Läuft eine Kampagne gegen Gebäudesanierung mit Ziel der Verunsicherung?

Sanierung
Sanierung einer Schule

Die leidige Diskussion über Wärmedämmung werden wir bestimmt so schnell nicht beenden können. Momentan scheinen sich die Medien gegenseitig zu überbieten in der Verbreitung von Angst und Schrecken. Viele Menschen springen auf diese einseitige Berichterstattung an, wie man zum Beispiel bei Facebook unter solchen Beiträgen gut erkennen kann. Vermutlich war die letzte Heizkostenabrechnung schon zu lange her.

Es mag sicher Fehlentwicklungen geben, die offen diskutiert werden sollten. Aber alle Sanierungen zu stoppen, weil es ein paar unwirtschaftliche Sanierungen gibt, ist sinnlos. Es wird aber niemand zu unwirtschaftlichen Sanierungen gezwungen, das wäre mir neu. Die vielen positiven Reaktionen auf meinen Beitrag zum blanken Populismus über Wärmedämmung vom letzten Montag bestärken mich zudem in meiner Argumentation.

Ist der NAPE der Auslöser für diese Kampagne?

Man kann fast von Volksverdumung sprechen, wenn man sich diese einseitige Berichterstattung ansieht. Eine differenzierte Betrachtung scheint für die Medien uninteressant zu sein. Es sieht schon sehr stark aus nach einer organisierten Kampagne, wenn viele Medien mit den gleichen Stichwörtern berichten und vier Jahre alte Fassadenbrände urplötzlich wieder auftauchen – so kurz bevor die Bundesregierung den Nationalen Aktionsplan Energieeffizienz beschließen möchte. Fast schon naiv, wenn man dabei an einen Zufall glaubt.

Jeden einzelnen Beitrag in den Medien zu kommentieren wäre sinnlos. Aber der aktuelle Titel im Magazin Spiegel bietet sich wieder mal dazu an. Der Spiegel hat sich schon immer hervorgetan im Kampf gegen Veränderungen in der Energiewirtschaft. Im medialen Kampf gegen Erneuerbare Energien hat sich der Spiegel besonders einseitig positioniert. Heute ist es die Gebäudesanierung – medial gleichgesetzt mit der Fassadendämmung.

Läuft eine Angst-Kampagne gegen Gebäudesanierungen?

Alles was man derzeit so liest und sieht, erweckt den Eindruck, als müsse man Angst vor dieser Zukunft haben. Manchen Lesern wird das vielleicht bekannt vorkommen, ich muss dabei jedenfalls an die immer wieder auftauchenden Warnungen vor einem Blackout als Folge der Energiewende denken. Da wird auch versucht mit Angst eine Veränderung zu verhindern.

Beim Thema Angst kann ich gleich übergehen zum Brandschutz. Dass Styropor brennt, ist keine neue Erkenntnis, Fachleute wissen das schon lange. Sicherheit ist ein ernstes Thema und es gibt schon strenge Vorschriften. Eine Angleichung der europäischen Richtlinien wäre auch mit Sicherheit sinnvoll.

Aber wenn sich vermeintliche Experten hinstellen und Styroporplatten anzünden, könnte man genauso gut den Tankinhalt eines Autos anzünden. Auch das Benzin in unseren Autos brennt, es ist sogar leichter entzündlich als Styropor. Die vielen ausgebrannten Autos, die wir eine Zeit lang in Berlin hatten, haben dies eindrücklich gezeigt. Doch dafür werden nicht die Hersteller oder die Politik verantwortlich gemacht – im Gegensatz zur Wärmedämmung.

Die Sicherheit möchte ich nicht kleinreden, aber es steht heute schon jedem Planer und Bauherren frei eine nicht-brennbare Dämmung zu wählen.

Probleme der Wärmedämmung sind lösbar

Nationaler Aktionsplan Energieeffizienz (NAPE)
War der Nationaler Aktionsplan Energieeffizienz die Zielscheibe der Kampagne?

