mal an” werden wegweisende Projekte in Dänemark (das Lebenswerk von Preben Maegaard – 50000 Menschen versorgt mit Energie aus Wind und Biogas), Mali und Bangladesch (Photovoltaik) vorgestellt. Faszinierend, wie wenig vonnöten ist, um die Armut in den sogenannten “Entwicklungsländern” zu bekämpfen. Eine wesentliche Voraussetzung: dezentraler Zugang zu Strom. Exemplarisch die Bilder aus Mali: In einer Krankenstation muss sich die Hebamme bei Entbindungen nicht mehr die Taschenlampe zwischen Kopf und Schulter klemmen, sondern kann sich ganz auf die Unterstützung der Mutter bei der Geburt konzentrieren. Bewegend die Rolle der Frauen in Bangladesch: als Mikrokreditnehmerinnen von Muhammad YunusGrameen Bank und Aufbauerinnen und Instandhalterinnen der Photovoltaikanlagen. Auf pointierte Weise kontrastiert werden diese mutmachenden Beispiele mit den vorgefassten Meinungen und Denkbarrieren von vorgestern: Fatih Birol, Chefvolkswirt der Internationalen Energieagentur in Paris, hält es noch immer für unmöglich, in den nächsten Jahrzehnten aus der fossilen Versorgung auszusteigen. Der Kreis schließt sich im “Westen” mit den Themen Elektromobilität und Energieeffizienz: Wenn für das Laden der Fahrzeugbatterien Strom aus erneuerbaren Quellen zur Verfügung steht, werden fossile Emissionen vermieden, und die Wichtigkeit der energetischen Sanierung des Gebäudebestands kommt in einem Beispiel aus Pfungstadt hier bei uns in Deutschland zur Sprache. Visionär auch das hocheffiziente Energiekonzept des neuen juwi-Verwaltungsgebäudes in Wörrstadt – hier wurden alle schon heute verfügbaren technischen Register gezogen: PV-Anlagen mit Batteriespeicherung, Holzpellet-Heizungen, hocheffiziente Dämmung und elektrische Geräte usw. Fazit: Das Ziel “100 % Erneuerbar” können wir in den nächsten 20-30 Jahren erreichen – und diese Wende hat bereits begonnen. Wir müssen es nur selbst anpacken: lokal, regional, “von unten” – gegen alle politischen Verzögerungstaktiken “von oben”. Ermutigend ist hier die Karte der bereits bestehenden 100%-EE-Regionen in Deutschland: http://www.100-ee.de/index.php?id=182 – diese “Inseln der Sichtbarkeit” sind der Ausgangspunkt für den flächendeckenden Umstieg auf erneuerbare Energien.

Stärkung der Kommunen für den Ausbau Erneuerbarer Energien

Zum Beschluss des Bundesrates zur Ausweitung der Gewerbesteuerzerlegung auf Photovoltaik-Freiflächenanlagen erklärt Hermann Scheer, Präsident von EUROSOLAR e.V.:

Der Beschluss des Bundesrates, die Aufteilung der Gewerbesteuer zwischen Standortgemeinde und Sitzgemeinde des jeweiligen Unternehmens ähnlich wie bei der Windkraft im Verhältnis 70:30 aufzuteilen, entspricht der wichtigen Rolle der Kommunen beim weiteren Ausbau Erneuerbarer Energien. Mit der Ausweitung des Gewerbesteuersplittings wird ein wichtiger Anreiz geschaffen, weitere Flächen auszuweisen, sodass die Kommunen ihre Energieversorgung vollständig auf Erneuerbare Energien umstellen können. Dieser Bundesrats-Beschluss ist also vernünftig und hat nachhaltige Wirkung.

