Verbände und Institute aus Österreich fordern Klimaschutz-Strategie für Gebäudesektor [Teil 1]

Klimaschutz Gebäudesektor Österreich
Road to Zero – Klöimaschutz für Gebäudesektor in Österreich, Grafik: Passivhaus Austria

Das Ende der Klimakonferenz in Paris mit dem neuen weltweiten Klimaschutz-Abkommen ist keine zehn Tage her und schon ist kaum noch die Rede von Klimaschutz. Aktuell stehen natürlich drängendere Probleme auf der Tagesordnung. Doch nach dem überraschend ambitionierten Abkommen fängt die eigentliche Arbeit erst an. Um den Anstieg der globalen Erwärmung so schnell wie möglich zu begrenzen dürfen wir uns nicht alleine auf die Stromerzeugung mit erneuerbaren Energien beschränken. So muss der Gebäudesektor eine deutlich stärkere Rolle spielen in der nachhaltigen Energieversorgung.

In der vergangenen Woche haben Umwelt-, Energie- und Passivhaus-Verbände aus Österreich eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht mit dem Titel „Road to ZERO by 2050 – Der <1,5°C Pfad für den Gebäudesektor“. Das Ziel lautet den Raumwärmeverbrauch um mindestens 30 % bis 2030 und 50 % bis 2050 zu reduzieren, damit es gelingt, den vollständigen Umstieg auf erneuerbare Energie zu schaffen.

„Die Politik darf es nach dem Abschluss eines Klimaschutzabkommens nicht bei schönen Worten bleiben lassen, sondern muss jetzt Taten setzen. Bis spätestens 2050 muss der Umstieg auf 100 % erneuerbare Energie gelingen, dazu ist es notwendig, den gesamten Gebäudebestand thermisch zu sanieren. Wir müssen jetzt die Anstrengungen drastisch erhöhen, mehr Fördermittel bereitstellen und sicherstellen, dass Öl- und Gasheizungen bei Neubauten in Zukunft nicht mehr zur Anwendung kommen,“ so Johannes Wahlmüller, Klimasprecher von GLOBAL 2000.

Aus für umweltschädliche Subventionen

„Die österreichische Politik ist jetzt gefordert, dem Klimaschutz in einer ökologischen Steuerreform Ausdruck zu verleihen. Das Ziel, die globale Erwärmung bei 1,5°C einzudämmen, kann nur erreicht werden, wenn neben der Förderung erneuerbarer Energien endlich umweltschädliche Subventionen beseitigt werden,“ meint Bernhard Zlanabitnig, Leiter des EU-Umweltbüros im Umweltdachverband.

„Darüber hinaus müssen Energie-Effizienzmaßnahmen auch im Gebäudebereich deutlich gesteigert werden. Bestehende Potenziale werden derzeit nicht ausgeschöpft.“

Andere europäische Metropolen zeigen, wie es gehen kann: so gilt seit 1.1.2015 in ganz Brüssel das Passivhaus als Mindeststandard nach Bauordnung – vollkommen unabhängig welche Gebäudenutzung.

Trotz fortschreitendem Klimawandel werden hierzulande keine wirkungsvollen steuerrechtlichen Maßnahmen zur Reduktion des CO2-Ausstoßes gesetzt.

„Die Einführung einer CO2-Steuer hätte sowohl lenkende Wirkung als auch positive Auswirkungen auf den Staatshaushalt, deren Mehreinnahmen direkt in einen Fonds zur Forschung und Förderung innovativer Energieerzeugungs- und Energiespeicherformen fließen könnten. Nach den Ergebnissen in Paris muss Österreich endlich spürbare Maßnahmen in Richtung Entkarbonisierung setzen, das Fiskalsystem entrümpeln und umweltschädliche Subventionen im Sinne einer klimagerechten Zukunft mittels einer ökologischen Steuerreform abschaffen,“ meint der Vertreter des Umweltdachverbands.