Auch mit der Optik wird Angst erzeugt. Unsere Städte werden künftig gleich aussehen, zugepflastert mit gedämmten Häusern und kleinen Fenstern, die an Schießscharten erinnern. Ok, kann man so sagen. Dann sollte man sich aber mal neue Häuser in den Innenstädten ansehen – Büro- und Geschäftsgebäude ohne Wärmedämmung. Sehen die  so besonders aus oder gar charakteristisch für die Stadt, in der sie stehen? Geschmacksache.

Aber auch da muss man keine Angst verbreiten, es sei denn man hat etwas anderes im Sinn. Sollen die Häuser einen individuellen Charakter erhalten, finden kreative Architekten mit Sicherheit eine Lösung – Wärmedämmung ist dafür kein Hindernis, vielleicht eine Ausrede.

Das Gleiche gilt für die Schießscharten aus der Einleitung im Spiegel-Titelthema. Wenn die Fenster ausgetauscht werden, kurz bevor die Dämmung angebracht wird, können diese weiter nach vorne gesetzt werden, um den Eindruck einer Schießscharte zu verringern. Es gibt auch schon Lösungen mit einer schrägen Laibung, damit mehr Licht in die Fenster kommt. Wo ein Wille ist, findet sich auch ein Weg.

Warum ist bei Wärmedämmung auf einmal die Entsorgung wichtig? Ist das Interesse bei anderen Baustoffen wirklich genauso hoch? Es wäre schön, wenn dem so wäre. Aber ich fürchte das ist genauso vorgeschoben wie die giftigen Bestandteile von Styropor. Denn bei den Möbeln und Bodenbelägen in den Wohnungen interessiert sich scheinbar niemand für die Inhaltsstoffe. Dabei sind wir den Ausdünstungen von Möbeln und Bodenbelägen ständig ausgesetzt, während die außenliegende Wärmedämmung in eine Putzschicht eingepackt wird.

Über die finanziellen Aspekte möchte ich hier nicht diskutieren. Das hat Ronny Meyer, der sich mit Sicherheit besser auskennt als ich, in seinem Kommentar zum Spiegel-Titel schon gut beschrieben. Er ist vor allem auf die gezeigten Kosten-Berechnungen eingegangen, die scheinbar nur das Ziel hatten die Leser zu manipulieren. Denn er stellt fest, dass der Spiegel seine Behauptungen nicht belegen kann und auch noch selbst falsch rechnet.

Meine Anmerkungen zur Debatte um Sanierung und Wärmedämmung

Ein paar Anmerkungen zur Debatte habe ich noch, wobei ich auch die Kritik teilweise aufgreifen muss.

Zuerst das Positive, denn es gibt ja viele Beispiele gut gedämmter Gebäude im Neu- und Altbau in denen sich die Bewohner über ein behagliches Raumklima und niedrige Heizkosten freuen. Da haben die Kritiker keine Antwort und gehen nicht darauf ein. Und es gibt auch zahlreiche Passivhäuser, das KfW-Effizienzhaus und viele weitere solcher Beispiele, die man nicht übergehen kann.

Heute wird jede Sanierung der Energiewende angelastet, egal welchen Stellenwert der Energieverbrauch bei der Sanierung hat. Die Verbesserung des Wohnwertes und weitere Vorteile zählen nicht. Sollte man also lieber gar nicht mehr sanieren? Das kann nicht die Lösung sein, vielmehr sollten Mieter mehr einbezogen werden bei Sanierungen, um sozialverträgliche Lösungen zu finden. Auch dafür gibt es gute Beispiele.

Ich würde auch eine Einführung von Erfolgsmessungen bei Sanierungen begrüssen, damit man weiß ob sich die Maßnahme wirklich gelohnt hat. Allerdings darf das nicht dazu führen, dass die Bewohner die Heizung hoch drehen, um den Planer, bzw. den Energieberater für die höheren Heizkosten zur Verantwortung zu ziehen.