Der Bundestag muss im weiteren Gesetzgebungsverfahren die Änderungen des Bundesrates lediglich befürworten. Da sich schon die CSU-Landesgruppe bei ihrer Klausursitzung in Wildbad Kreuth für eine solche Änderung des Gewerbesteuergesetzes ausgesprochen hat, dürften von den schwarz-gelben Koalitionsfraktionen keine Widerstände zu erwarten sein. Initiativen zur Stärkung der Kommunen und der kommunalen Finanzen beim Ausbau der Erneuerbaren Energien gingen zwar in der vorigen Wahlperiode (zur Windkraft) und in der jetzigen Wahlperiode (zu Photovoltaik-Freiflächenanlagen) von der SPD-Bundestagsfraktion und vom SPD-regierten Rheinland-Pfalz aus. Allen Parteien und Fraktionen wird die Bedeutung der kommunalen Entscheidungsträger für den weiteren Ausbau Erneuerbarer Energien aber immer bewusster.

Auch wenn Solaranlagen in Zukunft ganz überwiegend auf Dächern installiert werden, bleiben Freiflächenanlagen ein Element des Ausbaus der Photovoltaik in Deutschland. Vorschläge von EUROSOLAR zu einer Solaren Innovationsstrategie für Deutschland wurden Mitte Januar präsentiert. Im Mai bietet EUROSOLAR mit der vierten Konferenz „Stadtwerke mit Erneuerbaren Energien“ in München und mit der Tagung „Neue Raumordung für Erneuerbare Energien“ in Kassel hierzu zwei vorwärtsweisende Konferenzen an. Das Innovationskonzept finden Sie hier. Näheres zu den beiden Veranstaltungen finden hier.

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Nordsee-Netzplan lenkt Ausbau der Windkraft in die falsche Richtung

Zu dem Vorschlag, ein 30-Milliarden-Hochspannungsnetz unter der Nordsee zu bauen (siehe auch Artikel Hilft neues Stromnetz in der Nordsee den erneuerbaren Energien?), erklärt Hermann Scheer, Präsident von EUROSOLAR e.V.:

Der Plan, ein Hochspanungskabelnetz durch die Nordsee zu legen, das Strom aus Offshore-Windparks und aus norwegischen Stauseen liefern soll, mag auf den ersten Blick faszinierend aussehen, ist aber als Gesamtplan auf den zweiten Blick irreführend. Denn dahinter steckt unverkennbar die Absicht, den weiteren Ausbau der Windkraft in erster Linie auf Offshore-Anlagen und damit in die Hände der Energiekonzerne zu lenken. Damit würde dem wünschenswerten Ausbau dezentraler Stromerzeugung in vielen Händen – von Stadtwerken und von privaten Betreibern – der Weg verstellt. Diese dezentrale Erzeugung ist auch für die Windkraft die volkswirtschaftlich attraktivere und betriebswirtschaftlich preiswertere Alternative.

Es ist auffällig: Immer wenn milliardenschwere Megavorhaben angekündigt werden, gibt es große öffentliche Aufmerksamkeit. So war es bei der weit überschätzten Wüstenstromidee Desertec, und so ist es jetzt bei der North Seas Countries’ Offshore Grid Initiative. Dass es hierfür eine breite Zustimmung von Regierungen bis zu Greenpeace gibt, ist kein Ausweis für die Güte des Planspiels. weiterlesen ›

Blog erinnert an Wahlaussagen zur Vollversorgung mit erneuerbaren Energien

Man muss Politiker natürlich an ihre Aussagen erinnern und daran messen können. Hermann Scheer (Wikipedia-Artikel), der im Landtwagswahlkampf von Hessen für den Umweltbereich verantwortlich war, ist einer, der sich stark für die erneuerbaren Energien einsetzt – schon seit vielen Jahren. Der Blog von Technology Review erinnert jetzt daran mit Ausschnitten aus einem Interview von 2005. Noch ist ja offen, ob er nicht wirklich Minister für Wirtschaft und Umwelt wird.

Der Beitrag hat eine heiße Diskussion entfacht, dass Berechnungen und Annahmen falsch sind und das eine Vollversorgung mit erneuerbaren Energien gar nicht möglich ist. Wie in vielen anderen Foren gibt es viele “Experten”, die alles besser wissen – wäre interessant zu wissen woher sie ihr wissen haben. Denn Quellen werden nie angegeben, vielleicht sind sie ja beim Energieversorger angestellt.