Energiewende Startups

In Perth baut Power Ledger Energiemarkt der Zukunft mit Blockchain-Plattform

Power Ledger Perth Energiemarkt
Blockchain-Plattform von Power Ledger ermöglicht Peer-to-Peer Handel von Solarstrom, Foto: pixabay, typographyimages
Power Ledger Perth Energiemarkt
Blockchain-Plattform von Power Ledger ermöglicht Peer-to-Peer Handel von Solarstrom, Foto: pixabay, typographyimages

Die westaustralische Stadt Perth könnte in einigen Jahren komplett mit Strom versorgt werden, der vor Ort von den Bürgern erzeugt wird. Das ist die Vision des australischen Start-ups Power Ledger, die diese Ende Juli verkündet hatten. Mit ihrer Blockchain Plattform wollen sie den Handel zwischen Stromerzeugern und Verbrauchern ermöglichen. Nicht selbst benötigter Strom aus der Photovoltaik-Anlage soll leicht und sicher an andere verkauft werden können, die gerade Bedarf haben. Klingt nach der ersten Realisierung eines wahr gewordenen Traum der Energiewende mit 100 Prozent erneuerbaren Energie und Stromerzeugung in der Hand der Bürger. Was steckt dahinter und kann das wirklich klappen?

Die Stadt Perth ist ein Ort mit viel Sonne

Die Stadt Perth liegt an der Westküste von Australien fast ganz im Süden. Der Großraum Perth, die Metropolitan Area Perth, hat fast zwei Millionen Einwohner. Adelaide ist die nächste größere Stadt, liegt aber über zweitausen Kilometer entfernt.

Das Besondere an Perth aber sind die klimatischen Bedingungen. Die Sonne scheint, laut Wikipedia, beinahe täglich zwischen zehn und vierzehn Stunden. Im Jahresmittel beträgt die tägliche Sonnenscheindauer 8,8 Stunden. Daher kommt auch die Bezeichnung der Aboriginies für die Stadt, die frei übersetzt „Ort mit viel Sonne“ bedeuten soll.

Solarstrom in Perth

Diese Bedingungen mit der hohen Sonneneinstrahlung sind optimal für die Nutzung der Solarenergie. Daher ist bereits auf rund 20 Prozent der Häuser in Perth eine PV-Anlage installiert. Im ganzen Bundesstaat West-Australien sind Solaranlagen sogar auf rund 25 Prozent der Häuser (725 MW installierte Leistung) installiert laut Angaben des Australian PV Institute.

Förderung für PV-Anlagen gibt es in Australien vom Staat beim Kauf der Anlage. Durch die angestiegenen Strompreise liegt der Fokus für die Australier auf dem Eigenverbrauch des erzeugten Stroms. Zusätzlich gibt es aber auch eine Einspeisevergütung für den nicht benötigten Strom. Diese ist abhängig von dem jeweiligen Energieversorger und lag im vergangenen Jahr bei 7,135 ct. pro kWh für Kunden von Synergy. Nach Angaben des dortigen Installations-Unternehmens Energy Matters kann man in Perth damit auf eine stolze Rendite von 18,8 Prozent kommen.

Power Ledger und die Vision

Bell Tower Perth
Bell Tower in Perth, Foto: pixabay/ alexandersr

Das Start-up aus Perth möchte diese guten Bedingungen ausnutzen für die Vision der Stromversorgung aus der Gemeinschaft der Bürger und Unternehmen für die gesamte Stadt. Grundlage wird die Blockchain Plattform von Power Ledger auf der nicht benötigter Strom verkauft werden kann und zusätzlicher Bedarf wiederum gedeckt werden kann. Interessant wird dies natürlich nur, wenn der erzielte Preis höher ist, als der den der örtliche Energieversorger für die Einspeisung anbietet.