Wichtig wäre auch die Betrachtung des tatsächlichen Energieverbrauchs vor der Sanierung, damit nicht am Bedarf vorbei saniert wird. Der Energieverbrauch in der Praxis sollte mit dem theoretisch ermittelten Wert verglichen werden. Dann muss man prüfen, ob die errechnete Einsparung in der Praxis erreicht werden kann, oder nicht. So müsste man einfacher erkennen, ob eine umfassende Sanierung wirklich die erhoffte Einsparung bringen kann. Anscheinend gibt es diese Überprüfung bisher nicht in allen Fällen in der Praxis.

Was tragen Dämm-Kritiker im Winter?

Eines muss ich die Kritiker der Dämmung mal fragen. Was ziehen sie eigentlich im Winter an? Bekleiden sie sich mit Dämmfolie oder mit einem speichernden Betonblock? Nein, natürlich nicht. Auch sie tragen Pullover und dicke Jacken, aber diese Frage konnte ich mir nicht verkneifen. In dem Fall wird der dämmenden Wirkung der Kleidung vertraut. Muss man nicht weiter kommentieren und wäre auch wieder unsachlich.

Stellungnahme des Fraunhofer-IBP zur Kritik

Bei der Kritik an Wärmedämmung wird oft verweisen auf Studien aus den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts. Das oft angesprochene Fraunhofer-Institut für Bauphysik hat darauf reagiert und alle erwähnten Studien kostenlos zur Verfügung gestellt. Ich zitiere nur kurz aus der Zusammenfassung:

„Zusammenfassend bleibt festzustellen, dass die vielfach aufgestellten Behauptungen und gezogenen Schlussfolgerungen unhaltbar sind. In den in der vorliegenden Einlassung zitierten Publikationen, die von der Öffentlichkeit eingesehen werden können, erfolgte bereits vor mehr als zwei Jahrzehnten eine Richtigstellung. Es ist deshalb verwunderlich, dass derartige Falschaussagen jetzt abermals publiziert worden sind.“

Transparenz-Hinweis

Einen Teil des Textes hatte ich schon in der vergangenen Woche angefangen zu schreiben. Den letzten Anstoß diesen Text weiter zu schreiben und zu veröffentlichen kam durch den Auftrag vom Gesamtverband Dämmstoffindustrie e.V. mit der Bitte dem allgemeinen Trend etwas entgegen zu setzen. Mehr Vorgaben gab es nicht und Einfluss auf den Text wurde auch nicht genommen.

Über Andreas Kühl

Energieblogger aus Leidenschaft mit großem Faible für effiziente Energienutzung im Strom- und Wärmebereich. Diie kostenlos zur Verfügung stehende Energie der Sonne und vom Wind sind für mich faszinierend und Herausforderung zugleich. Sie suchen für Ihre Informationsseiten oder Ihren Blog immer wieder nach neuen, interessanten Inhalten? Oder Sie wollen Ihre Online-Kommunikation analysieren lassen? Informationen zum Leistungsangebot von Andreas Kühl finden Sie unter energynet.de/leistungen.

13 Antworten auf Läuft eine Kampagne gegen Gebäudesanierung mit Ziel der Verunsicherung?

  1. Toller Beitrag, auch wenn ich es immer schwer finde, wenn von „die Medien“ und angeblichen Kampagnen gesprochen wird. Es gibt auch genug Medien, die nicht negativ über die Sanierung schreiben. Die fallen nur nicht auf. Oft sind solche Kampagnen eigentlich nur faules Abschreiben.

    Was aber speziell den SPIEGEL angeht, stimme ich zu 100 % zu. Artikel wie sie dort im Print und online erscheinen ärgern mich maßlos. Und ich erwische mich dank dieses Käseblattes immer öfter dabei, mich dafür zu schämen Journalist zu sein. Das war mal ein Beruf, auf den man stolz sein konnte.

