Stürmische Zeiten in der Solarindustrie vor dem nächsten Hoch II

Teil 1 zur Solarstudie 2008 der Bank Sarasin ist bereits erschienen, hier ist Teil 2 des Berichtes zur Solarstudie.

Italien und Tschechische Republik als attraktive neue Märkte
Damit sich das Wachstum der PV-Industrie auf hohem Niveau fortsetzen kann, sind künftig Märkte ausserhalb von Deutschland, Japan, den USA und Spanien, welche bis anhin dominierten, erforderlich. Der Brennpunkt des Marktes für PV-Grossanlagen wird sich 2009 von Spanien und Deutschland in Richtung Italien und Tschechische Republik verlagern. Zudem könnten auch Griechenland und Frankreich zu neuen spannenden Märkten heranwachsen. Dies stützt den Solarmarkt grundsätzlich breiter ab und ist für das weitere Wachstum der Branche unerlässlich.

Marktsituation drückt Aussichten für 2009
Aufgrund der Kreditkrise, der Anzeichen einer Abschwächung des realen Wirtschaftswachstums sowie der veränderten Rahmenbedingungen für die PV-Industrie erwartet die Bank Sarasin für 2009 nur eine installierte PV-Leistung von 4,8 GW bzw. eine Zuwachsrate von 17%. Ab 2010 ist jedoch wieder mit einer Beschleunigung des Marktes zu rechnen, so dass von 2007 bis 2012 ein durchschnittliches jährliches Wachstum von 48% erreicht wird. Europa wächst in dieser Periode zurückhaltender, um nur 34% pro Jahr. Bis 2020 prognostiziert die Bank einen Anstieg des globalen Marktvolumens auf 125 GW neu installierte PV-Anlagen. Dies entspricht einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von 2012 bis 2020 von 28%.

Stromversorger als wichtiger Treiber für Solar-Grossanlagen
Als eine kostengünstige Technologie zur zentralen Stromerzeugung haben sich solarthermische Kraftwerke (CSPAnlagen) etabliert. Ihnen erwächst jedoch zunehmend Konkurrenz durch PV-Grossanlagen. Für beide Technologien gibt es allerdings unterschiedliche Anwendungsbereiche. Für 2012 geht die Sarasin-Studie von einer kumulierten CSP-Kraftwerksleistung von 5,5 GW aus. Dies entspricht einer durchschnittlichen Wachstumsrate von 44% pro Jahr. Im Zuge der Kreditkrise wird die Finanzierung solcher Solarkraftwerke zu einem entscheidenden Faktor. Hier treten in Zukunft vermehrt Stromversorgungsunternehmen im Markt auf. Sie können von einem verstärkten Trend zu Investitionen im Infrastruktursektor profitieren und mit ihrer Grösse und Bonität eine günstigere Finanzierung erhalten.

Solarwärme – wenig Profit aus Klimadiskussion
Solarkollektoren, die weltweit am meisten Energie aller Solartechnologien erzeugen, zeigten im 2007 ein Wachstum von 16%. Bis 2020 nimmt Sarasin ein durchschnittliches Wachstum von 20-25% an. Während der chinesische Solarkollektorenmarkt ungehindert und ohne staatliche Unterstützung wächst, erlebt Europa starke Schwankungen. Hier sank die neu installierte Solarkollektorenleistung 2007 um 9%. Trotz der Diskussion betreffend Klimawandel und den hohen Energiekosten hat sich das Marktwachstum nicht beschleunigt.

Solarunternehmen – Wachstumskraft und geringe Verschuldung wichtig
In diesen turbulenten Zeiten ist für die Solarunternehmen eine solide Finanzierung entscheidend. Q-Cells, REC und First Solar liegen in der Sarasin Unternehmensbeurteilung ganz vorne. Hingegen weisen viele chinesische Unternehmen eine überdurchschnittlich hohe Verschuldung auf. Im Allgemeinen steigt jedoch das Interesse der konventionellen Industrie an den Solarunternehmen, wie die jüngste Übernahme von Ersol durch Bosch widerspiegelt.

Dünnschicht Photovoltaik – ein künftiger Wachstumstreiber
2007 wurden Dünnschichtmodule mit rund 460 MW Leistung hergestellt. Dies sind über 12% der gesamten Produktion von PV-Modulen. Rund 60% der Dünnschichtproduzenten verfolgen die amorphe/mikromorphe (a-Si/μc-Si)-Technologie, 30% die Kupfer-Indium-(Gallium)-Diselenid (CIS, bzw. CIGS)- und 10% die Cadmiumtellurid (CdTe)-Technologie. Die Ausbaupläne für Dünnschicht-Technologien sind beeindruckend. Sarasin erwartet eine Expansion der Produktion auf rund 1 GW in 2008 und 5,6 GW in 2012. Dies entspricht einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 65%. Die a-Si/μc-Si-Technologie wird dabei 2010 rund die Hälfte der Produktion von insgesamt 4 GW ausmachen. Einige Unternehmen könnten bis dann den Anschluss an den momentanen Marktführer First-Solar schaffen.

Sarasin-Langfristprognose für den weltweiten PV-Markt (jährlicher Zubau in GW)
Nach einem schwierigen Jahr 2009 wird die Solarindustrie gestärkt aus dem heiklen Umfeld hervorgehen. Können die Kosten auch tatsächlich um über 10% pro Jahr gesenkt werden, ist das aufgezeigte Wachstums-Szenario möglich. Das Erreichen der Netzparität in ersten wichtigen Märkten wie Italien, Kalifornien und Japan ab 2010 wird die PV-Industrie enorm stärken.

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Energieblogger aus Leidenschaft mit großem Faible vor allem für effiziente Energienutzung im Strom- und Wärmebereich. Aber auch die kostenlose Energie, die uns die Natur zur Verfügung stellt ist faszinierend und Herausforderung zugleich.

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4 Antworten zu Stürmische Zeiten in der Solarindustrie vor dem nächsten Hoch II

  1. Thomas Schulze schrieb:

    Super,
    herzlichen Dank, nehmen wir in die Asset Allocation mit
    auf bei – http://www.cleantech-europe.com
    Gruss TS

  2. Simone Uhl schrieb:

    Ja schade, dass der Markt aktuell eine Delle hat. Aber der PV Markt kommt wieder dessen bin ich sicher!

  3. Susanne schrieb:

    Nachdem nun einige Firmen Insolvenz angemeldet haben hat es IMHO wieder Platz zum wachsen, aber nur für Firmen, die auf Effizienz setzen!

  4. Roman schrieb:

    Ich bin ja mal gespannt, wie Solarworld die Kurve bekommen will. Die Zahlen in 2012 sehen nicht wirklich gut aus!

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