Die Blockchain Plattform ermöglicht einen sicheren, transparenten und vertrauenswürdigen Energiehandel zwischen kleinen Stromerzeugern und Verbrauchern ohne Zwischenhändler. Power Ledger ist davon überzeugt, dass dieser Marktplatz den Ausbau der Photovoltaik in Perth beschleunigen wird. Ein zusätzlicher Schub wird durch fallende Preise auf dem Markt der Energiespeicher erwartet.

Damit gibt es in Zukunft eine neue Möglichkeit etwas einfach mit anderen Menschen zu teilen, so wie man freien Wohnraum bei AirBnB teilen und sein Auto mittlerweile auf zahlreichen Plattformen in nicht genutzten Zeiten teilen kann.

Blockchain von Power Ledger

Nein, jetzt kommt leider keine Erklärung der Blockchain. Ich versuche es selbst zu verstehen, was Power Ledger derzeit macht. Seit gestern konnten jedenfalls die sogenannten Tokens in einem ICO erworben werden. Dieses ICO ist eine Art Börsengang, bei dem die Token erworben werden können. Und diese Token sind die Voraussetzung um an dem Handel in der Blockchain teilnehmen zu können. Sie sind die Währung auf der Plattform. Eine relativ gute Erklärung von ICO und Token findet sich bei t3n. Empfehlenswert ist aber auch ein kritischerer Artikel im BitcoinBlog über ICO.

In diesem ICO ging es um die POWR Tokens, die später den Zugang und die Nutzung der Plattform ermöglichen. Ob aber diejenigen, die jetzt Token gekauft haben, sich wirklich am Handel beteiligen wollen, bezweifel ich sehr. Es geht den meisten dabei eher um eine Investition mit der Erwartung, dass sich der Wert steigert. Ich weiß auch nicht, ob der Wunsch sich am Handel zu beteiligen, nötig wäre.

Die SPARKZ Token werden hingegen über ein Ethereum Smart-Contract ausgeben um die Kunden an Bord der Plattform zu holen, als diejenigen, die sie nutzen sollen.

Aktuell geht es jedoch noch um den Verkauf der POWR Tokens.

Erfolgreicher Test des Stromhandels über die Blockchain

Als die interessierte Öffentlichkeit sich noch mit dem bekanntesten Blockchain Test in der Energiewirtschaft beschäftigt hatte, lief in Australien ein weiterer Test. Rund 20 Bewohner einer Siedlung sollten ihren Solarstrom untereinander via Blockchain verkaufen können. Weitere Infos zu diesem Versuch gab es bei Heise und bízz-energy. Erfahrungen aus dem Versuch konnte ich allerdings nicht finden.

Wird der neue Energiemarkt Blockchain basiert?

Der Energiemarkt, und damit meine ich den Strommarkt, verändert sich deutlich. Bisher ist es jedoch noch so, dass Prosumer in ein zentrales Stromnetz einspeisen und dieses bei Bedarf für den Strombezug nutzen. Neue Angebote, wie die Strom-Community oder Strom-Flatrate, zeigen wie deutlich sich der Markt ändert. Der dezentrale Handel über die Blockchain könnte noch viel mehr verändern, die Bedeutung der Prosumer stärken und zu einer wirklich dezentralen Energieversorgung führen.

Könnte, denn es sind noch Fragen offen, wie der Energieverbrauch der Rechner, die langen Transaktionszeiten bei größeren Umfängen und rechtliche bzw. regulatorische Vorgaben. Es wird daher noch ein paar Jahre dauern, bis der Markt über Blockchain automatisiert abgewickelt werden kann. Ich werde die Entwicklung aber weiter beobachten.

Wie seht Ihr diese Entwicklung? Ist der Handel über die Blockchain die Zukuft des Energiemarktes?

Über den Autor

Andreas Kühl

Energieblogger aus Leidenschaft mit großem Faible für effiziente Energienutzung im Strom- und Wärmebereich. Diie kostenlos zur Verfügung stehende Energie der Sonne und vom Wind sind für mich faszinierend und Herausforderung zugleich.
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