    1. Wenn ich die Medienlandschaft kritisch betrachte, dann ist das Abschreiben aus Zeitmangel und Ressourcenverknappung ein großer Faktor. Einige Artikel sind so falsch und unausgewogen, dass es auch Unkenntnis sein könnte. Manchmal aber, habe ich den Eindruck, dass es mehr als Unkenntnis ist, die zu schlechten Artikeln führt. Die Frage ist, ob man kritisch genug seine ungenannten Quellen hinterfragt. Auch exklusive Informationen führen nicht automatisch zu ausgewogenen Berichten. Leider werfen die schwarzen Schafe zusammen mit den Abschreibern einen weiten Schatten über gute Journalisten.

  2. Zum „Brandverhalten“ von Fassaden habe ich ja schon mal einen sehr realen „Beitrag“ beigesteuert (Rainer klicken) diese „Möglichkeit“ das die gesamte Dämmung in Brand gerät, ist selbst bei Polystyrol klar völlig übertrieben. Ob man diese Dämmung verwendet oder andere Dämmstoffe, hängt davon wohl eher nicht ab.

    In wieweit solare Energiegewinne im Winter (PV oder Solarthermie) für Heizzwecke nutzbar sein mögen, hängt klar vom tatsächlichen Wärmebedarf des betroffen Gebäudes ab. Der Zusammenhang ist völlig klar, wer einen sehr geringen „Restwärmebedarf“ hat, wird in dieser Zeit auch die relativ kleinen Energiegewinne nutzen können. Der Vergleich ist recht simpel – wer ein Fass mit dem Inhalt eines „Teelöffels“ füllen möchte, hat schlechtere Karten, als jener der eben nur ein Tasse „anteilig“ füllen muss. Inwieweit der „Teelöffel“ über weitere technische Methoden (z.B. Wärmpumpe) „vergrößert“ werden kann, bleibt der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung vorbehalten. So ist eine gute Dämmeigenschaft eines Hauses in jedem Fall nachhaltig und ein „bleibender Wert“, der vor allen weiteren Maßnahmen stehen sollte.

    Was die Lage der Fenster angeht – wer da (zuvor !) vernünftig plant, wird neue und besser dämmende Fenster in Kombination zur anschließend vorgenommenen Wärmedämmung einbauen. Wer das „Aufsetzen“ – also nicht das Einsetzen in die vorhandene Fensterlaibung – geschickt durchführt, schlägt gleich „zwei Fliegen mit einer Klappe“.

    Wird das Fenster außen, vor der zu dämmenden Wand eingesetzt, liegt danach die komplette gedämmte Wand später auf der „warmen Seite“. Dadurch fällt die problematische Dämmung der Fensterlaibung (außen) völlig weg. Die neue äußere Laibung besteht bereits ausschließlich aus dem verwendeten Dämmmaterial.

    Da das Fenster so „in der Außendämmung liegt“, ist der beklagte „Schießscharteneffekt“ völlig vermieden. Es bleibt lediglich die Differenz der Dämmmaterialdicke minus der Stärke des Fensterkörpers übrig. Nach außen ist über die Fenster keine Dämmung erkennbar. Innen entstehen breitere Fensterbänke und der geöffnete Fensterflügel ragt geringer in den Raum hinein. Wer die Fenstermaße exakt mit der Laibung abstimmt, kann sich über eine größere resultierende Glasfläche und den damit verbundene günstigeren Lichteinfall freuen.

  3. Hi Andy, es gibt definitiv eine gestiegene Anzahl von Suchanfragen zum Thema Wärmedämmung, seit NAPE. Mich stört noch immer die Reduzierung der Energieeffzienz auf das Dämmen. Warum gibt es keine Artikel über Fenster oder Wärmebrücken? NAPE kann, falls die Länder mitmachen, im kommenden Jahr ebenfalls regenerativer Wärme dienen, wenn die lang geforderte steuerliche Förderung tatsächlich nächstes Jahr kommt. Warum schreibt niemand über Solarthermie, Holzheizsysteme und Wärmepumpen? Wenn man cui bono umdreht, dann müsste man analysieren, wem NAPE schadet. Da wären alle die Gas und Öl verkaufen. Da wären alle die Mindersteuereinnahmen haben. Da sind alle die es bezahlen müssen.
    Das bringt mich aud die Idee, dass wir mal differenzieren sollten, in welchen Situationen freiwillig modernisiert wird und in welchen es einen Zwang gibt. An diesem Zwang können wir Widerstand finden. Wie heißen eigentlich die Vertreter der Immobilienwirtschaft?

