Zweitnutzung für Smartphones sollte für mehr Ressourceneffizienz zum Trend werden

Aus der Artikelserie zur IFA 2012:

Smartphones für mehr Ressourceneffizienz länger oder mehrfach nutzen, Bild: pixabay.de

Smartphones für mehr Ressourceneffizienz länger oder mehrfach nutzen, Bild: pixabay.de

Ob Energiebedarf oder Treibhausgasemissionen, die Herstellung von Smartphones verursacht mit 60 Prozent die größten Umweltauswirkungen auf ihrem Lebensweg. Wer Smartphones länger nutzt, vermindert deshalb schädliche Folgen für Umwelt und Klima. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Öko-Instituts. Die Autoren empfehlen gleichzeitig, die Geräte nach einer möglichst langen eigenen Nutzung der Zweitnutzung bzw. dem Recycling zur Verfügung zu stellen.

Herausforderung: Ressourcenschonung statt Effizienzgewinne

Smartphones sind bereits heute sehr effizient und benötigen selbst bei intensiver Nutzung nur circa sechs Kilowattstunden Strom pro Jahr. Der Grund: Nutzerinnen und Nutzer erwarten lange Akkulaufzeiten ihrer Geräte. Die Hersteller haben deshalb die meisten Effizienzpotenziale trotz der Vielzahl von Funktionalitäten so gut wie ausgeschöpft.

Hingegen enthalten Smartphones eine ganze Reihe seltener Rohstoffe. Darunter das knappe Kobalt, von dem die Akkus der mobilen Geräte einige Gramm enthalten. Kobalt wird heute zum großen Teil in der Demokratischen Republik Kongo unter gefährlichen Bedingungen, ohne ausreichenden Arbeitsschutz und zum Teil von Kindern abgebaut. Aber auch wertvolle Edelmetalle wie Silber, Gold oder Palladium gehören zu den Rohstoffen, die im Smartphone enthalten sind und nach der Nutzung zurückgewonnen werden müssen.

Akkus sachgerecht entsorgen

Einige dieser Metalle können mit bestehenden Technologien und unter Einhaltung europäischer Umweltgesetzte und Emissionsgrenzwerte zum großen Teil recycelt werden. So können die seltenen Metalle erneut genutzt und Schadstoffe den Abfallströmen entzogen werden. Voraussetzung für das Recycling: Handynutzer müssen ihre Altgeräte an den dafür vorgesehenen Sammelstellen abgeben. Hier gibt es Nachholbedarf: „Der Großteil der Handys und Smartphones landen heute nicht im Wertstoffhof, sondern in Schubladen oder sogar im Hausmüll“, kritisiert Andreas Manhart, Experte für nachhaltige Ressourcenwirtschaft und Elektronikprodukte am Öko-Institut.

Mindestens genauso wichtig, so das Öko-Institut, sei aber auch die Konstruktion der Geräte selbst. „Gerade die Akkus sind für das Recycling besonders wichtig, denn sie enthalten das kritische Kobalt. Aber häufig sind diese so fest im Gehäuse verbaut, dass sie sich nicht effizient entnehmen lassen“, erklärt Andreas Manhart. „Dies ist aber unbedingt notwendig, um sie dem Recycling und damit der Verwertung der enthaltenen Ressourcen zuführen zu können.“ Verbraucherinnen und Verbraucher, die bei der Anschaffung darauf achten, dass die Akkuzellen einfach herausnehmbar sind, leisten selbst einen kleinen Beitrag zum Ressourcenschutz.

Bei der Weitergabe an Bekannte für die Zweitnutzung oder an eine Sammelstelle, sollte man darauf achten, alle persönlichen Daten zu löschen. Bei einigen Modellen kann die Speicherkarte manuell entnommen werden, bei anderen gibt es dafür spezielle Programme. Dabei sollte man darauf achten, dass diese die Daten nicht nur löschen, sondern auch gleich wieder nach zufälligem Muster überschreiben.

Standardisierte Ladeschnittstellen reduzieren Umweltbelastungen

Weiteres Kriterium für eine geringe Umweltbelastung durch Smartphones ist die standardisierte Ladeschnittstelle. Die Hersteller haben sich bereits im Jahr 2009 gegenüber der Europäischen Kommission dazu verpflichtet, ein einheitliches Ladegerät einzuführen. Damit würden diese nicht mehr zusammen mit jedem Mobiltelefon verkauft, vielmehr könnten qualitativ hochwertige Universalladegeräte für alle gängigen Modelle verwendet werden. Haushalte kämen in Zukunft mit einem Ladegerät für alle Mobiltelefone und Smartphones aus.

