Tausendundein Solardach für Österreich

Dach mit Photovoltaik-Anlage, Foto: Andreas Kühl
Dach mit Photovoltaik-Anlage, Foto: Andreas Kühl

Im ersten Teil des Interviews mit Energiebloggerin Cornelia Daniel-Gruber ging es um ihren Gestehungskostenrechner. Mit Hilfe dieses Rechners können die Stromkosten je kWh für Strom aus beispielsweise Solarstromanlagen errechnet werden. Diese Transparenz ist sehr wichtig für den Eigenverbrauch von Strom aus der Photovoltaik-Anlage.

Damit komme ich auch zum zweiten Teil des sehr ausführlichen Interviews mit ihr. Denn mit dem Rechner endet ihre Vision nicht, sie möchte den Unternehmen in Österreich zeigen wie attraktiv die eigene Stromerzeugung auf dem Dach ist und mit Hilfe eines Partners auch umsetzen.

Tausendundein Dach – Einkaufsgemeinschaft für günstigeren Strom

energynet.de: Den nächsten Schritt möchtest Du mit einem weiteren, wie ich finde, sehr spannenden Projekt gehen. Du planst gemeinsam mit einem Anlagenbauer ein Paket für Unternehmen in Österreich zu schnüren, das Eigenverbrauchsanlagen für Unternehmen ohne jede Förderung attraktiv machen soll. Was verbirgt sich hinter diesem Projekt 1001Dach?

Cornelia Daniel-Gruber: Ja, Tausendundein Dach ist wohl das wichtigste Projekt in der Dachgold Unternehmensgeschichte. Wie ein Geier habe ich die Gestehungskosten über die Jahre beobachtet und als dann letztes Jahr die Netzparität erreicht war, aber niemand davon Notiz nahm, hab ich mit 10hoch4 einem der größten Anlagenbauer Österreichs, begonnen darüber nachzudenken wie man das ändern könnte.

Im Laufe des letzten Jahren haben wir Ideen entwickelt wie der Bewusstseinswandel in der österreichischen Unternehmerlandschaft herbeigeführt werden soll. Die Unternehmen wissen noch gar nicht in welcher privilegierten Lage sie sich befinden. In den Medien hören sie ja nur wie teuer die Photovoltaik ist und, dass sich das eh alles nicht rechnet.

Wir sind angetreten um die Faktenlage ins rechte Licht zu rücken und den Unternehmen zu erklären wie sie mit hohem Eigenverbrauch Anlagen auch ohne Förderungen betreiben können. Daraus entwickelte sich nach vielen Ideenrunden Tausenundein Dach – die größte Einkaufsgemeinschaft für Unternehmen, weil vor allem Eigenverbrauchsanlagen meist deutlich kleiner ausfallen. Damit die Unternehmen aber trotzdem zu Großanlagenpreisen einkaufen und sich so auch eine gewisse Dynamik entwickelt, weil ein Unternehmer dann wieder weitere Unternehmer empfiehlt, ist diese Aktion eben neben der Einkaufsbewegung vor allem der Grundstein für eine ganz große Bewegung. Wir stehen aber erst am Beginn dieser.

Unternehmen mit Interesse an solarem Eigenstrom in Österreich gesucht

energynet.de: Gibt es schon Reaktionen von interessierten Unternehmen?

Cornelia Daniel-Gruber: Ja, es ist echt genial. Wir haben auf der Webseite die Anmeldung zum Quick Check freigegeben wo wir prüfen ob das Unternehmen in Frage kommt und haben schon erste Anmeldungen und bereits Besichtungstermine.