    1. Danke dafür, dass hier ein Forum entsteht welches sich fachlich gut mit den Inhalten und zusätzlich noch mit den Hintergründen zum aktuellen „Feldzug gegen Polystyrol“ auseinandersetzt.
      Vorab: Ich bin kein Freund der Dämmstoffindustrie und von Polystyrol aber was vergangene Woche über Spiegel, SZ, SWR1 Radio und SWR-TV zum Thema gesagt wurde, war mit unseriös vielen haltlosen Behauptungen gespickt. Vor allem in Radio und TV gab es eine überaus unangenehme, aggressive Grundhaltung der Moderatoren bei der man sich fragt, woher diese kommt?
      Der einzige inhaltliche Punkt, mit dem es Wert ist sich qualitativ auseinander zu setzten ist der Punkt Algenbildung auf gedämmten Fassaden. Hier scheint es noch keine allgemeingültig gute Lösung zu geben. Der Ansatz hydrophile Dickputze zu verwenden könnte sich zum Standard entwickeln.
      Alle anderen Themen sind es nicht Wert so darüber zu berichten: von HBCD (wird in D. ab 1.1.2015 nicht mehr verkauft) über Recycling (praktikable Methoden sind bekannt werden aber mangels Masse nicht umgesetzt) bis hin zu den dauerbrenner-Bränden (Einzelfälle mit fehlerhafter Konstruktion oder extremen Rahmenbedingungen wie brennende Müllcontainer an der Fassade).
      Auch zum Thema Wirtschaftlichkeit gibt es Aussagen von Experten z.B. des IWU, die keine solch einseitige Berichterstattung begründen. Ein Wirtschaftlichkeitsexperte erklärte kürzlich auf der E2A-Tagung „Ich kann Ihnen alles was sie wünschen berechnen: von rascher Amortisation bis kompletter Unwirtschaftlichkeit über 50 Jahre kann alles – je nach angenommenen Rahmenbedingungen – begründet werden.“

      Es würde mich schon sehr interessieren, wer hinter dieser bewussten Falschmeldungen gegenüber dem Thema Polystyrol und indirekt auch dem Thema der energetischen Sanierung steckt.
      Den Scherbenhaufen bei den Laien in Zukunft wieder zusammen zu kehren, wird jedenfalls eine lange anhaltende, zähe Aufgabe.
      Tipps dazu nehme ich gerne auf!