„Leider ist dies noch immer Zukunftsmusik“, bedauert Andreas Manhart. „Aus ökologischer Sicht wäre das jedoch ein echter Durchbruch, da auch bei der Produktion der Lagegeräte mit rund 57 Prozent die meiste Energie benötigt wird. Zudem wäre es sehr praktisch, wenn man sich einfach ein Ladegerät von einem anderen Nutzer leihen könnte.“

Elektromagnetische Strahlung

Der Gesetzgeber sieht für die elektromagnetische Strahlung von Mobiltelefonen eine maximale Obergrenze des so genannten SAR-Wertes von 2W/kg vor. Die Absorption hochfrequenter elektromagnetischer Felder wird dabei durch die so genannte spezifische Absorptionsrate (SAR), einem Maß für den auf die Gewebemasse bezogenen Leistungsumsatz (W/kg), bemessen. Wissenschaftlich sind die Auswirkungen der elektromagnetischen Strahlung weiter umstritten; die Hersteller sind jedoch schon heute verpflichtet, den SAR-Wert in den Produktunterlagen anzugeben. Wer im Sinne des Vorsorgeprinzips eventuelle Risiken vermeiden will, sollte beim Kauf auf einen geringen Wert achten.

Die Studie „PROSA – Smartphones“ entstand im Rahmen des Projekts „Top 100 – Umweltzeichen für klimarelevante Produkte“ und definiert die Kriterien für die ökologische Optimierung von Smartphones und Kosteneinsparungen für Verbraucherinnen und Verbraucher.

Studie: „PROSA – Smartphones“ des Öko-Instituts zur Entwicklung der Vergabekriterien für ein klimaschutzbezogenes Umweltzeichen

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Energieblogger aus Leidenschaft mit großem Faible vor allem für effiziente Energienutzung im Strom- und Wärmebereich. Aber auch die kostenlose Energie, die uns die Natur zur Verfügung stellt ist faszinierend und Herausforderung zugleich.

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2 Antworten zu Zweitnutzung für Smartphones sollte für mehr Ressourceneffizienz zum Trend werden

  1. Hans Schmid schrieb:

    Durch den Fortschritt in der embedded technology werden zukünftig alle möglichen elektronischen Geräte mit chips (rfid etc.) ausgestattet werden, angefangen vom Kühlschrank im ip Adresse bis hin (theoretisch zum letzten Sandkorn)

    Nach Schätzungen dürfter sich der Energieverbrauch im IT Bereich auf 20% des Weltenergieverbrauchs erhöhen.

    Vielen von uns ist diese Dimension noch nich klar geworden.

    Der Maisanbau in Deutschland nimmt derzeit wohl schon zwischen 20 und 30 % der Ackerflächen ein .

    Ist natürlich alles Öko weil Biogas :-)

    Das wir unsere Böden ruinieren, Verringerung des Humusboden, Pestizide und Dünger in die Flüsse geschwemmt werden…

    Aber alles Öko weil Biogas.

    Wenn wir es nicht schaffen z.B. am kleinen Beispiel der smartphones eine Nachhaltigkeit im wahrsten Sinne des Wortes durchzusetzen, z.B. eine tatsächliche Lebensdauernutzung von > 5 Jahren dann brauchen wir uns letztlich nicht weiter darum zu kümmern ob es nun multivariable Ladegeräte, etwas weniger Kobalt etc. gibt.

    Weil die erreichte Energieeffizienz wird immer wieder von neuen Modellen absorbiert.

    Was nötig ist, ist in meinen Augen und auch in den Augen meiner Berufskollegen ein ganzheitlicher Ansatz in Bezug, wie wollen wir mit der Energie zukünftig umgehen.

    Ansätze wie die 2000 Watt Gesellschaft existieren bereits.

    Allerdings stoßen diese Innovationen auf den Widerstand unserer Energiealphabeten.

    Wenn ich hier so echauffiert schreibe liegt es nicht nur an der Hitzewelle in Deutschland, sondern auch daran, dass ich heute in einem workshop zum Thema Energiewende wieder zum 100sten Mal die Lippenbekenntnisse von wegen wir sind ja bereits so nachhaltig gehört habe.

    Und wenn ich z.B. dann frage, wie oft diese nachhaltige Person, den Elektrozähler abliest, und ich dann höre vielleicht einmal im Jahr, dann frage ich mich schon was dieser ganze Rummel um Öko eigentlich sein soll.

    • Andy schrieb:

      Ich kann sehr vieles nachvollziehen, der bewußte Umgang mit Energie wäre der größte Schritt für eine Energiewende. Den meisten Menschen ist heute nicht bewusst wie viel Energie sie verbrauchen und wofür. Dann kann man den nächsten Schritt gehen und sehen, wo man seinen Verbrauch reduzieren kann.

      Der Artikel zeigt aber auch, dass es nicht nur um den Energieverbrauch geht sondern um Ressourcen für die Industrie allgemein.

      Nur den Exkurs zur Bioenergie habe ich nicht verstanden, da bin ich der Analphabet auf diesem Gebiet.

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