Wie wichtig Energieeffizienz ist, zeigt der neueste Bericht des JRC (Joint Research Centre der Europäischen Kommission) über die Wechselwirkung von Versorgungssicherheit und den Zielen der Europäischen Energieunion: So ist Österreichs negative Außenhandelsbilanz allein durch Energieimport, allen voran Öl und Gas, verschuldet

Für Deutschland heißt das, dass wir die Diskussion um die Förderung von Heizungen mit fossilen Energieträgern führen müssen. Ist es wirklich zielführend, wenn wir Öl- und Gas-Heizungen heute noch fördern oder ist dies nicht eine Benachteiligung von Heizungen mit erneuerbaren Energien?

Höhere Sanierungsraten mit besserer Qualität ein Muss für den Bestand

Auch Robert Lechner, Leiter des Österreichischen Ökologie-Instituts und Vorsitzender der Österreichischen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen ÖGNB, vertritt diese Zielrichtung. Lechner benennt die österreichweit sofort anwendbaren Qualitätskriterien von klima:aktiv als notwendigen neuen Mindeststandard für die Bauordnung. Bei Fördermodellen muss sofort ambitionierter gedacht werden:

„Im Neubau erfüllen hocheffiziente Gebäude in Passivhaus-Qualität bereits jetzt die Anforderungen für eine 40%ige Reduktion der CO2-Emissionen im Jahr 2030. Auch dafür wird das Passivhaus unverzichtbar sein.“

Aus der Sicht des ÖGNB-Vorsitzenden können erneuerbare Energieträger unter Wahrung von Naturschutzaspekten nur dann zur CO2-Neutralität oder gar positiven Energiebilanzen beitragen, wenn Gebäudehülle und sämtliche Verbraucher extrem optimiert werden. Beim Bestand muss es gelingen, sowohl die Sanierungsrate zu erhöhen, als auch die Qualität zu verbessern.

„Nur wenn hohe Einsparungen erreicht werden, dürfen öffentliche Mittel vergeben werden. Wir wissen aus zahlreichen Projekten, dass Einsparungen von 75 Prozent relativ leicht erreichbar sind.“

Vom Bund, den Ländern und Gemeinden wird Vorbildwirkung verlangt:

„Die öffentliche Beschaffung muss der wichtigste Impulsgeber für die Bauwirtschaft sein. Und zwar sowohl im Neubau als in der Sanierung!“

Auch hier wurden durch das Umweltministerium bereits im „Aktionsplan Nachhaltige Beschaffung“ die wichtigsten Grundlagen geschaffen. Es kann nicht länger angehen, dass derartige Instrumente oft nur Empfehlungscharakter haben und somit selten genug verwendet werden. Notwendig ist eine Bauoffensive, die die österreichische Wirtschaft kräftig ankurbeln soll.

„Je später hier investiert wird, desto teurer werden die Kosten dafür sein. Wir können uns heute aussuchen, ob wir in die Qualität unserer Bauwerke investieren und damit Klimaschutz vorantreiben oder ob wir lieber morgen die Kosten für ein Fortschreiten des Versagens tragen wollen.“

Ein Maßnahmenkatalog der ÖGNB empfiehlt auch die gezielte Siedlungsentwicklung zur Reduktion der CO2-Emissionen im Verkehrsbereich, die Zweckbindung der Wohnbauförderung, das Verbot der Förderung von fossilen Energieträgern und Neuausrichtung der Pendlerförderung.

Wir müssen in Deutschland die Diskussion um die Förderung der Gebäudesanierung über Steuererleichterungen wieder führen. Aber wir müssen auch Lösungen für die Sanierung von Mehrfamilienhäusern in einem engen Wohnungsmarkt suchen. Dazu ist es wichtig die Eigentümer und Mieter einzubinden, um voran zu kommen.

Über Andreas Kühl

Energieblogger aus Leidenschaft mit großem Faible für effiziente Energienutzung im Strom- und Wärmebereich. Diie kostenlos zur Verfügung stehende Energie der Sonne und vom Wind sind für mich faszinierend und Herausforderung zugleich. Sie suchen für Ihre Informationsseiten oder Ihren Blog immer wieder nach neuen, interessanten Inhalten? Oder Sie wollen Ihre Online-Kommunikation analysieren lassen? Informationen zum Leistungsangebot von Andreas Kühl finden Sie unter energynet.de/leistungen.

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