  4. Es geht nicht um die grundsätzliche Sinnhaftigkeit von Wärmedämmung, sondern um den Einsatz des Dämmstoffes Polystyrol.
    Die Berichterstattung greift Fälle auf, die nicht mehr als Einzelfall verharmlost werden können. Die Vernetzung von Politik und Dämmstoffindustrie ist genauso brisant, wie die bereits vorgekommenen Brände.
    Beim Schimmel haben sogar einige Bundesstaaten der USA Wärmeverbundsysteme mit Polystyrol komplett verboten, weil die Schimmelprobleme nicht mehr beherrschbar waren.
    Wenn der Dämmstoffverband von maximal 25% Brennstoffeinsparung unter optimalen Laborbedingungen spricht, dann liegt die Wahrheit weit darunter. Das bedeutet auch, dass mindestens 75% weiter fossile Brennstoffe bezogen werden müssen, was die Energiewende eher bremst, schon gar wenn Erdöl und Energie für die Herstellung von Polystyrol verbraucht werden. Volkswirtschaftlich ist Polystyrol ein Alptraum.
    Alle diese Gründe führen dazu, dass die Heizungsbetreiber stark verunsichert sind, ob es Probleme mit der Gesundheit, des Brandschutzes und vor allem mit der Rückzahlung des Kredites wegen schlechterer Einsparquoten (im Gegensatz zu Solarthermie oder Wärmepumpen) gibt. Auch das Nichtwissen, ob die Heizungsanlage nicht während der Laufzeit des „Polystyrolkredits“ ausfällt, und damit nochmals fünfstellige Kosten anfallen, wirkt alles andere als positive Richtung für einen Sanierungskredit.
    Würde beispielsweise statt Polystyrol der ökologisch wesentlich bessere, und in Dämmungseigenschaften preisgekrönte Dämmstoff Hanf, diskutiert, wären die Auswirkungen nicht so heftig.
    Die Gegenfrage bleibt erlaubt, warum die längst etablierten Heizungen auf Basis der regenerativen Energien totgeschwiegen werden, muss ebenso diskutiert werden. Denn wenn man statt maximal 25% fossile Brennstoffe mit Solarthermie /Wärmepumpen oder andere, wirtschaftlich hoch effiziente physikalische Wärmeerzeuger einsetzt, wird nicht nur Heizenergie eingespart (teilweise 100%), sondern GLEICHZEITIG auch noch Hausstrom, beispielsweise durch Photovoltaik, fällt jede Wirtschaftlichkeitsberechnung zugunsten der regenerativen Energien aus. Eine Dämmung gleich welcher Art und an welchem Gebäudeteil spart eben keinen Strom ein.
    Mit technischen Anlagen die Sanierung vorzunehmen hat auch noch den Vorteil in 20 Jahren und länger einen materiellen Gegenwert auf dem Dach und als Anlagetechnik zu besitzen. Es macht schon einen Unterschied, ob ich nach 20 Jahren Teile meiner Energie selbst erzeugen kann, anstatt teure Energie (Strom und Öl/Gas) von Fremdenergieunternehmen zu beziehen.
    Grundsätzlich muss auch erwähnt werden, dass jedes Haus energetisch gesehen ein Unikat ist und bei 1-2 Fam. Häuser die Heizungen überwiegend älter als 20 Jahre sind, was ein hohes Ausfallrisiko in naher Zukunft in sich birgt. Das bedeutet:
    a) eine über alle Gewerke umfassende Energieberatung (möglichst unabhängig, neutral und fachkompetent) muss den Bestand vor Ort aufnehmen (vielleicht gibt es ja schon ausreichend Dämmung?), alle Einsparmöglichkeiten vorstellen und durchrechnen und mit dem Heizungsbetreiber eine Sanierungsentscheidung treffen!
    b) Wenn eine Dämmung notwendig wird, auf die Diskussion hinweisen und Dämmungsalternativen, darunter fallen auch Teildämmungen, vorstellen
    c) Wirtschaftlichkeitsberechnungen und Einsparquoten von allen Einsparmöglichkeiten anhand vorhandener und im Markt verbauter Technik mit realen Einsparquoten vorstellen (machen zum Beispiel die gemeinnützigen Energiecheckberater der Deutschen Bundesstiftung Umwelt)
    d) wenn eine Investition in energetische Sanierung ansteht muss man zusammen mit dem Heizungsbetreiber alle technischen und wirtschaftlichen Alternativen prüfen. Die Finanzierung ist heute über besondere Finanzierungsformen, die es vor kurzem noch gar nicht gab, kein Problem mehr.
    Zuletzt: wir müssen besonders Erdöl einsparen. Wenn wir die Einsparungen damit kompensieren, dass wir auf Erdölbasis hergestellte Polystyrolplatten an die Wände kleben (von der giftigen Anti-Moos-Farbe auf der letzten Schicht ganz abgesehen), dann schaden wir in der Summe der Umwelt mehr, als wenn wir beispielsweise Strohballendämmung anbringen und ungiftige Farbe, die aber kein Erdöl für die Produktion von Polystyrol verbrauchen.