Wir suchen ja eine sehr schwer zu erreichende und nicht so großes aber dafür ganz klar definiertes Kundensegment:

  • Über 100.000 kWh Verbrauch
  • Über 12ct/kWh Nettostrompreis
  • Stromverbrauch vorwiegend untertags

Ich habe herausgefunden, dass es über 200.000 Gewerbedächer und über 70.000 Industriedächer in Österreich gibt. Die 1001 Dächer sind also ambitioniert aber nicht gänzlich unmöglich. Also, alle die oben genannte Voraussetzungen erfüllen und aus Österreich sind, bitte hier melden. Unternehmen die jenseits der 16ct/kWh zahlen sollten sich melden, egal wie hoch ihr Stromverbrauch ist, da macht es in jedem Fall Sinn.

Zeit für Photovoltaik ohne Förderung ist gekommen

Screenshot von tausendundeindach.at
Screenshot von tausendundeindach.at

energynet.de: Ist es jetzt Zeit für Photovoltaik ohne Förderung oder ist es schon zu früh, abgesehen von der Besteuerung des Eigenverbrauchs?

Cornelia Daniel-Gruber: Ich finde die Zeit für Eigenverbrauchsanlagen ist absolut gekommen. Das sieht man ja leider an dieser aberwitzigen Abgabe. Die Angst in Regierungen und Energieversorgern ist groß. Das Machtinstrument Energie ist nicht länger ausschließlich von Großen kontrolliert. Dabei ist auch diese Angst völlig unbegründet. Eigenverbrauchsanlagen können niemals den gesamten Energieverbrauch abdecken. Meist nur 20-30 %. Auch bei vielen Effizienzmaßnahmen werden ähnliche Werte erreicht. Ob diese auch bald besteuert werden hast du ja schon eindrücklich in den Raum gestellt und es wurde auch von anderen Energiebloggern schon deutlich gemacht, warum die eingebrachten Argumente dafür einfach nur ein Feigenblatt für die dahinterliegenden Absichten sind.

Steuer auf selbst verbrauchten Strom auch in Österreich

energynet.de: Kommt die Besteuerung des Eigenverbrauchs in Österreich oder konnte dieser Unsinn abgewendet werden?

Cornelia Daniel-Gruber: Sie ist leider für Anlagen, die mehr als 25.000 kWh Eigenverbrauch pro Jahr haben, traurige Gewissheit (1,5 ct/kWh) und ich kann nicht in Worte fassen wie unsagbar ignorant und kurzsichtig diese Entscheidung ist.

Unsere Regierung versteckt sich leider hinter dem Argument, dass es diese Abgabe schon seit 1996 gibt und nur bisher nicht exekutiert wurde. Es ärgert mich vor allem deshalb weil die Lippenbekenntnisse „Österreich sei ja ein ach so grünes Land und Photovoltaik wäre allen ach so wichtig“, eben genau das bleiben: Lippenbekenntnisse.

Wenn es den Politikern nämlich Ernst wäre mit den neuen Energien, würden sie Eigenverbrauchsanlagen nicht besteuern sondern Regelungen erlassen, die den Eigenverbrauch in Unternehmen fördern und nicht behindern, wie das in der Schweiz und Belgien der Fall ist. Ich bin mir aber sicher, dass auch hier das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Sobald die Regierung Ernst macht mit einer ökologischen Steuerreform, die längst überfällig und meiner Meinung nach der letzte Rettungsanker für die verkommene große Koalition ist, wird diese eine der ersten Verordnungen sein, die fällt.

Ich wünsche Cornelia mit diesem Projekt viel Erfolg, damit es die Photovoltaik und damit auch die Energiewende weiter voran bringt. Vielleicht wird damit auch mal Österreich zum Vorbild für Deutschland.

Über Andreas Kühl

Energieblogger aus Leidenschaft mit großem Faible für effiziente Energienutzung im Strom- und Wärmebereich. Diie kostenlos zur Verfügung stehende Energie der Sonne und vom Wind sind für mich faszinierend und Herausforderung zugleich. Sie suchen für Ihre Informationsseiten oder Ihren Blog immer wieder nach neuen, interessanten Inhalten? Oder Sie wollen Ihre Online-Kommunikation analysieren lassen? Informationen zum Leistungsangebot von Andreas Kühl finden Sie unter energynet.de/leistungen.

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