    Anmerkung: Leider werde ich oft angegriffen, mit dem falschen Vorwurf, ich wäre einseitig und nicht diskussionfähig. Dann wurden Beispiele genannt, die belegen, dass meine Artikel gar nicht gelesen wurde, weil ich genau die Argumente im Artikel stehen hatte.

    Deshalb würde mich eine Diskussion sehr freuen, vor allem, ob wir nicht endlich von dem strittigen Dämmstoff Polystyrol loskommen. Er ist mit verantwortlich, dass die Sanierungsquote sinkt, und CO2 nicht in dem Maße sinkt, wie die Ziele der Bundesregierung es vorgeben.

    Energieberater und Handwerker leiden an Auftragsmangel und die Heizungsbetreiber gehen ein hohes finanzielles Risiko mit der Verschiebung einer Sanierungsentscheidung ein.

    Vorschlag: Diskutieren wir doch einmal den Dämmstoff Hanf in den verschiedenen Gewerken eines Hauses? Warum eigentlich nicht? Dämmung ist doch auch ein wichtiger Teil des Gesamtpaketes: energetische Sanierung eines Hauses.

    Können wir uns auch verständigen, dass mit Gebäudedämmung nicht nur die Außenwand gemeint ist? Mich würde beispielsweise interessieren, welches Dämm-Material bei Rollladenkästen geeignet ist und wieviel Ersparnis das bringt?

    In der Hoffnung, dass dieser Artikel gelesen wird.

    Viele energiereiche Grüße und die Hoffnung eine Trendwende in der Energiewende beim Heizen , ohne erhitzte Diskussion und mit einer geschlossenen Positionzu erreichen.

    1. Hallo Herr Eiselt,

      wenn ich ihre Zeilen lese, dann denke ich, dass die eine Chance gegen die andere ausgespielt wird. Effizienz bedeutet: Strom und Wärme sparen und nicht Strom statt Wärme zu sparen. Wenn Dämmung weniger Heizenergie verursacht ist das gut. Dann aber darf man über alle Dämmstoffe sprechen und nicht nur über Hanf statt Polystorol. Es gibt verschiedene Dimensionen die man abwägen sollte. Auch die Kosten und die Risiken. Ausgewogen wäre es für mich, wenn man die Optionen in der Betrachtung erweitert und nicht austauscht, um zu einem anderen einseitigen Ergebnis zu kommen. Auftragsmangel ist unangenehm. Wenn beispielsweise ein Auftragsmangel bei der Installation von Brennwerttechnik eintritt, dann finde ich es prima, wenn dies zugunsten erneuerbarer Heizquellen geschieht (inklusive PV). Ja, es gibt immer Gewinner und Verlierer. Ich fände es gut, wenn all diejenigen gewinnen, durch die ein ökologisch optimierter Klimaschutz gelingt. Bei den Dämmstoffen finde ich die ökologisch unproblematischen besser. Was aber, wenn jemand weniger Geld hat? Soll dann besser die Emissionsbilanz schlecht bleiben, um die Recyclingthematik zu vermeiden? Die Entscheidung liegt beim Kunden und nicht bei Leuten die fachliche Diskussionen führen. Wir können nur ausgewogene Informationen als Entscheidungsgrundlage liefern. Berater können auch ihre eigene Tendenz bringen. Wem die Kunden dann vertrauen hängt von Kunden und Beratern ab. Mein Ziel ist weniger Energie“verbrauch“ und diese Reste aus erneuerbaren Quellen zu speisen.

  5. Hallo Herr Hettler,
    die Häufung der Artikel ist auffällig. Allerdings finde ich es wichtig, dass über all diese Themen diskutiert und berichtet wird. Nur erwarte ich dabei eine Ausgewogenheit und die ist tendenziös nicht gegeben. Zu diesem Scherbenhaufen werde ich warscheinlich auch bald wieder etwas publizieren. Mich bewegt dazu die Idee, wie es gemacht wird, wenn es anstelle eines Zufalles ein gelungenes Agenda Setting sein sollte. Welche Komponenten und Impulse lösen Schlamschlachten aus? Das ist ein spannendes Thema von dem die tatsächlichen Befürworter der Energiewende von etwaigen tatkräftigen Gegnern viel lernen können.

  6. Herr Rüfer:
    ich hatte Hanf als Beispiel aufgeführt, weil diese bereits Preise gewonnen haben. Natürlich sind Strohballen und andere mineralische Materialien, eingeblasene Papierteilchen, Lehm, und vieles mehr selbstverständlich auch zu prüfen, an welchem Bauteil des Gebäudes die Materialien (fast alle mit U-Werten wie Styropor) eingesetzt werden.

    Die Frage mit dem Geld:
    wenn die Heizungsanlage von heute auf morgen ihren Dienst verweigert muss der Betreiber ob er will oder nicht schnell Ersatz finden. In der regel legt er bei Notkäufen drauf. Deshalb ist es so wichtig, umfangreiche und neutrale Informationen über alle technischen Maßnahmen zu diskutieren und nicht über einen bestimmten Dämmstoff an einem einzigen Gebäudeteil.
    In den beschriebenen Hemmnisse ist eines der am meisten genannten diese, dass die Investoren Angst haben, dass die Einsparquoten nicht erreicht werden.
    Wer kein Geld hat sollte erst Recht alle potentiellen Maßnahmen überprüfen. Denn es ist entscheidend, ob ich beispeilsweise bei 2000 Euro Heizkosten im Jahr (1000 Euro Strom) 25% Einsparung für fossile Brennstoffe durch Auß0enwanddämmung erhalte = 500 Euro oder mit fast der gleichen Investitionssummer 100% fossile Brennstoffe = 2000 Euro plus 60% (mindestens) = 600 Euro einspare, wenn ich Solarthermie mit Photovoltaik installiere oder Wärmepumpen. Dann stehen plätzlich mehr als 2200 Euro zur Verfügung (es gibt noch einen Reststrom für den Winterbetrieb, der dazugerechnet werden muß). Mit dem materiellen Gegenwert der technik finanzieren beispielsweise Bausparkasse solche Maßnahmen und es bleibt sogar noch Kaufkraft für den Heizungsbetreiber übrig.
    Natürlich wird fossiler Brennstoff komplett, und Strom mindestens zu 50% eingespart.
    Wer möchte – das lässt sich natürlich nachrechnen und Energiewendeunternehmen aus meinem Netzwerk zeigen Referenzanlagen.

    Wer sich neutral und unvoreigenommen mit dem Thema beschäftigt wird feststellen, dass es keinen anderen Weg für die Energiewende beim Heizen gibt, als über das eingesparte Geld – für eine nennenswerten Steigerung der Sanierungsquote im Bestand.

  7. Hallo Andreas,
    vielen Dank für deinen interessanten Beitrag. Wir von Next Kraftwerke stimmen dir hinsichtlich einer greifbaren Skepsis gegenüber der Energiewende zu. Diese wirkt oftmals polemisch oder wird durch Meinungen, die sich beispielsweise in Foren oder in Kommentaren widerspiegeln, geschürt. So ist etwa die Angst vor einem (flächendeckenden) Stromausfall in Deutschland weitestgehend unbegründet, da diesem auf dem Strommarkt verschiedene Regulative vorbeugen – unabhängig davon, ob es sich nun um konventionelle oder aber Erneuerbare Energien handelt. Seitens der Netzbetreiber gilt der kontrollierte Brownout als letzte Möglichkeit, um einen Blackout zu verhindern ( https://www.next-kraftwerke.de/wissen/regelenergie/brownout ). Der sogenannte SAIDI-Index gibt die jährliche Stromversorgungsunterbrechung an. Deutschland rangiert dabei europaweit übrigens auf den vordersten Plätzen.

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